Der im Englischen zur Bezeichnung einer umgeknickten Seitenecke, die als Lesezeichen dient, gebräuchliche Ausdruck dog-ear (Hundeohr) taucht das erste Mal 1737 in England auf, in einem Gedicht von Thomas Tickell. Samuel Johnson hielt den Staatsbeamten und Poeten für genügend respektabel, um ihn in sein Werk Lives of the Most Eminent English Poets (Die wichtigsten zeitgenössischen Dichter Englands) aufzunehmen, doch heute ist Tickell weitestgehend vergessen.
Mit seinem Gedicht »Poem in Praise of the Horn-Book« sang er das Loblied auf eine Art Fibel, mit deren Hilfe Kinder anhand von Bibelgeschichten, die vom 15. bis ins 19. Jahrhundert am weitesten verbreitet waren, das Alphabet lernen sollten. In der folgenden Passage, die hier in einer freien Übersetzung auf Deutsch wiedergegeben ist, findet sich auch der erste schriftliche Hinweis auf die Gewohnheit, Seitenecken als behelfsmäßige Lesezeichen umzuknicken:
Wie aber soll ich preisen deine endlos’ Tugend
In der du alle ander’n Bücher übertriffst?
Kein fett’ger Daumen fleckt die makellosen Blätter,
Noch Eselsohr knickt glatter Ecken Zier;
Auf edlen Seiten keine Fehler sind zu finden
Die Schnitzer von des Druckers Hand verkünden;
Noch überschwänglich’ Widmung hier zu lesen steht
Zu loben Autors Scharfsinn, Witz, Esprit.
Am Seitenrand kein lästiges Gekritzel
Noch Interpretationen, die nur verwirr’n den Text;
Ein jeder sieht der wörtlichen Bedeutung strahlend’ Glanz,
Du Mittelpunkt perfekter Bibelkonkordanz!
(dt. von Katrin Harlaß)