Das »Bücherregal des Volkes« in Lettland

Das Atrium der am Westufer der Daugava gelegenen Lettischen Nationalbibliothek in Riga wird dominiert von einem turmhohen »Bücherregal des Volkes«, das sich über fünf Etagen erstreckt. Es wurde gerade rechtzeitig zum 100. Jahrestag der Staatsgründung fertig und ist voller Bücher, die die Einwohner des Landes gestiftet haben. Auch jedes Regierungsmitglied spendete ein Buch, das ihm oder ihr persönlich etwas bedeutete. Auch Politiker anderer Länder auf Staatsbesuch und ausländische Würdenträger wurden und werden um Spenden gebeten: Prinz Edward brachte eine Geschichte von Schloss Windsor mit, Papst Franziskus eine vierbändige Ausgabe der christlichen Evangelien. Die Bibliothek selbst wurde 2017 fertiggestellt und kostete rund 176 Mio. Euro. Von der Form her erinnert sie an das Matterhorn, nur etwas geduckt und mit Fenstern, und auf der Spitze trägt sie eine Krone. Entworfen vom Architekten Gunnar Birkerts, nimmt das Gebäude Bezug auf das alte lettische Volksmärchen »Das goldene Ross«. Die Geschichte von Befreiung und Erwachen, in der eine Prinzessin aus ewigem Schlaf auf der Spitze eines gläsernen Berges erlöst wird, erkoren die Letten zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum Symbol für ihr »nationales Erwachen«.

In einem guten Buche aber wird das Herzblut eines genialen Geistes wie ein kostbarer Schatz aufgehoben, im Hinblick auf ein Leben nach dem Leben.

John Milton

(Areopagitica)