SPAREN
MUSST DU DAS WIRKLICH?
D
as Problem mit dem Sparen? Lass uns stattdessen lieber über das Problem des Nichtsparens sprechen. Es ist ein bisschen so wie bei dem 16-jährigen Jungen, der mit dem Rauchen anfängt: Er kann nicht sehen, wie seine Zähne mit 40 aussehen werden, seine gealterte Haut, die von Krebs befallene Lunge, seine Sucht, seinen koronaren Bypass oder seine Unfähigkeit, mit dem Rauchen aufzuhören. Und ganz sicher merkt er nicht, wie unwohl sich Menschen in seiner Nähe fühlen, wenn er nach Zigarettenrauch stinkt.
Kein Geld zu sparen ist so, als würde man mit dem Rauchen anfangen: Am Anfang genießt man es, man gewöhnt sich daran, es wird zu einer Sucht und erst später muss man mit den negativen Konsequenzen leben. Das Sparen zu vernachlässigen bedeutet, deinen Kindern Möglichkeiten zu verweigern, wenn sie älter sind, oder Zinsen auf Stress verursachende Schulden zu zahlen, die du nicht haben solltest.
Dagegen verschaffen Ersparnisse die Freiheit, von all dem wegzugehen, dein Leben zu verändern, das Unnötige hinter dir zu lassen
. Es geht nicht darum, das alles zu tun, sondern es tun zu können. Es befreit den Kopf, zerstört den Glaskäfig, den wir manchmal meinen, um uns herum gebaut zu haben – einen, der luftdicht ist und uns am Ende erstickt.
Wer kann schon im Alter von 20 Jahren sagen, dass er bis zu seinem Lebensende mit seinem Lebensstil zufrieden und glücklich sein wird? Wer kann eine Trennung, eine ernste Erkrankung, einen Unfall, ein Schädel-Hirn-Trauma oder plötzliche Depression vorhersagen? Niemand. Aber es ist auch niemand immun. Deshalb sind Ersparnisse Versicherungen gegen Obdachlosigkeit, das Sammeln von Leergut und Schlafen in einer Notunterkunft.
Ich weiß, du musst dein Leben leben. Hab’s kapiert. Ich rede ja auch nicht davon, zu einer Ameise zu werden. La Fontaines Fabel über die sorglose Grille und die fleißige Ameise ist vermutlich eine der wichtigsten Lektionen für das Leben. Aber irgendwo zwischen der Grille und der Ameise liegt die Grillmeise: Sie singt 30 Prozent der Zeit und arbeitet 70 Prozent der verbleibenden
Werktage. Das solltest du anstreben: Spare systematisch einen festen Prozentsatz deines Gehalts, genauso wie du regelmäßig isst oder aufs Klo gehst.
Es ist nichts falsch daran, Geld auszugeben und ein Leben zu haben. Ich sage ja nicht, dass du geradezu fanatisch werden sollst, aber es bringt nicht viel, den Boden zu verlegen, wenn du noch 50 Meter von der Hausmauer entfernt bist.
In einer Welt, in der uns gesagt wird, dass wir tief unglücklich sein müssen, wenn wir nicht genug ausgeben, musst du den vorübergehenden Widerstand ein wenig üben: das Hinauszögern der Belohnung oder das Aushalten der Qual, kein Geld auszugeben. Nichts auszugeben fühlt sich an, als würdest du dir kurzfristig etwas vorenthalten, und das kann unglücklich machen. Aber das Training der Zurückhaltung führt tatsächlich zu kurz-, mittel- und langfristiger Zufriedenheit.
Verschenke kein Geld
Um etwas für deine Zukunft zu tun, kannst du dein Geld anlegen. Du kannst zum Beispiel in Aktien, Anleihen, Garantierte Investmentzertifikate, Investmentfonds oder sogar in Bargeld investieren. Diese lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen auch steuerlich geltend machen.
Aber wozu Ersparnisse mit bestimmten steuerlichen Vorteilen verbinden? Weil man dadurch das Zahlen von Steuern bei bestimmten Arten von Einkünften verhindern oder hinausschieben kann. Wenn Regierungen einen steuerlichen Vorteil wie diesen anbieten und du ihn nicht nutzt, verschenkst du Geld. Genauso gut kannst du zum Geldautomaten gehen, deine PIN eingeben, zusehen, wie 200 Euro herauskommen und dann einfach gehen, ohne das Geld mitzunehmen.
Apropos Geld in den Gully werfen: Wenn Mitarbeiter sich entscheiden, nicht das Maximum in einen Pensionsplan (oder eine Altersvorsorge) zu stecken, die der Arbeitgeber unterstützt, verschenken sie ebenfalls Geld. Das ist so, als würdest du sagen: »Danke, Chef, aber einen Teil meines Gehalts möchte ich nicht.« Du musst reich sein, um auf diesen Vorteil verzichten zu können. Ansonsten hast du nicht die Mittel, um dir das leisten zu können.
Ironischerweise ist es selbstsüchtig, nicht zu sparen: Nach Eintritt des Ruhestands kein Geld zu haben, bestimmt die Unterstützung, die du von der Gesellschaft brauchst. Menschen, die nichts sparen, verlassen sich auf eine
bessere Rente von der Alterssicherung und werden wenig oder gar keine Steuern zahlen. Folglich ist das Geldansparen eine persönliche Entscheidung mit sozialen Konsequenzen.
Ist es möglich, viel in einen Rentensparplan einzuzahlen? Ja, für Leute, denen es finanziell gut geht. Der Durchschnittsbürger mit einem Jahreseinkommen zwischen 40.000 und 60.000 Euro kann immer noch einen beachtlichen Beitrag leisten. Dann ist es auch eine persönliche Entscheidung. Ich für meinen Teil habe mich dazu verpflichtet, jedes Jahr den Maximalbetrag einzuzahlen. Ob mir das leichtfällt? Nein.
Manche Jahre, wenn zum Beispiel ein Kind geboren wird oder du ein Haus kaufst, lasten wie Mühlsteine auf deinem Budget. Aber jedes Mal, wenn ich jemanden mit einem Jahreseinkommen zwischen 40.000 und 60.000 Euro sagen höre: »Mir bleibt nichts zum Sparen«, hege ich so meine Zweifel. Wie kann der Betreffende das sagen? Viele Menschen müssen mit deutlich weniger auskommen.
Wenn wir jemanden, der im Jahr 25.000 Euro verdient, mit jemandem vergleichen, der auf 50.000 Euro kommt, kann es sein, dass beide nichts gespart haben. Aber mit den 50.000 Euro kann man dem anderen nicht in die Augen sehen und sagen: »Mir bleibt nichts übrig zum Sparen.« Derjenige lebt möglicherweise über seine Verhältnisse, aber er kann unmöglich doppelt so viel verdienen, ohne sich einer kritischen Selbstprüfung zu unterziehen.
Investieren kann auch den Kauf von Immobilien bedeuten. Oder du entscheidest dich, in ein Privatunternehmen zu investieren. Es ist alles eine Frage der Risikoverteilung und deiner persönlichen Situation. Die wichtige Botschaft an dieser Stelle lautet, dass du – in dich selbst – investieren musst, und zwar so früh wie möglich – egal in welcher Form.
Wenn wir von Sparen reden, wird es immer jemanden geben, der wie auf einer Dating-Site sagen wird: »Ich bin ein Feinschmecker. Ich liebe gute Restaurants, Filme und Reisen. Im Grunde lebe ich für den Augenblick!« Hallo? Wer tut das nicht? Wem gefällt es nicht, wenn die Geschmacksknospen frohlocken und einem das Wasser im Mund zusammenläuft? Wem
gefällt es nicht, am Strand zu sitzen und einen kühlen Cocktail zu schlürfen? Könntest du versuchen, ein bisschen origineller zu sein? Man könnte es auch einfach übersetzen als: »Mir steht mehr zu als anderen, weil die sich mit viel weniger zufriedengeben.« Jeder will ein schönes Leben. Ist ein Feinschmecker nicht einfach nur die Grille aus der Fabel von La Fontaine?
Die andere Sicht auf das Sparen
Als Gesellschaft kleben wir an der Vorstellung, dass wir mit Altersvorsorgeplänen ausschließlich für den Ruhestand sparen können. Das muss sich ändern. Jedes Jahr etwas darauf einzuzahlen, gibt dir die Möglichkeit, mit 30 Jahren eine schöne Reise zu machen, ein Haus zu kaufen oder mit dem Arbeiten aufzuhören, weil du das so möchtest. Für mich bedeutet es Freiheit. Die Freiheit von morgen, für die ich heute etwas beiseitelege. Wie ein Eichhörnchen, das sich auf den Winter vorbereitet.
Wie viel musst du sparen? Eines ist sicher: Du musst mit dem Sparen anfangen, bevor du eine Familie gründest, andernfalls wird dein System einen großen Schock erfahren. Ja, schön und gut, aber wie viel Geld musst du bis 35 angespart haben? Darauf gebe ich stets dieselbe Antwort, relativ gesehen, und ich werde stets mit Tomaten beworfen.
Wir sprechen hier natürlich von einer Faustregel für Menschen mit mehr als dem Mindestlohn. Drücken wir es in Zahlen aus, indem wir von einem Durchschnittsgehalt ausgehen. Da es außerdem für die Prostata gut ist, werde ich mich weit aus dem Fenster lehnen und basierend auf empirischen Regeln sagen, dass du ein Eigenkapital in der Größenordnung von zwei Jahresbruttogehältern anstreben solltest.
Wenn du also im Alter von 35 Jahren ein Jahresgehalt von 50.000 Dollar beziehst, solltest du wenigstens 100.000 Dollar an Reinvermögen in unterschiedlicher Form angespart haben: ein Eigenheim oder andere Immobilien, Rentensparpläne, nicht-steuer-registrierte Beteiligungen am Aktienmarkt, ein Investment in ein Privatunternehmen und so weiter.
Wenn du nach dem Schulabschluss systematisch 18 Prozent deines Bruttoeinkommens in einen Rentensparplan einzahlst, wirst du mit Leichtigkeit mehr als ein zweifaches Bruttojahreseinkommen bis 35 zusammenhaben (es sei denn, dein Gehalt schießt ab dem 34. Geburtstag raketenartig in die Höhe). Man kann auch anders vorgehen, aber für den Normalbürger, der mit keinem außergewöhnlichen Geldregen rechnet, ist das die Faustregel
.
Viele Menschen sagen sofort, wenn sie das hier lesen: »Ja, aber bei mir … blablabla …« Sie haben natürlich recht. Ich rede hier nicht von Menschen, die durch Pech im Geschäftsleben eine Menge Geld verloren haben, Menschen, die mit 32 Jahren an Krebs erkrankten, oder Menschen, die zwischen 20 und 26 sechs Kinder mit unterschiedlichen Partnern bekommen haben.
Jeder sollte seine eigene Investitionsstrategie finden, wenn er kann. Keine ist dabei perfekt. Du musst dich für diejenige entscheiden, die am besten zu deiner wirtschaftlichen Situation passt, basierend auf deiner Lebensführung und deinen finanziellen Verpflichtungen.
Wenn du dieses Buch liest, hast du die Schule beendet und noch niemanden konsultiert, um einen Sparplan zu entwickeln, so kann dies der Auslöser sein, um den ersten Schritt zu tun. Ist es sinnvoll, Monate mit der Planung der Ferien, Angelausflügen, Hochzeit und Familienplanung zu verbringen, aber das Managen deiner finanziellen Sicherheit zu ignorieren?
Übernimm die Verantwortung für deine Finanzen
Dein Ziel beim Sparen besteht nicht darin, deinen Ruhestand in Florida zu verbringen und deine Haut von der Sonne gerben zu lassen. Du versuchst vielmehr, dir einen Vermögensstock aufzubauen, der es dir ermöglicht, in ein paar Jahren zu sagen: »Das mache ich jetzt«, »Ich kündige«, »Du kannst mich mal«, »Pack die Koffer, wir fliegen nach Paris«, oder »Carpe diem
!« Ersparnisse geben Wahlmöglichkeiten.
Somit musst du also dafür sorgen, dass die Kundenbetreuer im Bankgeschäft dich verstehen. In der Filiale müssen die Kundenbetreuer die Computer füttern. Ihr Hauptziel besteht darin, zu beraten, aber sie müssen natürlich auch ihre Ziele erreichen. Jedes Jahr müssen sie eine bestimmte Menge an Hypotheken, Investments, Kreditkarten und Versicherungen verkaufen. Hasse diese Menschen nicht, sie tun auch nur ihre Arbeit.
Jenen, die sagen: »Es bringt nichts, bei derartig niedrigen Zinsen mehr zu sparen«, würde ich antworten, dass sich die zukünftigen Bedürfnisse nicht verändern. Deshalb musst du mehr sparen, wenn die Zinsen niedriger sind. Und wenn sich der Markt erholt, kannst du auf diese Weise Zinsen auf einen höheren Betrag bekommen, was wiederum für die mageren Jahre
entschädigt.
Aber warum spart der durchschnittliche Mensch nicht mehr, wenn er das doch weiß? Es gibt Parallelen zur Diät. Sparen bedeutet, ein Budget festzusetzen und schlechte Ausgebegewohnheiten einzuschränken.
Genauso musst du bei einer Diät eine Kalorienzahl festsetzen und Nahrungsmittel vermeiden, die zu viele leere Kalorien enthalten.
Menschen werden jedoch von schlechten Ausgabeentscheidungen genauso in Versuchung geführt wie von einem Big Mac. Viele Menschen stecken in finanziellen Schwierigkeiten und viele Menschen haben Übergewicht. Dennoch waren die meisten im Alter von 18 Jahren finanziell und körperlich im Gleichgewicht. Was ist der Vorteil einer gesunden Ernährung? Übermaß zeigt sich am Ende im Spiegel, darauf können wir reagieren. Ansonsten kann es passieren, dass uns jemand sagt: »Wie ich sehe, hast du ein bisschen zugelegt!« Aber wenn wir nicht sparen und verschuldet sind, erinnert uns niemand regelmäßig daran. Du stopfst deine Kontoauszüge in eine Schublade und lebst mit der Verleugnungsstrategie. Du wirst nicht oft zu hören bekommen: »Wie ich sehe, hast du ein paar Schulden zugelegt. Ich schätze mal, so um die 10.000 Dollar!«
Wie bei deiner Diät erfordert auch das Sparen eine stete, tägliche Kontrolle. Kleine Anstrengungen und tägliche Entscheidungen ergeben im Laufe der Jahre einen großen Unterschied. Zwei Jahresgehälter auf der hohen Kante zu haben ist so wie ein Waschbrettbauch im selben Alter. Wir halten Menschen, die über ein solches Polster verfügen, für glücklich, geben jedoch nicht zu, dass auch wir »glücklich« sein könnten, wenn wir andere Entscheidungen getroffen hätten oder treffen wü
rden.
Also, brauchst du das Sparen wirklich? Die Antwort lautet eher: Verfügst du über die Mittel, darauf verzichten zu können?
Es bringt nichts, mir zu sagen: »Ja, aber mein Freund ist mit 30 bei einem Unfall ums Leben gekommen. Er konnte sein Geld nicht mitnehmen.« Stimmt. Du hast recht. Aber was hätte er gemacht, wenn er nicht bei einem tragischen Unfall gestorben wäre? Wer weiß das schon, aber er hätte gewusst, dass er, rein statistisch gesehen, als alter Mann gestorben wäre.