14. Elfenbeinstatuette eines griechischen Schauspielers, Kothurnen tragend, Musée du Petit-Palais, Paris.
Die koptische Kultur stellt eine Art Scharnier zwischen der Welt der Antike und der des Mittelalters dar. Die Kopten, Ägypter christlichen Glaubens, haben uns besonders in Achmin Schuhe hinterlassen. In den ersten vier Jahrhunderten der christlichen Ära weisen die Tücher und Deckel der Sarkophage, in denen ihre Mumien ruhen, Darstellungen von Personen auf, die manchmal barfuß sind, oft aber Sandalen tragen. Im Lauf des vierten Jahrhunderts ändern sich aber die Bestattungsbräuche: Der Verstorbene wird mit seinen kostbarsten Gewändern bekleidet begraben. Seither finden sich nach dem Verschwinden der Tücher nur noch seltene Darstellungen auf Stelen. Auf manchen erscheint ein Schuhtyp mit betonter Spitze. Aber auch wenn die Sandalen aus Papyrusfasern oder Leder noch in Gebrauch sind, bestimmen jetzt geschlossene Schuhe die Mode. Und wie in der gesamten ägyptischen Antike ist auch bei den Kopten der Absatz unbekannt: Schuhe, Stiefel und Sandalen haben immer flache Sohlen. Die Modelle zeigen wenig Variationen; die Techniken der Verzierung, und dazu gehören die Verwendung roten oder braunen Leders oder lederne Litzen in Spiralform sowie geometrische Formen und in vergoldetes Leder geritzte Motive oder Sohlen mit Lochmuster, zeugen dagegen von der Phantasie der koptischen Schuster.
Wie in Ägypten ist auch in der griechischen Antike die Sandale der am weitesten verbreitete Schuhtyp. Die Helden Homers in der Ilias und der Odyssee tragen Sandalen mit Sohlen aus Bronze, die der Götter sind aus Gold. Agamemnon, der legendäre König von Mykene, schützt seine Beine mit Hilfe von Knemiden, die mit silbernen Spangen gehalten werden. Der um 450 vor Christus in Agrigent geborene griechische Philosoph Empedokles stürzt sich in den Schlund des Ätna, um seine Entführung in den Himmel vorzutäuschen. Aber der Vulkan verschlingt ihn, speit nur seine unversehrten Sandalen wieder aus, die seinen betrügerischen Selbstmord beweisen. Die reichen Mazedonier in der Zeit Philipps II. (382 bis 336 v. Chr.) tragen Sandalen mit Sohlen unterschiedlicher Dicke aus vergoldetem Silber oder Kork, die rechte und linke Sandale sind verschieden geformt; sie werden mit Riemen am Fuß befestigt. Zunächst von einfacher Machart, entwickeln sich in der Folge zunehmend elegantere und komplexere Formen, die sich an den Skulpturen erkennen lassen, z. B. an den Sandalen der im Louvre zu bewundernden Diana mit dem Reh. Auf den antiken Vasen tragen manche Personen geschnürte Stiefel, Endromiden genannt, geschmückt mit einem Umschlag, den man Embas nennt. Der spitze Schuh des hethitischen Typus, den man seit langem von den Ioniern kennt, findet auf dem griechischen Festland keinen Anklang. Dennoch greifen die Künstler auf ihn zurück, um ihren Gestalten ein orientalisches Flair zu verleihen, wie die Malerei auf bestimmten Vasen bezeugt. Man schreibt Aischylos (525 bis 456 v. Chr.) die Erfindung des Kothurn zu. Er wird von den Schauspielern der Tragödie getragen. Diese Sandale besteht aus einer sehr dicken Korksohle, die zwar die Schauspieler erheblich größer erscheinen lässt, aber ihre Standsicherheit gefährdet. Dieser Theaterschuh passt sich beiden Füßen unterschiedslos an, daher die Redensart „weniger verlässlich als ein Kothurn“. Es ist interessant, festzuhalten, dass der Kothurn wegen seiner Höhe das Anfangsstadium des Absatzes darstellt, der erstmals am Ende des 16. Jahrhunderts in Italien auftaucht. Das Tragen der mit Edelsteinen geschmückten Sandalen ist den Kurtisanen vorbehalten. Man erzählt, dass ihre genagelten Sohlen auf dem Sand eine unzweideutige Botschaft hinterlassen: „Folge mir!“ Diese große Vielfalt von Schuhen widerspricht deutlich der Empfehlung von Platon (428 bis 348 v. Chr.), der das Barfußgehen predigt.