34. Carpaccio, Zwei venezianische Kurtisanen, 1500. Museum Correr, Venedig.
Am Ende des 15. Jahrhunderts fielen die Schnabelschuhe ihrem eigenen Erfolg zum Opfer und galten von jetzt an als gewöhnlich. Um eine vulgäre Wirkung zu vermeiden, traten jetzt sehr breite, nahezu viereckige Formen an die Stelle der bisherigen spitzen Schuhe. Weil König Karl VII. sechs Zehen an jedem Fuß hatte, stellten die Schuhmacher nach seinen Wünschen Schuhe mit sehr breiten Enden her. Wenn es denn wirklich stimmt, hat demnach diese Mode keinen anderen Ursprung als eine angeborene Missbildung! Man verfällt als Reaktion auf die Vergangenheit wieder einmal und sehr bald in das andere Extrem.
Der Schuh aus Valence, der während der gesamten Regierungszeit Ludwig XII. (1462 bis 1515) getragen wird, erreicht manchmal bis zu unbegreiflichen 33 Zentimeter Breite. Seine gepolsterten, mit kleinen Hörnern geschmückten, äußeren Ränder erinnern an einen Kuhkopf und tragen ihm die Spitznamen „Kuhpantoffel“, „Bärentatze“ und „Hundeschnauze“ ein. Diese Extravaganz zwingt zu einem breitbeinigen Gang und provoziert Spott und Gelächter. Zur gleichen Zeit tragen die Venezianer Chopines, auch „Stelzenpantoffel“ oder „Kuhfüße“ genannt. Diese seltsamen Schuhe, die mit Bändern am Fuß festgehalten werden, bestehen aus übertriebenen, bis zu 52 cm hohen Sockeln. Sie sind aus Holz oder Kork, mit Samt oder Holz überzogen und reich geschmückt. Bei den Damen unter den Röcken verborgen, sind sie zwar vor neugierigen Blicken geschützt, führen aber zu einem drolligen Gang. Auf solche Schuhe gestellt, müssen sie sich, um sich gefahrlos fortbewegen zu können, auf die Schultern von zwei Dienerinnen stützen. Diese exzentrische Mode hat ihren Ursprung in der Türkei, einem Land, mit dem die Dogen Handelsbeziehungen unterhalten. Die türkischen Frauen benutzen in der Tat überhöhte Holzpantinen, wenn sie sich ins Bad begeben.
Die Schuhe aus dem Harem finden also in der veränderten Form der Chopines ihren Weg in die Paläste der venezianischen Aristokraten. In Spanien verbietet der Bischof von Talavera das Tragen der Chopines und bezeichnet ihre Besitzerinnen als „lasterhafte, lose Frauen“. Die italienische Kirche, sehr viel toleranter, setzt diese Extravaganz der Kleidung nicht auf den Index, sondern, als Verbündete der eifersüchtigen Ehemänner, sieht sie darin ganz im Gegenteil ein Mittel, die flatterhaften Frauen ans Haus zu binden, zur Unbeweglichkeit zu verdammen und so verbotene Beziehungen zu verhindern. Diese Mode der Chopines ruft zwar an allen Höfen Europas Erstaunen hervor, verbreitet sich jedoch nur sehr gering. Lediglich in England hält sie Einzug, wo Shakespeare seinen Hamlet sagen lässt: „... Madame ist dem Himmel ein Stückchen näher gekommen seit unserem letzten Treffen, gerade um die Höhe einer Chopine.“ (2. Akt, 2. Szene)
Der Pantoffel ist eine viel vernünftigere, am Beginn des 16. Jahrhunderts aus Italien nach Frankreich importierte Mode. Er besteht aus einer dicken, durchgehenden Korksohle und wird wegen seiner Leichtigkeit vor allem von Frauen im Haus getragen. Von Franz I. (1494 bis 1547) bis zu Heinrich III. (1551 bis 1589) tragen Männer und Frauen die auch Eschappins genannten Escarfignons. Es handelt sich dabei um Schuhe aus Samt oder Atlas, flach, ausgeschnitten und mit geschlitztem Oberleder. Rabelais (1494 bis 1553) liefert uns da eine genaue Beschreibung in seinem Gargantua, wo er an die Kleidung der Damen aus der Abtei von Thélème erinnert: „... diese Schuhe, Eschappins, und Pantoffen aus rotem oder violettem Samt, waren wie ein Krebsschwanz zerstückelt.“ Nach dem Beispiel der deutschen Mode sind die Schuhe so wie die anderen Teile der Kleidung dieser Zeit zur Zierde mit Schlitzen versehen. Man schreibt diese Erfindung den Soldaten von Franz I. während der italienischen Feldzüge zu. Ihre vom Marschieren und in der Schlacht verletzten Füße sind bandagiert und verlangen nach entsprechenden Schuhen.