45. Stiefel eines Musketiers, Frankreich, 17. Jh.
Das 17. Jahrhundert
Im 17. Jahrhundert breitet sich die französische Mode in ganz Europa aus.
Seit Beginn der Regierung Heinrichs IV. verschwinden die empfindlichen Eschappins der Renaissance. Sie werden durch solide Schuhe ersetzt, deren Oberteil die Sohle leicht überragt. Die zunächst abgerundeten Kappen erhalten unter Ludwig XIII. (1601 bis 1643) eine eckige Form. Alle haben Öffnungen an den Seiten. Das Befestigungssystem wird durch eine Schleife oder eine große Rosette über dem Fuß verdeckt. Aber die große Neuheit dieses Schuhs ist der Absatz. Dieser verleiht Männern und Frauen eine stattliche Erscheinung und wird im Lauf des Jahrhunderts allgemein gebräuchlich.
Dieser neue Schuh hat zwischen Absatz und Sohle einen Hohlraum. Daher nennt man ihn „Schuh mit hoher Brücke“, in Frankreich wird er auch „soulier à cric“ genannt, ein lautmalerischer Ausdruck, der sich, wie in dem Pamphlet von Agrippa d’Aubigné (1552 bis 1630) Le Baron de Fenestre beschrieben ist, aus dem beim Gehen erzeugten Geräusch erklärt. Um 1640 wird der Schuh länger, bewahrt jedoch seine eckige Kappe. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts schickt Heinrich IV. einen geschickten Gerber mit Namen Roze nach Ungarn, der dort die Bearbeitung des Leders studieren soll. Nach seiner Rückkehr entsteht allmählich die Fabrikation der Hongroyeurs.
Sie stellen ein für die Anfertigung von weichen Stiefeln bestimmtes Leder her, das sich der Wade und dem Schenkel anpasst. Die Oberseite, eine lederne Kralle, wird durch die Sohle gehalten. Diese ist unter dem Fuß befestigt und hält den manchmal mit einem Stück Stoff überzogenen Sporn, der, seitdem das Tragen von Stiefeln am Hof, in den Salons und bei Bällen zugelassen ist, unter den Röcken der Frauen Unheil anrichtet. Um die Seidenstrümpfe zu schonen, trägt man mit Spitzen verzierte Stiefelstrümpfe, die den oberen, Trichter genannten Teil des Stiefels schmücken, in dem sich aber bei schlechtem Wetter zum Leidwesen ihrer Träger das Regenwasser sammelt.
Von etwa 1620 an reichen die beim Reiten getragenen Stiefel manchmal bis zum Knie, können aber bei anderen Gelegenheiten auch bis zum Knöchel heruntergerollt werden. Der rein funktionale Absatz sitzt unter dem Stiefel und ermöglicht beim Aufsteigen mit dem Steigbügel einen festeren Stand.
Die Lazzarines oder Ladrines, leichtere und niedrigere Stiefel mit einem breiten Umschlag, sind unter Ludwig XIII. sehr beliebt. Mit Beginn der Herrschaft Ludwig XIV. (1638 bis 1715) werden die Stiefel aus den Salons und vom Hof verbannt, man trägt sie nur noch auf der Jagd und im Krieg. Der harte Stiefel, der bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts von Soldaten und Postillions getragen wird, wird in vornehmen Kreisen zunehmend durch weichere Stiefel ersetzt. Im Jahr 1663 bietet der Schuster Nicolas Lestage, der sich in Bordeaux unter dem Schild „Loup Botté“ (Gestiefelter Wolf) niedergelassen hat, dem König ein Paar nahtlose Stiefel an. Dieses Meisterwerk bringt dem Schöpfer großen Ruhm und ein Wappen ein, das einen goldenen Stiefel, eine Krone und die Lilie des französischen Königshauses zeigt. Das Geheimnis seiner Herstellung wird erst viel später enthüllt: Der Schuster arbeitete mit dem Fell eines ganzen Kalbsfußes.