55. François Boucher, Die Toilette, 1742. Öl auf Leinwand, 52,2 x 65,5 cm. Sammlung Thyssen-Bornemisza, Madrid.

 

 

Das 18. Jahrhundert

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ist Frankreich in Europa in Fragen der Eleganz immer noch tonangebend. Die Form der Schuhe verändert sich in der Zeit von der Régence bis zur Revolution etwa zwischen 1715 und 1789 nur wenig. Die Kappe ist rund oder spitz, manchmal erhöht, niemals eckig. Ludwig XV., der Vielgeliebte (1710 bis 1774) verleiht einem Absatz seinen Namen. Zwei Arten von Schuhen machen sich den ersten Platz streitig: Auf der einen Seite der Pantoffel, den man im Haus trägt und andererseits Schuhe mit hohen Absätzen, passend zu eleganter Kleidung.

Der Pantoffel mit einem Absatz von wechselnder Höhe ist mit weißem Leder, Samt oder Seide überzogen und meist bestickt.

Die Stiche von Beaudoin, Moreau dem Jüngeren, die Bilder von Quentin de Latour, Boucher, Gainsborough, Hogarth und anderen Künstlern zeigen zahlreiche Modelle sowohl von den für das Haus bestimmten Schuhen als auch von Straßenschuhen. Das Bild Les Hasards heureux de l’escarpolette von Fragonard zeigt eine junge Frau mit übermütig erhobenem Rock, die, auf ihrer Schaukel sitzend, ihrem im Gebüsch liegenden Verehrer ein rosa Pantöffelchen zuwirft.

Die geschwungenen Linien des Stils Ludwigs XV. finden sich auch bei den Schuhen mit Absatz, der jetzt seine maximale Höhe erreicht. Der gebogene Absatz, der unter dem Fußgewölbe angebracht ist, dient als Stütze und gewährleistet das Gleichgewicht des Schuhs. Dieses Gleichgewicht bleibt jedoch beim Gehen prekär, vergleichbar mit den Schwierigkeiten, die die venezianischen Damen der Renaissance mit den Chopines hatten. Als Hilfsmittel in dieser schwierigen Lage kam 1786 der weibliche Spazierstock in Mode, den der Comte de Vaublanc in seinen Memoiren beschreibt: „Hätte sich die Puppe nicht bemüht, das Gewicht weiter nach hinten zu verlagern, wäre sie auf die Nase gefallen.“

Den Gipfel der Raffinesse aber stellen die mit Brillanten besetzten Absätze dar. Eine Koketterie, die Intimität verspricht, jedoch durch den bis auf den Boden fallenden Rock verschleiert wird. Restif de la Bretonne (1734 bis 1806), dessen Schwäche für hübsche Füße und Schuhe bekannt ist, spielt in seinem literarischen Werk deutlich darauf an: „Ein Schuh aus Perlmutt mit einer Blume aus Diamanten: Die Ränder waren mit Brillanten verziert, ebenso wie der Absatz, der trotz dieses Schmucks sehr schmal wirkte. Diese Schuhe kosteten zweitausend Taler, ohne die Diamanten für die Blume zu veranschlagen, die das Drei oder Vierfache dieser Summe wert waren: Es war ein Geschenk von Saintepallaire“ (in Le joli pied, S. 240).

Diese entzückenden Schuhe sind aus weißem Leder mit Stickerei oder aus kostbarer Seide und passen zu den Kleidern. Sie werden mit einer je nach Toilette austauschbaren Schnalle geschlossen.

Die mit Strass oder Edelsteinen verzierten Schnallen aus ziseliertem Silber werden wie im vorherigen Jahrhundert in Schmuckschatullen aufbewahrt und weitervererbt. Wenn man ausgeht, trägt man zum Schutz der Schuhe weiterhin die mit zwei ledernen Laschen oben am Fuß befestigten Holzpantinen. Die Holzsohle hat eine Vertiefung für den Absatz.

Im Frankreich des 18. Jahrhunderts ist der Orient in Mode dafür gibt es einen historischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontext. Der Hang zum Exotischen begünstigt in der Schuhmode eine Vielzahl spitzer Schuhe mit hochgebogenen „türkischen“ Spitzen, „chinesische Holzschuhe“ oder Schuhe im „orientalischen Stil“.

Die mit Schnallen verzierten Schuhe der Männer haben eine einfache Form mit flachen Absätzen. Aus dunklem oder schwarzem Leder gefertigt, bringen diese Schuhe die hellen Strümpfe zur Geltung, die zu Seidenhosen getragen werden. Aus Seide oder Samt gefertigt und zu einem engen Wams getragen, erfreuen sich letztere großer Beliebtheit. Die Stiefel, eine aus England importierte Mode, kehren wie viele modische Details um 1770 wieder.