69. Flache Tanzschuhe Napoleons I. für seine Krönung 1804. Im Zweiten Weltkrieg verschwunden.

 

 

Das 19. Jahrhundert

Die Frauen tragen Stiefel aus Stoff, aber vor allem Ballerina-Schuhe aus feinem Glacéleder, Satin oder Seide, die den Fuß eng umschließen und kreuzweise mit Bändern bis zum Knöchel geschnürt werden. Diese zarten Schuhe halten gerade einen Ball lang. Im Jahr 1809 zählt man in der Garderobe der Kaiserin Joséphine (1763 bis 1814) siebenhundert Paar Ballerinas, die von Lalement nach Maß hergestellt worden waren. Zwischen den Kriegen wird während des Empire am Hof und anderorts viel getanzt. Napoleon rehabilitiert kurze Hosen und helle Seidenstrümpfe, die von den mit einer Schnalle geschmückten Tanzschuhen mit flacher Sohle aus Lackleder gut zur Geltung gebracht werden. Der kriegerisch anmutende Stiefel, hoch oder niedrig, mit oder ohne Stulpe, ist für dienstliche Obliegenheiten vorgeschrieben. Der Kaiser verkündet als guter Stratege: „Für die Ausstattung eines Soldaten sind drei Dinge von Bedeutung: ein gutes Gewehr, ein Kapuzenmantel und gute Schuhe“.

Ein Offizier der Grande Armée erinnert sich in seinen Memoiren mit Humor an die unter Napoleon üblichen Militärstiefel: Eines Tages kam ich mit dem General von P. in ein unbewohntes Haus; es regnete in Strömen, unsere Kleider waren vom Regen durchnässt, wir machten Feuer, wir wärmten uns.

„Setzen Sie sich dorthin“, sagte der General zu mir.

„Warum?“

„Ich will Ihnen die Stiefel ausziehen.“

„Das soll wohl ein Scherz sein!“

„Nein, geben Sie mir Ihren Fuß.“

„General, das kann ich nicht zulassen.“

„Ihre Stiefel sind nass, Ihre Füße stehen im Wasser, Sie werden sich erkälten.“

„Aber ich kann sie mir selbst ausziehen.“

„Ich will sie Ihnen ausziehen.“

Recht und schlecht zieht mir der General die Stiefel aus und ich war höchst erstaunt; denn als er fertig war, sagte er:

„Jetzt bin ich dran, eine Hand wäscht die andere; ziehen Sie mir die Stiefel aus.“

„Mit Vergnügen.“

„Um Sie darum bitten zu dürfen, musste ich es ebenfalls tun.“

 

Während der Restauration und der Regierung von Louis Philippe tragen die Männer Stiefel und leichte Schuhe aus schwarzem Leder. Nur die halbhohen Stiefel aus weichem Leder dürfen auch in den Farben beige, mauve und braun getragen werden. Der auch unter dem Namen „der schöne Brummell“ bekannte britische Dandy George Brummell (1778 bis 1840) trägt geschnürte Stiefel zu engen Hosen. Er gilt als König der Mode; seine Art, sich zu kleiden, wird über die Grenzen hinaus zum Maßstab für Eleganz. Zu seinen Bewunderern gehören der Prinz von Wales und der König Georg IV. von England (1762 bis 1830).

Die Frauen tragen ebenfalls flache Schuhe, sie sind aus Stoff und werden an den Seiten geschnürt. Tanzschuhe aus Satin oder Seide mit Bändern bleiben bis 1830 Mode. Unter der Regierung von Louis-Philippe (von 1773 bis 1850) kehrt der Absatz zurück, aber erst 1829 findet man in der Modezeitschrift Le Petit Courrier de Dames die Nachricht von seiner überraschenden Wiederkehr: „Wagen wir es, Schuhe anzukündigen, deren Absatz aus dem Innern der Sohle entspringt und das Fußgewölbe hebt und so dem Gang Anmut verleihen soll. Wenn unsere Absätze so gemacht sind, werden sie nicht so lächerlich wirken wie die unserer Großmütter.“ Les Modes Parisiennes verkünden 1850: „Manche Frauen tragen aus einer Laune heraus Schuhe mit Absätzen. Sie wollen unbedingt eine Mode mitmachen, denn es ist sehr unbequem beim Tanzen. Auch die Stiefel haben jetzt kleine Absätze, sie können aber nur solchen Frauen gefallen, die keine Überschuhe aus Gummi tragen müssen“. Das Zweite Empire ist dem Luxus und den Festen zugeneigt. Als Reaktion auf den so bürgerlichen Hof von Louis-Philippe liebt man am Hof Napoleons III. den Glanz.

Das mondäne Leben spielt sich in den Salons und auf den Boulevards ab und Jacques Offenbach stellt in seinen Operetten, besonders jedoch in La Vie Parisienne (Pariser Leben) mit Humor die Lebensfreude dar. Um 1850 zieht die Begeisterung für die Krinoline eine Veränderung der Kleidung nach sich und die Kaiserin Eugénie (1826 bis 1920) trägt zum Ruhm ihres Schneiders Charles-Frédéric Worth bei. Letzterer eröffnet 1858 seinen Salon de Haute Couture. Außer seiner kaiserlichen Kundin zieht er auch Schauspielerinnen und Halbweltdamen an.