128. Schuh für Chanel während der Anfertigung.
Das Haus Massaro
Eine Schuhmacherdynastie
Sébastien Massaro gründet im Jahr 1894 das Haus Massaro. Seine Söhne François, Xavier, Donat und Lazare gehen bei ihm in die Lehre. Am 19. März 1929 wird Lazares Sohn Raymond Joseph Massaro geboren. Er besucht eine Schule für das Schuhgewerbe in der Rue Turbigo in Paris und schließt sie 1947 mit dem Gesellenbrief für Damenschuhe im Stil Ludwigs XV. ab. Im Familienbetrieb vervollständigt Raymond seine Ausbildung. Er erinnert sich noch an die Zeit, als sein Vater Elsa Schiaparelli, die Herzogin von Windsor, die Gräfin von Bismarck, die Milliardärin Barbara Hutton, Shirley MacLaine, Elizabeth Taylor und andere berühmte Persönlichkeiten zu seinen Stammkunden in der Rue de la Paix zählt.
Damals bedient die Familie Massaro vor allem Privatkunden. Es kennzeichnet aber auch den Beginn der immer enger werdenden Zusammenarbeit mit der Haute Couture in Paris. Lazare Massaro fertigt 1954 für Madame Grès einen Ballerina, der eine ganze Epoche prägen wird und kreiert 1958 die berühmte zweifarbige, beige-schwarze Sandale für Coco Chanel. Raymond Massaro übernimmt als Leiter des Unternehmens die Nachfolge seines Vaters und Großvaters. Zahlreiche berühmte Persönlichkeiten wie König Hassan II., die Schauspielerin Romy Schneider oder die Haute Couture-Sammlerin Mouna Ayoub lassen ihre Schuhe von ihm anfertigen.
Raymond Massaro führt die erstaunlichsten und drolligsten Aufträge aus. Ein Maharadschah, der regelmäßig in einem Pariser Luxushotel residiert, kommt mit seinem Privatsekretär nach Paris. Da letzterer nach alter asiatischer Sitte innerhalb des Palastes barfuß geht, fällt es ihm schwer, in dem Luxushotel seine Schuhe anzubehalten. Aus Höflichkeit will der indische Fürst den französischen Brauch respektieren. Folglich bittet er seinen Schuhmacher, ihm ein Paar sohlenlose Schuhe anzufertigen, damit die Fußsohle direkt mit dem Boden in Berührung kommt. So vereinen diese raffinierten Schuhe französische und indische Traditionen. Raymond Massaro zählt aber auch die großen Haute Couture-Häuser zu seinen Kunden. Darunter sind Emmanuel Ungaro, Guy Laroche, Gianfranco-Ferré, Christian Dior, Thierry Mugler, Ocimar Versolato, Christophe Rouxel, Olivier Lapidur, Jean-Paul Gaultier, Dominique Sirop und andere.
Im Auftrag Karl Lagerfelds kreiert Raymond Massaro verschiedene Modelle für Chanel, für Azzedine Alaïa realisiert er Absätze aus Harz in Form von Frauenbeinen. Er war sehr kreativ und scheute kein Risiko. Das Kultusministerium verlieh ihm 1994 für seine Leistungen den Titel “Meister seiner Kunst”. Der Schuhmacher ist auch Mitglied des Komitees Signé Paris. Das 1997 gegründete Komitee hat es sich zur Aufgabe gestellt, vorbildliche Unternehmen, deren herausragendes Können repräsentativ für die Pariser Kreation ist, in Frankreich und im Ausland zu fördern. So stellt Raymond Massaro seine Schöpfungen 1999 in Tokio im Rahmen des französischen Jahres in Japan aus. Raymond Massaro befasst sich auch mit Fußorthese, einem Zweig der Orthopädie.