194. Hochzeitsschuhe aus Holz, rosettenförmige Einlegearbeit aus Perlmutt, Naher Osten, 19. Jh., Sammlung Cruller. Internationales Schuhmuseum, Romans.

 

 

Schuhe der Welt

 

 

Das Osmanische Reich

Jean-Etienne Liotard reiste mit Begeisterung. Er schifft sich 1738 in Richtung Konstantinopel ein. Dank seiner guten Beobachtungsgabe malt und zeichnet er die Menschen, denen er dort begegnet. Er ist der „türkische Maler“ der Aufklärung in Europa. Mit fotografischer Genauigkeit stellt er auf diesem Porträt die Holzpantinen und die Umgebung, die ihren Gebrauch erforderlich machen, dar: Sie schützen ihre Trägerin vor Feuchtigkeit. Wir sehen, dass die Sklavin im Gegensatz zu ihrer Herrin keine Schuhe trägt und ihre Füße nur mit Henna bemalt sind.

In der Türkei und zahlreichen anderen orientalischen Ländern begeben sich die Frauen mit überhöhten Holzpantinen ins Bad. Das Holz ist mit Perlmutt- oder Elfenbeinintarsien verziert, mit Silber überzogen und mit einem mit Gold- und Silberfäden reich bestickten Band versehen. Die Verschiedenartigkeit der Modelle gibt uns eine umfassende Darstellung der prächtigen Verzierungen jener Länder. Jean-Paul Roux weist zu Recht darauf hin, dass die Einlegearbeiten der Schuhe dem Schmuck der Fenster- und Türläden, Möbel, Predigtstühlen, den Mimbar, ähnlich sind.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist das Osmanische Reich eines der weitläufigsten Gebiete der Welt. Es umfasst die Balkanhalbinsel, ganz Westasien bis nach Persien und in Afrika Ägypten, Nordlibyen, Algerien und Tunesien. Seine Lage auf den Kontinenten zwischen Mittelmeer und Indischem Ozean ist von größter Bedeutung. Anhand des Schuhschmucks lässt sich der Einfluss der verschiedenen Länder untereinander in diesem Gebiet erkennen.

In manchen orientalischen Ländern gewinnen die Frauen an „Höhe“. Sie werden auf ausgefallene, stark überhöhte Holzpantinen wie hier auf dem Bild gehievt und sind ihrem Mann einen Tag ihres Lebens überlegen, schon am nächsten Tag steigen sie wieder von ihrem Sockel herab. Diese Auffassung finden wir im Koran bestätigt: „Der Mann steht über der Frau, denn Allah hat mehrere über die anderen gestellt.“ Ein Paar Männerbabusches vor der Tür verbieten jedem anderen Mann den Zutritt. Die Frau hingegen führt zu Hause das Regiment.