197. Porträt von Fath’ Ali Shah, Mihr’ Ali zugeschrieben. Iran, um 1805, Öl auf Leinwand.

 

 

Persien

Nach dem Tod Alexanders des Großen im Jahr 323 vor Christus versinkt der Iran lange Zeit in der Bedeutungslosigkeit. Der Zerfall der beiden Kaiserreiche, dem der Sassaniden und dem von Byzanz, erleichtert es dem Islam, sein Einflussgebiet auszudehnen. Erst im goldenen Zeitalter der Safariden (die in Persien von 1501 bis 1736 regieren) macht das Land wieder einen überwältigenden Eindruck auf die Reisenden aus dem Westen. Das gilt für den Franzosen Chardin (1699 bis 1779), der um 1660 zehn Jahre in Persien verbringt. Seinen Berichten zufolge sind selbst die Armen gut gekleidet und tragen Silberschmuck an den Armen, Füßen und um den Hals.

Im Gegensatz zum hellenisierten Westen zeichnet sich in den orientalischen Ländern das Schuhwerk durch gleich bleibende Formen aus, und auch die Dekoration wird von Jahrhundert zu Jahrhundert weitergegeben. Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert findet man auf den Sohlen der persischen Prunkstiefel stilisierte Blumenmotive, die dem Muster des von Assurbanipal im 7. Jahrhundert vor Christus getragenen Gewands entlehnt sind. Man kann sie auf dem Relief erkennen, das die Geschichte von der Tötung eines Löwen durch den König erzählt. Es stammt aus dem Palast dieses Herrschers und befindet sich heute im British Museum in London. Die Wirkung dieser Schuhe wird durch reich bestickte Strümpfe betont. Die Motive sind ebenfalls den Darstellungen auf dem Gewand des Assurbanipal entlehnt.

Ein anderes Beispiel erlaubt den Vergleich einerseits zwischen den Schuhen mit Absätzen und hochgebogener Spitze aus dem 16. Jahrhundert, die im MIC in Romans aufbewahrt werden, und andererseits den Pantoffeln, die der Kaiser von Persien, Fath' Ali Schah, auf dem im Musée du Louvre befindlichen, 1805 entstandenen Porträt trägt. Die Babusche, erklärt Jean-Paul Roux, ein flacher offener Pantoffel, stammt wahrscheinlich aus dem Iran, dafür spricht das persische Wort papoutch, von pa, „Fuß“ und pouchiden „bedecken“. Dieser Schuhtyp lässt sich beim Eintritt in die Moschee oder in private Gemächer leicht ablegen eine in der ganzen islamischen Welt verbreitete Sitte.