216. Halbschuh des Pfarrers von Ars. Internationales Schuhmuseum, Romans.
Die Schuhe von Sankt Jean-Marie Vianney, Pfarrer von Ars
Jean-Marie Vianney, das vierte Kind einer Bauernfamilie aus bescheidenen Verhältnissen, wurde am 8. Mai 1786 in Dardilly in der Gegend von Lyon geboren. Als Kind hütet er mit anderen kleinen Bauernkindern die Herden und zeichnet sich durch seine Freundlichkeit und Frömmigkeit aus. Er folgt dem Ruf Gottes und tritt ins Priesterseminar ein. Hier will man ihn zunächst zurückschicken, weil er für das Studium wenig geeignet ist. Schließlich wird er aber doch mit neunundzwanzig Jahren zum Priester geweiht. Er predigt mit einfachen Worten, verwendet Beispiele aus dem täglichen Leben, nimmt 16 Stunden am Tag die Beichte ab und betet jeden Abend den Rosenkranz. Er übt unermüdlich gute Werke, lebt ein entsagungsreiches Leben, schläft nur vier Stunden, begnügt sich mit einer kargen Nahrung, trägt eine geflickte Soutane und erlegt sich zusätzlich noch strenge Buße auf. So wie viele Heilige führt er einen heroischen Kampf gegen den Dämon. Der rüttelt an seinen Türen, stößt die Möbel um, versucht, ihn aus dem Bett zu werfen und zerreißt sogar seine Schuhe. Davon zeugt ein in einer Privatsammlung aufbewahrter grober, abgetragener Schuh. In einem Dokument, das aus der Hand des Schusters stammt, kann man lesen: „Schuh vom Pfarrer zu Ars geflickt. Er wurde vom Dämon zerrissen, wie dieser selbst gesagt hat. Ich bestätige dies. Lyon, 21. Februar 1875.“
Der Geistliche, auf den seine Mitbrüder lange verächtlich herabsahen, wird gegen seinen Willen zum Domherrn ernannt. Und ebenfalls gegen seinen Willen verleiht ihm Kaiser Napoleon sogar das Kreuz der Ehrenlegion. Der Bischof von Belley eröffnet 1866 den Prozess seiner Heiligsprechung. Papst Pius X. spricht ihn zunächst selig, Pius XI. spricht ihn dann 1925 heilig und ernennt ihn zum Schutzpatron aller Priester, die eine Pfarrei betreuen. Der bescheidene Dorfpfarrer ist heute in der ganzen Welt berühmt. Am 5. Oktober 1986 kam Papst Johannes Paul II. zu einer feierlichen Zeremonie zu Ehren von Sankt Jean-Marie Vianney persönlich nach Ars.