218. Goethes Hausschuhe. Musée Bally, Schönenwerd, Schweiz.

 

 

Die Pantoffeln von Goethe

Marianne von Willemer trifft heimlich Vorbereitungen für das ihrem Freund Goethe zum 25. Dezember 1816 zugedachte Weihnachtsgeschenk. Aus zwei Briefen an August, den Sohn des Dichters, die sie dem Anlass entsprechend mit dem Pseudonym Jesuskind unterschreibt, erfahren wir, wie humorvoll sie dabei vorgeht. „Ich habe geplant, deinem Vater ein Paar Pantoffeln vom Himmel mitzubringen. Die heilige Katharina und die heilige Theresia sind bereit, sich darum zu kümmern, aber sie brauchen unbedingt die richtige Schuhgröße. Könntest du freundlicherweise den Schuhmacher deines Vaters bitten, ein Modell des Schafts auszuschneiden und es nach Frankfurt zu schicken, wo ich zu tun habe. Wenn es dem Schuhmacher an Geschicklichkeit fehlt und er nicht zeichnen kann, dann ist mit einem Pantoffel, den dein Vater nicht mehr trägt, ihm aber bequem war, auch gedient. Ich werde den Heiligen Crépin beauftragen, die Pantoffeln anzufertigen. Ich hoffe, ich kann dir vertrauen und du wirst weder deinem Vater noch sonst jemandem etwas von meinem Vorhaben verraten.“

Am 20. Dezember 1816 erhält August ein Paket mit einem zweiten Brief: „Ich danke dir, dass du meinen Auftrag so gut ausgeführt hast und gratuliere dir herzlich zu deinem Geburtstag, der auch der meinige ist. Öffne die Schachtel, die wahrscheinlich am Montagabend oder Dienstagmorgen in Weimar ankommen wird und schenke deinem Vater die Pantoffeln und das kleine Bild am Weihnachtsabend bei Kerzenschein (denn das Licht ist mein Element)“. In einem Brief vom 31. Dezember desselben Jahres antwortet Goethe Marianne von Willemer: „Ich muss zugeben, dass es das Jesuskind dieses Jahr besonders gut mit mir gemeint hat. Es hat es jedoch nicht an Schalk fehlen lassen. Es ist in der Tat angemessen, die Schuhe des Papstes zu küssen, da sie mit einem Kreuz geschmückt sind, oder die Füße seiner Geliebten zu liebkosen als Zeichen, dass man sich vollkommen ihren Wünschen hingibt, es ist jedoch unglaublich, wie man zu Magie greifen kann, um eine achtbare Person dazu zu bringen, seine eigenen Schuhe zu verehren und sie so zu moralisch und körperlich recht ungewohnten Bemühungen nötigt.“ Auf der Oberseite der berühmten Pantoffeln steht in persischen Schriftzeichen der Name Suleika, hinter dem sich Marianne von Willemer, die Muse des Dichters, verbirgt, der er Gedichte im Westöstlichen Diwan widmet. Goethes Schwäche für den weiblichen Fuß und Schuh ist wohlbekannt. In einem Brief an eine Freundin schreibt er: „Schicken Sie mir bald möglichst Ihr neuestes Paar Schuhe, damit ich einen Teil von Ihnen an meine Brust drücken kann.“