219. Stiefelette der Kaiserin Sissi von Österreich, 19. Jh. Ledermuseum, Offenbach.
Das Leben der Elisabeth von Wittelsbach, Prinzessin von Bayern, die unter dem Namen Sissi bekannt ist und durch Romy Schneider Unsterblichkeit erlangte, gleicht bei ihrer Verlobung mit ihrem Cousin ersten Grades, dem Kaiser Franz-Joseph von Österreich, einem Märchen. Bald jedoch gerät sie mit ihrer feindseligen Schwiegermutter, der Erzherzogin Sophie, aneinander, die ihr dem starren, veralteten Protokoll Karls V. entsprechend ihre Garderobe vorschreibt. Die Etikette verlangt, dass die Kaiserin jeden Tag neue Schuhe trägt. Das Personal ist über ihre Weigerung empört, denn ihm geht dadurch eine Einkommensquelle verloren. Es werden bis zu hundertdreizehn Paar Schuhe in der Garderobe der Kaiserin gezählt! Die Ehrendamen behaupten spitz, sie sei eine ungezügelte Reiterin und erzählen sowohl den Hofdamen als auch den sonst so gering geschätzten Kammerzofen, dass Pferdeknechte und Passanten ihre Blicke auf die Knöchel der vorüberreitenden Majestät heften würden. Ihr strahlendes Aussehen und ihr rascher, leichter Gang machen sie zu einer der schönsten Frauen ihrer Zeit. Sissi geht schnellen Schrittes auf dem Quai du Mont Blanc in Genf zu dem Dampfboot der Allgemeinen Schifffahrtsgesellschaft, als sie mit einundsechzig Jahren von Luigi Lucheni, einem italienischen Anarchisten, tödlich verletzt wird.