220. Hausschuhe des Thronfolgers Jean-Joseph-Eugène-Louis Napoleon. Internationales Schuhmuseum, Romans.
Die Schuhe der Gräfin von Castiglione
(Florenz 1837–Paris 1899)
Virginia Oldani (1837 bis 1899) wird als Tochter einer alten, adeligen Genueser Familie in Florenz geboren und heiratet 1854 den Grafen François Verasis, Junker des Königs Victor Emmanuel II. von Sardinien. Aufgrund ihrer Schönheit schwärmt bald ganz Turin für sie.
Cavour, der Minister des Königs, will ihre Schönheit für diplomatische Zwecke einsetzen und schickt sie zu Kaiser Napoleon III. den sie verführen soll, um ihn für die Einigung Italiens und die dafür notwendige Unterstützung der französischen Regierung zu gewinnen. Sie wird 1856 seine Geliebte und der Kaiser verbündet sich mit den Piemontesen.
Die schöne, seltsame, narzisstische Frau steht den Fotografen Mayer und Pierson, die in der Hauptstadt hohes Ansehen genießen, Modell. Den beiden gelingen äußerst schmeichelnde und technisch perfekte Porträts der politischen, künstlerischen und mondänen Elite des Zweiten Kaiserreichs. Die Gräfin bittet Pierson auch, ihre Beine und Füße zu fotografieren. Die erotische Aussage dieser Fotos ist eindeutig. Sie entsprechen den Fantasien der Männer jener Epoche, in der die Krinoline diesen Teil des weiblichen Körpers ihren begehrlichen Blicken entzog.