222. Louis Pasteur, Fotografie.
Louis Pasteur wurde 1822 als Sohn eines Gerbers in Dôle, einer Kreisstadt im französischen Jura, geboren. Der Chemiker und Biologe, ein bedeutender Wissenschaftler, wurde durch die Entdeckung des Impfstoffs gegen die Tollwut weltberühmt. Obwohl er in der Wissenschaft Revolutionäres leistete, war er in seinem Privatleben eher konventionell, wie Annick Perrot, Kuratorin des Musée Pasteur, erzählt. Dafür spricht auch seine Art, sich zu kleiden. Als 18-Jähriger Pensionsgast im Collège von Besançon schreibt er am 28. Oktober 1840 an seine Eltern: „Kümmern Sie sich um meine kleine Kiste, so wie Huguenet sich um meine Stiefel kümmert.“ Bei einem Aufenthalt in Straßburg schreibt er seiner Frau am 7. Oktober 1852: „… Wenn ich gute Schuhe habe, bring’ Sie mir mit. Meine Schuhe und vor allem meine Gamaschen. Also: Lackschuhe oder Stiefel …“
Ein anderer Brief vom 29. Januar 1856, der an seinen Vater gerichtet ist, enthält eine Anekdote: „Seit Beginn des Winters weiß ich die Holzschuhe, die du mir nach Straßburg geschickt hast, sehr zu schätzen. Mal abgesehen von einem Schnupfen, der höchstens zwei Tage gedauert hat, hatte ich keinerlei Beschwerden, vor allem keine Verdauungsstörungen, unter denen ich oft leide; wenn ich nasse Füße bekomme, fühle ich gleich Koliken. Seit meiner Rückkehr aus den Ferien war ich gesund und ich bin sicher, dass die Holzschuhe, die ich trage, damit zu tun haben.“ Trockene Füße schützen vor manchem Übel, aber dies von einem Wissenschaftler wie Pasteur bestätigt zu bekommen, ist amüsant. Die letzten sieben Lebensjahre verbringt Pasteur in einer riesigen Wohnung in dem Institut, das seinen Namen trägt. Ab 1936 wird dieser Ort zum Museum. Dort befindet sich eine aus Möbeln, privaten Gegenständen, Kunstwerken, Fotografien und sogar Schuhen bestehende Sammlung aus dem Besitz des Wissenschaftlers.
Da man seine häusliche Umgebung unverändert erhalten hat, kann man sich gut vorstellen, wie Pasteur in Pantoffeln aus schwarzem Filz auf leisen Sohlen von seinem Zimmer ins Bad gegangen ist. Sie scheinen ihm gute Dienste geleistet zu haben. Ein Bild vom Ende eines Lebens? Ein zweites Paar aus besticktem Stoff mit bordeauxrotem Grund ist vielleicht das Werk von Madame Pasteur. Sicher ist sie wie viele junge Mädchen und Frauen ihrer Zeit sehr geschickt in Handarbeiten. Pantoffeln aus besticktem Segeltuch sind im 19. Jahrhundert sehr verbreitet. Man kann sich Madame Pasteur in dem kleinen Salon im zweiten Stock am Kamin sitzend vorstellen, wie sie einen langen Faden durch den Stoff zieht, während Pasteur mit seinem Freund Bertin Karten spielt. Das Museum besitzt auch ein Paar an der Seite mit kleinen Knöpfen zu schließenden Gamaschen aus schwarzem Segeltuch und drei Paar Stiefel aus schwarzem Leder.