230. Schuh von Mouna Ayoub. Internationales Schuhmuseum, Romans.
Die Schuhe von Mouna Ayoub
Karriere einer Sammlerin von Haute Couture
Mouna Ayoub wurde in den libanesischen Bergen geboren. Seit ihrer frühen Kindheit interessiert sie sich für die Welt der Mode. Als Kind begleitet sie ihre Mutter zu Madame Juliette, einer in Sid El Bauchrié ansässigen französischen Modemacherin. In ihrem Atelier entdeckt sie beim Blättern in den Modemagazinen die Fotos von Mannequins, die die schönsten Modelle von Dior, Paquin, Schiaparelli, Vionnet, Saint Laurent und anderen vorführen. Bei Madame Juliette lernt Mouna, Kleider für ihre Puppe zu entwerfen. Sehr früh schon teilt sie die uneingeschränkte Bewunderung ihrer Mutter für Coco Chanel und träumt von Paris, der internationalen Hauptstadt der Eleganz, tonangebend in Fragen der Mode und des guten Geschmacks.
Nach ihrer Schulzeit bei den Schwestern von Sacré Cœur de Bikfaya, wo sie ihr Französisch noch verbessert, geht sie zum Studium nach Aix-en-Provence, Marseille und Paris. Beim Betrachten der Schaufenster in der Avenue Montaigne und der Rue Cambon schult sie ihren Blick. Am 1. Februar 1978 heiratet sie einen reichen Saudi. Ihr Hochzeitskleid wurde von Jean-Louis Scherrer entworfen. Von da an nimmt sie regelmäßig an Modeschauen teil.
Obwohl sie den berühmtesten Pariser Modehäusern treu bleibt, entdeckt ihr aufmerksamer und geschulter Blick auch neue Talente unter den Modeschöpfern, die ihre Modelle zum ersten Mal auf dem Laufsteg zeigen. Bei ihren umfangreichen Käufen betreibt sie eine intelligente Politik und wird bald zur bedeutendsten privaten Sammlerin von Haute Couture.
Die prachtvollen Kleider, die sie mit unermüdlichem Eifer seit mehr als zwanzig Jahren sammelt, legen ein lebendiges Zeugnis von der Meisterschaft der Modeschöpfer ab. Zu ihrer ständig wachsenden Sammlung von großem kulturellen Wert gehören auch mehr als tausend Paar Schuhe.
Ein Teil dieser Sammlung war in einer Ausstellung zu sehen, die im Herbst 2001 im MIC in Romans stattfand. Durchweg handgefertigte Pantoletten, Sandalen, Charles IX. Stiefel, Halbstiefel, Schnürstiefel, Ballerinas nach Louis XV. legen von den etwa zehn Jahren schöpferischer Arbeit zwischen 1990 und 2000 Zeugnis ab. Sie tragen den Stempel Raymond Massaros, der für Coco Chanel arbeitete. Diese traumhaft schönen Schuhe zu betrachten, ist ein kulturelles und sinnliches Erlebnis.
Ihre Sammlung weist Mouna Ayoub als vorbildliche Mäzenin der Modeschöpfer aus und fördert so die Weitergabe des Wissens von einer Generation zur nächsten. Der begabte Stickereikünstler François Lesage drückt es mit folgenden Worten aus: „Wenn es fünfzehn von ihrer Art gäbe, wäre die Zukunft der Haute Couture gesichert.“