259. Detail von Julien, La Fontaine, Marmor. Höhe 1,73 m. Louvre, Paris.

 

 

Restif de La Bretonne

Restif de La Bretonnes Werk ist eine Lobpreisung auf den Fuß und den Schuh. Er erklärt übrigens ganz freimütig zu Beginn der Anti-Justine: „Ich hatte vor allem eine Schwäche für hübsche Füße und schöne Schuhe.“

In seinem Roman Contemporaines ist der jung verheiratete Held Saintepallaire ein Fußfetischist. Der Autor schreibt: „Man konnte sich nichts Vornehmeres und Kostbareres vorstellen, als die Schuhe seiner jungen Gattin. Sie waren bis zum Absatz mit Perlmutt und glänzenden Diamanten bedeckt. Sie hatten mehr als zehntausend Kronen gekostet und waren ein Geschenk von Saintepallaire. Am Abend, wenn die beiden allein in ihrem Brautgemach waren, kniete der junge Gatte nieder und zog mit zitternder Hand die schönen Schuhe von den hübschen Füßen. Dann zog er ihnen nicht weniger schöne, jedoch weniger luxuriöse Pantoffeln an.

Die Schuhe wurden in einem kleinen, gläsernen Tempel auf eine kreisförmige, auf ionischen Kristallsäulen mit goldenen Kapitellen ruhende Auflage gestellt. In dieser Schatulle wurden die Schuhe, Zeichen und Zeugnis ewiger Liebe, aufbewahrt. Seitdem sind zehn Jahre vergangen und die junge Frau versäumte es nie, an jedem Hochzeitstag die Schuhe zu tragen. Die erotische Leidenschaft ihres Mannes hatte nicht nachgelassen. Vielleicht findet seine Liebe durch dieses Ritual immer wieder neue Kraft. Oder vielleicht wendet seine Gattin auf Anraten ihrer bewundernswerten Schwiegermutter anderen Frauen unbekannte Methoden an. Oder vielleicht sind Männer wie Saintepallaire zärtlicher und empfänglicher für diesen immer gleichen Reiz

Im Laufe ihres ersten Ehejahres lieferte der Schuhmacher im Auftrage Saintepallaires jeden Tag ein neues Paar Schuhe, dessen Farbe und Schmuck er persönlich ausgesucht hatte. Seine Frau trug sie nur an einem einzigen Tag, danach schloss sie sie in einem Wandkästchen ein. Im zweiten Jahr bestellte er nur weiße Schuhe. Seine Frau trug nacheinander alle Schuhe, die sie erst einmal getragen hatte und auch einige Paare, die sie vor ihrer Ehe gekauft hatte. Dank dieser Beschäftigung stand er stets im Bann seiner Frau. In Romanen wie Le pied de Fanchette (Der Fuß von Fanchette) oder Monsieur Nicolas, um nur die berühmtesten zu nennen, wird der Schuh nicht wie ein bescheidenes Accessoire behandelt, sondern ganz im Gegenteil werden Holzschuhe, Pumps, Hauspantoffeln und Pantoffeln mit einer Fülle von Details beschrieben, die einem Nachschlagewerk über die Kunst des weiblichen Schuhs im 18. Jahrhundert entnommen sein könnten. Wir möchten jedoch darauf hinweisen, dass schon im 17. Jahrhundert mit dem Pantoffel von Aschenputtel die Symbolik des Schuhs Ausdruck fand. Jene Schuhe sind Vorläufer des von Octave Mirbeau in seinem Tagebuch behandelten Fuß- und Schuh-Fetischismus einer Kammerzofe.

 

Chateaubriand – Atala
Die Mokassins von Chactas

Chateaubriand schifft sich 1791 nach Amerika ein. Die im Jahr 1801 veröffentlichte Erzählung Atala berichtet von der Liebe zwischen den zwei Indianern Chactas und Atala. Die Idylle in der Savanne führt den Leser ins exotische Amerika. Chateaubriand schreibt: „Atala machte mir einen Mantel aus der zweiten Rinde der Esche, denn ich war fast nackt. Sie bestickte meine Mokassins aus Bisamrattenleder mit den Stacheln des Stachelschweins.“ Die Beschreibung der Mokassins zeugt von der Beobachtungsgabe des Schriftstellers bei seinem Besuch bei den Indianern. Die Anfertigung der Mokassins ist den Frauen vorbehalten und Stickereien mit den Stacheln des Stachelschweins sind im 18. Jahrhundert üblich. Es ist interessant festzustellen, dass Chateaubriands Atala bei ihrem Begräbnis keine Schuhe trägt, während ihre Füße auf Girodets Gemälde in ein Leichentuch gehüllt sind: „Atala lag auf einem Teppich von Mimosen in den Bergen; ihre Füße, ihr Kopf, ihre Schultern und ein Teil ihrer Brust waren unbedeckt. In ihrem Haar konnte man eine verwelkte Magnolienblüte erkennen Ihre Lippen glichen einer zwei Tage alten Rosenknospe und schienen sehnsüchtig zu lächeln. Auf ihren leuchtend weißen Wangen schimmerten einige blaue Adern durch. Ihre schönen Augen waren geschlossen, ihre sittsamen Füße lagen nebeneinander.“

 

Gustave Flaubert – Salammbô

Gustave Flaubert benötigt fünf Jahre für den historischen Roman Salammbô. Die Idee dazu entnahm er einer Episode aus dem Ersten Punischen Krieg im dritten Jahrhundert vor Christus. Da Flaubert historische Genauigkeit und Fiktion vereinbaren will, besucht er Tunesien und studiert alle damaligen Dokumente über das Altertum im Mittelmeerraum. Das große malerische, poetische Werk ist die Frucht langwieriger, methodischer Arbeit und erscheint im Jahr 1862.