263. Illustration des Bon Marché.

 

 

Emile Zola – Das Paradies der Damen

Das Aufkommen der Kaufhäuser im zweiten Kaiserreich verändert den Binnenhandel Frankreichs grundlegend. Das Konzept besteht darin, der Kundschaft in hunderten von Abteilungen alle geläufigen Artikel anzubieten. Auch die Verkaufsbedingungen sind neu: Die geringe Gewinnspanne der zu Festpreisen verkauften Artikel wird durch die Verkaufsmengen wieder eingeholt. Als Aristide Boucicaut sein Glück in Paris sucht, arbeitet er zunächst als einfacher Angestellter, dann als Abteilungsleiter in einer Kaufhalle. 1852 kauft er den in einem populären Viertel gelegenen dreißig Quadratmeter großen Laden Le Bon Marché.

Ab dem Jahr 1863 beträgt der Umsatz sieben Millionen Goldfranken und bereits 1877 erstreckt sich das Geschäft über einen ganzen Häuserblock. Diese Geschichte dient Emile Zola als Vorlage für seinen Roman Das Paradies der Damen, der 1883 erscheint. Im Roman wird der Aufstieg von Octave Mouret erzählt, dem Erfinder einer neuen Art von Geschäft vom Handwerksladen zum Kaufhaus. Er spekuliert auf die Koketterie der Frau. Unter den zahlreichen Abteilungen kommt dem Schuh ein besonderer Platz zu:

„Madame Marty jedoch begeisterte sich vor allem für die neuen Abteilungen; keine Abteilung wurde ohne sie eröffnet; sie eilte hin und kaufte schließlich Dann stieg sie wieder in die Schuhabteilung hinab, die heute am Ende eines Gangs im Erdgeschoss hinter dem Verkaufstisch für Krawatten eröffnet worden war. Vor dem Schaufenster war sie von einem krankhaften Verlangen nach den weißen, mit Schwänen verzierten Seidenpantoffeln, den Schuhen und Stiefeletten aus weißem Satin mit hohen Absätzen im Stil Ludwigs XV. überwältigt worden.

Ah! Meine Liebe, stotterte sie, sie können sich nicht vorstellen, welch unglaubliche Auswahl an Mänteln es gibt. Ich habe einen für mich und einen für meine Tochter gekauft Und die Schuhe, nicht Valentine?

Ganz unerhört! fügte das Mädchen mit der Kühnheit einer Frau hinzu. Es gibt Stiefel für zwanzig Francs fünfzig, oh! Stiefel!“

 

Gérard de Nerval – Sylvia
Alain Fournier – Der Große Meaulnes

Zwischen den Veröffentlichungen von Sylvia und dem Großen Meaulnes liegen zwar sechzig Jahre, aber beide Autoren beschreiben Schuhe. Im 1853 veröffentlichten Roman Sylvia erinnert sich der Autor an sein geliebtes Wallis. Nerval ist zwischen seiner Liebe zu Sylvia, seiner Kindheitsfreundin und dem geheimnisvollen Reiz Adriennes hin- und hergerissen. Die magische Anziehung Adriennes ist stärker. Auf der Suche nach einem Modell alter Spitze durchwühlt Sylvia die Schubkästen ihrer Tante: „Sie durchsuchte erneut die Schubkästen. Ah! Welch Kostbarkeiten! Wie gut das roch, wie das glänzte, wie die kräftigen Farben und der billige Flitter schillerten! Zwei leicht zerbrochene Perlmuttfächer, Nudelschachteln mit chinesischen Figuren darauf, eine Bernsteinkette und tausend Kinkerlitzchen unter denen zwei kleine, weiße Stoffschuhe, die mit diamantenbesetzten Schnallen verziert waren, funkelten! „Ah! Die will ich anziehen, sagte Sylvia, wenn ich die bestickten Strümpfe finde!“ Einen Augenblick später rollten wir zartrosa Seidenstrümpfe mit grünen Enden auf; die Stimme der Tante und das Geräusch der Pfanne auf dem Feuer brachten uns plötzlich in die Wirklichkeit zurück. „Geht schnell hinunter!“, sagte Sylvia, und was immer ich auch sagte, sie erlaubte mir nicht, ihr dabei zu helfen, die Schuhe anzuziehen.“