281. Pumps aus sächsischem Porzellan, 19. Jh. Internationales Schuhe Museum, Romans.

 

 

Der Schuh in der Kunst

 

 

Der Schuh, ein zum Gehen notwendiger Artikel des alltäglichen Lebens, kann aufgrund seiner Ästhetik zum Kunstwerk erhoben werden. Ein Kunstwerk, das Aufschluss über die Persönlichkeit und vor allem über die Denkweise und das Schaffen ihrer berühmten oder unbekannten Schöpfer gibt. Das Thema Schuh war schon immer für zahlreiche Künstler auf der ganzen Welt eine unversiegbare Inspirationsquelle, der sie mittels Zeichnungen, Skulpturen, Kunsthandwerk und bildender Künste Ausdruck verliehen. In diesem Kapitel wollen wir uns vor allem der Betrachtung einiger Kunstwerke widmen.

Delacroix reist 1832 nach Nordafrika. Dieses Erlebnis beeinflusst entscheidend die Sichtweise, Technik und das ästhetische Empfinden des Künstlers. In seinem Buch über Delacroix zählt Maurice Serullaz dank der Notizen in den Reisetagebüchern des Malers die verschiedenen Gegenstände auf, die letzterer mitgebracht hat. Darunter waren auch Schuhe: „Fünf Paar Pantoffeln, elf Paar Pantoffeln mit doppelter Sohle, zwei kleine Paar, ein Paar kleine für Frauen, gewöhnliche Damenpantoffeln mit wie bei Männern herabgesetzten Seitenteilen, vier Paar Stiefel.“ (Maurice Serullaz, Delacroix Kapitel VIII, „L’Antiquité vivante La lumière et ses reflets colorés“, S. 173.)

In einem Brief an Felix Grullemardet beobachtet der Maler die Schuhe:

„Tanger, 24. Januar 1832. Nach einer dreizehntägigen Überfahrt liege ich nun vor der afrikanischen Küste vor Anker mit Sicht auf diese Stadt, die erste des marokkanischen Königreichs, mit der wir in Verbindung stehen. Heute morgen bekamen wir zu meiner Freude Besuch von einem Boot voller Marokkaner, die unseren Konsul zu uns brachten. Wir haben uns mit ihm unterhalten. Es gibt viele interessante Gewänder zu sehen: Viele gleichen denen der Nordafrikaner in Paris, bis auf den Unterschied, dass ihre Beine und Füße unbekleidet sind: Nur die vornehmen Herren tragen Pantoffeln.“ (S. 145)

Übrigens betrachtet Delacroix den Schuh nicht als ein überflüssiges Accessoire. Er schreibt dazu ganz im Gegenteil 1838 an George Sand: „Ich muss den ganzen Tag Paris von einem Ende bis zum anderen durchqueren Ich werde versuchen, Sie heute abend zu besuchen und mich Ihnen zu Füßen werfen, jene Füße deren Pantoffeln, Strümpfe und Beine ich verehre (dies ist arabisch). Schicken Sie mir Nachricht, falls ich Sie nicht sehe; es grüßt Sie herzlichst.“ Und Maurice Serullaz erklärt: „Er unterschreibt mit dem selten gebrauchten Wortspiel:

 

Eugène 2, die Note la (a), und ein Kreuz.“ (S. 203)