306. Geschichte Noahs und der Sintflut, Detail eines Mosaiks aus dem 13. Jh. Markusdom, Venedig.

 

 

Anhang

 

 

Die Legende von Rhodopis

Die reizende Kurtisane Rhodopis badet im Nil. Ein Adler fliegt vorbei und nimmt in seinem Schnabel eine ihrer Sandalen mit, die sie in der Nähe des Flusses abgelegt hat. Auf dem Weg nach Memphis lässt er seine Beute in den Schoß des Pharao fallen, der gerade zu Gericht sitzt. Angenehm überrascht von der Feinheit und Eleganz der Sandale, befiehlt der Pharao, unverzüglich in ganz Ägypten nach ihrer Besitzerin zu suchen. Schließlich findet er sie und macht sie zu seiner Frau. Diese Legende aus der Antike, die Strabon im ersten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung erzählt, geht dem berühmten Märchen von Aschenputtel voraus, das Charles Perrault im 17. Jahr- hundert schrieb.

 

Die Füße der Kaiserin

Am Hof von Byzanz kann jedes junge Mädchen Kaiserin werden: Die Kandidatinnen werden nach ihrer Schönheit, ihrem Liebreiz und der Größe der Füße je kleiner, desto besser beurteilt. In einer pompösen Zeremonie empfängt die glückliche Auserwählte aus der Hand einer Prinzessin des Hofs purpurfarbene, mit Perlen bestickte geflügelte Schuhe. Ein Brauch, der bis ins 11. Jahrhundert erhalten bleibt.

 

Der unbotmäßige Schnabelschuh

Eine Anordnung von Charles V. verbietet den Sekretären und Notaren des Königs das Tragen von Schuhen. In Offenen Briefen aus dem Jahr 1368 untersagt Charles V. „jeder Person von Stand gleich unter welchen Umständen in Zukunft das Tragen von Schnabelschuhen bei einer Strafe von zehn Florin, da dieser Überfluss gegen die guten Sitten verstößt, Gott und die Kirche durch Eitelkeit und Hoffart beleidigt.“ Und der Kardinal Curson verbietet 1215 dem Professor der Universität von Paris, diese skandalösen Schuhe zu tragen.

 

Bertrade auf großem Fuß

Bertrade, die Mutter Karls des Großen (742 bis 814), hatte einen Fuß, der größer war als der andere, daher ihr Spitzname „Berta mit dem großen Fuß“. Der Fuß Karls des Großen war 32,4 Zentimeter lang, was der Schuhgröße 48 entspricht, die auch Charles de Gaulle hatte. Auf kaiserliche Anordnung wurde sein Fuß eine bis zur Einführung des metrischen Systems im Jahr 1795 gültige Maßeinheit.