307. Holzschuhe aus dem Tal der Bethmale, Holz, mit Nägeln in Herzform dekoriert. Ariege, 18. Jh., Sammung Guillen.
Die Legende von den Holzschuhen von Bethmale
Im 7. Jahrhundert, zur Zeit der maurischen Herrschaft, bildet das in der Gegend von Ariège (Südfrankreich) gelegene Tal von Bethmale ein Hort des christlichen Widerstands. Boedbit, der Sohn des muslimischen Herrschers, verliebt sich in das hübscheste Mädchen des Landes, die schöne Esclarelys, die aber schon die Verlobte Danaerts war. Der junge Mann sammelt die Aufständischen, um gegen die Eindringlinge zu kämpfen und zieht sich mit ihnen in die Berge zurück.
Einer der Aufständischen wird vom gegnerischen Lager gefangen genommen, an den Füßen aufgehängt und mit Holzschuhen bewusstlos geschlagen. Während dessen gibt die gedankenlose und leichtfertige Esclarelys, deren Vornamen so viel wie „Lilienstern“ bedeutet, den Verlockungen nach. Sie betrügt ihren Verlobten, flieht mit ihrem Verführer, verbringt mit ihm süße Stunden und macht sich auf diese Weise auch der Kollaboration mit den Feinden des Landes schuldig. Einige Zeit später bemächtigen sich Danaert und seine Freunde des maurischen Lagers. Alle werden gefangen genommen und in Ketten gelegt. Danaert befiehlt allen Mädchen im heiratsfähigen Alter, sich aufzustellen und lässt sie vorbeigehen. Er trägt seltsame Holzschuhe mit langen, senkrecht stehenden Spitzen, auf denen zwei Fleischstücke aufgespießt sind. Es sind die Herzen von Boedbit und Escalrelys, die den beiden Liebenden herausgerissen wurden; um sich zu rächen, warf sie der betrogene Verlobte den wilden Tieren der Berge zum Fraß vor.
Seit jener Zeit schnitzen die Verlobten für sich und ihre Schönen entsprechend geformte Holzschuhe, die mit herzförmig angeordneten kupfernen Nägeln geschmückt sind: Je aufrichtiger die Liebe, desto schärfer die Spitze. Das auf einen alten Brauch zurückgehende Geschenk während der Verlobungszeit soll die zukünftigen Gatten an die Bedeutung der eingegangenen Verpflichtung, an ihr Versprechen und an die eheliche Treue gemahnen.