»DA MACHST DU HALT ABWÄRTSMANAGEMENT.« WAS DIE MEDIENBRANCHE BEDROHT

Umsonst ist kein Geschäftsmodell

Wer in der Öffentlichkeit eine schlechte Nachricht zu verkünden hat, tut dies vorzugsweise an Freitagnachmittagen oder im August. Viele Menschen, auch Journalisten, haben zu diesen Zeiten schon Feierabend oder befinden sich im Urlaub, und so ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass Ereignisse großer Tragweite auch angemessen von den Medien gewürdigt und vom Publikum wahrgenommen werden. Am 5. August 2019 rückten die beiden größten amerikanischen Zeitungsverlage GateHouse und Gannett mit einer solchen Nachricht heraus: Sie würden fusionieren. Nun hatten die Protagonisten das Datum zwar nicht gezielt im August platziert – die Verhandlungen hatten sich einfach so lange hingezogen. Richtig ist aber: Für die Vielfalt der Medien war dies ein schwarzer Tag.

Eine von sechs Tageszeitungen in den USA wird nun unter dem Dach des neuen Konglomerats erscheinen, das beispielsweise auch die überregionale USA Today herausgibt. Das sind 265 Blätter plus Tausende Wochenzeitungen mit einer Auflage von insgesamt 8,7 Millionen Exemplaren.1 Viele Menschen dürften das vor lauter Aktivitäten am Strand und beim Barbecue gar nicht mitbekommen haben. Dabei wird auch dieser Schachzug, in den ein Finanzinvestor verwickelt ist, absehbar wieder reichlich Jobs kosten. In den Vereinigten Staaten sind allein in den vergangenen 15 Jahren 1800 Zeitungen gänzlich vom Markt verschwunden. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Pew Research haben US-amerikanische Medienkonzerne zwischen 2008 und 2018 jede vierte Redakteursstelle gestrichen.2

So turbulent und dramatisch geht es in Deutschland bislang noch nicht zu, aber die Entwicklung weist in die gleiche Richtung. »Pressekonzentration steigt rasant«, formulierte es eine Fachpublikation. Im Jahr 2018 beherrschten die zehn größten deutschen Verlagsgruppen immerhin schon knapp zwei Drittel des Marktes.3 Und der Druck auf die Branche steigt. Um Kosten zu sparen, legen Regionalzeitungen ihre überregionalen Teile und ihre Online-Auftritte zusammen, zu Exklusivmeldungen hört man inzwischen öfter mal Namen im Radio, die man früher nicht kannte. »Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet …«, heißt es dann, oder: »Nach Angaben der Funke-Mediengruppe …« Diese Konzentration ist einerseits gut für die Kunden, denn sie sichert die Versorgung mit Nachrichten und Informationen. Starker Journalismus kostet Geld und kann mit vereinten Kräften ansprechender gestaltet werden. Andererseits geht bei dieser Entwicklung nach und nach die Vielfalt von Stimmen und Ideen verloren, die in pluralistischen Gesellschaften so wichtig ist.

Überall trifft es vor allem die Regionalzeitungen knüppeldick. Aber auch die großen überregionalen Blätter verhängen Einstellungsstopps, verordnen sich Sparprogramme und bieten teuren, älteren Redakteurinnen und Redakteuren Abfindungen an. Wer geht, findet häufig in der Branche keinen Job mehr – zumindest keinen, mit dem man eine Familie ernähren könnte. Die Arbeitslosigkeit unter Journalisten sei überdurchschnittlich hoch, bilanzierte im Mai 2018 die Fachzeitschrift Journalist für Deutschland, prekäre Arbeitsverhältnisse seien keine Seltenheit. Ein knappes Drittel derjenigen, die sich hauptberuflich als Journalisten bezeichneten, gehe inzwischen einer bezahlten Nebentätigkeit außerhalb der Branche nach. Der Anteil der Geringverdiener sei hoch: 27,9 Prozent verdienten weniger als 1800 Euro brutto im Monat.4

Wer in dieser Situation eine Leitungsposition übernimmt, weiß, worauf er oder sie sich einlässt. »Da machst du halt Abwärtsmanagement«, formulierte das der Chefredakteur einer großen deutschen Regionalzeitung in einem persönlichen Gespräch. Der Sparzwang fällt ausgerechnet in eine Zeit, in der nicht nur möglichst rasch in den digitalen Wandel investiert, sondern parallel der kostspielige Druckerei- und Vertriebsbetrieb aufrechterhalten werden muss. Denn noch verdienen die Zeitungen auf Papier das Geld.

Wie ist es so weit gekommen? Es gab einmal eine Zeit, da konnte man mit Zeitungsmachen richtig gut Geld verdienen. Den allergrößten Teil der Einnahmen steuerten Anzeigenkunden bei. Das waren einerseits die großen Markenartikel-Konzerne, allen voran jene, die Autos und Luxusgüter zu verkaufen hatten. Der Listenpreis für eine ganzseitige, vierfarbige Anzeige in einer Ausgabe der Süddeutschen Zeitung betrug in etwa so viel wie das Brutto-Jahresgehalt eines leitenden Redakteurs. Andererseits – und das war der größere Batzen – gab es die Kleinanzeigen, die vor allem dank ihrer schieren Menge verlässliche Einnahmen garantierten. Etwa 70 Prozent der Erlöse stammten aus dieser Quelle, der Rest aus dem Verkauf von Abos oder am Kiosk.

Dann kam die Digitalisierung. Für die Geschäftsmodelle von Zeitungshäusern hatte das verschiedene Konsequenzen: Zunächst einmal verschwanden die Kleinanzeigen in Richtung der Internetportale. Wer früher eine Wohnung, Arbeit, einen Partner oder ein Babybett gesucht hatte, kaufte dafür eine Zeitung. Manch einer wartete schon am Freitagabend vor dem Druckhaus, um ein frisches Exemplar der voluminösen Samstagszeitung zu ergattern, die zuweilen mehr als hundert Seiten mit einschlägigen Anzeigen enthielt. Heute gehen Kunden für solche Zwecke im Internet auf Immobilien- oder Autoscout, die Jobbörse Stepstone, den Flohmarkt Ebay oder Seiten wie das Partnersuchportal Match.com. Deren Geschäfte laufen blendend. Die Medienhäuser hatten zu lange gehofft, das Internet werde sich als vorübergehendes Phänomen erweisen, und den Trend deshalb so lange wie möglich verdrängt. Nun bekamen sie die Quittung dafür.

Zweitens fanden Markenartikler das Internet reizvoll und interessant. Weil auf Webseiten im Hintergrund Analyse-Software mitläuft, konnten sie erstmals genau sehen, welche Wirkung jene Anzeigen hatten, für die sie so teuer bezahlten. Wer klickte drauf, wer klickte sich durch, wer bestellte am Ende das beworbene Produkt oder Informationsmaterial dazu? Wie sie feststellen mussten, war die Ausbeute an Aufmerksamkeit gar nicht so gut wie vermutet, denn die Leute lasen oft lieber das spannende Stück Journalismus gleich neben der Anzeige. Preise, wie Werbeverkaufsleiter sie noch in der alten Printwelt hatten aufrufen können, waren online deshalb nicht mehr zu erzielen.

Diejenigen, die schon früh Witterung zum Silicon Valley aufgenommen hatten, glaubten sehr lange daran, das Modell des werbefinanzierten Journalismus eins zu eins von der alten in die neue Welt übertragen zu können – bei deutlich niedrigeren Kosten. Immerhin würde man in der guten neuen Zeit weder kostspielige Druckereien und teures Papier noch einen aufwendigen Vertrieb benötigen, um journalistische Inhalte zu den Abnehmern zu bringen. Jeder zusätzliche Leser kostete exakt null Cent. Und je mehr Leserinnen und Leser man für eine Seite begeistern konnte, desto größere Aufmerksamkeit würde auch den dort platzierten Anzeigen zuteilwerden. Nachrichten, so der Traum, könnte man also allen Leserinnen und Lesern kostenlos zur Verfügung stellen, die Anzeigenkunden würden schließlich voll dafür bezahlen.

Dann kamen Google und Facebook. Hier fanden sich nicht nur journalistische Inhalte, sondern alles Mögliche, das Blicke auf sich zog – zum Beispiel Antworten auf noch so seltsame Fragen und massenhaft Nachrichten von Freunden und Bekannten. Wer werben will und wollte, kann dort ganz genau nachvollziehen, was es ihm bringt. Heute vereinigen allein die beiden genannten großen Portale sehr grob geschätzt 80 Prozent der weltweiten Online-Werbeeinnahmen auf sich. Den Rest teilen sich Medien und andere Plattformen untereinander auf. Schon gibt es Medien, die zur Sicherheit gleich ganz auf Anzeigenerlöse verzichten, wie etwa Media Pioneer Publishing, das vom ehemaligen Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart in Berlin gegründete Medienunternehmen, in das Axel Springer mit 36 Prozent eingestiegen ist.5

Alan Rusbridger, der ehemalige Chefredakteur des britischen Guardian, beschreibt in seinem Buch Breaking News aus seiner Perspektive, wie man dort die drastischen Veränderungen der letzten zwanzig Jahre erlebt hat.6 Rusbridger hatte sehr viel früher als andere in der Branche ein Gespür für die digitalen Umwälzungen entwickelt und so mit dafür gesorgt, den Guardian weltweit zu einer erstklassigen digitalen Medienmarke zu machen. Später als andere begriff er jedoch, dass Reichweite alleine eine schwache Währung ist und »umsonst« kein funktionierendes Geschäftsmodell für Journalismus darstellt.

Wer mit Leser-Mails zu tun hat, bekommt hin und wieder noch Zuschriften wie diese: »Unmöglich, dass Sie Unternehmen wie xy in Ihrer Zeitung werben lassen. Müssen Sie diese Anzeigen wirklich annehmen?« Man schreibt dann zurück, dass man müsse, nicht aber, dass man sehr gerne sehr viel mehr davon hätte. Denn das alte Modell war ein prächtiger Garant journalistischer Unabhängigkeit. Natürlich war man abhängig von Anzeigenkunden, aber wenn sich der eine über eine vermeintlich allzu kritische Berichterstattung ärgerte, konnte man auf dessen Werbung verzichten, bis er sich wieder abgeregt hatte – auch wenn das bei Großkunden manchmal finanziell wehtat. Es kauften ja noch genügend andere den Werbeplatz. Die Vielfalt derjenigen, die bunt und groß für ihre Produkte werben wollten, garantierte dafür, dass niemand von ihnen zu mächtig wurde.

Ein bisschen komplizierter wurde es, als sogenannte Advertorials in Mode kamen. Das ist Werbung, die als Journalismus getarnt ist. In dem Fall würde zum Beispiel BMW kein großes Bild des neuen 5er-Modells zeigen, das beim Kunden einen »Den muss ich haben«-Reflex auslöst, sondern einen längeren Text darüber bringen, wie moderne Mobilität aussieht. In diesem Text wird dann mehr oder weniger geschickt darauf angespielt, wie gut BMW diesen Anforderungen entspricht. Die Idee dahinter: Man kann der Leserschaft vormachen, das Ganze sei ein redaktioneller Inhalt, und sie auf diese Weise subtil beeinflussen. Gute Chefredakteure achten darauf, dass ein Advertorial optisch ganz anders auszusehen hat als ein originärer Zeitungs- oder Online-Text, in der Hoffnung, dass die Leser klug genug sind, den Unterschied zu merken. Chefredakteure müssen in der Regel auch entscheiden, ob ein Anzeigenkunde beispielsweise die Seite eins der Zeitung kaufen oder andere Dinge tun darf, die die eigentlichen redaktionellen Inhalte in ihrer Wirkung schmälern könnten. So zumindest ging es in der alten Welt zu.

In dieser Welt gab es zwischen der Redaktion und dem Verlag – also den Abteilungen, die nicht für die Inhalte, sondern für das Geldverdienen verantwortlich sind – eine strikte Trennung. Über der Redaktion wacht der Chefredakteur, über den Verlag die Geschäftsführung. Diese Aufteilung funktionierte gut, auch wenn sie intern manchmal bis zur Lächerlichkeit ernst genommen wurde. Als die Süddeutsche Zeitung zum Beispiel noch in der Münchner Innenstadt nahe dem Marienplatz residierte, gingen die meisten ihrer Redakteure aus Prinzip nicht zum Sommerfest des Verlags. Heute wären sie froh, es gäbe noch ein Sommerfest – 2019 wurde es aus Kostengründen gestrichen. Am Hauptsitz der New York Times in Manhattan wiederum hatte Stararchitekt Renzo Piano unterschiedliche Fahrstühle für die Redaktion und für die übrigen Mitarbeiter/-innen des Verlags vorgesehen. In den USA nennt man diese Trennung auch church and state. Heute spielt sie keine Rolle mehr. Was zählt, ist nur noch das Business, genauer, dass man überhaupt noch über die Runden kommt. Die dafür nötigen Einnahmen müssen zunehmend von den Lesern selbst kommen. Die wundern sich darüber, dass alle paar Monate die Preise erhöht werden, zahlen aber meistens, ohne sich zu beklagen. Eine Zeitung ist immerhin noch nicht viel teurer als ein Cappuccino beim Coffee-to-go-Spezialisten, und man hat in der Regel länger etwas davon. Wer eine Einzugsermächtigung für ein Abo erteilt hat, bekommt unter Umständen noch nicht einmal mit, dass Jahr um Jahr etwas mehr abgebucht wird.

Beim Entwickeln neuer digitaler Produkte für den online verbreiteten Journalismus rücken Redakteure, Datenspezialisten und Marketingleute eng zusammen. Chefredakteure übernehmen die Rolle des Geschäftsführers häufig gleich mit. Die alte Trennung der Bereiche gilt als überholt, wenngleich sich die Beteiligten meistens darüber einig sind, dass man – wenn überhaupt – nur mit gutem, und das heißt eben auch von den Interessen der Politik und Anzeigenkunden unabhängigem Journalismus etwas verkauft.

Die neuen Verantwortlichkeiten drücken sich auch räumlich aus. Der Chefredakteur früherer Prägung saß in einem imposanten Büro auf der Teppichetage, abgeschirmt vom Vorzimmer, damit er bei Bedarf in Ruhe einen Leitartikel verfassen konnte. Bei der schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter hat Chefredakteur Peter Wolodarski seinen Schreibtisch dagegen im Großraum, genau an der Schnittstelle zwischen Redaktion und Verlag. Sein Job ist es, mithilfe beider Teams möglichst viele Leserinnen und Leser zum Abschluss eines Digitalabos zu bewegen. Alle Kollegen haben die Monitore im Blick, die wie das Armaturenbrett im Auto Dashboard genannt werden und auf denen man sehen kann, wie gut das Abo-Fischen am jeweiligen Tag gerade gelingt: wie viele Leser sich neu registriert haben, welche Texte besonders gefragt sind, welche geteilt werden. Ist das Tagesziel noch nicht erreicht, bleibt die Säule rot. Die Verlage der skandinavischen Länder sind beim Verkauf von Digitalabos weltweit am erfolgreichsten.

Das Ganze gleicht allerdings einer Sisyphusarbeit: Im globalen Durchschnitt sind laut »Digital News Report 2019« nur 14 Prozent aller Konsumenten digitaler Nachrichten bereit, auch dafür zu zahlen. Die Nordländer schaffen einen Anteil von etwa 30 Prozent. In Großbritannien und Deutschland, wo es mit BBC News oder dem freien Angebot von Spiegel Online viele kostenlose digitale Qualitätsnachrichtenprodukte gibt, liegt die Zahlungsbereitschaft dagegen gerade einmal bei 6 bis 7 Prozent. Allerdings nimmt sie gerade etwas zu, vor allem auch unter jüngeren Nutzern.7 Wie man Digitalabonnenten wirbt, gewinnt und bei der Stange hält, hat sich derweil zu einer regelrechten Wissenschaft entwickelt. Mithilfe von Daten wird genau beobachtet, welche Nutzer welche Geschichten und Formate wann mögen, und entsprechend versucht man, sie zu umgarnen.

Einige Zeitungen, wie zum Beispiel der britische Guardian, haben sich gegen das traditionelle Abomodell entschieden und werben um freiwillige »Mitgliedschaften« oder Spenden. Auch hier wird akribisch mit Daten und sanftem Druck gearbeitet (»Sie haben in diesem Monat schon 39 Artikel gelesen. Journalismus kostet Geld …«). Das kann funktionieren, wenn die Kunden besonders loyale Fans sind, ähnlich wie die deutsche taz dies mit ihrem anzeigenfreien Geschäftsmodell schon seit Jahrzehnten praktiziert. Oder wenn man wie der Guardian auf Englisch publiziert und damit auf dem Weltmarkt potenzielle Kunden ansprechen kann. Ein großer Teil der zahlenden Guardian-Abonnenten sitzt tatsächlich in den USA, wo größere Geldzuwendungen und Wohltätigkeit eine starke Tradition haben.

Die goldenen Zeiten des Journalismus sind trotz allem vorbei, und ein Blick zur New York Times zeigt, dass sie wohl kaum wiederkommen werden. Man kann das Traditionshaus aus New York auch ohne Studium aller Bilanzen wohl als das Medienhaus bezeichnen, das den digitalen Wandel bislang am erfolgreichsten bewältigt hat. Seine Digitalabos verkaufen sich blendend und tragen einen ständig wachsenden Anteil zum Umsatz bei. Dennoch stammte der größte Teil der Erlöse auch 2018 noch aus dem Verkauf von traditionellen Abonnements der Papierzeitung. »Ich fühle mich wie ein Alpinist, der von den Alpen zum Himalaja wandert«, beschrieb Times-CEO Mark Thompson auf einer Konferenz im Juni 2019 seine Gemütslage.8 Aber wenn sogar schon der Klassenbeste das sagt, was ist dann erst mit den anderen? Es zeichnet sich ab, dass es zu einem »Winner takes all«-Szenario kommen wird: Einige große Häuser behaupten sich, für alle kleineren bleibt nichts mehr übrig.

Von den Letzteren sind tatsächlich viele schon verschwunden. Mit den Anzeigenerlösen, die dieser Tage üblicherweise nicht mehr als 30 Prozent zum Umsatz beitragen, schmolzen die Renditen. Eigentümer, die ihren Anteil an einem Verlagshaus bisher als schönen Gewinnbringer oder zumindest als Rentenversicherung betrachtet hatten, haben längst verkauft. Vor allem in den USA griffen dann oft Finanzinvestoren zu, die meinten, mit ein paar »Kostenmaßnahmen« und Synergien das jeweilige Haus »verschlanken« zu können, um dann bei einem möglichen Weiterverkauf eine schöne Rendite zu erzielen.

Die meisten der neuen Eigentümer hatten unterschätzt, wie viel Arbeit guter Journalismus bereitet und wie teuer er deshalb werden kann. Noch bevor sie das allerdings merkten, hatten sie schon eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt: Mehr Sparen heißt weniger Redaktion, weniger Redaktion bedeutet über kurz oder lang schlechterer Journalismus, schlechterer Journalismus verkauft sich schlechter, was wiederum weiteres Sparen erforderlich macht.

Die neue Verlagswelt lässt sich aber nicht so einfach in böse Investoren und gute Eigentümer einteilen. Denn mittlerweile geraten auch jene Verlegerinnen und Verleger in Bedrängnis, die publizistische Werte bislang stets hochgehalten und aus Überzeugung an ihrem Engagement festgehalten, ja sogar noch investiert haben. Die »Kleinen« unter ihnen, wie im Sommer 2019 in Deutschland die Erben des DuMont-Verlagskonzerns, suchen verzweifelt nach möglichen Käufern, und selbst die »Großen« verschaffen sich anderweitig Luft, um überhaupt noch investieren zu können. Bei der Axel Springer AG etwa stieg ebenfalls im Sommer 2019 der US-amerikanische Finanzinvestor KKR ein. Der Konzern soll von der Börse genommen und auf Wachstum getrimmt werden – vor allem im digitalen Kleinanzeigengeschäft. Die jeweiligen Redaktionen der Bild- und Welt-Gruppe fürchteten von Anfang an, dass die Größenfantasien nicht für sie gelten. Zu Recht, denn bereits wenige Wochen später verkündete Springer-Chef Mathias Döpfner ein hartes Sparprogramm.9 Die Kosten sollen um 50 Millionen Euro sinken, vor allem bei Bild und Welt fallen Stellen weg. Andere Blätter hatte Springer schon vor Jahren abgestoßen.

Nicht jedes Verlagshaus hat nun mal das Glück, von jemandem wie dem Amazon-Gründer und Milliardär Jeff Bezos übernommen zu werden. Er kaufte die Washington Post 2013 für 250 Millionen Dollar, für ihn nicht mehr als ein Taschengeld.10 Damals war die Post genauso vom Abwärtssog der Branche ergriffen worden wie alle anderen Zeitungen, heute gilt sie als Wegweiser in die neue Medienwelt und arbeitet profitabel. Chefredakteur Martin (»Marty«) Baron versichert dabei ein ums andere Mal, Bezos sei ein enthusiastischer Investor und mische sich in inhaltliche Fragen nicht ein: »Bezos sagte, berichtet über mich wie über jeden anderen. Berichtet über Amazon wie über jeden anderen.« In fünfeinhalb Jahren habe er noch in keinem Fall Einfluss nehmen wollen.11 Die Redakteurinnen und Redakteure der Post dürften sich dennoch zuweilen Fragen stellen, zum Beispiel, wenn es um Recherchen über die Arbeitsbedingungen bei Amazon geht. Als Bezos und seine Frau McKenzie 2019 ihre milliardenschwere Trennung bekannt gaben, war das ein Härtetest, den die Redaktion, wie selbst die Konkurrenz zugab, gut meisterte.12

Aber nicht jedes Medienhaus ist so prominent, dass es zum Spielzeug für einen Milliardär oder als Stoff für einen Hollywood-Film taugt. Vor allem Regionalzeitungen trifft es hart. Selbst die einst stolze Los Angeles Times zählt zu denjenigen, die sich von Sparrunde zu Sparrunde retten, immer mal wieder den Eigentümer wechseln und bei den Digitalabonnements eher mäßig zulegen. Lokaljournalismus findet – wie bereits an anderer Stelle diskutiert – an vielen Orten der USA kaum noch statt. Dort und auch in Deutschland ziehen sich Blätter wie die Berliner Zeitung, die mal selbstbewusst bei den Großen mitspielen wollten, auf ihre Heimatmärkte zurück. In der Berichterstattung sind Mietersorgen und Kita-Plätze da wieder wichtiger als der Nahostkonflikt – und das ist womöglich gut so.

Wenn nun das bewährte Geschäftsmodell des werbefinanzierten Journalismus nicht mehr funktioniert, sich digitale Abonnements aber nur bedingt verkaufen lassen und sich nicht jeder dafür begeistern kann, freiwillig zu zahlen, was dann? Medienhäuser versuchen, auf allerlei anderen Wegen Einnahmen zu generieren. Sie veranstalten Kongresse und Events, organisieren Kreuzfahrten, bei denen auch mal der beliebte Chefredakteur an Bord kommt, und vermarkten so ihre großen Namen. Doch das alles nimmt Zeit und Kraft in Anspruch, die dem Journalismus selbst womöglich abhandenkommen.

Die digitale Disruption, von der heute oft die Rede ist, hat das Gut Information von der exklusiven Ware zur Massenware und Zeitungen vom Must-have- zum Nice-to-have-Produkt gemacht. Marketingleute, die früher nur Abokärtchen in Fußgängerzonen verteilen lassen mussten, finden sich plötzlich in Konsumgüterkonzernen wieder, die ihre Kunden erst mühsam davon überzeugen müssen, dass man ihre Produkte und Dienste auch benötigt. Das zehrt am Selbstbewusstsein, das die Branche eigentlich dringend nötig hat – und das sie zu Recht haben sollte, denn sie hat schließlich eine Menge zu bieten.

Allerdings sind journalistische Inhalte eben mehr als nur Konsumgüter, die man verkauft, wenn man sie entsprechend herausputzt, deren Produktion man aber einstellt, wenn sie einem niemand mehr abnimmt. Journalismus ist auch ein öffentliches Gut, eine Dienstleistung am Bürger. Medien verpflichten sich dazu, die Öffentlichkeit aufzuklären, selbst wenn diese sich mitunter gar nicht so dafür interessiert. Nicht für jeden lokalpolitischen Skandal gibt es einen Markt. Selbst die vielfach prämierte Recherche zu den »Panama Papers« stieß nach ein paar Tagen nur noch auf mäßiges Leserinteresse. Für die Aufklärung der Steuerskandale war es dennoch immens wichtig, viele Aspekte davon zu veröffentlichen.

So wie öffentliche Busse und Bahnen selbst abgelegene Gebiete versorgen und deshalb manchmal fast leer durch die Gegend fahren, beschäftigen sich Journalisten immer wieder auch mit abseitigen Themen oder solchen, die nur für einen kleinen Kreis relevant sind. Würden Redaktionen streng nach marktwirtschaftlichen Kriterien arbeiten, müssten sie jede Berichterstattung über Unternehmensbilanzen, Opernpremieren oder Ausschusssitzungen aller Art einstellen. Opernsängerinnen und -sänger würden dann womöglich trotzdem ihr Bestes geben, schließlich haben sie eine Öffentlichkeit im Saal, deren Gunst sie gewinnen wollen. Bei Managern und Politikern, denen niemand mehr auf die Finger schaut, kann man sich da weniger sicher sein.

Journalismus war schon immer eine Mischkalkulation: Man hatte jene Stücke, deretwegen die Leute die Zeitungen kauften oder Hörer das Radio einschalteten. Und daneben all das andere, das zwar wichtig, aber eben auch schwere Kost war und von dem man dennoch hoffte, irgendjemand ließe sich dafür interessieren. Die zufällige Begegnung mit einem guten Text ist der Mehrwert, den Journalismus gegenüber der schlichten Google-Suche liefert.

Früher kamen Reportagen, Nachrichten, Interviews und Porträts nur gebündelt daher: in Zeitungen und Zeitschriften, Radio- und Fernsehprogrammen als Komposition zwischen lang und kurz, ernst und unterhaltsam, faktenreich und meinungsstark. Redakteure und Blattmacher waren Komponisten. In einer Informationswelt, in der diese Pakete in Einzelteile zerlegt werden, wird es aber zunehmend schwierig, für jedes einzelne Stück einen Abnehmer zu finden. Das hat auch mit einem Phänomen zu tun, das man »Blockbuster-Effekt« nennt: Die digitale Ökonomie belohnt Topseller. Was sich gut verkauft, rutscht im Ranking nach oben, und Algorithmen schlagen es anderen Kunden als begehrte Ware vor. Dadurch greifen immer mehr Abnehmer zu und machen die starken Produkte noch stärker. Das funktioniert für Bücher, Filme, Kaffeemaschinen, Turnschuhe – und eben auch für Journalismus. Die weniger starken Angebote verschwinden in der großen Masse und sind nur noch für diejenigen auffindbar, die gezielt danach suchen.

Zweifelsohne hat dieser Mechanismus auch Vorteile gegenüber der alten Welt von Zeitung, Radio und Fernsehen. Früher galt bei allen das Prinzip »Es versendet sich«. Aufwendigste Recherchen landeten mit der Tageszeitung vom Vortag im Altpapiercontainer, wer eine bestimmte Sendung verpasst hatte, an dem waren auch deren Inhalte vorbeigegangen. Im Gegensatz dazu lassen sich heute Texte, Videos und Hörstücke länger und mehrfach vermarkten und bei Bedarf schnell aus den digitalen Schubladen ziehen. Das ist nicht unbedingt immer gut: Manches Stück ist in der Zwischenzeit längst veraltet, die betreffende Information überholt. Aber dafür bietet es einen Schnappschuss aus vergangener Zeit, ein stets zugängliches Archiv.

Neue Geschäfte schlummern hier allerdings kaum. Die Bereitschaft von Konsumenten, für einzelne journalistische Stücke Geld auszugeben, ist nämlich extrem gering. Das gilt selbst dann, wenn es sich um eine besonders aufwendige Reportage oder um ein exklusives Interview handelt. Dafür ist das Angebot an konkurrierenden, kostenlosen Inhalten im Internet zu groß. Nach etlichen vergeblichen Versuchen, Texte zu verkaufen wie Marmeladengläser im Supermarkt, mussten die Medienhäuser feststellen: Leserinnen und Leser zahlen nicht für das einzelne Produkt. Sie zahlen für ein Erlebnis (etwa die Zeitungslektüre am Morgen), für Vertrauen (die Gewissheit, dass man sich auf Informationen einer Marke verlassen kann) oder für einen Mehrwert (zum Beispiel den Zugang zu Archiven, die Versorgung mit Neuigkeiten aus einer bestimmten Branche oder die Erwartung, gut unterhalten zu werden). Information ist dieser Tage in solchem Überfluss vorhanden, dass manche Menschen schon dafür Geld ausgeben, von ihr verschont zu werden. Nicht so jedoch Erlebnisse, auf deren Qualität man sich verlassen kann.

Es ist allerdings sehr unwahrscheinlich, dass man Leserinnen und Lesern die gesamten Kosten für die journalistischen Inhalte aufbürden kann, die im Dienst von Gesellschaft und Demokratie entstehen. Denn auch Menschen, die sich kein Abonnement leisten können, haben einen Anspruch darauf, zuverlässig informiert zu werden. Tatsächlich hat der Anteil derjenigen, die nicht mit Journalismus in Berührung kommen, in der digitalen Ära zugenommen – ganz entgegen den Erwartungen, die das Internet mit dem freien Zugang zu Informationen geweckt hatte. Die Forscher Antonis Kalogeropoulos und Rasmus Nielsen aus Oxford haben untersucht, wie sich Menschen aus sozial schwächeren Schichten und Geringverdiener informieren. Und sie haben herausgefunden: 25 Prozent der Befragten kamen nicht mit online verbreiteten Nachrichten in Berührung, aber nur 13 Prozent hatten keine Berührung mit »Offline«-Angeboten, also Fernsehen, Radio und Zeitungen.13 Es könnte also sein, dass die Digitalisierung von Journalismus den Zugang zu Informationen nicht gleicher, sondern ungleicher macht, weil Qualitätsjournalismus in der Flut von Online-Angeboten untergeht, die für Unterhaltung und Ablenkung sorgen. »Schlechte Information für Arme; bessere Quellen für die anderen«, schreibt die britische Journalistin Polly Curtis, »dieser digitale Graben wirkt sich auf alle Elemente von Demokratie und Gesellschaft aus.«14

Öffentlich-rechtliche Modelle werden deshalb für die Zukunft der Medien nicht nur unverzichtbar sein, sondern immer wichtiger werden. Denn wo privat finanzierten Verlagen die Luft ausgeht, müssen die großen Funkhäuser einspringen. Sie erzielen regelmäßig die besten Werte, wenn es um Vertrauen geht, und gehen auch dorthin, wo andere längst aufgegeben haben. Zum Beispiel beschäftigen sie Korrespondenten in Landstrichen oder Ländern, in denen es sich für privat finanzierte Verlage schon lange nicht mehr rechnet oder womöglich nie gerechnet hat. Ihr Auftrag ist es, Bürger zu informieren und zu bilden, damit sie zum Beispiel bei Wahlen kompetent entscheiden können. »Die Bildung von Bürgern durch öffentlich-rechtliche Medien stand immer im Zentrum des europäischen demokratischen Projekts«, sagte der ehemalige Abba-Musiker Björn Ulvaeus 2018 in einem flammenden Plädoyer für den staatlich finanzierten Rundfunk vor der Europäischen Broadcasting Union.15

Jedoch ist auch die Zukunft der großen Sender alles andere als gesichert. In der Schweiz initiierten beispielsweise Gegner der allgemeinen Rundfunk- und Fernsehgebühren im Frühjahr 2018 eine Volksabstimmung mit dem Ziel, die Sender im Staatsbesitz gleich ganz abzuschaffen. Bei dem »No Billag«-Referendum am 4. März 2018 entschieden sich dann aber zur Erleichterung des Schweizer Fernsehens und Radios 71,3 Prozent der Abstimmenden dafür, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk weiterhin beizubehalten.16 Aber die Skepsis gegenüber den Sendern bleibt: Sind sie – sprichwörtlich – zu staatstragend und zu wenig bürgernah? Und braucht man sie überhaupt noch in einer Medienwelt, in der sich das Durchschnittsalter ihrer Zuhörer und Zuschauer stetig nach oben bewegt, weil die jungen Bürgerinnen und Bürger sich anderswo mit Informationen und Unterhaltung versorgen?

Auch in anderen Ländern stehen die staatlich finanzierten Sender unter Druck. In Dänemark hat eine Mitte-rechts-Koalition 2018 Einsparungen verfügt, in deren Folge drei von sechs Fernsehkanälen und drei von acht Radiosendern geschlossen worden sind. Wo Rechtspopulisten regieren, wie in Ungarn, nimmt der politische Einfluss auf die Öffentlich-Rechtlichen zu. Weil Populisten einen Alleinvertretungsanspruch auf den Willen »des Volkes« erheben, sind ihnen die großen Sender tendenziell ein Dorn im Auge, denn Ausgewogenheit passt nicht zu ihrer Agenda.17 Gleichzeitig geraten Flaggschiffe wie die BBC auch aus dem linken Spektrum unter Beschuss, weil sie nach Ansicht ihrer Kritiker in dem Bemühen, überparteilich zu bleiben, zu wenig Haltung zeigten – zum Beispiel in der Brexit-Berichterstattung.

Zu alldem kommen veränderte Konsumgewohnheiten hinzu. Viele jüngere Zuschauer und Hörer, die sich bei Netflix und Podcasts bedienen, sehen nicht länger ein, warum sie eine »Zwangsabgabe« für ARD, ZDF und Co. entrichten sollen. Sie wollen selbst entscheiden, wann sie was sehen oder hören, und empfinden lineares Fernsehen oder Radio als Bevormundung. Das Durchschnittsalter der Zuschauer liegt bei manchen TV-Sendern schon heute bei mehr als siebzig Jahren. Die Vorstellung, öffentlich-rechtliche Sender müssten in der Demokratie die Grundversorgung mit Informationen sicherstellen, klingt für diejenigen, die sich eher über- als schlecht informiert fühlen, jedenfalls absurd.

Eine internationale Studie des Reuters Institutes über das Publikum des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vom September 2019 dürfte dessen Führungsetagen vielleicht nicht erschüttert, aber auch nicht sonderlich erfreut haben. Diejenigen, die die analogen Fernseh- und Radioprogramme konsumierten, seien »alt, gebildet«, immerhin aber »politisch vielfältig eingestellt«. Die digitale Reichweite der Anstalten sei dagegen gering.18 Und das könnte zur Überlebensfrage werden.

Allerdings sind manche Konsumenten nachdenklich geworden. Vor allem die Debatte um Fake News hat etliche Menschen dazu bewogen, wieder genauer hinzuschauen, wo sie was lesen und welchen Quellen sie vertrauen sollten. Das hat den Abozahlen der großen amerikanischen Zeitungen ebenso geholfen wie denjenigen, die für ein staatlich finanziertes Schweizer Fernsehen gekämpft haben.

Außerdem bewegt die Diskussion darüber, wie man Qualitätsjournalismus stärken kann, zunehmend Stiftungen und Stifter, die ihr Geld für gute Zwecke einsetzen möchten. In den USA haben Stifter wie Craig Newmark – ironischerweise der Gründer des Kleinanzeigenportals Craig’s List und deshalb von manchen auch »Totengräber des Journalismus« genannt – schon Hunderte Millionen von Dollar in Medienorganisationen oder in die Ausbildung von Journalisten investiert.19 In Australien lässt allein die Milliardärin Judith Neilson für 100 Millionen Australische Dollar in den kommenden Jahren ein Zentrum für Journalismus aufbauen.20

In Deutschland fördern immerhin 85 Stiftungen Medien, die Beträge, um die es geht, sind allerdings bislang eher vier- und fünfstellig und finanzieren vor allem Recherchen oder Journalistenpreise.21 Eine Grundfinanzierung wie die für das von Stiftungen und Spendern finanzierte Recherchebüro Correctiv ist die einzige Ausnahme. Das hat einerseits mit der weniger ausgeprägten Tradition des Gebens in einem Staat zu tun, der öffentliche Güter vor allem über Steuern finanziert. Andererseits auch damit, dass Stifter hierzulande ihr Geld gerne für gemeinnützige Zwecke geben, um ebendiese Steuerlast zu mindern – und noch gelten die Medien nicht als »gemeinnützig«. Aber so etwas lässt sich ändern. Gut möglich, dass Journalismus in Deutschland künftig nicht nur staatlich und privat, sondern zu einem beträchtlichen Anteil stiftungsfinanziert sein wird.

Allerdings sollte man sich nichts vormachen: Für die journalistische Unabhängigkeit kann auch das problematisch sein. Denn Stiftungen haben bekanntlich einen Zweck und daher aus gutem Grund strenge Regelungen, was bei ihnen geht und was nicht. Sie müssen deshalb Mitsprache verlangen und praktisch auch auf Inhalte Einfluss nehmen. Redaktionen sind ihnen dann womöglich in einem Maße Rechenschaft schuldig, wie Anzeigenkunden sie nicht einfordern könnten. Ähnliches gilt für Rechercheprojekte, die mit vielen kleinen Spenden im Crowdfunding finanziert werden. Kleinspender interessieren sich natürlich dafür, wie ihr Geld eingesetzt wird, sie wollen ja damit etwas Gutes tun. Anzeigenkunden hingegen haben das eigene Geschäft im Sinn. Wie der Journalismus neben der Anzeige aussieht, ist ihnen im Detail nicht so wichtig, Hauptsache, er stört nicht.

Die Bergleute der Gegenwart oder: Wer wird noch Journalist?

Die Vertrauenskrise, die Krise der Geschäftsmodelle und die steigenden Erwartungen der Konsumenten an Qualität und Vielfalt zeigen: Guten Journalismus zu produzieren ist heute anspruchsvoller denn je. Ob die Journalisten selbst dem gerecht werden können, ist allerdings nicht ausgemacht. Wer sich heute für den Journalistenberuf interessiert und ein wenig darüber informiert, dürfte angesichts der Lage und der Perspektiven ins Grübeln kommen: überall weniger Jobs, schwindende Sicherheit, mittelmäßige bis schlechte Bezahlung, das beschriebene »Abwärtsmanagement«. Und dann soll man auch noch riskieren, von der Öffentlichkeit angefeindet oder gar attackiert zu werden?

Wer sich vielleicht mal als wettergegerbter Auslandskorrespondent, als lässige Polizeireporterin, als Mitreisende im Kanzlerinnenflugzeug, als Sportreporter im Stadion oder als Theaterkritikerin im Parkett gesehen hat, winkt heute in der Regel dankend ab. Jugendliche träumen eher davon, Influencer zu werden als Politikjournalist. Schließlich hat man mit einem YouTube-Video deutlich bessere Chancen, Dinge zu beeinflussen, als mit einem sorgfältig formulierten Leitartikel oder einer anstrengenden Datenrecherche, nicht wahr?

Noch reservierter gegenüber einem Job in der Journalistenwelt sind diejenigen, die etwas von Software und IT verstehen, gar programmieren können. In den Redaktionen werden Leute wie sie dringend gebraucht, aber mit ihren Qualifikationen können sie eben auch zu Google, Facebook oder anderen Industrieunternehmen gehen. Dort sind nicht nur die Gehälter höher und die Büros cooler. Wer zum Beispiel sein Arbeitspensum mit Aufgaben in der Familie oder einem Hobby vereinbaren will, findet dort in der Regel auch deutlich flexiblere Bedingungen vor.

In Redaktionen sei die Work-Life-Balance immer noch ziemlich schlecht, bestätigte der Chefredakteur der Berliner Zeitung, Jochen Arntz, in einem Interview für die hier schon mehrfach zitierte Studie »Are Journalists Today’s Coal Miners?«, die im Sommer 2019 publiziert wurde. »Viele Leute in den Zwanzigern wollen das nicht«, so Arntz. »Sie wollen anders leben und arbeiten, als jeden Tag zehn Stunden in der Redaktion zu sitzen oder in Schichtmodellen zu arbeiten, die von morgens fünf bis abends um 24 Uhr gehen. Es ist immer noch richtig viel Arbeit, und man muss zu bestimmten Zeitpunkten einfach da sein. Es lässt sich nicht selber strukturieren, sondern es wird strukturiert.«22 Sind Journalisten also, wie der Titel der Studie nahelegt, die Bergleute von heute, deren Zechen nach und nach geschlossen werden?

Die großen Medienmarken spüren noch nichts vom Bewerberschwund. Bei der BBC bewerben sich nach wie vor Tausende für ein knappes Dutzend Stellen in den Traineeprogrammen. Und die Kandidatinnen und Kandidaten sind hoch qualifiziert. Auslandserfahrung, Promotion, Journalistenschule, Dutzende Praktika bei renommierten Marken – und das alles für ein Volontariat mit 2000 Euro brutto im Monat. Auch renommierte Häuser wie die Süddeutsche Zeitung können noch auswählen.

Bei den regionalen Medien sieht die Lage aber bereits anders aus. Dort gehen die Bewerberzahlen zurück, und damit sinkt im Schnitt eben auch die Qualität, wie Chefredakteure und Leiterinnen von Journalistenschulen übereinstimmend feststellen. In Schweden haben sogar schon mehrere Ausbildungsgänge schließen müssen. Außerhalb von Stockholm, wo man sich um die prestigeträchtigen Stellen bei den etablierten Marken rangelt, zieht es kaum noch jemanden in den Journalismus. Auch die deutsche Regionalpresse macht sich Sorgen. Für die Zentralredaktion in Hannover finde man ja noch Leute, sagt Hendrik Brandt, Chefredakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, die zur Madsack-Mediengruppe gehört. Aber für ein Büro in Celle? Fehlanzeige. Madsack habe deshalb eigens einen »Medien Campus« aufgebaut und werbe aktiv um Nachwuchs. Seitdem gehe es besser. Die Zeiten, in denen Bewerbungsstapel irgendwann im Papierkorb entsorgt worden seien, weil man ihrer nicht mehr Herr wurde, seien lange vorbei.

Den Chefredakteur der Deutschen Presse-Agentur dpa, Sven Gösmann, wundert das nicht. »Der Journalismus«, sagt er in einem für ein Forschungsprojekt geführten Interview, »wird verbunden mit Worten wie Zeitungssterben, Lügenpresse, Druckereisterben, paid content, Bezahlschranke, also unsexier geht es gar nicht. Und dann steht er in einem Wettbewerb um kreative Geister mit Start-ups, die häufig mehr Schein als Sein sind, aber natürlich unglaublich attraktiv und anziehend wirken. Es gibt auch die journalistischen Erfolgsgeschichten nicht, so wie die Samwer-Brüder, Steve Jobs, Sundar Pichai bei Google. Die neue Chefin von Twitter Europe ist 32 Jahre alt. Solche Geschichten schafft unsere Industrie zu wenig.« In Filmen tauchten praktisch nur Printjournalisten alten Stils auf, so Gösmann weiter. Er denke da an Die Verlegerin oder an den mit einem Oscar prämierten Spotlight. »Es fehlen die Vorbilder. Es gibt nicht die Instagram-Redakteurin als Heldin einer Netflix-Serie.«23

Wer heute noch Journalist werden möchte, hat sich das in der Regel genau überlegt. Die meisten, die sich bewerben, wollen etwas bewegen, die Welt verändern. Für Redaktionen kann das eine Herausforderung sein, denn sie suchen nun mal keine Aktivisten, sondern Rechercheure, die an den Fakten interessiert sind. Beim schwedischen Sender Sveriges Radio sind Meinungsbeiträge laut Chefredakteur Olle Zachrison ausdrücklich nicht erwünscht. »Wir sagen den jungen Kollegen dann: All diese vorgefertigten Meinungen, die du da hast, die musst du jetzt vergessen. Du bist jetzt ein unvoreingenommener Journalist.«24 Das sei für viele nicht so einfach.

Eine Entwicklung kann dem Journalismus allerdings überhaupt nicht guttun: Dass sich nur noch junge Menschen für den Beruf interessieren, die es sich leisten können. Es sind Bewerberinnen und Bewerber, für die ein paar unbezahlte Praktika kein Problem sind, weil sie entweder Familien oder einen Partner haben, die sie finanziell unterstützen und die einspringen können, falls gar nichts mehr läuft.

Dabei war Journalismus – abseits der großen Feuilletons – einmal ein klassischer Aufsteigerberuf. Man brauchte kein Studium, um Reporter zu werden, nur Hartnäckigkeit und Talent zum Erzählen. Das Handwerk selbst ließ sich lernen. Irgendwann aber gab es so viele Bewerberinnen und Bewerber, dass sich die Redaktionen die Topkandidaten aussuchen konnten. Ohne Studium machte sich niemand mehr Hoffnungen. Mit einem exotischen Fach wie Chinesisch oder einer Naturwissenschaft hatte man zudem bessere Chancen, weil man sich von der Heerschar der Geistes- und Sozialwissenschaftler abhob.

Heute bleiben die Arbeiterkinder freiwillig weg. Und die wenigen Absolventen aus sozial schwächeren Milieus suchen sich am Ende lieber Jobs, die mehr Sicherheit bieten. Dies gilt besonders für jene aus Einwandererfamilien, wo der Journalismus häufig nicht gerade als erstrebenswerter Beruf gilt. Wer viel auf sich genommen hat, um seinen Kindern und Enkeln ein besseres Leben in einem fremden Land zu ermöglichen, sieht es nun mal lieber, wenn der Nachwuchs Jura oder Medizin studiert, statt sich in das Abenteuer Journalismus zu stürzen.

Gerade die namhaften Medienhäuser finden sich also in einer paradoxen Situation wieder: Sie könnten durchweg hoch qualifizierte Kandidaten einstellen, möchten aber auch jenen Stimmen Platz geben, die neue Perspektiven auf die Gesellschaft eröffnen könnten. Nur die bewerben sich nicht, auch weil sie glauben, ohnehin keine Chance zu haben gegen die Konkurrenz mit dem Abschluss aus Oxford oder Cambridge, wie das zum Beispiel in Großbritannien der Fall ist, oder gegen die Kinder aus deutschen Bildungsbürgerhaushalten mit Doktortitel und 15 Punkten im Deutsch-Abitur. Bei den kleineren Marken hingegen bewirbt sich bald niemand mehr, weil der Branche die Zukunftsstory fehlt – und das ausgerechnet im Journalismus, wo man um eine gute Geschichte sonst nicht verlegen ist. Die Zeit drängt, eine zu entwickeln.

Wo geht’s hier zum Sabbatical?

Seit dem 28. Mai 2019 ist es offiziell: An diesem Tag listete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Burn-out zwar nicht als ein Krankheitsbild, aber als ein Syndrom, das eine schwere mentale Erschöpfung im Zusammenhang mit der Erwerbsarbeit beschreibt.25 Burn-out trifft Menschen in so gut wie allen Branchen. Unter Mitwirkung ihrer Leserinnen und Leser holte die britische Financial Times – sonst Zentralorgan der unerschütterlichen Anzugträger – das Thema wenige Wochen nach der WHO-Entscheidung in einem bemerkenswerten Feature aus der Tabuecke und ließ 450 Betroffene aus 43 Ländern ihre Erfahrungen schildern.26

Die Fälle mehren sich, doch über die Ursachen kann man nach wie vor nur spekulieren. Klar, für viele Beschäftigte sind die Arbeitsverhältnisse unsicherer geworden. Vor allem junge Menschen arbeiten zunehmend in der »Gig Economy«, in der sie sich von Auftrag zu Auftrag durchhangeln, ohne Aussicht auf stabile Einkommen. Beschäftigte sind ständig erreichbar, Privatleben und Arbeit vermischen sich. Der Leistungs- und Produktivitätsdruck steigt, weil so gut wie alles gemessen werden kann. Andere fühlen sich zu wenig wertgeschätzt, sehen sich als Versager in einer Welt gebrandmarkt, die individuelles Glück zum Leistungsprinzip ausgerufen hat und in den sozialen Netzwerken wie in einem Wettbewerb zur Schau stellt.

Nachrichtenredaktionen sind massiv von dem Phänomen Burn-out betroffen, wie leitende Redakteure und CEOs aus Medienunternehmen von München bis Mumbai zu berichten wissen. Angstzustände und Burn-out kämen bei Mitarbeitern aller Altersgruppen vor, berichtet eine Geschäftsführende Redakteurin aus Großbritannien, die Krankmeldungen hätten sich derart gehäuft, dass man eine Psychologin zurate gezogen habe.27

Nun sind aufreibende Nachrichtenlagen für Redaktionen an sich nichts Neues. Doch die Arbeitsbelastung im 24-Stunden-Betrieb, die immer unübersichtlichere Konkurrenzsituation, die Vermischung von Berufs- und Privatleben durch die sozialen Netzwerke mit ihren Hass- und Hetz-Botschaften, die zunehmenden Anfeindungen (»Lügenpresse«) und der konstante Veränderungsdruck in einer Branche mit unsicheren Perspektiven haben in der Summe dazu beigetragen, dass vor allem Redakteure und Manager auf der mittleren Leitungsebene oft nur noch das eine oder das andere wollen: eine Pause – oder ganz raus. Gestandene Führungskräfte bewerben sich um Stipendien, Redakteure um Sabbaticals, um einfach mal Luft holen zu können. Selbst Chefredakteuren geht zuweilen die Puste aus. Am Reuters Institute zum Beispiel nahm die Zahl derjenigen leitenden Redakteure stetig zu, die sich nach Stipendien und anderen Möglichkeiten für eine Auszeit vom Change-Management erkundigten. Etliche Stipendiaten nutzten ihren Forschungsaufenthalt am Institut nicht wie frühere Generationen für den nächsten Karriereschritt im eigenen Haus, sondern für den Ausstieg.28

Die Medienwissenschaftlerin Lucy Küng forscht darüber, wie der digitale Wandel die Kultur in Redaktionen beeinflusst. Dem Phänomen Burn-out ist sie bei ihren Interviews so häufig begegnet, dass sie ein eigenes Forschungsprojekt dazu angestoßen hat. »Gerade die Leistungsträger im mittleren Management brennen häufig aus. Viele verlassen dann die Branche. Dadurch geht extrem viel Know-how verloren«, sagt sie.29 Das Problem sei auch hausgemacht.

Vor allem Redaktionen leiden oft erheblich unter schlechtem Management. Kein Wunder, denn Ressortleiterinnen und Chefredakteure sind als Journalisten ausgebildet worden und wurden oft wegen der Qualität ihrer Reportagen und Leitartikel in Führungspositionen gehoben. Personalführung und Management haben die wenigsten von ihnen gelernt. »In der Branche gibt es fast ein Anti-Management-Ethos«, hat Küng beobachtet. Das ist kein Wunder, denn viele Journalisten, die üblicherweise stolz auf ihre Sprachkunst sind, werden sofort skeptisch, wenn sie Fachjargon hören – und der dominiert die Baukastensprache der Personaler und Change-Manager. Außerdem sind die wenigsten Autoren und Redakteure Zahlenmenschen. Während es Beschäftigte in anderen Branchen einigermaßen normal finden, nach sogenannten KPIs (Key Performance Indicators) bewertet zu werden, begegnen Journalisten solchen Messgrößen in der Regel mit einer Mischung aus Grausen und Überheblichkeit. Viele von ihnen sehen sich eher als Künstler. Die Vorstellung, nur Rädchen in einem geölten Getriebe zu sein, das die Vermehrung von Abos antreibt, ist ihnen suspekt bis zuwider.

Wo aber schlecht oder gar nicht gemanagt wird, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in komplexen Veränderungsprozessen nicht mehr mitkommen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Ständig Sparprogramme umsetzen und womöglich Entlassungen verkünden zu müssen lässt niemanden kalt und stellt eine enorme Belastung dar. Wissenschaftlern zufolge sind von Burn-out außerdem vor allem Persönlichkeiten betroffen, die sich stark mit ihrer Arbeit identifizieren, Perfektionisten und »Hochleister«. Unter Journalisten sind sie häufig anzutreffen. Viele von ihnen treibt die Mission an, mit ihren Beiträgen etwas zu verändern. Wenn so jemand dann vor allem Suchmaschinenoptimierung betreiben muss, sind Frust und Enttäuschung garantiert.

Was die Sache auch nicht besser macht: Redaktionen sind häufig schlecht darauf vorbereitet, wenn einschneidende Erlebnisse ihre Mitarbeiter traumatisieren. Am ehesten rechnet man damit bei Kriegsreportern – die werden im Idealfall entsprechend auf Einsätze vorbereitet und auch danach bei Bedarf betreut. Aber was ist mit dem Lokalreporter, den Bilder von Unfalltoten verfolgen, mit der Gerichtsreporterin, der die Details eines besonders brutalen Mordes nicht aus dem Kopf gehen, oder der Kommentatorin, der Trolle im Netz drohen, sie würden ihr Kind umbringen? Tatsache ist, Journalisten sind häufig dort im Einsatz, wo sich die Menschheit von ihrer schlechtesten Seite zeigt. In der Redaktion wird von ihnen jedoch erwartet, dass sie das aushalten und sich zusammenreißen. Nach dem Motto, so etwas sei nun mal Berufsrisiko.

Diese Art von Redaktionskultur, in der vor allem diejenigen gut klarkommen, die sämtliche Härten des Lebens mit leichtem Spötteln, um nicht zu sagen Zynismus wegstecken können, macht besonders jenen zu schaffen, die nicht ins »normale« Bild passen: Das sind oft Frauen in Führungspositionen oder Kolleginnen und Kollegen mit anderer Hautfarbe oder einer Einwandererbiografie. Einerseits werden sie von modernen Redaktionen umworben, denn welches Medienhaus, das etwas auf sich hält, will heute nicht »Diversity« in seinen Teams präsentieren können? Andererseits ist es mit der Freude an der Vielfalt nicht mehr weit her, sobald die gerade noch Umworbenen ihren Arbeitsvertrag unterschrieben haben. Dann ist Anpassung an geltende Normen gefragt, und diese Normen werden sehr häufig von mittelalten »weißen« Männern gesetzt.

Fernseh-Volontäre, die für eine Diversitätsstudie der Universitäten Oxford und Mainz in Fokusgruppen befragt wurden, waren in ihrem Urteil recht deutlich: Vielfalt sei allenfalls vor der Kamera gefragt, im Hintergrund sage dann ein meist männlicher, weißer Chef vom Dienst, was zu tun sei.30 Statt all die verschiedenen Perspektiven zu nutzen, die einem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener Herkunft frei Haus lieferten, gelte es, sich an den gängigen »Habitus« anzupassen. Nicht jeder und jede hält diesen Druck länger aus. Nach persönlicher Beobachtung geben fast ausschließlich Frauen ihre Leitungsfunktionen oft nach einiger Zeit freiwillig ab und ziehen sich auf weniger exponierte Redakteurs- oder Reporterstellen zurück.

Nicht nur die Digitalisierung fordert also ein Umdenken, das die Rollen von Journalisten und ihr Selbstverständnis infrage stellt. Der Anspruch an mehr Vielfalt in den Redaktionen tut es auch. Dabei wird deutlich: Den Kulturwandel, den Journalisten oft laut und gerne von anderen fordern, bekommen sie in ihren eigenen Häusern nur selten gut hin. Es sind also längst nicht nur die ausbleibenden Anzeigenerlöse, die der Medienbranche zu schaffen machen. Der Beruf des Journalisten wandelt sich und muss das weiter tun. Denn in der digitalen Informationswelt gilt es, das Publikum noch stärker für Qualitätsjournalismus zu begeistern – schließlich soll es dafür zahlen. Das gefällt nicht jeder Bewerberin, jedem Jungredakteur, jeder verdienten Korrespondentin oder jedem Chefredakteur. Aber in fast jeder Krise steckt auch eine Chance, etwas anders zu machen – vielleicht sogar besser.