Böses Mädchen

Lisa Cohen

Teresa saß in der Küche, trank einen Wein und starrte im Minutenrhythmus auf die große, tickende Wanduhr. Nervös zog sie an ihrer Zigarette. Warum kam er nicht? Warum musste er sie jedes Mal warten lassen? Weil es ihn noch mehr erregte und sie noch etwas gefügiger machte? Vor Stunden hatte er bei ihr angerufen, sie sollte im Büro früher Feierabend machen, nach Hause fahren, sich für ihn zurechtmachen und auf ihn warten. „Für ihn zurechtmachen“ bedeutete sich ausgiebigst zu duschen oder zu baden und sorgfältig im Schritt zu rasieren. Paul mochte es nicht, wenn sein Blick im Schambereich von Haarstoppeln gestört wurde.

Danach rieb sie sich am ganzen Körper mit einer nach Zitrone duftenden Emulsion ein, schminkte sich etwas greller als sonst, mit viel schwarzem Kajalstift und noch mehr dunkelrotem Lippenstift. Die Dessous wählte sie je nach seiner ungefähr einzuschätzenden Stimmung. Heute schien er es etwas ruhiger als sonst zu mögen. Er hatte am Telefon ziemlich beherrscht gewirkt. So hatte sie sich für einen tiefvioletten Strapsbody entschieden, der im Schritt selbstverständlich geöffnet war. Mit einer anderen Variante brauchte sie ihm gar nicht mehr zu kommen. Er wollte fühlen und sehen können, wonach ihm war, ohne dass er sie vorher ausziehen musste. Dazu trug sie dann die passenden Strapsstrümpfe. Paul hatte seine genauen Vorstellung davon, wie sie für ihn präpariert sein musste. Und natürlich und zu guter Letzt durfte sie die schwindelerregend hohen High Heels nicht vergessen. Es hatte einige Zeit in Anspruch genommen, bis sie damit so gehen konnte, dass es einigermaßen grazil wirkte. Etliche Male musste sie vor ihm zur Probe auf und ab gehen. Immer wieder korrigierte und tadelte er sie. Bis sie endlich gut genug auf den Schuhen gehen konnte. Sie hatte eine schwarze Sandalette mit kreuzförmig verlaufenden Riemen über dem Spann gewählt. Es war eines seiner Lieblingspaare. Nun tänzelte sie schon mal ein bisschen auf den 15 cm hohen Absätzen durch die Wohnung, um warm zu werden. Sie musste wie immer nur in den Dessous bekleidet auf ihn warten. Er wollte nicht, dass sie darüber etwas so Profanes wie einen Morgenmantel oder Ähnliches trug.

Es war fast schon halb sieben. Er hätte schon vor drei Stunden durch die Wohnungstür kommen können. Sie verbot es sich, darüber nachzudenken, ob er sie betrog. Obwohl er es wahrscheinlich nicht mal so nennen würde. Am Anfang hatte er ihr gesagt, dass er anderweitig nicht liiert sei, dass er aber ein Befürworter sogenannter offener Affären war. Er nannte es nicht mal eine Beziehung, was sie für ihre große Liebe hielt. Wahrscheinlich war er noch bei einer anderen Frau und es hatte dort länger gedauert. Natürlich durfte sie sich nicht einbilden, ihn nur für sich haben zu können. So ein schöner, potenter Mann, wie er es war. Sie sollte die Stunden, die er mit ihr verbrachte, so ausgiebig wie möglich nutzen und genießen …

Plötzlich hielt sie den Atem an. Sie horchte angestrengt. Im Treppenhaus konnte sie schwere, hastige Schritte vernehmen. Das musste er sein. Wie gebannt starrte sie auf die Türklinke. Sie bewegte sich, dann wurde die Tür mit einem Ruck aufgerissen.

Paul kam herein, gab der Tür einen Tritt, sodass sie krachend ins Schloss fiel. Sie zuckte zusammen. Noch im Gehen warf er seinen Mantel ab und kam auf sie zu.

Sie saß in dem großen Ohrensessel im Wohnzimmer, von dem aus sie die Tür hatte beobachten können. Prüfend sah Paul sie an. Ein spöttisches Lächeln glitt über sein Gesicht. „Na, hattest du etwa Angst, ich würde dich nicht mehr besuchen?“

Stumm schüttelte sie den Kopf.

„Mir ist etwas dazwischen gekommen, was länger gedauert hat, als ich dachte …“

Sie fragte nicht nach, was es gewesen war.

„Du siehst hübsch aus. Appetitlich. Ich bekomme Hunger auf dich.“ Er zog aus seiner Aktentasche zwei Handschellen aus Metall. „Ich nehme an, dass du nicht ganz so brav warst seit unserem letzten Termin. Ich werde dich also etwas fesseln müssen.“

Gefügig erhob sie sich, stellte sich vor ihn hin und streckte ihm die Handgelenke entgegen. Er führte sie an der metallenen Kette, die zwischen den Handschellen angebracht war, zum Bett, um sie dort an dem eisernen Kopfteil anzubinden. Das zweite Paar ließ er um ihre Knöchel klicken und machte sie damit fast vollständig bewegungsunfähig, indem er sie an dem Fußteil des Bettes festband.

Sie lag nun mit weit gespreizten Beinen vor ihm. Etwas ängstlich, aber noch mehr als die Furcht war es die Erregung, die sie bereits ergriffen hatte. Jetzt schon, obwohl er sie noch nicht angefasst hatte, die nötigen Berührungen beim Fesseln ausgenommen. Und dann zog er die Peitsche heraus, die er vor ein paar Wochen erst besorgt hatte. Sie bestand aus jeweils drei schwarzen Leder- und Latex-Striemen, die an einem schicken Edelstahl-Griff mit einer Handschlaufe befestigt waren.

Als er sie zum ersten Mal damit überraschte, hatte sie tatsächliche Angst bekommen. Aber ihre Furcht war unbegründet gewesen. Er wollte sie damit nicht ernsthaft schlagen, wie er gleich versicherte, das würde nur hässliche Striemen auf ihrer hellen Porzellanhaut hinterlassen. Nur etwas streicheln … Sie vertraute ihm bedingungslos. Er würde nur das tun, was ihr guttat.

Paul zog sich nie ganz aus beim Sex. Bis zum eigentlichen Geschlechtsakt behielt er sogar die Hose an. Er war jemand, der auch beim Sex gerne Körperkontakt vermied, wenn es sich irgendwie einrichten ließ. Er hatte sie noch nie geküsst. Zumindest nicht auf den Mund. Seine Lippen und seine Zunge hatten sich zwar ausgiebigst um ihren Schritt gekümmert, aber sie hatte noch nie einen Zungenkuss von ihm bekommen. Aber sie hatte schnell gelernt ihn nicht auszufragen und ihn vor allem nicht zu kritisieren. Er war der Herr, er befahl, ordnete an, was sie zu tun hatte. Ihn in Frage zu stellen, war nicht ihre Aufgabe.

Paul stellte sich neben das Bett und strich mit der Peitsche sanft über ihren Körper, umkreiste mit den einzelnen Striemen ihre Brüste und wartete, bis ihre Nippel steif und fest in die Höhe ragten. Über ihren Körper lief eine Gänsehaut. Schon jetzt hatte sie jeden Muskel angespannt, jeden Nerv sensibilisiert. Sie wollte seine Liebkosungen, egal welcher Art, mit allen Sinnen aufnehmen. Die Peitsche fuhr über ihren Bauch und teilte sich dann. Die eine Hälfte der Striemen berührte den rechten, die andere Hälfte der Striemen den linken Schenkel. Sie würde nie herausbekommen, wie er das so geschickt anstellte, dass keine einzelne Strieme ihren rasierten Bereich berührte, solange er es nicht wollte. Sie erzitterte unter dem kühlen Material des Spielzeuges und wünschte sich nichts sehnlicher, als dass er sie endlich an ihrer empfindlichsten Stelle berühren würde. Vor und zurück glitt die Peitsche, ohne auch nur ein Mal ihre Scham zu streifen. Paul begann leichten Druck auf ihre Beine auszuüben. Dann schlug er sie ein wenig. Es tat nicht weh, aber es hinterließ doch ein leichtes Brennen auf der Haut. Ein Brennen, das sie unglaublich stimulierte.

„Du bist ein böses Mädchen, habe ich recht?“

Rasch nickte sie.

„Was soll ich bloß mit dir anfangen?“ Paul sah sie strafend an. „Was?“, wiederholte er.

„Schlag mich!“, flüsterte sie. Er hob die Peitsche und schlug wieder zu. Dieses Mal landeten die Striemen direkt zwischen ihren Beinen. Sie zuckte zusammen und stöhnte leise auf. Er wartete ab.

„Weiter!“, bat sie ihn. Er sah sie ein Moment lang an.

„Okay, du bist ein böses Mädchen, das es verdient hat, geschlagen zu werden …“

Die sanften Schläge streichelten sie mehr, als dass sie wehtaten. Sie versuchte ihre Beine noch stärker zu grätschen, ihre Brüste ein wenig anzuheben, damit er sie auch dort „bestrafen“ würde. Je mehr Schläge sie bekam, umso näher fühlte sie sich ihm, umso mehr liebte sie ihn. Er hatte recht, sie war ein böses Mädchen mit bösen Gedanken. Sie vertraute ihm noch nicht genug.

Die Striemen bearbeiteten jetzt auch ihre Brüste, was ihr ein lautes Stöhnen entlockte. Ja, genau so wollte sie behandelt werden, so sollte er sich um sie kümmern. Sie fühlte, wie sich langsam die Feuchtigkeit in ihrem Schritt sammelte, die er so liebte. Auch er schien es zu bemerken. Er fuhr etwas herrisch mit einem Finger durch ihre sensible Zone und schob ihn sich in den Mund. Dann grinste er triumphierend.

„Braves Mädchen!“, lobte er sie. „Genau so mag ich es gern …“

Die Peitsche fing wieder an sie zu streicheln, zu stimulieren. Das Brennen auf der Haut wurde jetzt zum ersten Mal wirklich heftig. Allerdings konnte sie in diesem Stadium der Erregung meist nicht mehr differenzieren, ob es ihre Lust war, die wehtat, oder ob sie tatsächlich Schmerzen empfand. Ihre Brüste erzitterten bei jeder Berührung seines strafenden Werkzeuges.

„Böses Mädchen, böses Mädchen …“, murmelte er immer wieder, wie um sich daran zu erinnern, dass er sie auch wirklich strafen musste. Ihre Lust stieg stetig an. Sie wünschte sich nichts sehnlicher, als dass er sich endlich vor sie knien würde, um sie mit seiner kraftvollen Männlichkeit zu unterwerfen.

Die Peitsche hörte auf sie zu schlagen, ein gieriger Ausdruck hatte sich in seinen Augen festgesetzt.

„Ich werde dich jetzt nehmen …“, flüsterte er lüstern. Er riss sich die Hose herunter, der lederne Slip, den er oft trug, fiel zu Boden. Das Bett gab unter seinem Gewicht nach.

Sie liebte seinen Körper. Jeden Muskel bewunderte sie, der sich unter der glatten Haut bewegte. Er strotzte vor Kraft. Sein Glied hatte ihr am Anfang Respekt eingeflößt, so groß war es. Mittlerweile war sie froh einen Geliebten zu haben, der so üppig ausgestattet war. Gab es ihr doch ein wertiges Gefühl, dass sie solch ein Prachtstück so stimulieren konnte, dass es in ihr in Ekstase geriet.

Er setzte sich auf ihre Oberschenkel und führte sein Glied mit der Hand ein. Sie schrie entzückt auf. Dann beugte er sich über sie, stützte seine Hände rechts und links neben ihren Brüsten ab und schob sich so tief in sie hinein, bis sie einen ersten Schmerz verspürte. Er sah es in ihren Augen und schob sich noch ein bisschen weiter. Der Schmerz nahm zu und gleichzeitig damit die Lust. Eine unbändige, nicht mehr zu kontrollierende Lust. Sie würde alles aushalten, wenn er nur in ihr bliebe …

Das Glied zog sich ein Stück zurück, aber nur um wieder zuzustoßen.

„Ja, ja!“ Erst flüsterte sie es, dann schrie sie es. „Nimm mich hart, ich habe es verdient.“

Mit einem fast grimmigen Gesichtsausdruck führte er seine kontrollierten, gezielten Stöße aus.

Sie konnte es in seinem Blick lesen, er war nun genauso erregt wie sie, er ließ es nur nicht heraus. Es war immer unter seiner Würde, ihr so deutlich zu zeigen, dass sie auch ihn erregen konnte. Dass er sie zwar strafen wollte, selbst aber genauso büßen würde, wenn er sie nicht strafen durfte.

Der Akt zwischen ihnen war immer kurz und heftig. Seine Erregung war, wenn er sie bestieg, schon so weit fortgeschritten, dass es nur noch einiger weniger Stöße bedurfte, sich in ihr zu entladen. Nur in diesem Moment zeigte er eine echte Gefühlsregung. Nur dann konnte auch er sich nicht mehr beherrschen, sich nicht mehr kontrollieren. Ein lautes, fast bösartiges Stöhnen kam über seine Lippen. Ein lang gezogener, animalischer Heulton, der sie an das Ursprüngliche, das Unbezähmbare und das Triebhafte im Manne erinnerte. In diesem Moment war sie glücklich. Sie hatte sich ihm zwar unterworfen, letztendlich aber doch ihn besiegt …