Lustvoller Kitzel

Valerie Morel

Also echt, es gibt Typen auf der Welt, das glaubt man gar nicht. Manches ist dermaßen verrückt, da will man seinen Augen nicht trauen, aber was man fühlt, das fühlt man. Man muss nur uns beide anschauen, meine Schwester und mich, oder eigentlich, im Grunde genommen, nur eine von uns, denn es gibt nichts, was es Uneingeweihten ermöglicht, uns voneinander zu unterscheiden.

Unter uns gesagt finde ich uns großartig. Wenn ich mich so im Spiegel ansehe, die Hände in die Hüften gestemmt und das Kinn angehoben, dann denke ich: Mensch, Frau, das bekommt keine andere auf der Welt besser hin als wir. Was sind wir schlank, was haben wir eine tolle Figur, was glänzt unser Haar seidig, was strahlen unsere Augen grün, was können wir streng und finster dreinblicken, wenn’s sein muss, doch genauso lieb können wir auch lächeln.

Ich hätte ein Unikat sein können, bin aber keins, denn Constanze und ich sind eineiige Zwillinge und wir machen alles zusammen, ein Leben lang. Am meisten jedoch verbindet uns unser Job.

Job ist eigentlich zu wenig gesagt, das ist eine echte Lebensaufgabe, so was muss man im Blut haben, und dass wir nun einmal total darin aufgehen, mag gleichermaßen bizarr anmuten wie unser totales Zwillingsdasein.

Wir machen Männer klein. Wir machen sie so fertig, dass sie die höchsten, die allerhöchsten Gipfel der Lüste und der Wonnen erreichen. Wenn die anderen da draußen wüssten, was wir wissen, die würden sich über die eigene Spezies kaputtlachen. Apropos lachen, da fällt mir doch eine Geschichte ein, die muss einfach erzählt werden.

Aber immer hübsch der Reihe nach. Also, meine Schwester und ich, wir betreiben ein Dominastudio in einer total noblen Gegend, wo niemand das vermuten würde, Adresse nur Insidern bekannt. Wir sind Anfang 30, aber jeder würde uns für Mitte 20 halten, obwohl wir schon so verdammt viel erlebt haben. Im Doppelpack altert es sich eben nur halb so schnell …

Spaß beiseite. Es ist nämlich total nicht immer zum Lachen, was wir machen. Es gibt Typen, die wollen, die müssen einfach so weit gebracht werden, dass ihnen das Lachen vergeht. Ich denke da gerade an Michael. Michael ist eigentlich atypisch, denn er steht nicht auf Schmerz, wohl aber auf Erniedrigung, wie unsere gesamte feine Klientel. Mitleid wäre bei unserer Tätigkeit total fehl am Platze. Mitgefühl trifft schon eher den Kern der Sache, Mitempfinden ist der beste Begriff, der mir einfällt.

Bei unseren Nummern mit Michael fühle ich mich immer, als kraule mich der immens lange Zeigefingernagel meiner Schwester ganz unten an der Herzspitze. Erst kürzlich hat er wieder angerufen. Er hat so seine speziellen Zeiten und ich spüre, schon bevor ich den Hörer abhebe, dass er am Apparat ist. Lust und Erregung schießen mir durch die Adern, Constanze und ich peitschen einander durch den bloßen Austausch von Blicken auf.

„Oh Mama, Mama, darf ich zu dir kommen?“

Ich beherrsche die Kunst stocksteif dazustehen und tierisch finster dreinzuschauen und mich zugleich innerlich vor Vergnügen zu kringeln. Constanze anschauend, wusste ich alles über mich, wusste um meine Wirkung, um mein Auftreten.

„Und das Tantchen ist auch da.“

Michael war der Einzige von unseren Typen, bei dem wir es nie wagten, unsere Rollen zu tauschen, wie wir das sonst zu gerne taten. Michael pflegte uns in die Augen zu sehen, von unten nach oben, versteht sich, wie sich das gehört, und dabei offenbar stets genau zu wissen, welche von uns beiden er vor sich hatte. Insgeheim habe ich große Achtung vor diesem Kriecher, das geht jedoch keinen was an.

Michael war ein Kitzelfetischist. Man soll es nicht glauben, aber auch so etwas gibt es. Da gibt es Männer, über 180 cm groß und teils schon wohlbeleibt, die amüsieren sich mehr als ein Baby, wenn sie da auf dem Rücken liegen und wir unsere besonderen Instrumente gefühlvoll über ihre Haut gleiten lassen. Da soll man nun bloß nicht denken, diese Spielchen wären harmlos – niemals hatte ich so ernsthafte Angst, dass uns der Kandidat zu unseren Füßen vor Lust und Leidenschaft in Ohnmacht fällt, wie bei der Behandlung Michaels.

„Wenn du diesmal wieder nicht pünktlich auf der Matte stehst, kannst du dich auf etwas gefasst machen!“ Constanzes Stimme keifte vom anderen Ende des Raumes in den Telefonhörer.

Fasziniert beobachtete ich, wie sie sich allmählich, Stück für Stück, in eine bizarre Mischung aus Tante, Säuglingsschwester und aufreizenden Vamp verwandelte. Ihre weiße Gummischürze bedeckte gerade eben einmal ihren Schamhaarbereich. Das Röckchen ihrer Schwesterntracht war auch nicht eben länger. Die da draußen hätten ihr sicher für ein solches Outfit eine ganz andere Tracht verpasst, aber das sei hier nur am Rande erwähnt. Ihr bloßer Busen hatte dank raffiniertester Halterung die perfekteste denkbare Form.

„Formvollendet“, flüsterte ich ohne es auszusprechen. Die Andeutung eines Lächelns umspielte Constanzes Mundwinkel.

„In fünf Minuten bist du hier, elender Flegel!“

Ich fühlte Feuchtigkeit in meinem Schritt und fuhr mit dem Finger hindurch, noch während ich den Hörer in der Hand hielt. Unsere Höschen, vom selben Material wie unsere Arbeitsuniformen, hatten Schlitze, und zwar genau da, wo wir am allerkitzeligsten waren. Im Gegensatz zu meiner Schwester trug ich ein schwarzes Faltenröcken, keine Spur länger als ihres.

So ähnlich, wie wir einander sahen, so bizarr waren wir auch. Unsere Augen, mit schwarzem Kajal umrandet, verliehen unseren Gesichtern einen Ausdruck des Diabolisch-Bösen, wobei sie noch viel, viel grüner als sonst wirkten. Unsere Pupillen waren groß, riesig vor Erregung und freudiger, lustvoller Erwartung. Unser ureigener Lieblingsduft vermischte sich mit jenem unserer Arbeitskleidung. Wir strichen genüsslich durch unsere Spalten und schnupperten am Finger der jeweils anderen. Was wir taten, war wie eine besondere Form der Masturbation, eine erweiterte Masturbation, welche den bedauernswerten Einzelmenschen in dieser Form völlig versagt blieb.

Unsere langen, schlanken Beine wirkten dank schwarz glänzender Lackleder-Stilettopumps schier endlos. Wir waren perfekt. Uns musste es einfach zweimal geben! Und außerdem: Zwei Hände wären zu wenig gewesen für jene Aufgabe, welche uns heute bevorstand.

Natürlich kam der Knabe ganze zehn Minuten zu spät. Und wie er aussah – echt total wie ein Knabe, keine Spur von Mann von Welt, aber dafür umso süßer, fand ich, echt süß.

„Komm schon rein, Flegel, wir beißen nicht!“

Meine Schwester packte unseren Gast am Kragen und obwohl das Mannsbild um einiges größer und schwerer war als sie, flog es in unsere Stube, als sei es ein Sack voller Daunen. Im gedämpften Licht unseres Etablissements wirkte Michael auf eine nicht zu erklärende Weise devot, scheu und gerade eben darum lüstern und erziehungsbedürftig.

Wenn jemand kam und die Tür sich hinter ihm schloss, tat sich jedes Mal für uns drei eine ganz neue Welt auf, eine Welt mit ihren ureigenen Regeln, eine echt neue Wirklichkeit. Ich spürte, wie wir alle uns total verwandelten innerlich, wie unsere Vorstellungen miteinander verschmolzen.

„Schau ihn dir an, Schwesterchen, der ist total nass geregnet.“

„Wir müssen ihn ausziehen.“

Der Mann, der nun nackt vor uns stand, erinnerte mich auf groteske Weise an eine Mischung aus Hampelmann und Kasper. So, wie er dastand und alles mit sich geschehen ließ, machte er den Eindruck, als habe er jeglichen eigenen Willen an unserer Türschwelle abgelegt. Natürlich war alles sein Wille, was hier geschah, aber zugleich bedeutete das nichts; widersinnig war das Leben, und jenes verborgene hinter unseren Türen erst recht. Er zitterte, wohl eher vor Erregung als vor Kälte. Schamhaft versuchte er mit Hilfe seiner Hände sein Geschlechtsteil zu verbergen. Meine Schwester, von Natur aus eine Spur resoluter als ich, haute ihm eine runter.

„Bei anderen Muttis würdest du Haue kriegen.“

„Lass nur, Schwesterchen, ich weiß etwas viel Geeigneteres, schließlich kenne ich unseren Knaben ja am besten von allen.“

Ich denke mal, dass diese Worte total nicht an der Realität vorbeigingen, dass sie so wahr waren, wie unser gesamtes Szenario hier ein reines Fantasiegespinst war. Constanze umgriff seine Handgelenke und hielt sie mir entgegen, als wolle sie winke-winke mit unserem Kleinen machen. Ich ließ die Handschellen klicken, das gleißende Metall glitzerte gefährlich schön, ein echtes Schmuckstück der Geilheit. Echt, wenn ich da draußen in der normalen Welt irgendetwas metallisch blitzen sah, dann machte mich das immer total an, ich war da schon konditioniert wie ein Pawlow’scher Hund. Die eisernen Ringe mit den klirrenden Ketten machten unseren hingegebenen Ergebenen schon recht wehrlos. Er zitterte, das erkannte mein Kennerauge, nun auch aus Angst, und die wurde zu neuer Lust in ihm. Ein ständiges, sich aufschraubendes Wechselspiel, aber das wahre Wechselspiel sollte noch kommen.

Unsere programmierte Wechseldusche – Constanze kettete ihn an und schloss genüsslich den Vorhang. Das Geräusch des schweren Gummis, das Klebrige sowie der penetrante Geruch des Materials stimulierten mich auf dieselbe Weise wie die bloße Vorstellung jener glitzernden, schweren und kalten Handschellen. Der winzige Schlüssel lag in meiner offenen Handfläche und ich sah ihn versonnen an. Constanze betätigte die Wechselduschenautomatik – heiß, kalt, heiß, kalt, alles programmiert, schiefgehen konnte nichts. Zeit für uns, uns innerlich zu sammeln. Diese Vorbehandlung war nicht lediglich zum Säubern gedacht – sie diente des Weiteren der Anregung des Kreislaufs sowie der Sinne. Letzterem vor allem.

Das Geächze und Gestöhne aus den dampfenden Kammern brachte uns immer voll auf Touren. Was die eine liebte, liebte auch die andere. Worte waren nicht nötig. Jene Zeit der Vorbereitung gehörte immer nur uns. Wir traten erhobenen Hauptes aufeinander zu. Wir standen breitbeinig voreinander und streichelten die von der eigenen ununterscheidbare Vagina. Wir schlossen die Augen vor Entzücken. Hinter geschlossenen Lidern sah ich Constanze rhythmisch mit den Hüften wackeln. Der Rausch der Kitzellüste hatte begonnen. Die Haut ihres blanken Busens lud milchig weiß zur Berührung ein. Ich fuhr mit meinem manikürten Nagel darüber, bevor ich die Brustwarze genussvoll zwirbelte. Schwesterchen stieß einen entzückten Wonnejauchzer aus. Im Hintergrund stöhnte unser hilfloser, auf Gedeih und Verderb ausgelieferter Unterworfener und erzeugte eine für uns schier unerträgliche Kulisse knisternder Kitzelerotik. Ich strich über Schwesterchens Hals und konnte doch nicht unterscheiden zwischen dem, was ich tat, und dem, was mir geschah. Ich sah das Behandlungsszenario, welches wir nun aufbauten, und sah mich selbst im Geiste darin, ich fühlte mich darin, obwohl ich doch die Agierende, die Aktive war.

Wir waren mal in einem Freizeitpark, Constanze und ich, lange ist es her, und da sahen wir so ein senkrecht stehendes Brett, an dem hingen unten zwei Füße, etwas höher zwei Hände, darüber in der Mitte war eine ovale Öffnung, durch welche man sein Gesicht stecken durfte. Es sah dann so aus, als sei eben jener Gesichtsbesitzer auf grausige Weise gefangen.

Die Idee inspirierte uns. Aber da wir nun einmal nicht grausam sind (nicht wirklich …), humanisierten wir das Instrumentarium, verwandelten es in einen wahren Wonnespender, indem wir es schlicht und einfach um 90 Grad kippten, auf dass der hoffnungslos Gefangene auf seinem Rücken lag. Das Brett hing fixiert in einem Gestell, individuell höhenverstellbar und kippbar, und ich musste bei seiner Anwendung immer an irgendeinen dummen Hund in Australien denken und mir das Lachen verbeißen.

Die Reihe war an mir, den zitternden, prustenden und schnaufenden Lüstling aus seiner Kabine zu befreien. Ich kam mir vor, als würde ich ein altersschwaches, taumelndes Rindviech an seinem Nasenring abführen. Ich wusste aus eigener Erfahrung, wie solche Wechselduschen einem zusetzen konnten! Er zitterte so sehr, dass die eisernen Schellen seiner Hände aneinanderklirrten. Wir wussten sehr genau, dass er nicht etwa schauspielerte – auch etwas anderes sprach Bände.

„Der zappelt und albert entschieden zu viel!“

„Bei anderen Muttis würde der Haue kriegen …“

„Ich weiß etwas sehr viel Besseres, Schwesterchen!“

Unser Zögling zog hörbar vor Erregung die Luft ein. Er schloss die Augen, seine Lider flatterten, seine Bauchmuskeln vibrierten.

„Die Kitzelstrafe, Tantchen, hat sich aus modernster pädagogischer Sicht als ungleich wirkungsvoller erwiesen.“

Sein Penis streifte meine Arbeitskleidung, welche verdammt eng saß ohne zu beengen, eine zweite Haut, welche kein Fünkchen Geilheit entweichen ließ. Eine echte Geilheitspelle. Constanze langte ihm noch eine und befreite ihn von seinen Fesseln. Widerspruchslos ließ er sich in die Vorrichtung sperren. Wie leicht hätte er uns entweichen können, wenn er nur gewollt hätte … Aber nun nicht mehr. Nun war es zu spät.

Die Ketten, welche die Vorrichtung fixierten, rasselten bei der Feineinstellung. Wir ließen uns bewusst Zeit. Bequem war die Haltung, in der unser Knabe sich befand, sicher nicht, aber doch aushaltbar, aushaltbar im Gegensatz zu dem, was kommen würde.

Constanze trug ein Tablett herein. Die Instrumente, welche darauf lagen, sahen furchterregender aus, als sie waren – oder harmloser, je nachdem, wie man es nahm. Unsere Macht berauschte uns. Eine Spritze, die nicht stechen konnte, und ein Skalpell, welches niemals schnitt. Ein Pinsel, der wie ein Flötenpinsel aussah, nur feiner, viel feiner, die filigranen Borsten gerade so eben fühlbar. Ein Analspekulum mit winzigen Außennoppen zwecks besserer Fixierung.

Constanze umspannte den Hodensack unseres Unterworfenen mit einem Spezialring. Das sah lustig aus, die Hoden ragten prall hervor, ich konnte es nicht lassen, ein wenig mit der Kitzelspritze hinüberzufahren.

Unser Lüstling erzitterte. Constanze stellte die Fixierung noch eine Spur strenger. Ich glaubte sein Herz vor freudig-banger Erwartung schlagen zu hören, zumindest vernahm ich seinen Atem, welchen er scharf einzog. Constanze umstrich seine Brustwarze mit dem Skalpell. Meine Fantasie war dermaßen überhitzt und überdreht, dass ich mir allen Ernstes einbildete Blut aus der weißen Haut austreten zu sehen, wo in Wirklichkeit nicht einmal die Spur eines Kratzers war. Der Körper des Mannes erzitterte unter der Berührung, und noch bevor er sich im Entferntesten hätte verbal artikulieren können, steckte ich ihm blitzschnell einen schnullerförmigen, aufblasbaren Knebel zwischen die Zähne, welcher beim Zubeißen seltsame Geschmacksstoffe absonderte. Kreation des Hauses. Unser Knabe verzog das Gesicht, die Augen drohten ihm aus den Höhlen zu treten; die Erregung, welche sich uns hier präsentierte, war einfach behandlungsbedürftig. Wir traten zu seinen beiden Seiten und behandelten seine Rippen, als spielten wir vierhändig Klavier, nur feinfühliger, ungleich feinfühliger.

Sein Leib wand sich. Das Holz ächzte in der Verankerung, wie stellvertretend für den gnadenlos Gekitzelten. Ich stellte mir vor, wie er wohl losgeschrien hätte, wenn er gekonnt hätte. Wie auf ein stummes Signal hin unterbrachen meine Schwester und ich die Behandlung, auf dass unser so lustvoll Gepeinigter auf keinen Fall zu früh seine Erlösung fände.

Die Pausen, welche wir einlegten, waren jedes Mal der Auftakt zu etwas ungleich Größerem. Der zum Bersten Angespannte hing hilflos in seinem bizarren Gefängnis. Er sah wirklich aus wie ein Hund am anderen Pol der Welt. Genussvoll streifte sich meine Schwester ihre Gummihandschuhe über. Sie als Spezialistin brauchte intensive Vorbereitung. Niemand beherrschte die hohe Kunst des analen Kitzelns so gut wie sie – nicht einmal ich.

Während Constanze mit ihren hauchfein weiß behandschuhten Gummihänden im Cremetopf rührte, bedeckte ich unserem Patienten für eine Weile die Augen. Kleine Schweißtropfen standen auf seiner Stirn. Zwischendurch verwöhnte ich gefühlvoll seinen aufgrund des Hodenringes prall gespannten Sack. Sein wehrloser Leib erzitterte. Aller Muskelkraft durch sein erbarmungsloses Gefängnis beraubt, lag sein Sein oder Nichtsein einzig und allein in unserer Macht. In unseren Kitzelhänden. Ich dachte an eine Theorie, die ich einmal gehört oder gelesen hatte: Wenn man mit geschlossenen Augen winzige Berührungen erfährt und dabei an ein Insekt glaubt, vermeint man Schrittberührungen zu verspüren, welche in Wirklichkeit gar nicht stattfinden. Wie die Sinne sich doch täuschen ließen!

„Und die Käfer, ritze-ratze, kriechen schnell aus der Matratze …“

Ketten rasselten. Was ihn tatsächlich berührte, waren lediglich die feinen Spitzen unserer gefeilten Nägel. Es wurde dem da unten merklich anders zumute, was ganz ohne Worte und Taten zu uns vordrang. Ich umspielte seine Warzenhöfe ohne seine prall aufgerichteten Brustwarzen zu berühren. Er zuckte in Hoffnung und Verzweiflung, blieb doch der Gipfel seiner Lüste vorerst ungekitzelt. Constanze machte sich derweil am anderen Ende des Lüstlings zu schaffen. Das Holz seines Gefängnisses ächzte unter seinen Lust- und Leidenszuckungen. Fast verspielt strich ich kurz mal über das pralle Glied, mal über die Lenden oder den Rippenbereich. Alles ohne Sinn und Plan, alles nach ureigenster Lust und Laune.

Constanze schaute mich mit einem Ausdruck absoluten Ernstes an, bevor sie mit der analen Dehnung begann. Ich spürte die Anspannung und Konzentration, mit welcher sie arbeitete, am eigenen Leib. Mein feines Gehör vernahm jede Bewegung ihres routinierten Gummifingers im Rektum unseres Nichtsnutzes. Das Analspekulum glitzerte furchterregend und verlockend zugleich. Lautlos und geschmeidig glitt es, sauber eingefettet, in die finstere Innenwelt unseres Unterworfenen und gab metallisch-knirschende Laute von sich, als es fixiert wurde. Dank erwähnter Außennoppen hatte es einen absolut festen Sitz. Man konnte es loslassen, anstoßen und es vibrierte ein wenig. Ich stellte mir vor, wie es im Anus kühl wirkte und sich dann allmählich auf Körpertemperatur erwärmte. Constanze spielte, halb belustigt, halb gelangweilt, daran herum und während ich meine Arbeit nicht unterbrach, schob sie ein Schaumzäpfchen ein, welches die Empfindlichkeit der Nerven enorm steigerte.

Ich schnalzte mit der Zunge. Der sabbrige Schnullerknebel führte ein Eigenleben im Munde seines Riesenbabys. Wir ließen uns viel Zeit … Bei uns war Zeit nicht nur Geld!

Wenn Constanze jenen Pinsel, welchen wir hauptsächlich bei Michael anwendeten, zur Hand nahm, musste ich immer an meinen alten Blockflötenpinsel denken, denn der hatte ganz genauso ausgesehen.

Tief glitt das filigrane Etwas in die hochsensibilisierte Intimregion. Constanze drehte, bohrte und stocherte wie nach Erdöl, nur mit ungleich mehr Feingefühl. Wie gut kannte ich dieses Spielchen – spielten wir es doch in stiller Stunde oft genug selbst miteinander. Man glaubte zu sterben vor Kitzelelend, glaubte sich aufgespießt, durchbohrt und gemartert vom puren Nichts.

Ich intensivierte meine Behandlung, indem ich noch zärtlicher wurde, noch einfühlsamer. Langsam, aber sicher beneidete ich unseren Knaben überhaupt nicht mehr. Er bäumte sich auf in seinem bizarren Gefängnis oder versuchte es zumindest. Ich hörte ihn stöhnen, obwohl er das eigentlich nicht konnte. Ich bemerkte irgendwo am Rande, dass sein Herzschlag immer schneller wurde. Er war extrem erregt. Gleich würde er kommen …

Er kam in dem Moment, als wir wahrhaftig geglaubt hatten, wir hätten ihn vernichtet. Im Raum stand der unverkennbare Duft lustvoller Männlichkeit, auch später noch, lange nachdem er sich verabschiedet hatte und gegangen war. Wir machten die Instrumente sorgfältig sauber. Schade eigentlich, aber Hygiene musste sein. Ich muss immer an den Ausdruck seines Gesichts denken, jedes Mal, nachdem der Akt vollzogen war: erlöst, ermüdet und ein wenig beschämt. Er hatte es immer eilig fortzukommen. Er hatte es noch eiliger wiederzukommen. Der Kitzel ließ ihm keine Ruhe.