Die Türklingel riss sie unsanft aus ihrem Schlaf. Müde rieb sie sich die Augen. Wer konnte das sein, der sie da um – wie spät war es überhaupt? Tine wälzte sich auf die andere Seite, um einen Blick auf den Wecker werfen zu können, der auf ihrem Nachttisch stand. Gerade mal acht Uhr.
Sie hatte heute einen Tag freigenommen, unter anderem auch mit der Absicht, endlich mal wieder ausschlafen zu können. Endlich mal wieder nicht wie sonst jeden Mittwoch um halb sieben aufstehen zu müssen.
Es klingelte schon wieder. Dieses Mal eindeutig schriller und mit einem gewissen unwirschen Unterton, so kam es ihr jedenfalls vor. So ein Mist, dachte sie wütend. Wenn es nur jemand war, der eine Wurfsendung loswerden konnte, sollte er gefälligst auch die anderen Bewohner des Hauses nerven. Für den Postboten war es eindeutig noch zu früh. Sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wer sie da um diese Uhrzeit aus dem Bett holen wollte.
Beim dritten Klingeln gab sie ihren Widerstand auf und verließ unter lautem Murren die wohlig-warmen Federn. Ärgerlich drückte sie auf die Gegensprechanlage: „Ja bitte?“
Eine tiefe Stimme antwortete ihr. „Na endlich. Ich dachte schon, Sie wollten Ihren Sessel nicht mehr. Kuhn vom Möbelhaus Raschke. Nun machen Sie schon auf …“ Tine schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn. Natürlich, ihr Sessel! Deshalb hatte sie ja auch freigenommen um das gute Stück in Empfang nehmen zu können. Aber sollte der nicht erst zwischen zehn und zwölf Uhr geliefert werden? Schon wieder klingelte es.
„Was ist denn nun?“
Die Stimme klang keine Spur mehr von freundlich. Tine beeilte sich auf den Türöffner zu drücken.
„Ja doch, ich mach auf. Entschuldigung“, fügte sie noch etwas kleinlaut hinzu. Sie warf einen Blick nach draußen. Eine dicke Eisschicht bedeckte die parkenden Autos. Es musste bitterkalt sein an diesem frühen Mittwochmorgen. „Der arme Herr Kuhn“, dachte sie unwillkürlich. Sie hatte ihn viel zu lange in der Kälte draußen stehen lassen.
Anziehen war nicht mehr möglich. Sie wohnte zwar im sechsten Stock, ohne Aufzug, aber die Zeit würde nicht reichen, um sich ein wenig hübsch zu machen. Sie stürzte ins Bad, spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht, kämmte sich die Haare, putzte die Zähne und legte etwas Make-up auf. Sie wollte dem Sessel-Bringer wenigstens einigermaßen aufgeweckt gegenüberstehen.
Sie schlüpfte in ihren Hausanzug und hatte gerade noch Zeit einen abschließenden Blick in den Spiegel zu werfen, als es laut und fordernd an der Tür klopfte.
„Ich komme!“ Nun durfte sie ihn aber auf keinen Fall noch länger warten lassen. Mit einem Ruck riss sie die Tür auf. Vor ihr stand der riesige Ohrensessel, den sie vor Wochen bestellt hatte, dick in Folie eingepackt, dahinter lugte das Gesicht des Möbelpackers hervor. Der Mann keuchte. Er wirkte angespannt und abgehetzt.
„Bitte, kommen Sie doch herein.“
Sie trat zur Seite, um den Platz frei zu machen. Der Mann musste ziemliche Kraft haben, den Sessel so einfach hochheben zu können.
„Wohin?“ Etwas gequält hörte sich seine Frage aber doch an.
„Warten Sie, ich zeige es Ihnen.“ Tine ging voraus durch den Flur in das große, helle Wohnzimmer und zeigte ihm die Stelle, an der der Ohrensessel stehen sollte. Während der Mann das riesige Teil positionierte, konnte sie ihn eingehender betrachten. Er war kräftig, wie seine Stimme an der Gegensprechanlage hatte vermuten lassen. Und die blaue Arbeitshose spannte sich über einen wirklich bemerkenswert knackigen Hintern. Tine konnte kaum ihre Augen davon abwenden. Der Po hatte Klasse. Das sah sie.
Endlich stand das neue Möbelstück da, wo es hin sollte. Der Mann riss die Schutzfolie herunter. Er sah sie zum ersten Mal direkt an. Und dieser Blick löste etwas in Tine aus. Und dieses Etwas war eindeutig sexueller Natur. Er ließ seine Augen völlig ungeniert über sie gleiten. Sie blieben wohlwollend an ihren beiden weiblichen Halbkugeln hängen, die sich durch das weiche Material des Jogging-Anzuges drückten. Dann lächelte Herr Kuhn freundlich.
„Es tut mir leid, dass Sie so lange draußen warten mussten. Ich hatte noch geschlafen. Ich dachte, der Sessel würde erst später geliefert.“
Herr Kuhn zog einen Zettel aus seiner Tasche und studierte ihn aufmerksam. „Aber Sie sind doch Frau Harting, oder nicht?“
Als sie auf seine Frage nickte, steckte er den Zettel wieder weg. „Zwischen acht und zehn Uhr war die Lieferung für Sie vorgesehen. Trotzdem sorry, dass ich Sie so unsanft geweckt habe.“
Nun musste Tine lächeln. „Nein, nein, ich muss mich entschuldigen dafür, dass ich Sie so lange in der Kälte habe stehen lassen.“
Sie sah auf seine gerötete Hände. „Wie wäre es mit einem heißen Kaffee – damit Ihnen wieder warm wird? Haben Sie so viel Zeit?“
Fast erleichtert nahm sie sein Nicken zur Kenntnis.
„Warm ist mir zwar schon, aber ein schöner starker Kaffee kann trotzdem nicht schaden.“
Sie eilte in die Küche, um Wasser aufzusetzen. „Machen Sie es sich in der Zwischenzeit ruhig bequem.“, rief sie. „ Ein paar Minuten wird es dauern.“
Tine fühlte eine Unruhe, eine Nervosität in sich, die lange kein Mann mehr in dieser Intensität bei ihr ausgelöst hatte. Der, der ihr den Sessel geliefert hatte, war ziemlich erotisch. Er strahlte diese gewisse animalische Art von Erotik aus, die keinen Platz für Zärtlichkeiten oder Sanftheiten zulässt, die eine Frau aber glauben macht, dass eine spontane, heftige Sexnummer genau das ist, was sie gerade dringend benötigt. Tine war sowieso etwas auf Entzug. Ihr letzter Sex lag schon länger zurück und nicht erst seit heute war sie der Meinung, es könnte mal wieder was geschehen zwischen ihren Schenkeln.
Mit zwei Tassen dampfenden Kaffees ging sie ins Wohnzimmer zurück. Er saß auf dem Sofa und sah sie erwartungsvoll an.
„Das duftet ja klasse. Und schön haben Sie es hier. Ich sehe viele Wohnungen. Diese hier ist besonders schön eingerichtet. Gefällt mir …“
Sie setzte sich ihm gegenüber auf den niedrigen Hocker. Sie wollte ihn ansehen können. Schweigend genossen sie den heißen Kaffee. Tine wusste nicht so recht, worüber sie mit ihm reden sollte. Aber das war es ja auch nicht, was sie wollte – reden. Sie wollte ihn … Das hatte sie in der Küche beschlossen. Es war die nackte, reine körperliche Gier nach ihm, die sie ihn studieren ließ. Sie war sich sicher, dass er gut bestückt war und dass er ein ausdauernder Liebhaber sein würde. Aber wollte er überhaupt? Vielleicht war sie gar nicht sein Typ oder er hatte eine Freundin, der er treu war, oder er stand gar nicht auf einen heißen Quickie mit einer Fremden. Wie sollte sie ihm zeigen, dass …
Und dann kam er ihr zuvor und beseitigte alle Unsicherheiten. Stellte die Tasse ab, erhob sich und setzte sich hinter sie auf den Hocker.
Tine wusste nicht, ob sie beglückt darüber sein sollte oder ob sie zu überrascht dazu war.
Er nahm ihr die Tasse aus der Hand und stellte sie auf den Couchtisch. Dann umfasste er ihren Oberkörper und fing an ihren Nacken mit kleinen, sanften Küssen zu bedecken. Zwischendurch biss er ihr spielerisch in den Hals. Bei der ersten Berührung wusste Tine, dass sie auf ihn heftigst reagieren würde. Er entzündete einen Erregungsherd in ihr, der innerhalb kürzester Zeit lichterloh brannte.
Aufseufzend lehnte sie sich gegen ihn. Er öffnete langsam und genüsslich den Reißverschluss ihres Pullis. Sie war froh, dass ihr die wenige Zeit heute Morgen nicht erlaubt hatte, einen BH anzuziehen.
Als er die zwei prallen Brüste in die Hände nahm, stöhnte sie auf. „Du bist schön!“, flüsterte er ihr ins Ohr.
„Und ich bin geil!“, stöhnte Tine.
Sie hatte keine Hemmungen vor dem Fremden, den sie erst seit knapp einer halben Stunde kannte. Es war nicht ihr erster Quickie mit einem Unbekannten. Sie liebte es, sich einem völlig neuen Menschen hinzugeben, von dem sie nichts wusste, außer dass er sie wahrscheinlich glücklich machen könnte. Sie war viel enthemmter und gelöster, viel schärfer und lüsterner, wenn sie noch nichts Vertrautes mit einen Mann verband.
Tine half ihm, sich ihrer Jogginghose zu entledigen. Auch darunter war sie nackt.
„Du scharfes Weib!“, seufzte der Mann hinter ihr und strich mit den Händen über die entblößte Stelle zwischen den Schenkeln. Ihr Stöhnen signalisierte ihm, er machte es gut, was er da machte. Ihre Nippel waren längst hart, ihre Klitoris schon erregt, als sie ihn aus seinem Blaumann und dem darunter sitzenden Slip befreite. Seine Erektion war mächtig und sein Körper durchtrainiert. Zwei muskulöse Arme packten sie und hoben sie hoch.
„Wo ist das Schlafzimmer?“
Sie zeigte ihm mit dem Kopf den Weg und dachte „Einer, der es bequem mag …“ Er legte sie bäuchlings auf das Bett. Tine schnurrte wie eine rollige Katze. Er wollte sie von hinten nehmen – wie schön …
Sie brauchten kein Vorspiel mehr. Beide waren heiß genug aufeinander, dass sein prachtvolles Glied ohne Widerstand in sie hineingleiten konnte. Er hob ihr Becken ein Stückchen an, presste seine Hüfte gegen ihren Hintern und fing an mit kraftvollen Stößen so tief es möglich war in sie einzudringen. Jeder dieser Stöße ging Tine bis in die Haarwurzeln, erreichte jeden Muskel und jeden Nerv in ihrem Körper.
Seine Bewegungen waren genauso kraftvoll-animalisch, wie sie es sich erhofft hatte.
Er wusste, wie man sich als Mann zu bewegen hatte, wie intensiv man zustoßen musste, wie weit der Penis wieder hinausgleiten durfte, um dann erneut wieder einzutauchen. Tines Stöhnen passte sich dem Rhythmus seiner Bewegungen an. Es wurde lauter und ging in erregte Schreie über. Ihr Kopf pochte genauso stark wie ihr Unterleib und sie spornte ihn mit obszönen Worten an nicht nachzulassen, sondern sie eher noch heftiger zu befriedigen.
Sie kam selten allein durch den körperlichen Akt zum Orgasmus. Meist benötigte sie dazu ein geschicktes Handspiel zwischen ihren Schenkeln. Bei diesem Mann reichte der Schub aus der Hüfte, um sie in höchste Ekstase zu versetzen. Er war außerdem noch in der Lage sich meisterhaft so lange zurückzuhalten, seine Kräfte so lange aufzusparen, bis sie zum Höhepunkt gekommen war. Erst dann gab es auch für ihn kein Halten mehr.
Sie trieben es in dieser relativen kurzen Zeit ausdauernd und abwechslungsreich miteinander. Zu verschnaufen gelang ihr nicht zwischen den Stellungswechseln. Herr Kuhn verfügte über ein enormes Potenzial an Lust und Manneskraft, an dem er sie in allen erdenklichen Positionen auf wunderbar erotische Art und Weise teilhaben ließ.
Er war der perfekte Quickie-Liebhaber. Als er sich von ihr verabschieden musste, weil er noch einen harten Tag vor sich hatte, wie er bedauernd erklärte, empfand sie zum ersten Mal den Wunsch danach, einen Fremden, mit dem sie heißen Sex genossen hatte, wiederzusehen. An der Tür gab sie sich einen Ruck.
„Ich würde dich gern wiedersehen!“
Er gab ihr einen letzten langen Kuss und flüsterte. „Wie schön! Es gibt da noch so einiges, was wir heute nicht geschafft haben … Außerdem ist meine Firma bekannt für ihren zuverlässigen und umfassenden Kundenservice!“
Dass sie an diesem Tag oder besser an diesem Abend dann doch noch eine ganze Menge schaffen würden, ahnten sie beide in diesem Moment noch nicht …