Außentemperatur Minus 2 Grad

Als der junge Mann sie auch am dritten Tag in Folge nicht abholen kam, beschlossen Chai, Dao und Anuthida entgegen der Abmachung, das Haus zu dritt zu verlassen. Sie packten ihre wenigen Dinge zusammen – Fotos ihrer Kinder, ein Tuch, von der Mutter geerbt, den Campingkocher – und gingen eng aneinandergeschmiegt, Schulter an Schulter, auf die Straße. Nach dem zweiten Wohnblock wagten sie, ihre Augen vom Bürgersteig zu lösen und sich umzusehen. Die Stadt schien viel kleiner zu sein als in ihrer Vorstellung. Sie hatten keine Angst, sie konnten sich frei bewegen, und niemand, der ihnen entgegenkam, sah sie seltsam oder feindselig an.

Nach und nach veränderte sich die Gegend, durch die sie liefen. Sie folgten einer mehrspurigen Straße, die sich schließlich verzweigte, plötzlich wurden die Häuser kleiner und älter, Straßen wichen Gassen, Büros kleinen Geschäften.

Bei einem Nagelstudio hieß Chai sie anhalten. Durch die Scheibe sahen sie zwei Frauen, die mit Kundinnen beschäftigt waren. Eine der Frauen entdeckte die drei und winkte freundlich. Chai stieß die Tür auf und grüßte in ihrer Sprache. Eine der Angestellten grüßte zurück, und es stellte sich heraus, dass sie aus der gleichen Gegend stammte wie Chai, aus Chantaburi.

Die drei beschlossen zu bleiben.