Der dunkle Zauberer spricht

Tom griff nach seinem Schwert, aber seine Finger schlossen sich um Luft.

„Nein!“, schrie er und sah zur anderen Seite des Lagerfeuers. Dort lag seine Waffe nutzlos auf dem Boden. „Ich habe mein Schwert liegen lassen!“

„Ich hole es“, bot Elenna an. „Ich bin näher dran.“ Sie ging zu der Stelle, wo Tom geschlafen hatte. Sofort löste sich eine Fledermaus aus dem Schwarm und stürzte sich auf sie herab. Mit ihren scharfen Krallen zielte sie auf Elennas Gesicht.

„Elenna! Pass auf!“, rief Tom warnend.

Elenna schützte ihren Kopf mit den Händen, rollte sich ab und griff nach Toms Schwert. Die Fledermaus landete auf ihrem Arm und grub ihre Krallen in Elennas Haut.

Elenna schrie vor Schmerz. Blut quoll aus den Wunden. Tom wollte zu seiner Freundin rennen, aber der Schwarm stürzte sich kreischend auf ihn.

Die ledernen Flügel der Fledermäuse schlugen gegen seinen Körper und ihre Krallen verfingen sich in seinen Haaren. Er fiel auf die Knie und versuchte, die Angreifer abzuschütteln.

„Verschwindet!“, schrie er. Aber es war hoffnungslos.

Er sah zu Elenna hinüber. Sie versuchte ebenfalls, die Fledermaus loszuwerden. Doch diese krallte sich immer noch an ihrem blutenden Arm fest. Elenna ließ Toms Schwert fallen und kickte gegen den Griff. Das Schwert rutschte klirrend über den steinigen Boden. Vor Toms Füßen blieb es liegen.

Mit der rechten Hand riss er es hoch und ließ es beinahe wieder fallen. Tom schrie vor Schmerz. Er blickte auf seine Hand. Seine Finger waren geschwollen und das Grün war noch dunkler geworden. Das Gift breitete sich in seinem Körper aus. „Aber Elenna braucht mich“, dachte er verzweifelt. Er musste den Schmerz verdrängen.

All seine Freunde brauchten ihn. Storm stampfte mit den Hufen und schüttelte den Kopf, um die Fledermäuse abzuwehren, die ihn umschwirrten. Silver knurrte und sprang mit schnappendem Kiefer in die Luft. Die Flügel der Fledermäuse streiften seinen Kopf.

Tom packte sein Schwert mit beiden Händen und hieb nach rechts und links, nach oben und unten. Er machte immer weiter und spürte, wie die Klinge lederne Flügel und haarige Körper traf. Von der Anstrengung begannen seine Muskeln zu schmerzen, aber Tom hörte nicht auf, mit seinem Schwert gegen die dunkle Wolke der Feinde zu kämpfen. Endlich zerstreute sich der Schwarm. Die Fledermäuse kreischten wütend und verängstigt. Tom lief zu Elenna. Blut rann ihren Ellbogen hinunter.

„Nimm sie weg von mir!“, schrie sie, denn die Fledermaus hing immer noch an ihrem Arm.

Schwungvoll holte Tom mit seinem Schwert aus. Das Tier schrie und ließ Elennas Arm endlich los. Es schloss sich dem Schwarm an, der wie eine lebendige Wolke davonflog. Die wütenden Schreie der Fledermäuse erfüllten die Luft. Schließlich wurde es still. Die Angreifer waren verschwunden. Aber für wie lange?

Tom half Elenna auf die Füße.

Silver lehnte sich besorgt winselnd an sie.

„Sch, sch“, sagte Elenna und tätschelte seinen Kopf. „Nichts passiert.“ Tom war sich da nicht so sicher.

„Die Kralle von Eposs wird die Wunden heilen“, sagte Tom und untersuchte Elennas Arm. Die Kratzer waren tief.

„Später“, sagte Elenna und deutete zum Himmel.

Tom sah hoch. Die Fledermäuse waren schon wieder zurück. Sie kreisten langsam und drohend in der Luft. Ihre Körper zeichneten sich gegen das Sonnenlicht ab.

Tom hob sein Schwert. „Kommt runter und kämpft!“, rief er.

Eine tiefe, böse Stimme ertönte im Wind. Tom und Elenna sahen sich an.

„Velmal“, flüsterte Elenna kaum hörbar.

„Zeig dich!“, rief Tom.

Der dunkle Magier lachte. „Glaubst du wirklich, ich verschwende meine Kraft bei einem Schwertkampf mit dir? Dein Schwert wird dir übrigens bei deinem nächsten Gegner nichts nutzen.“

„Solange Blut in meinen Adern fließt, werde ich kämpfen!“, rief Tom. „Und wenn ich das letzte Biest befreit habe, werde ich mit dir abrechnen!“

Das Gelächter des Zauberers wurde lauter. Die Fledermäuse formierten sich zu einer langen, dunklen Linie.

„Ich freue mich schon auf den Tag“, sagte Velmal. „Aber bis dahin …“

Mit einem ohrenbetäubenden Kreischen schossen die Fledermäuse herab. Tom schwang sein Schwert, er wurde von Flügeln und Krallen getroffen. Er hatte Mühe, auf den Beinen zu bleiben. Dann flogen die Fledermäuse ein letztes Mal über sie hinweg und verschwanden hinter dem Horizont.

Stille legte sich schwer über alles. Tom steckte das Schwert in die Scheide. Er sah zu Elenna, die Silver beruhigte. „Das war das letzte Mal, dass ich mein Schwert abgelegt habe“, schwor er. Er war wütend über seine Leichtsinnigkeit.

„Wir leben alle noch“, beschwichtigte Elenna ihn. „Das ist die Hauptsache.“ Sie sprach nicht weiter, sondern blickte auf etwas hinter ihm.

„Oh, Tom“, flüsterte sie und deutete mit der Hand. Tom wirbelte herum.

„Storm!“, schrie er und rannte zu seinem Hengst. Die Beine des Hengstes zitterten, sein Atem ging flatternd und er verdrehte die Augen.

„Was ist mit ihm?“, fragte Tom.

Elenna wurde blass, als sie neben den Hengst trat. „Oh, nein!“

„Was ist?“, fragte Tom. Elenna strich über Storms Hals. Tom erkannte zwei kleine Wunden wie von Fledermauszähnen. Die Wunden waren frisch und glänzten blutig.

Zorn erfüllte Tom.

„Storm wurde gebissen …“