Ewa erwacht auf einem richtigen,
weichen Bett. Sie fühlt sich wunderbar erholt. So bequem hat sie seit ihrer Abreise von der Erde nicht mehr geschlafen. Wie lange ist das jetzt her?
Ihr Körper ist von einem weißen Laken bedeckt. Ewa hebt es an. Darunter ist sie nackt. Wie kommt sie hierher? Sie erinnert sich an die Leiter und die Schleuse, aber dann war Schluss.
»Hast du mich hierher gebracht, Freitag?«, fragt sie.
»Nein, Ewa, dein Bewusstsein war zwar ausgeschaltet, aber dein Körper war völlig entkräftet, da hätte ich überhaupt nichts ausrichten können. Außerdem habe ich ja versprochen, nichts ohne deine Erlaubnis zu unternehmen.«
Ewa lacht. Den letzten Satz glaubt sie Freitag nicht.
»Ewa Kowalska?«, hört sie die Automatenstimme.
»Die bin ich noch immer.«
»Ich habe Sie vom Notfall-Roboter in die Medizinstation bringen und versorgen lassen. Ihre Haut ist großflächig geschädigt. Sie sollten jede anstrengende körperliche Betätigung in den kommenden Tagen vermeiden. Die Verbände müssen einmal am Tag gewechselt werden.«
»Danke, Schiff.«
»Es besteht keine Notwendigkeit, mir zu danken. Ich habe nur entsprechend meiner Programmierung gehandelt.«
»Verstehe. Ich danke dir trotzdem, das machen Menschen, wenn sie gut erzogen sind.«
»Ewa Kowalska?«
»Ja?«
»Ich habe Ihre Identität überprüft. Es gibt auf dem Spaceliner 1 keinen Passagier mit Ihrem Namen.«
»Oh, das muss ein Irrtum sein.«
Wie kann sie dem Schiff diesen Irrtum nur beweisen?
»Ein Irrtum ist ausgeschlossen. Ich kann Ihnen die Passagierliste des Spaceliner 1 vorlesen.«
»Ich bin unter falschem Namen an Bord gegangen.«
»Das ist ausgeschlossen. Die Passagierliste ist DNA-kodiert. Ich habe Ihre DNA natürlich schon abgeglichen. Sie waren nie an Bord des Spaceliner 1.«
»Und nun?«
»Es gelten weiterhin die Notfall-Protokolle. Sie sind schwer verletzt. Ich muss Ihnen jede erdenkliche Hilfe leisten. Nach Ihrer Genesung müssen Sie das Schiff jedoch umgehend verlassen.«
Ewa sieht an die Decke des Raums. Sie ist offenbar nicht mehr in der Medizinstation. Ob das eine Kabine ist, wie jeder Spaceliner-Passagier sie besitzt? Die Leute wissen vermutlich gar nicht, wie gut es ihnen geht.
»Wie lange wird meine Genesung dauern?«, fragt sie.
»Mein medizinisches Archiv geht bei Ihren Verletzungen von mindestens drei Wochen aus, falls keine Generalinfektion dazukommt, was immer noch möglich ist.«
Dann ist sie erst einmal für drei Wochen in Sicherheit. Was danach kommt, können sie sich immer noch überlegen.
»Freitag«, sagt sie, »kannst du die Schiffssteuerung nicht irgendwie hacken?«
»Du solltest aufpassen, was du sagst, Ewa, das Schiff kann dich hören. Schreib lieber mal wieder in dein Tagebuch, damit du deine Erlebnisse nicht vergisst. Außerdem überschätzt du meine Fähigkeiten. Ich kann dich nur dazu bringen, das zu tun, was du kannst, auch wenn du es vielleicht nicht willst. Ich erschließe dir gewissermaßen all deine Potenziale, die guten wie die schlechten. Aber du kannst nicht plötzlich zehn Meter hoch springen – oder eine gut geschützte Software hacken. Wobei ich den ein oder anderen Weg kenne, der bei Standardprogrammen zum Ziel führt.«
»Standardprogrammen wie einer Schiffssteuerung?«
»Zum Beispiel.«