»Wo bin ich?«
Ewa ist verwirrt. Gerade hat sie es mit Freitags Hilfe geschafft, aus der Spalte zu entkommen. Sie greift sich ins Gesicht. Kein Helm! Eigentlich müsste sie ersticken.
»In der Endeavour«, antwortet eine Stimme, die ihr bekannt vorkommt.
»Gabriella?«
»Gut, dein Gedächtnis funktioniert.«
Ein Gesicht beugt sich über sie. Es gehört der Bordärztin der MfA. Aber da stimmt etwas nicht. Die Endeavour stand doch zuletzt viele Tagereisen entfernt in der MfA-Basis?
»Wie ist das möglich? Das Schiff ist doch tausend Kilometer entfernt!«, sagt Ewa.
»Mike hat uns kontaktiert. Sie hatten nicht die Möglichkeit, dich medizinisch zu versorgen, also sind wir mit der Endeavour hergeflogen.«
»Aber das ... das hat doch jede Menge Treibstoff gekostet!«
»Sonst wäre jede Hilfe zu spät gekommen, und das wollten wir nicht. Immerhin hast du uns gerettet, Ewa.«
»Ich ... das wollte ich nicht.«
»Uns retten? Dafür hast du dich aber ganz schön angestrengt.«
»Nein, ich meine, dass ihr meinetwegen so einen Aufwand treibt. Die Sache im Berg, das war ich euch schuldig.«
»Nun mach mal halblang. Diese Maschine hätte über kurz oder lang die komplette Oberfläche des Mars umgegraben und unsere Basis gleich mit. Du hast sie daran gehindert und damit dem Rest der Menschheit einen gewaltigen Dienst erwiesen.«
»Ohne mich hätten die NASA-Leute diese angebliche Wasserschicht doch gar nicht anbohren können.«
»Doch, das hätten sie, Mike hat es uns schon erklärt. Sie haben selbst einen kleinen Bohrroboter. Es hätte bloß länger gedauert. Sie brauchen eine stabile Wasserversorgung. Du hast das Problem nur etwas eher ans Tageslicht gebracht, aber dafür hast du es dann auch gleich gelöst.«
Ewa sieht an die Decke, an der ein paar Rohre verlaufen. Was Gabriella sagt, klingt logisch. Es passt nur nicht zu ihrem Selbstbild. Was immer sie anfängt, bringt den Menschen nur Unglück, warum auch immer. Der Bohrroboter hätte der NASA-Basis ein dauerhaftes Überleben sichern können, nun liegt er schrottreif am Hang des Berges, der aus der Tiefe aufgetaucht ist. Die Maschine aufzuhalten, war doch keine Leistung. Und sie hat es nicht einmal selbst geschafft; ohne Freitag wäre sie gescheitert.
»Ich muss euch etwas sagen«, murmelt sie.
»Das hat Zeit, erst einmal die medizinischen Details«, sagt Gabriella. »Wir haben dich einen Tag lang zur Erholung im künstlichen Koma gelassen. Deine linke Körperseite ist voller Prellungen und Blutergüsse, aber nichts Gefährliches. Was mir Sorgen macht, sind deine Muskeln. Ich habe so etwas noch nie gesehen. Es scheint, als hättest du zwei Marathonläufe hintereinander absolviert, und das mit sämtlichen Muskeln deines Körpers. Das lässt mich an irgendein unbekanntes Syndrom denken.«
»Ich glaube, ich weiß, woher es kommt«, sagt Ewa.
Gabriella sieht sie mit zweifelndem Blick an. Ewa kann das verstehen – die Patientin meint mehr zu wissen als die Ärztin, da wäre sie an ihrer Stelle auch skeptisch.
»Aber egal«, setzt Gabriella fort, »Da ist noch ein seltsamer Befund, der Sarah zuerst aufgefallen ist. In deinem Gehirn befindet sich ein Fremdkörper, kleiner als eine Münze. Wir können uns das nicht erklären. Vielleicht ein Implantat, wobei es eine technische Höchstleistung gewesen sein muss, es an dieser Stelle zu platzieren. Wir können es mit unseren Mitteln auch nicht entfernen.«
Gabriella hat einen sorgenvollen Blick aufgesetzt. Ewa hingegen freut sich. Das ist der Beweis dafür, dass sie nicht spinnt oder gar lügt, und dass das, was sie zu erzählen hat, der Wahrheit entspricht. Außerdem hatte sie immer noch ein bisschen befürchtet, sich Freitag doch nur eingebildet zu haben, also in Wirklichkeit schizophren zu sein.
»Das geht schon in Ordnung«, sagt sie. »Was ihr da gesehen habt, ist Freitag, so nenne ich ihn. Er ist es, von dem ich euch berichten wollte.«
»Okay«, sagt Gabriella vorsichtig, »und wann wurde er dir implantiert?«
»Ich bin nicht sicher. Vor meiner MfA-Ausbildung hatte ich eine Operation im Zusammenhang mit epileptischen Anfällen, die ich zuvor zwei, drei Mal erlebt hatte. Nur ein harmloser Eingriff, hat man mir gesagt.«
»Wer hat das gesagt?«
»Das Ärzteteam von der MfA-Evaluation. Ohne den Eingriff hätte man mich nicht zugelassen.«
»Verstehe«, sagt Gabriella. »Weißt du auch, welche Fähigkeiten dein Freitag hat?«
»Allerdings. Er kann die Steuerung meines Körpers übernehmen, wenn ich es zulasse oder nicht bei Bewusstsein bin. Die Sabotage an der Dragon-Kapsel und die Mordversuche an Andy und Theo gehen auf sein Konto.«
Jetzt ist Gabriellas Gesicht nicht mehr sorgenvoll, sondern zeigt eine Mischung aus Panik und Entsetzen.
»Weißt du, was das bedeutet, Ewa? Wir müssen uns schnellstens alle kontrollieren, ob noch jemand so ein Implantat trägt. Und wir müssen dich so schnell wie möglich von diesem Freitag befreien.«
»Nein«, sagt Ewa, »Freitag und ich, wir haben uns mittlerweile angefreundet. Ohne ihn wäre ich aus dem Berg nicht mehr rechtzeitig herausgekommen.«
»Meinst du das im Ernst?«, fragt Gabriella. »Dieses Objekt da, was immer es ist, wäre dann ja für den Tod von fünf unserer Freunde verantwortlich. Wenn wir in Zukunft sicher sein wollen, müssen wir es unschädlich machen. Am besten, wir diskutieren das mit den anderen.«
Ewa nickt.
»Später«, sagt sie, »jetzt muss ich noch ein wenig die Augen schließen.«
Sie haben
sich in der Zentrale der Endeavour versammelt, die nicht weit von der NASA-Basis an ihrem gewohnten Landeplatz steht. Gabriella, die Ärztin, ist da, Theo, der das Schiff mit ihr hierher geflogen hat, dazu die vier NASA-Astronauten Mike, Sharon, Sarah und Lance. Sie hatten ihre Fahrt zur MfA-Basis abgebrochen, waren mit dem Rover umgekehrt und hatten Ewa neben dem verunglückten Bohrturm gefunden. Die MfA-Basis ist über Funk zugeschaltet.
Ewa berichtet, wie sie ihre Verbannung überstanden hat. Ihre Ängste, ihre Schmerzen, ihre Verzweiflung lässt sie weg, sie beschränkt sich auf die Fakten. Ab und zu gibt es ungläubige Nachfragen, vor allem, als sie zum ersten Mal das Ding in ihrem Kopf erwähnt, und zum zweiten Mal, als sie beschreibt, wie sie Bohrfahrzeug und Radlader aus dem Spaceliner-Schiff mitnimmt.
»Das war Diebstahl«, sagt Andy, »ich befürchte, die Firma wird uns das übelnehmen. War das deine eigene Idee?«
»Na ja, die haben doch genug, da können sie ruhig etwas abgeben«, meint Theo.
»Ich übernehme die volle Verantwortung«, sagt Ewa. »Euch können sie dafür nicht verurteilen, ihr hattet mich doch verbannt.«
»Vielleicht ist ihnen das egal«, sagt Andy. »Ihr habt doch diesen Administrator gehört, er klang nicht so, als würde er groß differenzieren. NASA, MfA, und dann die von der MfA Ausgestoßene, das ist für den doch alles dasselbe. Da kommen hundert Leute. Im Vergleich zu denen sind wir nur ein Häuflein Verrückter.«
»Das spricht umso mehr dafür, dass wir in Zukunft noch besser zusammenarbeiten sollten«, sagt Mike.
»Ganz meine Meinung«, sagt Andy, »aber wir sollten auf das Echo auf diese Aktion Ewas gefasst sein.«
»Nun mal keine Panik«, sagt Sharon. »Ich habe mir das Bohrfahrzeug angesehen. Der Mechanismus, mit dem es den Turm aufstellt, ist unbrauchbar und mit unseren Mitteln nicht zu reparieren. Und die Steuerkabine ist völlig kaputt. Aber die Basis ist fahrbereit. Der Bohrkopf scheint mir reparabel. Den Turm müssen wir dann eben von Hand auf- und abbauen. So schwer ist er hier auf dem Mars ja nicht. Das dauert dann zwar ein oder zwei Tage statt einer halben Stunde, aber so ein großer Verlust ist das nicht. Die Schäden halten sich wirklich in Grenzen, das muss auch dieser Administrator einsehen.«
»Und wie willst du das Fahrzeug dann steuern?«, fragt Andy per Funk aus der MfA-Basis.
»Per Fernsteuerung aus dem Radlader, der ist voll funktionsfähig«, sagt Sharon. »Es spricht also nichts dagegen, dass wir weiter nach Wasser bohren und die beiden Fahrzeuge danach zurückgeben.«
»Du willst es wirklich noch einmal wagen?«, fragt Mike mit einem ungläubigen Staunen.
»Natürlich«, antwortet Sharon. »Es ist doch so ziemlich ausgeschlossen, dass der Mars weitere solche Überraschungen bereithält. Und wir müssen eben vor dem Bohren genaue Analysen durchführen, ob wir wirklich Wasser gefunden haben.«
»Das klingt vernünftig«, sagt Mike. »Zuerst müssen wir aber unsere Basis wieder dicht bekommen. Und uns Ewas Bericht weiter anhören.«
Ewa hat es während der Unterhaltung der anderen zunehmend angestrengt, sich zu konzentrieren, deshalb ist sie froh, dass sie ihre Geschichte nun fortsetzen kann. Bei der Beschreibung des Bohrmanövers beschwert sich Ellen, dass die MfA darüber nicht informiert wurde, und Mike entschuldigt sich dafür. Dann kommt Ewa zu dem Moment, in dem sie Freitag die Kontrolle übergibt, damit er die Zeichen entziffern kann.
»Das ist sehr spannend«, kommentiert Andy per Funk. »Dieser Freitag erinnert mich an eine der KIs, die ich als Doktorand mitentwickelt habe. Das sind Fähigkeiten, die wir gut gebrauchen können. Ich hätte für die Entzifferung wahrscheinlich ein halbes Jahr benötigt.«
Andys Worte sind wichtig, denn die anderen hören auf ihn, und sie sind gut begründet. Ewa freut sich, weil sie gegen die Löschung von Freitag sprechen. Niemand sagt etwas, also spricht sie weiter.
Ihre Rettung aus dem Berg hinterlässt die anderen schockiert, beinahe ungläubig.
»Es heißt doch immer, der Mensch nutze sein Potenzial nur zu einem geringen Teil«, sagt Sarah. »Mit so einem Ding im Kopf käme wohl jeder auf hundert Prozent.«
»Vielleicht bist du ja in geheime Versuche des Militärs geraten«, mutmaßt Andy. »Es wurde immer gemunkelt, sie würden an so etwas arbeiten, der Verbindung von Mensch und Maschine, um einen Supersoldaten zu schaffen.«
Eine interessante Idee, aber irgendetwas stimmt daran nicht, denkt Ewa.
»Aber warum hat dieses Ding dann versucht, uns alle umzubringen? Daran konnte das Militär doch kein Interesse haben«, sagt Ellen.
Das ist das Problem, denkt Ewa. Warum die Sabotage am Anfang?
»Vielleicht doch! Dazu sind Soldaten ja da, oder?«, sagt Andy.
»Du hast nicht gedient, oder?«, antwortet Mike. »Das ist doch Quatsch. Soldaten gibt es bloß noch, um die UNO-Richtlinien zur Nutzung intelligenter Waffensysteme nicht zu unterlaufen. Heute schießt kein Mensch mehr selbst auf den Gegner. Der Soldat sagt nur noch ja oder nein.«
»Das heißt ja nicht, dass es dabei bleiben muss«, widerspricht Andy.
»Nun streitet nicht«, mischt sich Gabriella ein. »Ewa, bist du mit dem Bericht fertig?«
»Fast«, sagt Ewa. »Ich möchte noch etwas zu Freitag sagen. Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass er so etwas wie eine Persönlichkeit hat. Vor allem aber hat er Angst vor dem Tod, wie jedes Lebewesen. Deshalb habe ich mich entschlossen, ihn auf keinen Fall sterben zu lassen.«
Ganz egal, wie ihr entscheidet, hätte Ewa beinahe noch hinzugefügt, aber sie will die anderen nicht provozieren.
»Gäbe es denn eine Möglichkeit, ihn zu löschen oder zu töten, um mit deinen Worten zu sprechen?«, fragt Sarah. »Entfernen können wir das Implantat auf keinen Fall.«
»Jede Elektronik ist anfällig für elektromagnetische Impulse«, sagt Andy. »Ich denke, wir könnten die Struktur des Implantats zerstören, ohne Ewa dabei zu schaden.«
»Bist du ganz sicher?«, fragt Gabriella.
Andy scheint kurz zu überlegen, dann sagt er: »Ja. Aber das heißt nicht, dass ich dafür bin. Wie gesagt, er könnte sehr nützlich für uns sein. Eine KI mit seinen Fähigkeiten werden wir auf dem Mars in den kommenden 300 Jahren nicht besitzen.«
»Aber er ist ein Mörder«, sagt Ellen. »Verstehe ich es richtig, Ewa, wenn du schläfst, könnte er jederzeit die Kontrolle über deinen Körper übernehmen und sein Mordwerk fortsetzen?«
Ewa hat diese Frage befürchtet, denn sie muss sie bejahen.
»Ich hatte für mein Fahrrad ein Schloss, das hat laute Signale von sich gegeben, wenn es jemand ohne meine Zustimmung bewegt hat. So etwas könnten wir für Ewa konstruieren«, schlägt Lance vor.
»Du willst Ewa mit einer Art Schloss anschließen?«, fragt seine Freundin Sarah.
»Nur während sie schläft. Durch das Signal würde sie aufwachen. Freitag hätte keine Chance«, erklärt Lance.
Ewa lächelt. Es ist eine primitive Lösung, aber sie könnte funktionieren. Setzt man bei Schlafwandlern nicht etwas Ähnliches ein?
»Ich bin einverstanden«, sagt sie. »Wenn Freitag dafür weiterleben kann, schließe ich mich gern jede Nacht an.«
»Ich verstehe dich nicht«, sagt Ellen, die einmal Ewas engste Vertraute und fast eine Freundin war. »Dieses Ding in deinem Kopf hat fünf unserer Freunde auf dem Gewissen, und du willst ihm trotzdem Asyl gewähren? Es ist ein gottverdammter Mörder!«
»Ja, das ist er, aber er hat mir und uns allen auch das Leben gerettet«, sagt Ewa. »Ich bin dagegen, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, dann sind wir auch nicht besser. Er scheint mir nicht mordlustig zu sein, nein, er hat unter besonderen Umständen gehandelt, die wir noch nicht verstehen. Und selbst ein Mörder hat eine zweite Chance verdient.«
Es ist eine schwierige Diskussion. Ewa hat das Gefühl, nicht all ihre Gründe nennen zu können. Denn sie will Freitag auch deshalb am Leben lassen, weil sie nach wie vor eine Mitschuld am Tod ihrer fünf Freunde spürt. Hätte sie nicht früher merken müssen, dass bei der Sabotage ihre eigenen Hände im Spiel waren? Sie hatte es sich einfach nicht vorstellen können, so wie niemand daran gedacht hatte, dass die vermeintliche Grundwasserschicht in Wirklichkeit ein außerirdisches Artefakt sein könnte. Aber enthebt sie das ihrer Schuld? Die Antwort auf diese Frage wird sie ganz allein finden müssen.
»Ich schlage vor, wir stimmen darüber ab, was mit Freitag passieren soll«, sagt Gabriella.
»Einverstanden«, meint Ellen.
Ewa sagt nichts. Egal, wie die Abstimmung ausgeht, sie wird Freitag kein Haar krümmen, selbst wenn das ihre erneute Verbannung bedeuten sollte.
Gabriella fasst zusammen: »Die zwei Optionen, die zur Abstimmung stehen, sind: Das Ding in Ewas Kopf wird elektromagnetisch gelöscht ...«
»Getötet«, unterbricht Ewa sie.
»... oder Ewa verpflichtet sich, stets mit der von Lance beschriebenen Warntechnik zu schlafen. Jeder hat eine Stimme. Bitte zuerst für Option 1 abstimmen.«
Ewa schließt die Augen. Der Tag strengt sie mehr an als die Zeit in der fremdartigen Maschine.
»Drei Stimmen für die erste Option«, stellt Gabriella fest. »Dann bitte eure Meldungen dafür, dass Freitag weiterleben darf.«
Damit hat sie höchstwahrscheinlich gewonnen. Ewa kann es kaum fassen. Nur drei Stimmen für Freitags Tod! Sie will gar nicht wissen, wer wie abgestimmt hat.
»Zehn Stimmen für die zweite Variante«, sagt Gabriella. »Die Entscheidung ist eindeutig.«
Ewa ist fassungslos. Das hat sie nicht verdient. Da sind noch immer die fünf Menschen, die ihretwegen den Tod gefunden haben, auch wenn Freitag seine Finger im Spiel hatte. Sie selbst hätte ihre Verbannung nicht aufgehoben. Aber wenn die anderen dieser Meinung sind, darf sie ihnen dann widersprechen?
Sie schließt erneut die Augen. Es wird dunkel um sie herum, und die Stimmen der anderen werden leiser. Sie hat das Gefühl, dass Freitag etwas sagen möchte, und sie überlässt ihm ihre Stimme.
»Geschätzte Anwesende«, sagt das künstliche Bewusstsein.
Alle drehen sich zu ihr um. Es ist Ewas Stimme, aber alle hören wohl heraus, dass sie die Worte nicht selbst formuliert.
»Mit Ewas Erlaubnis möchte ich Ihnen meinen Dank für diese Entscheidung aussprechen. Ich gelobe, Ihr Vertrauen in mich nicht zu missbrauchen und ab sofort nur noch im Sinne dieser Expedition zu handeln. Zugleich entschuldige ich mich für das Verbrechen, das ich an fünf Ihrer Freunde begangen habe. Ich bin zu diesem Zeitpunkt einer Programmierung gefolgt.«
»Wessen Programmierung?«, unterbricht ihn Andy.
»Diese Information steht mir nicht zur Verfügung.«
»Und damit ist es nun vorbei? Warum sollen wir dir glauben?«, fragt Andy weiter.
»Ich will ganz ehrlich sein«, sagt Freitag. »Damit ist es vorbei, soweit ich das selbst beurteilen kann. Es hat, glaube ich, aufgehört, als meine Existenz unmittelbar gefährdet war. Nach meiner Einschätzung hat in diesem Moment eine viel ältere, wesentlich grundlegendere Programmierung übernommen, die mein Überleben zum Ziel hat.«
»Könnte es sein, dass das bösartige Programm erneut die Oberhand gewinnt, wenn dein Überleben nicht mehr gefährdet ist?«, fragt Sarah.
»Ich weiß es nicht. Deshalb befürworte ich die Warntechnik, die Lance vorgeschlagen hat«, sagt Freitag.
»Das heißt, du hörst alles, was wir sagen – die ganze Zeit?«, fragt Ellen.
»Ich empfange alle Sinneseindrücke, die Ewa registriert«, antwortet Freitag.
»Gut, dann warne ich dich ganz persönlich: Solltest du jemals wieder etwas gegen uns unternehmen, werde ich dich persönlich ins Nirvana befördern«, sagt Ellen in scharfem Ton.
»Ich bitte darum«, antwortet Freitag.