John Keats
 (1795 bis 1821)

Gedichte

 

 

 

Ich sah von Hügelhöh’ ins Land hinein.

So stille lag die Luft im Sonnenschein,

Dass volle Knospen, die in sanftem Bogen

Die leichten schwanken Stängel seitwärts zogen,

Noch glänzten in dem bunten Sternenprangen,

Mit dem der Morgen schluchzend sie behangen.

Die Wolken waren weiß und rein wie Schafe,

Die nach der Schur und nach geruhigem Schlafe

Im Bache badeten; sie lagen matt

Im blauen Himmelsfeld; und Blatt um Blatt

Schien nur ein leiser Atem zu bewegen,

Das Schweigen nur schien seufzend sich zu regen;

Denn jeder Schatten, der ins Grüne fiel,

Lag steif und starr und wusstewußte nichts von Spiel.

 

Die Landschaft ruhte still und weit und frei

Und lud den Blick zu trunkner Schwelgerei:

Des Horizonts krystallnen Glanz zu sehen

Und seinen zarten Linien nachzugehen,

Auch jenem Feldweg, der sich seltsam windet,

Durch Wälder krümmt und fern, ganz fern verschwindet,

Und an bebuschten Streifen zu erkennen,

Wo unter Schatten kühle Wasser rennen.

Ich schaute, und mir war so wohl und klar,

Als fächle sanft des Hermes’ Flügelpaar

Die Füße mir. Mein Herz war leicht und frei,

Den Geist entzückten Freuden mancherlei.

Nach buntem Strauß begann ich mich zu bücken,

Mir weiße, blaue, goldne Lust zu pflücken.