Victor Hugo
 (1802 bis 1885)

Hernani

 

 

 

Vierter Autritt.

Hernani, Doña Sol

 

Doña Sol (Hernanis Hand ergreifend).

Nun lass uns rasch entflieh’n !

 

Hernani (sie mit sanftem Ernste zurückweisend).

Es ehrt dich, Freundin,

In meinem Unglück fest zu mir zu stehen,

Mir nimmer zu entsagen, bis zum Ende

Mein trübes Schicksal treu mit mir zu teilen

Die edle Absicht ehrt dein wack’res Herz;

doch schmachvoll wäre es von mir, Geliebte,

Dies schwere Opfer von dir anzunehmen.

Es ist zu spät, mir winkt jetzt das Schaffott,

Nicht darf ich dich in mein Verderben reißen.

 

Doña Sol

Was sagst du ?

 

Hernani

Dieser König, dem ich trotzte,

Straft mich, weil ich das Leben ihm geschenkt.

Er floh; gewiss ist er schon im Palaste,

Dort ruft er nach seinen Wachen, seinen Knechten,

Und seinen Henkern !

 

Doña Sol

Teurer, ich erbebe!

Auf, lass zusammen schleunig uns entfliehen!

 

Hernani

Zusammen? Nein, die Stunde ist vorbei !

Als Doña Sol, du mir dein Herz enthüllt,

als du mein Lieben liebend unterstützt,

konnt’ ich trotz meinem Elend dir noch immer

Den Wald, die Berge und die Ströme bieten;

Dein Mitleid gab mir Mut; das grüne Bett,

Das mir der Forst schenkt, wollte ich zur Hälfte

Dir geben, wollte der Verbannung Brot

Treu mit dir teilen; aber das Schaffott

Teil ich mit dir nicht, ganz gehört es mein!