James Pradier, Nyssia, 1848.
Marmor, H.: 176 cm. Musée Fabre, Montpellier.
Der aus der Schweiz stammende französische Bildhauer James Pradier war Mitglied der Académie française und ein berühmter Bildhauer der Präromantik, der in Frankreich den Salonklassizismus vertrat, den Antonio Canova in Rom verkörperte. Er kam in Genf zur Welt und ging mit siebzehn Jahren nach Paris, wo sein Bruder als Graveur arbeitete. Den Prix de Rome errang er 1813 und machte sich auf den Weg nach Italien.
Nach den Jahren von 1814 bis 1818 in Rom studierte er bei Jean Auguste Dominique Ingres in Paris und schloss bald Freundschaft mit den romantischen Dichtern Alfred de Musset, Victor Hugo und Théophile Gautier. Pradier wurde 1827 Mitglied der Académie des Beaux-Arts und Professor an der Kunsthochschule. Sein Atelier wurde zu einem Treffpunkt für die Denker der Romantik, dem seine Mätresse Juliette Drouet vorstand. Sie war das Modell für seine Straßburg-Statue auf der Place de la Concorde. Als das Elsass und Lothringen zwischen 1871 und 1918 von Deutschland besetzt waren, wurde diese Statue immer wieder mit Girlanden und Trauerflor behängt.
Dieses Werk ist ein typisches Beispiel für Pradiers klassische Skulpturen von sinnlichen Frauen. Seine Werke verraten einen neoklassizistischen Einfluss und sind so voller Erotik, dass sein Satyr und Bacchantin im Salon von 1834 einen Skandal auslöste. Die Regierung des Bürgerkönigs Louis-Philippe lehnte seine Skulptur ab, die dann an den Grafen Demidoff verkauft und in dessen Palazzo in Florenz gebracht wurde; sie kam jedoch später nach Paris zurück. Louis-Philippe war ein großer Bewunderer von Pradier, wenngleich der Bildhauer so unpolitisch war, dass er sich den jeweiligen Regierungen anpasste. Er trug zu offiziellen Werken am Triumphbogen, an der Madeleine-Kirche und am Invalidendom bei.
Gustave Flaubert schrieb 1846: „Das ist ein großer Künstler, ein wahrer Grieche, der am meisten antike unter allen Modernen.“