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Essi steckt eine Hand in die Tasche ihres Bademantels und sieht Jessica unsicher an.

»Was in aller Welt ist los?«, fragt sie mit leicht heiserer Stimme.

»Nichts Dramatisches. Ich muss nur schnell einen Blick in die Waschküche werfen. Schließt du sie auf?«

Jessica zeigt auf die Wendeltreppe hinter dem Liftschacht. Essi reicht ihr den überraschend schweren Vorschlaghammer.

Sie sieht Jessica aus verschlafenen Augen an. Der Schlüsselbund fällt ihr aus den schlaffen Fingern und landet klirrend auf dem Boden, das Geräusch hallt im Treppenhaus wider. Essi hebt die Schlüssel auf und geht die kurze Treppe hinunter. Dann schiebt sie den Schlüssel ins Schloss.

Jessica folgt ihr zu der massiven Eisentür. Dort lässt Essi ihr den Vortritt. Hintereinander gehen sie durch den langen, niedrigen Flur, an dessen Ende sich die Waschküche befindet. Sie hören, wie die schwere Tür zufällt. Die Neonröhren, die in regelmäßigen Abständen zwischen dem Lüftungsrohr und den Kabeln an der Decke angebracht sind, werfen ein fahles Licht in den Flur.

Jessica öffnet die Tür zur Waschküche, richtet das Licht ihres Handys an die Wand und findet den Schalter. Es riecht nicht nach frischer Farbe, aber Jessica sieht an der Rückwand eine rechteckige Fläche, deren weißer Anstrich ein wenig heller ist als am Rest der Wand. Hier hat Lisa renoviert.

»Komm nicht weiter rein, Essi«, sagt sie und geht mit dem Vorschlaghammer zu der weißen Fläche.