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Von ihrer Haustür bis zum Restaurant Manala sind es nur zweihundert Meter, doch der kalte Wind hüllt Jessica ein, als sie mit zügigen Schritten über den Zebrastreifen geht.

Zum Abend hin ist die Temperatur ein paar Grad unter den Gefrierpunkt gesunken, und der Regen, der tagsüber gefallen ist, hat sich auf dem Asphalt in Eis verwandelt. Kleine Schneeflocken wirbeln im Wind, sodass Jessica die Augen zusammenkneifen muss.

Am Taxistand stehen ein paar Taxis. Den Fahrern macht der Wind nichts aus, sie sind ausgestiegen, um sich zu unterhalten und zu rauchen. Vor der Grillbude an der Ecke der Töölönkatu und der Dagmarinkatu steht ein Dutzend Menschen.

Die kleine Schar strahlt trotz – oder vielleicht gerade wegen – der Dunkelheit, die sie umgibt, eine Wärme aus, die zeigt, dass es den Helsinkiern gelingt, selbst in der dunkelsten und deprimierendsten Zeit des Jahres eine gemütliche Stimmung zu schaffen. Über das Rauschen des Windes hinweg ertönen Ausrufe, Gelächter und angeheiterte Kommentare. Unter den langen, dicken Wintermänteln sieht man dunkle Anzughosen oder Rocksäume, Strumpfhosen und High Heels. After-Work. In der Luft liegt die Elektrizität des Winteranfangs, Entzückung, Spannung, Warten auf Neues und die Hoffnung, dass es irgendwann wieder Sommer wird. Eine nach Glühwein duftende Adventsstimmung, die man als ferne, aber angenehme Erinnerung empfindet, wenn man in der Juli-Hitze beim Flow-Festival Sekt trinkt.

Jessica öffnet die schwere Tür des Manala und betritt die Bar. Aus der Küche dringt eine Kavalkade starker Gerüche, unter denen Käse und Knoblauch dominieren.

Sie entdeckt Frank Dominis da, wo sie ihn vermutet hat: an einem Ecktisch mit dem Gesicht zur Tür, vor sich ein Glas und eine Flasche Cola.

»Ich war schon lange nicht mehr hier«, sagt Dominis auf Englisch und steht höflich auf, als Jessica sich dem Tisch nähert. »Das muss vor der Renovierung gewesen sein.«

»Ich wohne hier in der Nähe«, erklärt Jessica, zieht ihren Mantel aus und hängt ihn über die Stuhllehne. Dann nehmen beide Platz. Aus den Lautsprechern dringen die ersten Takte eines Songs von Eppu Normaali.

»Deine Stammkneipe also«, sagt Dominis und hebt sein Glas an den Mund.

»Nicht wirklich.«

»Was möchtest du trinken? Ich lade dich ein.« Dominis hebt die Hand, um die Bedienung auf sich aufmerksam zu machen.

Jessica betrachtet die leere Flasche auf dem Tisch und das mit Eiswürfeln gefüllte Glas, in dem sich noch ein Rest der dunkelbraunen Flüssigkeit befindet. Frank Dominis bemerkt ihren Blick.

»Kümmer dich nicht darum. Bestell dir, was du möchtest«, sagt er und lächelt breit. Dann wird er eine Spur ernster und spricht aus, was Jessica schon vor einigen Sekunden erraten hat: »Acht Jahre, fünf Monate und zwei Tage.«

»Seit dem letzten Schnaps?«

»Dem letzten Schnaps, der letzten Linie, der letzten Kippe, seit allem.«

Jessica sieht den Mann beeindruckt an. Es gibt wohl so etwas wie das Klischee oder sogar die romantische Vorstellung, dass der Held ganz tief nach unten sinken muss, um groß zu werden. Die Menschen feiern Künstler und Sportler, die Alkoholsucht und Drogenabhängigkeit überwunden haben, während diejenigen, die nie abhängig geworden sind, im Abseits bleiben. Dieselbe seltsame Anziehungskraft findet man bei ehemaligen Kriminellen. Wenn sie ihre Autobiografien veröffentlichen, stehen die Menschen Schlange, um sie sich signieren zu lassen. Toll, dass Sie die Verbrechen und den Alkohol hinter sich gelassen haben. Mein Respekt! Machen wir ein Selfie.

»Hat es sich verändert?«, fragt Jessica. Natürlich fasziniert die dunkle Vergangenheit auch sie. Es wäre scheinheilig, sich das Gegenteil einzureden.

»Was?«

»Das Leben«, sagt Jessica und bestellt bei der Kellnerin ein Glas Weißwein.

Frank Dominis starrt zum Fenster hinaus. Es ist, als wären die im Licht der Straßenlampen tanzenden Schneeflocken und ihre unberechenbaren Bewegungen eine wunderschöne Performance, die jederzeit enden kann und die man deshalb gerade jetzt betrachten muss.

»Nein«, sagt er schließlich und lässt den Blick vom Fenster über sein Glas zu Jessica wandern. »Es ändert sich absolut nichts. Mit Ausnahme der Clique, mit der du gesoffen hast, bleibt alles gleich, das Leben und die Menschen um dich herum. Feste, Freude, Trauer, Dramen, Krisen, Kriege, Verrat, Betrug, Liebe … Das Einzige, was sich verändert, ist die Art, wie du selbst die Welt betrachtest. Oder eher deine Einstellung zu alldem«, erklärt er und krempelt seine Hemdärmel auf.

Jessica schlägt die Beine übereinander und legt die Hände in den Schoß. Sie kennt viele Alkoholiker und Drogenabhängige, bei denen Nüchternheit garantiert den größten Teil ihrer Probleme lösen würde. Andererseits sind viele, die sich aus ihrer Abhängigkeit befreit haben, deprimiert, wenn sie merken, dass das Aufhören allein nicht genügt: Man muss nicht nur bereit sein, der Welt ohne den schützenden Rausch zu begegnen, sondern auch wiedergutmachen, was man versaut hat. Sonst lockt die Flasche bald wieder. Im Suff Dreck machen und verkatert putzen. Das eine ist lustig und leicht, das andere genau das Gegenteil.

»Weißt du, wo Anchorage liegt?«, unterbricht Dominis das Schweigen und leert sein Glas.

Jessica schüttelt den Kopf.

»Anchorage ist die größte Stadt in Alaska.« Er zeigt mit dem Finger auf den Boden, als befände sich die Stadt exakt auf der anderen Seite der Erde. »Da komme ich her.«

»Wow. Weit weg von zu Hause«, sagt Jessica, während die Kellnerin ihr den Wein bringt.

»Mein Zuhause ist jetzt in Lauttasaari, gar nicht so weit weg.« Dominis bestellt sich noch eine Cola. »Acht Jahre, fünf Monate und zwei Tage.«

»Du bist nach Finnland gezogen und hier nüchtern geworden? Oder umgekehrt?«

»Nüchtern geworden bin ich im Flugzeug. Beim Einsteigen war ich betrunken. Ich bin vor dem Suff geflohen, vor mir selbst, vor Anchorage. Ich hätte in jedes beliebige Land ziehen können.«

»Warum Helsinki?«

»Wenn man alles hinter sich lässt, was man kennt, kann man trotzdem irgendetwas Bekanntes bewahren.«

»Das Wetter?«

»Das Wetter«, sagt Dominis, lehnt sich mit verschränkten Armen zurück und fügt ein wenig rätselhafter hinzu: »Und die Dunkelheit.«

Jessica probiert den Wein. Ihre Lippen sind immer noch so kalt, dass das kühle Glas sich an ihrem Mund beinahe warm anfühlt.

»Die beiden Städte sind ganz verschieden«, fährt Dominis fort, »aber das Klima ist fast identisch. Schöne, helle, ziemlich warme Sommer und lange, kalte und höllisch dunkle Winter.«

»Du fühlst dich im Dunklen wohl?«

»Sagen wir so, ich fühle mich in Innenräumen wohl. Und dann kann es draußen ebenso gut dunkel sein. Weißt du, was ich meine, detective

»Jessica.«

»Na gut, detective«, sagt Dominis, bedankt sich bei der Kellnerin und füllt sein Glas. »In Alaska wird viel Schnaps getrunken. Man meint immer, dort würden gelangweilte Soldaten saufen. Ehemalige Soldaten. Es stimmt zwar, dass es in Alaska verdammt viele Soldaten gibt, aber man trinkt dort aus demselben Grund wie hier. Mit dem Alkohol will man vor der Dunkelheit fliehen und die Pracht des Sommers feiern. In südlicheren Breitengraden weiß man von beidem einen Scheißdreck. Sommer und Licht sind dort selbstverständlich. Und absolute Dunkelheit ist so absurd, dass man sie sich nicht einmal vorstellen kann, wenn man nicht Frank Millers Comics gelesen oder die Verfilmungen gesehen hat.«

»Warst du mal Soldat, Frank?«, fragt Jessica.

Dominis bricht in Gelächter aus. »Sehe ich aus wie ein Soldat?«

»Du siehst aus, als hättest du alles Mögliche sein können, bevor du mit dem Trinken aufgehört hast und nach Helsinki gezogen bist.«

»Ich nehme das als Kompliment.«

»Vielleicht solltest du das nicht tun. Ich spreche von etwas, das du vor langer Zeit gewesen sein kannst.«

»Stimmt«, sagt Dominis und lächelt wieder.

Eine größere Gruppe von Gästen betritt das Restaurant und klopft sich auf der Fußmatte am Eingang die Schuhe ab.

Jessica wirft einen Blick auf ihre Uhr. Sie hat zwar Feierabend, ist aber dienstlich hier, also darf sie die Arbeit nicht vergessen.

»Du wolltest mir etwas erzählen. Etwas, das mit Yamamoto und Nervander zu tun hat«, sagt sie und bemüht sich, gelangweilt zu wirken. In Wahrheit ist sie alles andere als gleichgültig, sie kennt sich zu gut, um sich etwas vorzumachen. Aber Frank Dominis braucht nicht zu wissen, was sie denkt. Er hat etwas ungewöhnlich Authentisches: Die Art, wie er sich durch seine Worte entwaffnet, wirkt anziehend. Er gibt viel von sich preis, obwohl sie sich gerade erst kennengelernt haben. Jessica ist vielen Männern begegnet, hat Fehler gemacht und ist oft genug auf Geschwafel hereingefallen, um zu erkennen, ob Sensibilität echt ist oder nur vorgetäuscht. Das sagt natürlich noch nicht die ganze Wahrheit über einen Menschen. Auch hinter Sensibilität können sich falsche Motive und böse Absichten verbergen. Aber das ist eine andere Sache.

»Ich bin ganz Ohr«, fährt Jessica fort.

Sekundenlang wirkt Frank Dominis überrascht, vielleicht auch ein wenig enttäuscht.

»Richtig«, antwortet er und fährt sich über die dichten, an den Schläfen leicht ergrauten Haare. »Ich hatte allerdings geplant, die Information so lange für mich zu behalten, bis du deinen Wein ausgetrunken hast«, fügt er lächelnd hinzu.

»Warum? Was wäre dann passiert?«

»Du hättest vielleicht noch ein Glas bestellt.«

»Wenn es recht ist, trinke ich das erste, während ich mir anhöre, was du zu sagen hast.«

»Es ist nämlich keine sehr lange Geschichte.«

»Aber wichtig genug, dass du mich persönlich treffen wolltest.« Jessica trinkt einen größeren Schluck. Der Fuß des Glases ist nass, vielleicht hat sie den Wein überschwappen lassen, ohne es zu merken.

»Das ist wohl kein Verbrechen«, sagt Dominis.

Jessica antwortet nicht. Sie stellt das Glas auf den Bierdeckel und trocknet sich an einer Papierserviette die Hände.

Gelächter erschallt. Die Gruppe, die vorhin hereingekommen ist, hat sich einige Meter entfernt von ihnen an einen Ecktisch gesetzt.

»Was ich dir erzähle … Ich möchte nicht, dass es gegen mich gekehrt wird, ist das klar?«, sagt Dominis. Jetzt hat seine Stimme die Sorglosigkeit verloren, über die Jessica sich schon früher am Tag gewundert hat.

Jessica nickt. Sie könnte versichern, dass sie immer alles tut, um ihre Quellen zu schützen, und dass jedes andere Verhalten gegen ihre Berufsethik verstoßen würde. Aber das kommt ihr gekünstelt vor. Dominis hatte schon beschlossen, sich ihr anzuvertrauen, bevor er sie angerufen hat.

»Lisa ist ein nettes Mädchen. Sie ist intelligent und steht irgendwie über dem ganzen oberflächlichen Scheiß. Sie spielt mit, bewegt sich in diesen Gesellschaftskreisen wie ein Fisch im Wasser, aber nur, um zurechtzukommen. Lisa genießt es nicht wirklich, sie braucht die Anerkennung der Clique nicht im gleichen Maß wie viele andere. Und deshalb habe ich sie immer gemocht.«

»Wie gut kennst du Lisa eigentlich?«, fragt Jessica mit einer Stimme, die keinen Zweifel daran lässt, was sie meint. Frank Dominis lacht auf, trinkt einen Schluck Cola und kaut auf einem Eiswürfel herum, der ihm in den Mund gerutscht ist.

»Ich weiß, dass du mich durchschaust, detective. Aber Lisa ist eine von zehn. Mit den anderen neun habe ich geschlafen.«

Schweigend trinkt Jessica einen Schluck Wein. Es ist schwer zu sagen, ob die indirekte Frage für den Fall relevant ist. Möglicherweise bewegt sie sich auf dünnem Eis, wenn sie sich nach Details über Franks Sexleben erkundigt.

»Aber Lisa hat mir verschiedene Dinge erzählt«, sagt Dominis leise, obwohl der Lärm der Barbesucher jedes normale Gespräch übertönt. »Dinge, die ich unter normalen Umständen mit niemandem teilen würde.«

»Die Umstände sind jetzt alles andere als normal, Frank«, erwidert Jessica und lehnt sich ein Stück vor.

Dominis lässt die Eiswürfel in seinem halbleeren Glas kreisen. Er ist wohl im Begriff, eine Grenze zu überschreiten, seine Komfortzone zu verlassen, in der man die Geheimnisse seiner Freunde normalerweise nicht ausplaudert.

»Lisa hat mir erzählt, dass ihr Vater eine zwielichtige Vergangenheit hat. Dass er deshalb damals seine Koffer gepackt und Japan verlassen hat, um irgendwohin zu gehen, wo ihn niemand sucht.«

»Nach Finnland.«

»Genau. Und er nahm Lisa mit, die damals erst ein paar Monate alt war.«

»Moment mal«, fällt Jessica ihm stirnrunzelnd ins Wort. »Lisa ist doch in Finnland geboren.«

Dominis schüttelt den Kopf.

»Lisas Vater hat hier eine Finnin geheiratet. Lisas biologische Mutter ist offenbar in Japan an irgendwelchen Komplikationen nach der Geburt gestorben.«

Jessica denkt an das Foto, das sie in Lisas Zimmer gesehen hat. Sie hat angenommen, dass Lisa eine finnische Mutter haben muss. Lisa ist keine Halbfinnin, sie ist ganz einfach eine Finnin, deren biologische Eltern Japaner sind.

Das Gespräch ist ein Musterbeispiel dafür, wie eine Polizistin einen unprofessionellen Eindruck auf ihren Informanten machen kann.

»Okay. Lisas Vater hatte also einen Grund, sich sorgfältig zu verstecken. Aber vor wem? Vor der Polizei?«

»Das weiß ich nicht. Lisa wusste es auch nicht. Und auch das, was ich gerade gesagt habe, ist nur Lisas Vermutung. Ihr Vater hat sich immer geweigert, über seine Vergangenheit zu sprechen. Darüber, warum sie Japan verlassen mussten.«

»Das war … Ende der 90er Jahre? Und du glaubst, es hat etwas mit Lisas Verschwinden zu tun.«

»Ich glaube nicht … Das heißt, ich weiß nicht, ob es etwas damit zu tun hat. Aber ich weiß, dass Lisa Angst vor ihrem Vater hatte.«

»Wie meinst du das?«

»Sie hat gesagt, es fing an, als sie auf Instagram populär wurde. Lisa hat in den letzten Jahren Hunderttausende Follower in Finnland und im Ausland gewonnen, und ihrem Vater gefiel das nicht. Sie haben sich deshalb zerstritten.«

Jessica blickt auf Franks Lippen, die englischsprachige Worte formen. Sie versteht jetzt, warum er die Sache für relevant hält.

»Bezog sich die Meinungsverschiedenheit auf die Präsenz in den sozialen Medien überhaupt oder darauf, welches Material Lisa auf Instagram teilt?«, fragt sie.

»Das weiß ich nicht. Lisas Vater hat ihr schlicht und einfach befohlen, nichts mehr zu posten. Er hat gesagt, wenn sie nicht gehorcht, könnte es schlecht für sie ausgehen.«

»Und das bedeutet …«

Frank Dominis zuckt die Achseln und leert sein Glas. »Vom eigenen Vater so bedroht zu werden. Ohne triftigen Grund.«

»Und jetzt ist Lisa verschwunden«, sagt Jessica leise. In Gedanken sieht sie das Gespenst vor sich, das im Fenix auf Lisa gewartet hat. Kennt das Gespenst Lisas Vater? Ist das der Kern des Ganzen?

»Ich dachte mir, dass es dich interessieren könnte«, sagt Dominis und legt seine Hand auf den Tisch. Nachdem er seine Geschichte erzählt hat, wirkt er wieder so ruhig wie vorher.

»Unbedingt. Danke, dass du dich gemeldet hast. Wann ist das passiert? Ich meine, wann hat Lisa dir davon erzählt?«

»Als wir uns zuletzt unter vier Augen gesehen haben. Im Club, nach Ladenschluss. Vor zwei Monaten.«

»Alles klar«, sagt Jessica und trinkt den restlichen Wein aus.

»Nimmst du noch ein Glas?«

Jessica holt einen Zwanziger aus ihrer Manteltasche, legt ihn unter ihr Glas und steht auf. »Nimm du. Die dritte Cola.«

Frank Dominis wirkt enttäuscht. »Ich bin extra aus Lauttasaari gekommen.«

»Danke, Frank.« Jessica zieht sich den Mantel an. »Vielleicht kannst du eine von den neun anrufen.«

Er lacht fast melancholisch auf und schwenkt die Eiswürfel in seinem Glas.

»He, detective?«, sagt er, als Jessica ihm gerade den Rücken zugekehrt hat, um zu gehen.

»Ja?«

»Glaubst du, dass Lisas Vater etwas mit ihrem Verschwinden zu tun hat?«

Jessica mustert den Mann, dessen Gesicht in dem fahlen gelben Licht beinahe malerisch wirkt.

»Have a good night, Frank«, wünscht sie ihm mit einem zurückhaltenden Lächeln.

»You too, detective

Jessica wickelt sich den Schal um den Hals, als sie in die eisige Kälte tritt. Auf dem Zebrastreifen holt sie das Handy aus der Tasche.

Widersprüchliche Gedanken gehen ihr durch den Kopf. Lisas Vater, der morgen aus Brasilien zurückkehrt, trägt wohl nicht die Verantwortung für das Schicksal seiner Tochter, aber er muss die näher rückende Bedrohung gespürt haben, welcher Art sie auch sein mag.

Jusuf meldet sich überraschend schnell.

»Hallo! Stell fest, um wie viel Uhr die Maschine mit Lisas Eltern morgen früh landet. Wir holen die beiden am Flughafen ab. Und bitte Rasse oder sonst wen, sich über Lisas Vater zu informieren.«

»Hast du was Neues?«, fragt Jusuf.

»Vielleicht, ja. Ich erzähl es dir morgen.«

»Wo bist du?«

»Gerade auf dem Heimweg.«

»Allein? Bist du sicher?«

Jessica seufzt vernehmlich.

»Gute Nacht!«

Jusuf lacht schallend.

»Ich meine ja bloß, Jessi. Sei vorsichtig. Dieser Dominis ist ein Raubtier. Ein Womanizer, der …«

»Scher dich zum Teufel, Jusuf«, faucht Jessica und legt auf.