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20:00 Uhr — Haus von Stork

»Kein Mitleid. Kein Gefühl für Gerechtigkeit. Immer nur mit sich selbst und mit ihrem Image beschäftigt. Zum Kotzen.«

Mathieu Stork spuckte Gift und Galle, als er über die Bürgermeisterin sprach. Seine Frau Rita hatte einen Arm um ihn gelegt und sich einen ausführlichen Bericht über die Geschehnisse in der Schule und im Rathaus angehört. Sie konnte sich der Analyse ihres Mannes nur anschließen. Wahrscheinlich hatte ein älterer Herr in einer Anwandlung den Kinderwagen mitsamt Baby mitgenommen, und nun kostete es ihn aus irgendwelchen Gründen die größte Mühe, das Kind wieder sicher und unbeobachtet zu den Eltern zurückzubringen. Vielleicht hatte er eine höllische Angst vor dem Gefängnis, aber auch vor dem ganzen Rummel. Wenn dieser Opa als Weihnachtsbaby-Entführer bekannt wurde, konnte er nicht mehr unbehelligt zum Bäcker gehen und sich ein halbes Brot kaufen.