Flaubert genoss das Aufsehen, das er in der Direktion erregte, in vollen Zügen. Kaum einer konnte es sich verkneifen, unter irgendeinem Vorwand in Runkels Büro vorbeizuschauen und diesen merkwürdigen Vogel zu besichtigen, der mit Berliner Akzent sprach. Hin und wieder hörte ich ihn sogar in meinem Büro, das ein Stockwerk höher lag, schimpfen und krächzen und für Gelächter sorgen. Auch Sönnchen verschwand im Lauf des Donnerstags mehrfach für längere Zeit und kam jedes Mal mit glänzenden Augen zurück.
»Wenn so ein Papagei nicht so furchtbar teuer wäre«, meinte sie, als sie mir die Unterschriftenmappe brachte, »ich würd mir glatt auch einen zulegen.«
»Warten Sie ab, bis Runkel die Lust verliert, ihn jeden Tag zu füttern und den Käfig zu putzen. Wahrscheinlich ist er dann umsonst zu haben.«
»Sie denken nicht, dass jemand Ansprüche erhebt?«
»Wir wissen ja nicht mal, wer seine rechtmäßige Besitzerin war.«
»Er hat ihn übrigens schon zweimal gebissen«, berichtete sie vergnügt. »Der Herr Runkel hat so spezielle Knabberstangen besorgt, und wie er eine in den Käfig hängen wollt, da hat er ihn gebissen.«
Sie zuckte die Schultern. »Es hat schon ein bisschen geblutet. Der Herr Runkel hat ziemlich geschimpft, und Flaubert hat ein paarmal ›Blödmann‹ zu ihm gesagt.«
Während ich Papiere signierte, deren Inhalt mich nicht interessierte, hörte ich sie zum Klappern ihrer Tastatur eine Bach-Motette summen. Meine Sekretärin sang im Kirchenchor, und vermutlich studierte man gerade ein neues Stück ein. Mit einem Mal war es draußen still. Summen und Klappern waren gleichzeitig erstorben. Augenblicke später riss Sönnchen die Tür auf und sah mich groß an.
»Die Papageienkrankheit, Herr Gerlach!«
Erst seit Kurzem sprach sie mich mit meinem Namen an. Anfangs hatte sie hartnäckig darauf bestanden, mich als »Herr Kriminalrat« zu titulieren, weil sich das so gehöre für eine Sekretärin. Meine Beförderung hatte sie erst ins Stottern und dann ins Grübeln gebracht, denn der »Kriminaloberrat« ging im Alltag doch schwer über die Zunge. Ihre frühere Drohung, mich im Fall des Falles »Herr Ober« zu rufen, hatte sie zum Glück nicht wahr gemacht, und meinem Bitten, es doch mal mit »Alexander« zu versuchen, hatte sie in Empörung versetzt. So war ich nun also seit Neuestem »Herr Gerlach« für sie.
»Sie meinen, Runkel sollte sich vorsorglich impfen lassen?«
Meine Sekretärin schüttelte den Kopf, dass die Dauerwellen flogen. »Papageienvögel müssen einen Ring tragen, hab ich mal gelesen. Wegen dieser Krankheit.«
Ich verstand immer noch nicht, worauf sie hinauswollte. »Was für einen Ring denn?«
»Na, am Bein. Sogar Wellensittiche. Damit man weiß, von welchem Züchter er kommt. Und wenn Sie einen Papagei kaufen, dann wird die Nummer aufgeschrieben und wie Sie heißen und Ihre Adresse.«
Eine halbe Minute später waren wir unten. Flaubert trug tatsächlich einen silbern blinkenden Ring am rechten Fußgelenk. Leider war er jedoch nicht gewillt, uns die eingeprägte Nummer ablesen zu lassen. Eine Weile turnten wir zu dritt um den Käfig herum, und der dabei immer aufgeregter werdende Papagei drehte sich immer wieder so, dass wir irgendeinen Teil nicht sehen konnten. Das Spektakel bereitete ihm mächtiges Vergnügen, und er schien es für ein neues Spiel zu halten.
In diesem Zusammenhang stellte sich auch heraus, weshalb er in der Mordnacht vorübergehend den Wohnort hatte wechseln müssen. Vermutlich war das immer so gewesen, wenn seine Besitzerin Herrenbesuch erwartete. In seiner Begeisterung über unsere Aufmerksamkeit begann Flaubert schließlich, vielleicht angeregt durch Sönnchens Lachen, zu flattern und unverkennbar weibliche Lustschreie auszustoßen.
»Ja, jaaa!«, schrie er. »Ah, ahh, jaaaaah!«
Runkel sah mich verdattert an, Sönnchen lachte aus voller Kehle und wurde zu meiner Verwunderung kein bisschen rot. Nachdem alle sich wieder beruhigt hatten, kamen wir überein, dass Runkel einen Menschen auftreiben sollte, der mit gefährlichen Vögeln umzugehen wusste.
Gegen Mittag kam draußen Wind auf, und der Himmel verdunkelte sich wieder. Die Temperatur stieg innerhalb weniger Stunden um fast zehn Grad, und begleitet von Blitz und Donner begann es, wolkenbruchartig zu schneien. Kurze Zeit später regnete es bereits, und auf den Straßen der Kurpfalz brachen bürgerkriegsähnliche Zustände aus. Deshalb erschien der vogelkundige Mann, den Runkel nach einigem Hin und Her aufgetrieben hatte, erst am späten Donnerstagnachmittag.
Natürlich wollte ich mir das Ereignis nicht entgehen lassen. Der Mann, der sich mit förmlicher Verbeugung und mächtigem Händedruck als »Schneider, Christof Schneider« vorstellte, betrieb ein kleines Zoogeschäft in Neuenheim und hatte einen robusten Stulpenhandschuh aus Rindsleder mitgebracht. Den zog er über die rechte Hand, öffnete ohne Zögern den Käfig, packte den entsetzt aufschreienden Vogel und diktierte Sönnchen mit ruhiger Stimme eine lange Nummer.
Sekunden später saß Flaubert schon wieder auf seiner Stange, schüttelte mit stummem Vorwurf sein graues Gefieder zurecht und brachte die roten Schwanzfedern in Ordnung.
»Sie sollten ihn mal ausmisten«, meinte Herr Schneider, als er mir zum zweiten Mal die Hand quetschte.
»Hab mich noch nicht getraut«, gestand Runkel kleinlaut. »Er beißt, wenn man in den Käfig langt. Ich weiß gar nicht, wie das gehen soll.«
»Ganz einfach.«
Der Zoohändler erklärte meinem Untergebenen, wie er das Oberteil des Käfigs samt Bewohner vom Sockel abnehmen, diesen dann reinigen (»am besten immer eine alte Zeitung unten rein«) und am Ende alles wieder zusammenfügen konnte, ohne Gefahr zu laufen, zu nah an Flauberts Schnabel zu kommen.
Aber erst einmal hatte Rolf Runkel Wichtigeres zu tun. Auf meine Weisung hin hängte er sich ans Telefon.
Am Freitagmorgen lernte ich wieder einmal unsere so oft geschmähte deutsche Bürokratie schätzen. Flaubert stammte von einem nebenberuflichen Züchter in Maikammer, einem Örtchen an der Pfälzer Weinstraße. Der Züchter selbst war schon vor über zwanzig Jahren einem Herzinfarkt erlegen, erfuhr ich von Runkel, aber seine rüstige Witwe hatte innerhalb weniger Minuten die Kladde gefunden, in welcher der Moment verzeichnet war, als Flaubert zum ersten Mal das milde Licht der Südpfalz erblickte. Das war vor siebenunddreißig Jahren gewesen, und drei Monate nachdem er aus dem Ei geschlüpft war, hatte ihn ein frisch pensionierter Professor für Geologie gekauft, der damals in Bad Bergzabern wohnte, einem Städtchen nahe der französischen Grenze.
Später war das Ehepaar samt Papagei nach Überlingen am Bodensee verzogen und hatte dort fast zwanzig Jahre gelebt. Wie Runkel durch diverse Telefonate mit diversen Meldeämtern weiter in Erfahrung gebracht hatte, war die Frau nach dem Tod ihres Mannes samt Flaubert zu ihrem einzigen Kind gezogen, einer Tochter, die in der Nähe von Freiburg verheiratet war. Dort war sie drei Jahre später – im gesegneten Alter von zweiundneunzig Jahren – friedlich entschlafen und hatte Flaubert in der Obhut ihrer Tochter zurückgelassen, was dazu führte, dass er schon einen Tag nach der Beerdigung wegen nachhaltiger Lärmbelästigung sowie Gefährdung von Kinderfingern ins Tierheim wanderte.
Von dort hatte ihn vor etwas mehr als fünf Jahren gegen eine Spende in die Vereinskasse eine Frau übernommen, die ihren Namen als Anita Bialas angegeben hatte. Anita Bialas war damals und auch heute noch in Karlsruhe gemeldet mit einer Anschrift in der westlichen Kaiserallee. Um all dies herauszufinden, hatte Rolf Runkel kaum mehr als eine Stunde gebraucht, was alle, die ihn näher kannten, sehr wunderte.
Da ich bis vor anderthalb Jahren im Karlsruher Polizeipräsidium gearbeitet und Jahrzehnte in der Stadt gewohnt hatte, beschloss ich, hinzufahren und mir die Wohnung der Toten selbst anzusehen.
Als Belohnung für seinen Eifer nahm ich Runkel als Begleiter mit.
Inzwischen waren die meisten Straßen wieder befahrbar. Zwar regnete es immer noch in Strömen, der Schnee taute mit Macht, das Eis auf dem Neckar begann zu brechen, erste Bäche traten über die Ufer, und einige Straßen in den Schwarzwaldtälern standen schon unter Wasser. Zum Glück jedoch nicht die Autobahn A5 in Richtung Süden.
So standen wir am Freitag kurz nach Mittag vor der angegebenen Adresse in der Karlsruher Kaiserallee. Das Jugendstilhaus mochte knapp hundert Jahre alt sein, wirkte gepflegt und machte einen heimeligen Eindruck.
Ich hatte einen meiner früheren Kollegen, Thomas Petzold, gebeten, uns zu begleiten. Er war inzwischen Hauptkommissar, hatte ich schon am Telefon erfahren. Ich legte auf seine Anwesenheit Wert, da ich mich erstens freute, ihn wiederzusehen, und er sich zweitens bei Bedarf um einen Schlüsseldienst kümmern konnte. Außerdem beugte ich auf diesem Wege Missstimmungen vor, falls jemand im Karlsruher Polizeipräsidium Wind davon bekam, dass ich in fremden Revieren wilderte. Den Durchsuchungsbeschluss hatte mir die Staatsanwaltschaft dieses Mal ohne kritische Rückfragen ausgestellt.
Petzold und ich tauschten einen herzlichen Händedruck, er wollte wissen, wie es mir so ging als großem Boss. Ich sagte, ganz okay, und er sagte, ihm gehe es auch gut, und er habe wieder einmal eine neue Freundin. Im Gegensatz zu Balke war er, was das andere Geschlecht anbetraf, ein Pechvogel und ziemlicher Maulheld. Runkel stand daneben, guckte freundlich und langweilte sich.
Damit waren die Vorreden erledigt, und ich drückte den untersten Knopf auf der Klingelleiste. Der daneben stehende Name lautete Heinemann. Innen schrillte eine altertümliche Schelle. Niemand öffnete. Ich versuchte einen zweiten Knopf, einen dritten, und beim vierten endlich quäkte eine Stimme aus der Sprechanlage:
»Ja, bitte?«
Ich erklärte unser Anliegen, und es entspann sich eine kurze Diskussion darüber, dass man Fremden nicht so ohne weiteres die Tür öffnen sollte.
»Mein Mann und ich waren kürzlich bei der Kriminalpolizei …«
»Wir sind die Kriminalpolizei!«, gab ich freundlich zu bedenken.
»… und der nette Herr dort hat uns sehr eindringlich gewarnt …«
Hinter uns hüstelte jemand vernehmlich. Ein vielleicht dreißigjähriger Mann im hellgrauen Business-Anzug drängelte sich an uns vorbei und schloss die Tür auf. Als wir ihm folgten, sah er nicht einmal zurück.
Anita Bialas’ Wohnung lag im ersten Obergeschoss. Petzold begutachtete das Türschloss und zückte sein Handy, um den Schlüsseldienst zu rufen. Die Tür zur Nachbarwohnung wurde einen Spalt geöffnet, die Sicherheitskette rasselte, ein Auge hinter dickem Brillenglas erschien im Spalt und betrachtete uns.
»Sind Sie das, mit dem ich eben gesprochen habe?«, tönte es dumpf.
Ich hielt meinen Dienstausweis vor den Türspalt.
»Die sind ja sowieso meist gefälscht«, sagte die Stimme. »Was tun Sie da? Gehen Sie weg, oder ich rufe die Polizei!«
»Wir brechen die Tür auf«, erklärte Petzold. »Und wenn Sie uns weiter dabei stören, brechen wir Ihre als nächste auf.«
Die Tür wurde vorsichtig geschlossen. Wieder rasselte die schwere Kette.
Was wir suchten, fanden wir fast alles in einem Schubladenschränkchen unter dem gläsernen Schreibtisch im winzigen Arbeits- und Gästezimmer: Ordner voller Kontoauszüge, Zeugnisse, Versicherungspolicen.
Das, was von einem Menschenleben am Ende übrig bleibt – Papier.
Während Petzold und Runkel die gefundenen Unterlagen sichteten und in zwei mitgebrachte Klappkisten packten, durchstreifte ich mit den Händen in den Manteltaschen die Wohnung. Sie mochte etwa hundert Quadratmeter messen. Die Küche war gemütlich, viel Holz, karierte Vorhänge und so geräumig wie meine eigene. Das Schlafzimmer war im krassen Gegensatz zu der roten Plüschorgie in Heddesheim sachlich, hell und gerade. Die dominierende Farbe war hier Weiß. Das Wohnzimmer dagegen hatte etwas von einer Höhle. Bücherregale bis an die Decke, dicke Vorhänge, mit deren Hilfe man den Raum vermutlich sogar bei Sonnenschein verdunkeln konnte, ein bequemes, für meinen Geschmack zu weiches Sofa, ein kleiner Fernseher, eine noch kleinere Musikanlage. Alles hier wirkte gut gepflegt, war nicht billig, aber auch keineswegs luxuriös. Was ich vermisste, war der übliche Trödel, der sich im Lauf der Jahre ansammelt. Anita Bialas hatte offenbar zu der Sorte Menschen gezählt, die spätestens an Neujahr sämtliche Weihnachtskarten wegwerfen.
In einem Regal links neben der Tür, etwa in Augenhöhe, fand ich es: Gustave Flaubert, Madame Bovary. Das alte Buch mit hübschem Leineneinband sah aus, als wäre es schon mehr als einmal gelesen worden. Ich schlug es auf, aber es war kein Name hineingeschrieben.
»Was hat sie gearbeitet?«, fragte ich meine Kollegen, als ich ins Arbeitszimmer zurückkehrte.
Runkel überreichte mir ein aufgeschlagenes Mäppchen. Der Kontoauszug, auf den sein Zeigefinger deutete, war vom April des letzten Jahres.
»Das ist die letzte Gehaltsüberweisung. Später ist nichts mehr gekommen.«
»IFS«, las ich. »Kennt die jemand?«
Beide zuckten die Achseln.
»Vielleicht hat sie ihren Job verloren«, meinte Petzold. »Obwohl, wir haben bisher nichts gefunden vom Arbeitsamt.«
»Drei Wochen später ist noch eine Überweisung über dreißigtausend gekommen«, ergänzte Runkel. »Und das Komische ist, sie hat seit April auch kaum was abgehoben. Von dem Konto sind seither nur noch ein paar Überweisungen abgegangen. Hausgeld, Krankenversicherung und so.«
»Dann muss hier irgendwo ein Sack Geld vergraben sein.« Petzold stopfte grinsend die Hände in die Gesäßtaschen seiner zu eng gewordenen Jeans. »Was ist, trinken wir noch irgendwo ’nen Kaffee zusammen, oder müsst ihr gleich wieder zurück?«
»Also, ich könnt eigentlich einen Happen vertragen«, sagte Runkel mit Blick auf die Uhr.
Auch ich war hungrig, merkte ich jetzt.
So luden wir die zwei Kisten mit unserer Beute in den Kofferraum unseres Dienstwagens. Petzold fuhr immer noch seinen uralten Porsche Carrera und kurvte auch immer noch verbotenerweise im Dienst damit herum. Der Porsche werde mit jedem Jahr kostbarer, erklärte er strahlend und streichelte zärtlich das nachtblau lackierte Blech. »Ich fahr voraus, okay?«
Minuten später saßen wir im La Piazza in der Scheffelstraße, einem Lokal, das es zu meiner Zeit noch nicht gegeben hatte. Ich wählte eine Capricciosa, Runkel entschied sich nach einigem Hin und Her für Spaghetti Carbonara und Petzold für einen Salat mit Essig und Öl. Anscheinend war er wieder einmal auf Diät. Das erinnerte mich daran, dass auch ich dringend ein wenig abnehmen sollte. Seit der Winter begonnen hatte, hatte ich – ohne irgendetwas an meinen Gewohnheiten zu ändern – drei Kilo zugenommen. So bestellte ich die Pizza wieder ab und ließ mir ebenfalls einen Salat bringen.
Beim Essen erfuhr ich die letzten Neuigkeiten aus der Karlsruher Polizeidirektion, Runkel und ich revanchierten uns mit Anekdoten aus Heidelberg. Birgit Malmberg hatte ihr Psychologiestudium nach dem zweiten Semester aufgegeben und war nach Berlin zurückgekehrt, worüber Petzold nicht mehr übermäßig traurig zu sein schien. Hirlinger hatte sich immer noch nicht totgesoffen. Der KSC war wieder einmal abgestiegen, der neue Dezernatsleiter ein eitler Aktenfresser und die Polizeipräsidentin immer noch die Alte.
Als ich meinen Salat zur Hälfte vertilgt hatte, surrte mein Handy.
»Wir haben hier ein kleines Problem, Chef.« Evalina Krauss klang aufgewühlt. »Ich brauche eine Entscheidung von Ihnen.«
In einem etwas abseits stehenden Einfamilienhaus in der Nähe des Bergfriedhofs randalierte seit Tagen ein Hund, berichtete sie. Den allein lebenden Bewohner, einen älteren Mann, hatten die Nachbarn längere Zeit nicht mehr gesehen. Nun stand die Oberkommissarin zusammen mit einem nicht weniger ratlosen Kollegen vor dem verschlossenen Haus und wusste nicht, was sie tun sollte. Auf ihr Klingeln öffnete niemand, und der Mann vom Schlüsseldienst weigerte sich, die Tür zu öffnen, gegen die von innen unentwegt und offenbar völlig von Sinnen ein mächtiger Schäferhund sprang.
»Müssen wir ihn erschießen?«, fragte sie verzweifelt. »Oder was mache ich jetzt?«
»Fordern Sie jemanden von der Hundestaffel an«, entschied ich. »Und falls der mit dem Tier auch nicht zurechtkommt, dann wird Ihnen wohl nichts anderes übrig bleiben.«
Runkel fuhr. Ich lehnte mich zurück, war ein wenig schläfrig und sah hinaus. Der Regen schien allmählich schwächer zu werden. Auf den Hügeln des Kraichgaus lag noch hie und da Schnee. Die Autos vor uns wirbelten Wasser und Schmutz auf und nebelten uns ein, sodass die Scheibenwischer ununterbrochen zu tun hatten. Zwischen Bruchsal und Kronau waren fünf Kilometer Stau, und ich war kurz davor einzunicken, als mein Handy sich erneut meldete.
»Es ist nicht anders gegangen«, sagte Kollegin Krauss atemlos. »Tut mir leid. Wir haben ihn erschießen müssen. Den Hund.«
»Und wie sieht es im Haus aus?«
»Eine Katastrophe, Chef«, erwiderte sie mit belegter Stimme. »Könnten Sie vielleicht mal kurz vorbeikommen?«
Ich pappte das Blaulicht aufs Dach, Runkel schaltete das Signalhorn ein und begann mit sichtlichem Vergnügen, die Autos vor uns zur Seite zu drängeln. Fünf Minuten später hatten wir den Stau hinter uns gelassen.
Oberkommissarin Krauss lotste uns per Telefon zum Ort des Geschehens.