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»Mich kriegen da keine zehn Pferde mehr rein«, erklärte Evalina Krauss kategorisch, als sie uns kreidebleich vor dem Haus am Oberen Gaisbergweg empfing, einem schmalen Sträßchen am Hang über der Heidelberger Weststadt. »Keine Macht der Welt kriegt mich da noch mal rein!«

Wir duckten uns fröstelnd unter das Vordach, wo es zum Glück trocken war. Die Haustür stand weit offen. Von innen hörte ich gedämpft Stimmen. Einige Schritte entfernt langweilte sich eine kleine Gruppe Menschen unter Regenschirmen, die unser Treiben beobachtete. Ein babyblauer Mazda bremste leise quietschend, und ein mir bekannter Journalist, der für verschiedene Zeitungen arbeitete, kletterte heraus. Auch der viel gerühmte und lange herbeigesehnte digitale Polizeifunk schien schon wieder nicht mehr abhörsicher zu sein. Oder der Mann vom Schlüsseldienst, der sich unschlüssig neben der Haustür herumdrückte, hatte sich ein kleines Zubrot verdient.

»Was liegt an?«, fragte der Journalist jovial. »Was ist hier los?«

Evalina Krauss ging ihm entgegen und beantwortete seine Fragen, wobei sie heftig gestikulierte und sich ständig das aschblonde Haar hinters Ohr schob. Der Bewohner des Hauses, vor dem ich stand, lag tot im Wohnzimmer, wusste ich inzwischen, und zwar schon seit Tagen, denn der völlig ausgehungerte Hund hatte in seiner Not irgendwann begonnen, sein Herrchen aufzufressen.

»Gut möglich, dass er ihn auch umgebracht hat«, hörte ich die Oberkommissarin sagen und trat einen Schritt zur Seite, weil ein junger, hagerer Notarzt, gefolgt von einem übergewichtigen und aus irgendeinem Grund heftig keuchenden Sanitäter, das Haus verließ. Beiden standen Schweißperlen auf der Stirn.

»So was passiert manchmal«, fuhr Evalina Krauss fort. »Man rutscht aus, der Hund erschreckt sich und fällt über einen her. Es kommt vor, dass Leute von ihrem eigenen Hund angefallen werden. Aber anschließend auch noch aufgefressen, meine Güte …«

Der Name des Toten war John Karenke, erfuhren ich und der eifrig Notizen machende Journalist, er war einundsiebzig Jahre alt geworden. Der tote Hund hingegen war noch kein halbes Jahr alt gewesen. Sein Besitzer hatte ihn erst kürzlich angeschafft.

Ich beschloss, mir den Anblick im Inneren des Hauses zu ersparen und mich von dem ungeduldig von einem Bein aufs andere tretenden Rolf Runkel in mein Büro chauffieren zu lassen. Da es sich hier nach Ansicht des Arztes um einen – wenn auch ungewöhnlichen und äußerst unappetitlichen – Unfall handelte, gab es für mich und meine Leute hier nichts mehr zu tun.

Der Journalist machte noch ein paar Fotos vom Haus und den verloren im Regen herumstehenden Schaulustigen und sah dann ebenfalls zu, dass er wieder ins Trockene kam.

Die Handtasche war gefunden worden, erfuhr ich von meiner Sekretärin, während ich meinen durchnässten Mantel abstreifte.

»Grad hat eine Streife sie gebracht.« Sie wies auf eine wasserdurchtränkte Handtasche in einem offenen Wellpappkarton, dessen Boden sich allmählich dunkel färbte. »Ein Briefträger hat sie heut’ Morgen gefunden. Zweihundert Meter vom Hochhaus entfernt im Straßengraben.«

Ich trug den Karton in mein Büro, zog Latexhandschuhe an und öffnete den Verschluss der Handtasche, ohne sie aus der Schachtel zu nehmen. Hätte mich jemand aufgefordert, eine Liste all der Dinge aufzustellen, die eine durchschnittliche deutsche Frau durchschnittlichen Alters in ihrer durchschnittlichen Handtasche aufbewahrte, so wäre ziemlich genau das herausgekommen, was ich in dieser Tasche fand: ein flaches Portemonnaie aus Krokoleder, das nur noch Münzen, eine EC-Karte und zwei Kreditkarten enthielt. Ein Personalausweis, ausgestellt auf Anita Bialas, geboren am elften Juli neunzehnhundertachtundsechzig in Ost-Berlin, ein älteres Nokia-Handy, das die Nässe offenbar nicht überlebt hatte. Zahnseide in einem weißen Kunststoffkästchen kam zum Vorschein, ein dunkelroter Lippenstift, ein Kamm, einige Haarnadeln, ein halbleeres und patschnasses Päckchen Papiertaschentücher, zwei originalverpackte Kondome, ein hoffnungslos durchweichtes Streichholzbriefchen aus dem Ochsen, wo sie ihren letzten Abend verbracht hatte, vier Sicherheitsnadeln, drei beängstigend aufgequollene Tampons.

Ganz unten lagen ein schwerer goldener Armreif und eine ebenfalls goldene Halskette. Beide Schmuckstücke waren aus echtem Gold, äußerst fein gearbeitet und – das sah selbst ich als Laie – kostbar.

Ich breitete alles auf meinem Besprechungstisch aus und war am Ende kein bisschen klüger als zuvor. Abgesehen von der Tatsache, dass Anita Bialas, was ihren Geburtstag anbelangte, Gregor Reuschlin belogen hatte. Vermutlich ein Trick, um mit ihm ins Gespräch zu kommen.

Draußen regnete es immer noch. Ich war müde und freute mich auf die Stunden mit Theresa am Abend, auf die Wärme ihrer Arme, ihre weiche Stimme, ihren Duft.

An diesem Abend war Theresa nicht in der Stimmung für Zärtlichkeiten. Ich sah es schon an ihrem Blick, als sie durch die Tür kam. Der Begrüßungskuss war kühl. Sie wirkte zugleich erschöpft und unruhig.

»Was ist?«, fragte ich, als ich ihren Mantel an die Kaffeehaus-Garderobe hängte, die ich vor einigen Wochen bei einem Trödler in der Altstadt organisiert hatte. »Stress zu Hause?«

»Ein bisschen.« Seufzend fuhr sie sich über die Stirn, schüttelte ihr feuchtes Haar zurecht. Heute trug sie wieder einmal die alte Perlenkette, die sie an dem Tag getragen hatte, als ich sie zum ersten Mal sah. Das war vor anderthalb Jahren gewesen, im August, anlässlich meiner Amtseinführung.

Sie ließ sich auf das kleine, lustig-bunte Sofa fallen, das sie besorgt hatte, und klopfte mit der flachen Hand auf den Platz neben ihr. »Nimm mich in den Arm, Alexander!«

»Was ist denn los?«, fragte ich besorgt, als ich neben ihr saß und sie festhielt. In ihren Augenwinkeln glitzerte es feucht. Sie klammerte sich an mich, als wäre es das letzte Mal. Ich streichelte ihren kräftigen Rücken.

»Entschuldige«, schniefte sie nach einer Weile. »Tut mir leid.«

»Was?«, fragte ich.

»Dass ich dir so die Stimmung verhagele.«

»Nirgendwo scheint immer die Sonne.«

»Sind dämliche Sprüche deine neue Leidenschaft?« Mit traurigem Lächeln schmiegte sie den Kopf an meine Schulter.

»Immerhin hat er dich zum Lächeln gebracht. Aber nun erzähl endlich, was ist passiert?«

»Es ist wegen Egon.«

Dass sie ihren Mann Egon und nicht Egonchen nannte, war kein gutes Zeichen. Sollte heute der Tag sein, an dem mein Chef herausgefunden hatte, mit wem sich seine Frau zweimal die Woche die Abende vertrieb? Bevor ich etwas sagen konnte, fuhr Theresa fort:

»Er ist krank.« Sie schluckte. »Es ist … Ich habe auf einmal ein so furchtbar schlechtes Gewissen. Ich muss auch gleich wieder los. Bitte entschuldige.«

»Ernstlich krank?«

Sie nickte und schloss die Augen.

Unten, auf der regennassen Ladenburger Straße, fuhren Autos vorbei auf der hoffnungslosen Suche nach einer Parklücke. Eilige Schritte tackerten den Gehweg entlang. Irgendwo klapperte ein Fensterladen im Wind.

»Es tut mir so leid«, sagte ich schließlich und fühlte mich unendlich blöde dabei.

Theresa streichelte meine Hand, als müsste sie mich trösten und nicht umgekehrt. Ich wagte nicht, die Frage zu stellen, die mir auf der Zunge brannte: Heißt das, dass wir uns nicht mehr sehen können?

Aber Theresa verstand mich auch ohne Worte.

»Ich weiß im Moment nicht, wie es mit uns weitergeht«, murmelte sie und hatte plötzlich Tränen in den Augen. »Ich kann es wirklich nicht sagen. Bitte entschuldige.«

»Hör endlich auf, dich andauernd zu entschuldigen.«

»Entschuldige.«

Ihr Lachen schnitt mir ins Herz.

Plötzlich sprang sie auf und reichte mir die Hand, als wäre ich irgendein Fremder, mit dem sie auf einer Parkbank ein paar nette Worte gewechselt hatte. Ich erhob mich ebenfalls und drückte sie fest an mich. Lange standen wir da und hielten uns gegenseitig fest.

Der größte Schmerz, der uns treffen kann, ist, einen geliebten Menschen traurig zu sehen und nicht helfen zu können.

Es dauerte Minuten, bis sie sich beruhigte, dann löste sie sich von mir und begann wortlos, sich auszuziehen. Sekunden später fielen wir übereinander her, als hätten wir uns Monate nicht gesehen.

Anschließend weinte sie wieder, und mir war übel vor Traurigkeit und einer Sehnsucht, die völlig sinnlos war, da ihr Ziel ja zärtlich an mich geschmiegt in meinen Armen lag.

Irgendwann musste sie fort, und ich blieb allein zurück. Nie im Leben hatte ich mich so einsam gefühlt und zugleich so wütend. Wütend auf Liebekind und seine idiotische Krankheit, wütend auf das Schicksal, das sich solche Gemeinheiten ausdachte, wütend auf mich selbst, weil ich wütend war. Am liebsten hätte ich etwas an die Wand geschmissen. Ich fand jedoch nichts, das sich dafür geeignet hätte.

Am Samstag begannen meine Töchter mit den Umräum- und Renovierungsarbeiten. Mit meiner Unterstützung wanderte mein Schreibtisch ins Wohnzimmer und fand dort Platz unter dem Fenster mit Blick auf die Büsche im Vorgarten. Ein Regal voller Ordner wurde bei dieser Gelegenheit gründlich ausgemistet und zog anschließend halb geleert in den Flur um. Gegen Mittag war das Zimmer leer, und ich zeigte den beiden, wie man mit Abdeckplane, Wandfarbe und Malerrolle umgeht. Sie zogen die ältesten Jeans an, die sie finden konnten, aus der Mode gekommene T-Shirts, setzten sich verwegene Papiermützen auf die Köpfe, die sie unter großem Gekicher selbst gefaltet hatten, und machten sich ans Werk. Seit sie beschlossen hatten, nicht mehr im selben Zimmer zu schlafen, waren sie wieder ein Herz und eine Seele.

Sarah hatte inzwischen beschlossen, dass auch das »alte« Zimmer einen neuen Anstrich benötige. Über die Farben war gestern lange diskutiert worden. Das Ergebnis war: blasslila für mein ehemaliges Arbeitszimmer, zitronengelb für das andere. Oder umgekehrt. Es war mir gleichgültig, solange sich der Sachschaden irgendwie in Grenzen hielt und ich meine Ruhe hatte.

Ich hatte unruhig geschlafen und die halbe Nacht über die Frage gegrübelt, weshalb mich plötzlich das Gewissen quälte, nur weil der Ehemann meiner Geliebten krank war. Auf einmal kam mir unendlich gemein vor, was wir taten, genauer: getan hatten. Ich ertappte mich dabei, wie ich an Theresa schon als Vergangenheit dachte. Seit gestern Abend konnte ich mir nicht mehr vorstellen, sie zu berühren, sie zu küssen. Und dabei hätte ich mir gerade jetzt nichts sehnlicher gewünscht.

Nie wieder würde ich ihren Mann vergessen können, wenn sie bei mir war.

Nie wieder würde ich mich gut fühlen, wenn ich sie umarmte.

Ich beschloss, meine Töchter ihrem farbenfrohen Schicksal zu überlassen, in die Stadt zu gehen und mir irgendetwas zu kaufen.

Draußen war es auch heute ungemütlich. Noch immer lag in manchen Ecken trauriger, schmutziger Schnee. Ein unsympathischer Westwind scheuchte fette Wolken über die Stadt hinweg. Gegen den Nieselregen halfen kein Schirm und kein Mantel. Ich ließ mich vom Wind Richtung Innenstadt treiben.

Bewegung an frischer Luft tat mir normalerweise gut. Beim Gehen klärten sich meine Gedanken, beruhigten sich die Nerven. Aber heute war alles anders. Mein Hals blieb eng. Das Atmen fiel mir schwer. Ich ertappte mich bei dem Gedanken, was wäre, wenn Liebekind sterben würde und Theresa und ich …

Irgendwann blieb ich keuchend stehen und stellte fest, dass ich trotz der Kälte schweißgebadet war. Es war nicht mehr zu leugnen: ich hatte Liebeskummer. All die Monate, die ich Theresa getroffen und gesprochen, gefühlt und geliebt hatte, hatte ich das Gefühl nicht an mich herangelassen, wollte ich nicht wissen, was ich jetzt endlich wusste, da ich sie ja wohl verloren hatte: dass ich sie liebte. Im Lauf des Vormittags hatte ich ihr vier ewig lange SMS geschrieben. Keine davon hatte sie beantwortet. Ein Testanruf hatte mir bestätigt, was ich schon befürchtet hatte: ihr Handy war aus.

Ungefähr auf Höhe der Alten Brücke machte ich kehrt und kämpfte nun gegen den Wind an, der minütlich stärker und böser zu werden schien. Immerhin hatte der Regen aufgehört. Die Bewölkung begann aufzureißen, und am Ende blitzte sogar hin und wieder eine eiskalte Sonne durch die Lücken. Ich durchstreifte verschiedene Geschäfte auf der Suche nach etwas, dessen Erwerb mir Freude machen könnte. Aber ich fand nichts. Am Ende kaufte ich mir in der Buchhandlung kurz vor dem westlichen Ende der Hauptstraße eine Taschenbuchausgabe von Madame Bovary.

Als ich erschöpft meine Wohnung wieder betrat, waren meine Zwillinge fast so farbig, wie die Wände hätten sein sollen, und völlig aus dem Häuschen. Ich hoffte, dass sie in ihrer Begeisterung nicht noch begannen, sich gegenseitig zu bemalen, und verkroch mich ins Wohnzimmer. Ich versuchte zu lesen, aber es gelang mir nicht. Ich wollte Musik hören, aber alles, was ich auflegte, ging mir auf die Nerven.

Dann war endlich Zeit zu kochen. Ich hatte vergessen einzukaufen, aber für Pfannkuchen war zum Glück alles im Haus. Für mich mit Speck, Käse und Tomaten, für meine aufgekratzten Töchter mit Nutella. Inzwischen war der eine Raum fertig, und sie hatten begonnen, im anderen die Möbel zusammenzuschieben. Noch immer hatten sie sich nicht einigen können, wer das neue Zimmer bekommen sollte.

Später fuhren wir zusammen zu einem großen Möbelmarkt in der Nähe der Autobahn und suchten einen zweitürigen Schrank und eine Kommode aus. Es entspann sich eine längere Diskussion wegen der Betten. Meine Töchter waren der Ansicht, ihre alten Stockbetten aus Kiefernholz seien nicht mehr gut genug für Fast-Erwachsene wie sie. Sie brauchten etwas Neues, Schickes, nicht mehr solchen Kinderkram. Ich zierte mich ein wenig, ließ mich aber schließlich um des Familienfriedens willen in die Bettenabteilung schleppen.

»Das da«, meinte Louise, nachdem sie sich etwa eine halbe Sekunde lang umgesehen hatte. »Das ist geil!«

Das Bett, auf das sie zustrebte, hatte ein verchromtes Metallgestell, sah tatsächlich gar nicht so übel aus. Und war einen Meter vierzig breit.

Sarah nickte aufgeregt. Die beiden sahen mich an und erwarteten eine Reaktion.

Wozu brauchten fünfzehnjährige Mädchen so breite Betten?

»Doch«, sagte ich lahm. »Ganz nett.«

Die IKEA-Betten waren inzwischen wirklich ein wenig unansehnlich geworden, über und über mit Stickern beklebt, mit Abziehbildchen verziert, mit Buntstiften und später Filzschreibern bemalt. Der Preis des neuen Betts war erträglich, und wo wir nun schon einmal hier waren …

Aber wozu, verdammt, brauchten fünfzehnjährige Mädchen so breite Betten? Sollte es da etwas geben, von dem ich nichts wusste, das ich jedoch dringend wissen sollte? Die Mienen meiner Töchter verfinsterten sich.

»Ihr bräuchtet auch neue Matratzen und Decken und Bettwäsche.«

»Man soll sowieso alle paar Jahre die Matratze wechseln, haben wir gelesen.«

»Im Internet. Wegen der Hygiene und so. Es gibt da so eklige Maden, die wohnen in Matratzen und …«

Matratzen waren teuer. Teurer jedenfalls als dieses kokett im Halogenlicht blitzende, überbreite Bett. Bettroste waren nicht viel billiger.

Dazu neue Decken, Laken, Bezüge. Meine innere Registrierkasse stand inzwischen bei circa eintausend Euro.

»Paps!« Louise hüpfte von einem Fuß auf den anderen. »Bitte!«

»Bittebittebitte!«, sekundierte Sarah nicht weniger zappelig.

»Okay«, hörte ich mich sagen. »In Gottes Namen.«

Die Zwillinge hatten inzwischen bei eBay für einen lächerlichen Betrag einen älteren PC ersteigert, erfuhr ich während der turbulenten Heimfahrt, und auch schon einen Schulfreund akquiriert, der ihn ans Internet bringen würde. Die neuen Möbel sollten am kommenden Dienstag geliefert werden. Um den Kleinkram, Decken, Bettwäsche, würden sie sich selbst kümmern, fest versprochen, und alles andere würde sich mit der Zeit finden.

Zu Hause angekommen, verschwanden meine Töchter im Keller, um dort nach Brauchbarem zu wühlen. Nach und nach schleppten sie einen alten Teppich herauf, den sie mir mit leuchtenden Augen vorführten, zwei längst vergessene Klappstühle mit Kunststoffbezug, einen kleinen, schon ein wenig wackeligen Tisch, den ich noch nie gesehen hatte.

Es gelang mir, mich mit ihnen zu freuen und Theresa für eine Weile fast zu vergessen. Abends gingen wir zur Feier des Tages zusammen zum Italiener an der Rohrbacher Straße. Ich gönnte mir ein Viertel Frascati, meine Töchter erzählten mir tausend Dinge, und ich schaffte es sogar, ihnen über weite Strecken zuzuhören. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich von den neuesten Plänen der Band. Im Februar hatte Sam, ihr Entdecker und Manager, nicht weniger als drei Auftritte geplant. Einen in einem Vereinsheim in Eberbach an einem Sonntagnachmittag, einen in Bensheim, von dem sie noch nichts weiter als das Datum wussten, und einen in Ludwigshafen. Dort würden sie als Vorgruppe einer Band auftreten, deren Name mir völlig unbekannt war, was meine Töchter an meinem Verstand zweifeln ließ.

Am Sonntag begannen sie wieder zu streiten. Ich dachte die meiste Zeit an Theresa. Von Madame Bovary hatte ich am Abend zuvor einige Seiten gelesen und schon wieder vergessen.