Zum Glück war es längst dunkel. Ich lief durch den Garten, stieg über den niedrigen Zaun zum Nachbargrundstück, zerriss mir dabei das linke Hosenbein, musste einige Meter durch feuchte, lose Erde waten, kam an Mülltonnen vorbei, zerkratzte mir an einem Rosenstrauch das Gesicht, trat, bereits jetzt außer Atem, auf die Wilhelmstraße und spannte meinen Schirm auf, den ich nicht gegen den Regen, sondern als Tarnung mitgenommen hatte. Ein schneller Blick nach links und rechts – kein Streifenwagen zu sehen. Ich hielt ein zügiges Tempo ein, mit dem ich hoffte, keinen Verdacht zu erregen. Überquerte keine fünfzig Meter im Rücken meiner geduldigen Bewacher die Kleinschmidtstraße, dann den Platz vor der Bonifatiuskirche.
Noch vierzehn Minuten.
Durians Zeitplan war verdammt knapp. Ich wechselte in den Trab.
Als ich außer Sichtweite meiner Kollegen war, zückte ich mein Handy, suchte und fand Balkes Nummer. Er nahm fast sofort ab.
»Sie, Chef?«
Wie müde er klang.
Hastig drückte ich den roten Knopf. Was hätte ich sagen sollen? »Durian hat die Frau des Chefs als Geisel genommen und will sie jetzt gegen mich austauschen«? Seine erste Frage hätte natürlich gelautet: »Frau Liebekind? Was haben Sie denn mit der zu tun?«
Nein, ich durfte niemanden alarmieren. Ich musste mit der Sache allein fertig werden. Mit Durian. Zum Glück hatte ich meine Pistole.
Das Handy brummte in meiner Hand.
»Sie wollten was von mir?« Balke klang jetzt hellwach.
»Ich habe nur den falschen Knopf erwischt, entschuldigen Sie.«
Ich fand, ich log ganz gut für meine Situation.
»Sie klingen, als wären Sie ein bisschen außer Atem. Ist irgendwas?«
Ich blieb stehen. »Die Treppen. Ich muss dringend mal wieder was für meine Fitness tun, Sie haben völlig recht.«
»Und es ist wirklich alles okay?«
»Natürlich.«
Endlich gab er sich zufrieden. Zum Glück waren kaum Menschen auf der Straße. Niemand kümmerte sich um mich. Niemand wunderte sich über meine Eile.
Ich ertappte mich bei Mordfantasien. Sollte Theresa etwas zustoßen, dann würde Durian den schmerzvollsten aller Tode sterben. Und wenn es mich meine Stellung kostete und wenn ich dafür bis ans Ende meiner Tage hinter Gittern sitzen musste, ich würde ihn töten.
Die um diese Uhrzeit beinahe komplett dunklen Gerichtsgebäude blieben hinter mir, das der Staatsanwaltschaft, wo ich mindestens einmal die Woche meist nicht sehr angenehme Termine hatte.
Vangelis, Balke mussten von Theresa ja gar nichts erfahren, fiel mir ein. Ich könnte ihnen erzählen, dass ich Durian treffen würde, sie könnten eine Ringfahndung aufbauen, das dauerte höchstens eine Viertelstunde, und dann kam keine Ratte mehr ungesehen aus der Stadt. Aber was, wenn Durian gar nicht vorhatte, Heidelberg zu verlassen? Was, wenn er Theresa erst später freilassen würde? Was, wenn sie fragten, wieso ich so irrsinnig war, mich freiwillig in seine Gewalt zu begeben? Unsinn, alles Unsinn. Ich wusste ja, welchen Rat sie mir geben würden. Und ebenso gut wusste ich, dass ich ihn nicht befolgen würde. Nicht befolgen konnte.
Ich nahm den kürzesten Weg, quer über den vollen Parkplatz vor dem Baumarkt, erreichte die Kurfürsten-Anlage. Noch sieben Minuten.
Ich würde es schaffen.
Ich musste es schaffen.
Um Zeit zu sparen, überquerte ich die vierspurige Straße in spitzem Winkel. Jemand hupte wütend und bremste scharf.
Ich sah nicht einmal hin, erreichte die gegenüberliegende Seite lebend. Noch vier Minuten. Ich musste es einfach schaffen. Der Regen wurde stärker, ich klappte den Schirm zusammen, um schneller zu sein. Warf ihn schließlich ins Gestrüpp neben dem Gehweg.
Der Bismarckplatz, endlich, hell erleuchtet, noch zwei Minuten. Wieder hupte irgendein Idiot, dessen Familie gemütlich zu Hause im Warmen saß. Dessen Kinder jetzt Klavierstunden hatten oder Ballettunterricht. Dessen Leben auch heute so ordentlich und langweilig verlief wie an jedem anderen Tag.
Um sieben Minuten vor fünf stand ich atemlos und fast bis auf die Haut nass geregnet an der Haltestelle.
Ich fror, obwohl mir der Schweiß den Rücken hinablief. Viele Menschen warteten wie ich. Die elektronische Anzeigetafel kündigte die Linie fünf in einer Minute an. Mit gesenkten Blicken standen die Menschen da, unter ihre Schirme geduckt, das elende Mistwetter ergeben erduldend.
Die Bahn kam. Quietschend und rumpelnd quälte sich der leuchtende Lindwurm um die Kurve. Hielt. Die Türen zischten auf, zu allem Unglück war das blöde Ding proppenvoll. Rushhour, natürlich. Vermutlich gehörte auch das zu Durians Plan. Ich fand einen Stehplatz irgendwo in der Mitte, eingeklemmt zwischen missmutigen, schläfrigen, nach nasser Wolle und kaltem Schweiß riechenden Mitmenschen, die heute nur noch ein Ziel hatten: nach Hause, ins Warme und Trockene.
Ein Ruck, wir fuhren. Augenblicke später schon die Neckarbrücke. Der an besseren Tagen sensationelle Blick auf das weltberühmte Schloss über der Altstadt. Festlich glitzernde Lichter über Wasser, dann Neuenheim, nächste Haltestelle, noch mehr Menschen. Wieder ein Ruck, Bimmeln, bald wieder ein Stopp, es wurde enger und enger. Manche schimpften auf das Wetter, die meisten schwiegen. Manche der Glücklichen, die einen Sitzplatz ergattert hatten, lasen Bücher.
Ich weiß nicht, wie oft die Bahn hielt, bis sie Heidelberg endlich hinter sich gelassen hatte. Dann ging es schneller voran. Dossenheim. Inzwischen stiegen bei jedem Halt mehr Menschen aus als ein. Allmählich gab es Platz, Luft.
»Wie geht’s immer, Herr Gerlach?«, fragte jemand, der sich an derselben Stange festhielt wie ich. »Mal wieder auf Verbrecherjagd?«
»Was? Nein.«
Er war nicht Durian, eindeutig. Zu dick, zu klein.
Ich muss sehr erschrocken und ziemlich dumm ausgesehen haben.
»Guten Morgen!« Der außerordentlich dicke Mann mit rotem Kopf strahlte mich an. »Wusst ja gar nicht, dass man im Stehen so gut schlafen kann.«
Immer noch grinste er bis an die Ohren. »Sie sind doch der von der Kripo, stimmt’s? Hab Sie vor ein paar Wochen mal im Fernsehen gesehen. Als diese Geschichte mit dem kleinen Jungen gewesen ist.«
Ein Handy begann in der Nähe zu trillern. Erst nach Sekunden wurde mir bewusst, dass das Geräusch aus meiner Manteltasche drang.
»Sie müssen mich verwechseln, tut mir leid.« Ich wandte dem unerträglich gut gelaunten Zeitgenossen den Rücken zu. Er beobachtete mit langem Hals, wie ich das Handy herausnahm. Auf dem bunten Display prangte ein kleiner Briefumschlag.
Die Nachricht war kurz: »Hohensachsen aussteigen.«
»Nächster Halt: Hohensachsen«, sagte die freundlichgelangweilte Frauenstimme im Lautsprecher. Wir wurden schon langsamer.
Schon stand ich wieder im Regen. Außer mir hatten nur zwei fröhlich schwatzende alte Damen mit ihren Einkaufstüten die Bahn verlassen. Summend fuhr der leuchtende Zug an, wurde rasch kleiner, war bald außer Sicht.
Die Haltestelle lag einsam, Hunderte Meter vom nächsten Haus entfernt. Jenseits der Schienen rauschte dichter Feierabendverkehr in beiden Richtungen die Bundesstraße entlang. Eine endlose Kette von Lichtern, weiß und rot, jeder Wagen zog eine Schleppe aufgewirbelten Wassers hinter sich her. Weit und breit kein Mensch. Fünfundzwanzig Minuten nach fünf. Die Fahrt hatte über eine halbe Stunde gedauert. Ich hätte alles Mögliche unternehmen können in der langen Zeit. Wenn ich nur gewusst hätte, was.
Der Regen schien wieder einmal in Schnee überzugehen, der schon in vereinzelten schweren Flocken vom Himmel platschte. Glücklicherweise gab es ein hölzernes Dach, das ein wenig Schutz bot. Hin und wieder warf ich einen Blick auf das Handy: nichts. Laut Anzeige war der Akku fast leer, für ein, zwei kurze Telefonate würde es wohl noch reichen. Aber wen sollte ich anrufen?
Hielt ich mich an Durians Weisungen, dann würde Theresa freikommen, und es bestand eine – wenn auch minimale – Chance, dass niemand etwas erfuhr. Schlug ich Alarm, würde mein Verhältnis mit der Frau meines Chefs publik werden, meine Karriere wäre in Trümmern, aber das würde ich überleben. Theresa – was würde sie sich wünschen, könnte ich sie fragen? Wie ich es auch drehte: Meine einzige Chance war, Durian zu treffen, ihn zu überwältigen und zu zwingen, mir den Ort zu verraten, wo er sie gefangen hielt.
Hoffentlich musste sie nicht zu sehr leiden.
Hoffentlich war sie nicht verletzt.
Hoffentlich fürchtete sie sich nicht allzu sehr.
Kann man sich in ihrer verzweifelten Situation überhaupt zu sehr fürchten?
Plötzlich ein Mensch: Ein Mann stand einige Schritte neben mir, ohne dass ich hätte sagen können, woher er gekommen war. Er trug einen langen, wattierten Mantel, der ihm die Umrisse eines Zylinders gab, und beachtete mich nicht. Hielt sich an seinem kleinen faltbaren Schirm fest, der kaum Schutz bot. Das Licht war hier so schlecht, dass ich sein Gesicht nicht sehen und sein Alter nicht schätzen konnte. Als ich zum Schluss gekommen war, dass auch er nicht Durian sein konnte, beobachtete ich wieder die vorbeifahrenden Autos. Jedes Mal, wenn ich meinte, eines werde langsamer, beschleunigte sich mein Puls. Und immer war es falscher Alarm, sinnlose Aufregung. Nichts geschah. Keiner der zahllosen Wagen machte Anstalten zu halten.
Um siebzehn Uhr zweiunddreißig kam, pünktlich auf die Minute, die Bahn aus Richtung Weinheim, hielt, fuhr wieder an. Der Mann mit dem Schirm war verschwunden.
Durian ließ mich noch eine kleine Ewigkeit lang warten und grübeln und Autos zählen. Dann endlich eine neue SMS: »Nächste Bahn zurück.«
Sollte er mich beobachten, dann konnte er jetzt sicher sein, dass ich allein war. In der Ferne sah ich schon die drei Lichter der näherkommenden Straßenbahn. Sekunden später war ich wieder im Warmen. Dieser Zug war zum Glück fast leer. Aber ich hatte nicht die Nerven, mich zu setzen. Auch dies vielleicht ein uralter Instinkt aus jener Zeit, als unsere Vorfahren noch gewohnt waren, mehr oder weniger ständig in Lebensgefahr zu schweben: Einer Gefahr begegnest du besser im Stehen als im Sitzen.
Wo er Theresa wohl versteckt hielt? Es gab so viele Möglichkeiten. Ein kaltes, dunkles Kellerloch. Eine ungeheizte Gartenlaube, ein einsam liegendes Haus irgendwo im tiefsten Odenwald. Und meine Geliebte saß da, gefesselt und geknebelt, einsam, so unvorstellbar einsam, bald auch hungrig und durstig, bekam vielleicht kaum Luft, mit ständig angstweiten Augen …
Plötzlich ging alles sehr schnell. Die nächste SMS war noch kürzer:
»Leutershausen.«
Ich brauchte einige Augenblicke, um zu begreifen, dass die Bahn schon an der richtigen Haltestelle stand. Dieses Mal war Durians Timing zu knapp gewesen. Oder er hatte die Laufzeit von Kurznachrichten unterschätzt. Er wollte mir keine Zeit zum Nachdenken lassen. Wobei mein Kopf zurzeit ohnehin nicht zu klaren Gedanken fähig war. Um die Tür zu erreichen, musste ich mich durch eine Gruppe aufgekratzter Jugendlicher drängeln, die vermutlich auf dem Weg nach Heidelberg waren, um dort etwas zu erleben. Als ich die Tür erreichte, fuhr die Bahn bereits wieder an. Die Mädchen musterten mich neugierig. Hübsch zurechtgemachte und etwas zu aufdringlich duftende Teenager im Alter meiner Töchter.
Verflucht! Verflucht, verflucht!
Die nächste Haltestelle war Schriesheim.
Hoffentlich verlor Durian jetzt nicht die Nerven! Ich konnte doch nichts dafür, dass er nicht rechnen konnte. Oder sollte auch das Berechnung sein? Um eventuelle Bewacher und Begleiter zu verwirren?
Die Bahn in der Gegenrichtung kam zum Glück nur Minuten später.
Noch bevor ich sie in Leutershausen wieder verließ, die nächste SMS: »Der dunkelblaue Lieferwagen.«
Ich sah den Wagen sofort. Er stand auf dem fast vollen Parkplatz des Edeka-Markts ganz in der Nähe der Haltestelle. Dennoch musste ich einige Schritte laufen, um den hohen Drahtzaun zu umrunden, der den Parkplatz von der Haltestelle abgrenzte. In Gedanken spielte ich unentwegt Möglichkeiten und Unmöglichkeiten durch. Ich konnte Durian sofort an die Gurgel gehen und ihn so lange würgen und foltern, bis er mir Theresas Versteck verriet. Ich konnte sein Spiel ein Weilchen mitspielen, bis sich eine günstige Gelegenheit bot, ihn zu überwältigen und dann so lange zu würgen und zu foltern …
Schon stand ich vor dem Lieferwagen, im Regen, beide Hände in den Manteltaschen. Von irgendwo duftete es verführerisch nach Pizza, und ich merkte plötzlich, wie hungrig ich war. Wenige Meter neben mir stand ein Imbisswagen, der Pizzaschnitten verkaufte. Er hatte um diese Zeit kaum Kundschaft.
Nein, schon wieder völliger Unsinn. Durian würde natürlich seine Vorsichtsmaßnahmen getroffen, sich irgendwelche Gemeinheiten ausgedacht haben, um genau das zu verhindern, was ich vorhatte: ihn einfach zu überwältigen und festzunehmen.
Soweit von außen erkennbar, war der Lieferwagen leer. Das Kennzeichen war französisch, die Beschriftung auf der Tür ebenso. Ich wurde nasser und nasser vom Regen. Durian hielt sich vermutlich in der Nähe versteckt und beobachtete mich mit einem fiesen, schadenfrohen Grinsen im Gesicht.
Was mochte sein Plan sein? Er wollte mich töten, das war klar. Aber vermutlich nicht sofort. Hier, mitten im Ort, war das zu gefährlich für ihn. Obwohl er nichts mehr zu verlieren hatte. Ich war der Letzte auf seiner Liste, sein eigener Tod war Teil seines Plans. Vielleicht würden wir auch erst ein Stück zusammen fahren, irgendwo, an einer einsamen Stelle, würde er halten und …
Und dann würde ich ihm sein Messer aus der Hand schlagen und meine Pistole zücken. Nein. Ich sollte die Pistole doch besser sofort zücken, gleich hier. Auf die Gefahr hin, auf einem nicht ganz unbelebten Parkplatz schießen zu müssen. Aber was, wenn er sich dann einfach selbst tötete? Mit seinem Messer? Was, wenn ich ihn erschießen musste? Wie sollte ich dann Theresas Verlies finden?
Meine Gedanken wirbelten im Kreis, wurden immer wirrer statt klarer.
Ich befand mich in einer verteufelten Zwickmühle, aus der es einfach keinen Ausweg gab. Das Beste würde wohl sein, ihm erst einmal seinen Willen zu lassen, bis Theresa in Sicherheit war, und dann …
»Guten Abend, Herr Gerlach«, sagte die Stimme hinter mir, die ich vor unendlich langer Zeit und dann noch einmal vor wenigen Minuten am Telefon gehört hatte.
Nie im Leben hätte ich ihn auf der Straße erkannt. Er war älter geworden, natürlich, und hagerer. Vor mir stand ein mittelgroßer, mittelschlanker, mittelblonder Mann mit Mittelscheitel, und mir wurde bewusst, dass ich ihm niemals persönlich begegnet war. Als er damals die Bank verließ, war ich längst zu Hause gewesen. Als er eine Stunde später verhaftet wurde, schlief ich.
Michael Durian trug einen lappigen dunkelgrauen Tuchmantel, eine Brille mit billigem Horngestell und offenbar eine Perücke. Sein schmales Gesicht verunstaltete ein Vollbart, der möglicherweise sogar echt war.
Unter anderen Umständen hätte ich einen kleinen Angestellten in ihm vermutet. Oder einen Handlungsreisenden. Was er in gewissem Sinne ja auch war – ein über die Jahre etwas müde gewordener Handlungsreisender in Sachen Tod. Nur in seinem Blick war ein feines Glitzern, das einen ahnen ließ, dass etwas mit diesem unscheinbaren Mann nicht stimmte. Dass in ihm ein Wille glühte, eine böse Entschlossenheit, etwas zu Ende zu bringen.
In der Rechten hielt er einen Aktenkoffer. Einen schäbigen Koffer aus Kunstleder, passend zum nicht übermäßig erfolgreichen Handlungsreisenden. Er klappte ihn auf, nahm etwas heraus, was in weißes Papier eingewickelt war. Das Messer? Nein. Umständlich klappte er den Koffer wieder zu, stellte ihn neben sich, wickelte sein Päckchen aus. Eine Perlenkette kam zum Vorschein. Theresas Kette. Dunkle Flecken. Blut? Was sonst. Durian sah mich an.
»Ich möchte Sie bitten, mir Ihre Waffe auszuhändigen«, sagte er ruhig.
Bevor ich wieder denken konnte, steckte er meine Heckler & Koch in die linke Manteltasche. Mein Blick klebte an der Kette, an den Flecken. Was, wenn er gelogen hatte, wenn sie längst tot war oder schwer verletzt, vielleicht kaum noch am Leben, ohne Bewusstsein?
»Steigen Sie bitte ein«, sagte Durian höflich. »Die Türen sind offen.«
Gehorsam kletterte ich auf den Beifahrersitz. Meine Waffe. Jetzt hatte er meine Waffe, wurde mir jetzt erst bewusst, und ich war völlig hilflos. Andererseits: Wenn Theresa erst einmal in Sicherheit war, dann würden sich andere Möglichkeiten ergeben, Chancen. Bis dahin musste ich wieder zu klaren Gedanken fähig sein. Und vor allem noch am Leben.
Durian behielt mich im Auge, während er den Wagen umrundete, auf der gegenüberliegenden Seite einstieg und hinter dem Lenkrad Platz nahm. Für einen Unbeteiligten wirkte die Szene völlig undramatisch. Zwei Männer trafen sich auf einem Parkplatz, wechselten einige Worte, stiegen in ein Auto. Die normalste Sache der Welt. In ein Auto mit französischem Kennzeichen.