23. Oktober Ich bin zufrieden. Ich arbeite an dem TV-Exposé, befinde es für gut und schicke es auch ab. Yeah. »Erfolg« gönnt man sich nicht alle Tage, die Unzufriedenheit gähnt schon im nächsten Eck. Ich war also fleißig, während Franz bis elf Uhr schläft und dann anderthalb Stunden zum Aufwachen braucht. Wir fahren gemeinsam zum Einkaufen in den Früchteladen und er teilt mir mit, dass er mir die tausend Euro überwiesen hat. Ich bin happy und erleichtert, denn die Hälfte von dem Geld hab ich ohnehin schon ausgegeben.
Nach dem Mittagessen stellt sich die Frage, wohin wir spazieren. Ich schlage ihm diverse Routen vor, aber die meisten sind zu weit und das lange Autofahren scheut er. Gut, dann fahren wir wieder in den Nachbarort auf die Feria.
Abends sind wir bei Edwin eingeladen. Der Engländer hat das Haus gekauft, in dem Franz einige Jahre die obere Wohnung gemietet hatte. Es wurde sozusagen seine »Scheidungswohnung«, mit Blick auf mein Häuschen. Edwin ist ein sehr netter Brite, der alles, was er macht, super findet. Er redet dermaßen viel, dass ich an seiner Seite regelrecht verstumme. Mit vielen »Ahs« und »Ohs« bewundern wir brav die Umbauten und seine kunstvollen Mosaike. Nach einem gemeinsamen Essen und viel Wein gehen wir erschöpft nach Hause.
Daheim angekommen, ist plötzlich der Teufel der Unzufriedenheit da. Ich weiß nicht, war es die Erinnerung an die Vergangenheit, die F. X. nun aufstößt? Natürlich geht es mal wieder ums Auto, welches Santi noch immer nicht angefasst hat, und ich verstehe durchaus, dass er sich betrogen fühlt. Aber ich stehe nun mal zwischen den beiden. Dann geht’s um Ausflüge: Wenn wir auf der Insel eine Stunde lang fahren, dann will er dort auch übernachten. Er will Probereisen und endet immer damit: »Ich zahle!« Ich versuche ihm zu erklären, dass wir das gerne spontan machen können, indem jeder ein Täschchen mit Übernachtungszeug ins Auto schmeißt. Jedenfalls startet eine fette Diskussion, er langweilt sich hier, weiß auch nicht, was er schreiben soll, er fährt zurück nach Deutschland und so weiter.
Ich fühle mich an die good old times erinnert und an sein oberstes Gebot »Ich darf keine Heiterkeit zulassen«. Dabei hab ich mich voll umgestellt: Bis elf Uhr vormittags bewege ich mich nur im oberen Teil des Hauses, damit er schlafen kann. Ich bin Frühaufsteherin. Ich schalte wegen des Pfeifens in seinem Ohr kein WLAN an und nutze stattdessen die eher dürftige Internetverbindung via Handy. Das Mittagessen wurde auf nachmittags drei bis vier Uhr verlegt. Die Ausflüge sind kurz und knieschonend. Ich stehe ihm als Chauffeuse zur Verfügung, denn den kleinen Renault Clio will er nicht fahren. Und ich treffe keine Freunde. Ich bin also zu hundert Prozent für ihn da. Mit meinen Reisegästen konnte ich problemlos Tagesausflüge machen und die waren teils älter als er. Aber er ist nicht »jeder«. Und er kennt die Ausflüge, ohne je dort gewesen zu sein. Wie kann ich ihm die Schönheit der Insel näherbringen? Ein bisschen Frieden, Heiterkeit und Spontanität.
Ich scheue die Diskussionen mit den Männern, mit Santi und dem Ex, und möchte einfach nur Frau sein und mich des Lebens erfreuen. Amen.