«Wo bist du denn gewesen, fremde Frau?»

Kate ist damit beschäftigt, im Aposta Tische abzuräumen, doch als sie seine Stimme hört, erstarrt sie. Sie dreht sich mit dem Tablett in der Hand um, und – tatsächlich – da steht Martin. Er ist braun gebrannt und wirkt freudig überrascht, sie zu sehen. Sie hat erwartet, ihm hier schon früher zu begegnen – schließlich hatte er behauptet, Stammgast im Aposta zu sein –, aber andererseits hatte er vor sechs Monaten auch zugesagt, sich mit ihr zum Picknick zu treffen, seitdem hat sie kein Wort von ihm gehört.

Er lächelt breit und entwaffnend. Kate nimmt ihr Tablett, dreht sich zu dem Tisch, den sie gerade abräumt, und wendet sich Martin mit einem schiefen Lächeln wieder zu. Er breitet die Arme aus, um sie an sich zu drücken, was sie zwingt, das Tablett abzustellen. Als er sie fest umschlingt, spürt sie die Kraft in seinem Oberkörper und atmet den Duft sauberer Wäsche ein. Dann befreit sie sich rasch.

«Du arbeitest hier?», fragt er und deutet verwirrt auf ihre Schürze.

«Es hat den Anschein. Aber die Frage lautet eher, wohin warst du verschwunden?»

«Ich? Ich komme gerade aus Los Angeles, wo ich seit Januar einen Pilotfilm gedreht habe. Meine Güte, du siehst gut aus. Wie läuft es mit deinen Schweinefleisch-Pies?»

«Mit meinen Schweinefleisch-Pies? Dasselbe könnte ich

Er lächelt, als hätte er ihren Kommentar nicht gehört. «He, das muss Schicksal sein. Hast du morgen Abend etwas vor?»

«Warum fragst du?»

«Mein Freund Archie macht bei einer Show im National Theatre mit, sie ist ausverkauft. Ich habe Plätze im Parkett, und hinterher könnten wir zum Essen ins Ivy gehen.»

Kate wendet sich zögernd ihrem Tablett zu und räumt die beiden verbliebenen Kaffeetassen darauf, bevor sie ihn wieder ansieht. «Martin?», fragt sie freundlich.

«Ja, mein Herz?»

«Wirst du dich auf irgendeine Weise dafür entschuldigen, dass du mich versetzt hast, oder tust du so, als wäre es nie geschehen?»

Er macht ein verwirrtes Gesicht und runzelt die Stirn. «Hatten wir Pläne? Oh Gott, wir hatten etwas vor?», fragt er und hält sich peinlich berührt ein Auge zu. «Wir hatten etwas ausgemacht, oder?»

«In der Tat.»

«Ach, Kate», sagt er, ergreift ihre Hände und drückt sie. «Es tut mir leid, Darling, ich hatte, ehrlich gesagt, eine ziemlich schlimme Zeit. Hatte ich erwähnt, dass ich mich mitten in der Scheidung befand?»

«Hattest du.»

«Meine Ex ist eine schwierige Frau, und, äh, sie muss etwas total Verrücktes getan haben – das muss es gewesen sein.»

«Sicher …»

«Ach, Kate, du hättest mich anrufen und mir die Ohren langziehen sollen.»

Er legt entsetzt die Hände an die Wangen. «Herr im Himmel. Waren wir zu einem Picknick verabredet?»

«Du hattest dem Menü zugestimmt.»

«Verdammt. Kate, du musst mich für ein Arschloch halten. Es tut mir furchtbar leid, falls ich dich versetzt habe.»

Kate lächelt, weil er «falls» sagt und nicht «dass».

«Du musst es mich wiedergutmachen lassen», sagt er, lässt den Kopf geknickt sinken und sieht dann mit einem verlegenen Lächeln zu ihr hoch.

Sie schaut an ihm vorbei auf das Regalbrett mit Kaffeebohnen an der hinteren Wand. Der kolumbianische Kaffee geht bald aus, sie muss nachher welchen aus dem Lagerraum holen.

«Martin», sagt sie lächelnd und sieht ihn wieder an. «Danke für die Einladung, sie klingt sehr nett, aber – na ja, die Sache ist die, ich interessiere mich nicht mehr für unzuverlässige Männer. Ich muss ablehnen.»

Er tritt einen Schritt zurück und macht ein verletztes Gesicht. «Kate, Darling, ich habe das total vermasselt, aber es war nicht meine Schuld. Jeder hat eine zweite Chance verdient, oder nicht?»

Kate denkt kurz darüber nach und kratzt sich dabei die Augenbraue. «Weißt du was? Ich bin nicht überzeugt, dass das stimmt.»

«Du glaubst mir nicht, nicht wahr? Das mit meiner Ex? Ich schwöre es dir – ich zeige dir einige ihrer Nachrichten, dann siehst du, dass sie verrückt ist», sagt er und greift nach seinem Handy.

«Du musst zulassen, dass ich es wiedergutmache, ehrlich. Es geht nicht, dass ich der sexy Kellnerin in meinem Lieblingscafé ein verhasster Anblick bin.»

Kate lacht. «Wirklich, das ist nicht nötig.»

«Nein, bitte, lass mich etwas tun. Ich fühle mich furchtbar», sagt er und legt flehend die Hände zusammen.

«Meine Güte, du bist ganz schön dramatisch.», sagt sie lachend. «Aber … wenn du Wiedergutmachung leisten willst, gibt es da etwas …»

«Was du willst.»

«Kauf eine Eintrittskarte für meinen Dinner-Club. Du wirst die Hälfte des Menüs nicht essen können, aber komm trotzdem. Zwanzig Dollar ist ein geringer Preis für drei Gänge und Vergebung, findest du nicht?»