Sara war zu Koslows Auto zurückgelaufen und hatte den Autoschlüssel gefunden, den er auf das linke Vorderrad gelegt hatte. Sie hoffte inständig, dass der Russe bei der Wahl seines Fahrzeugs darauf geachtet hatte, dass es nicht zu lokalisieren war. Aber sie konnte sich nicht sicher sein.
Hastig stieg sie ein und duckte sich auf dem Vordersitz. Dann hob sie vorsichtig ihr Handy und kontrollierte die Umgebung über die Kamera.
Keine Valkyria-Söldner, keine Polizisten, nichts Verdächtiges. Die Luft war rein. Jetzt galt es zu fahren, bevor die ganze Stadt abgesperrt wurde.
Mitten in ihrer Panik kam sie sich unheimlich smart vor, weil sie Thörnells GPS in die Tasche von Lottas Mantel gesteckt hatte, als sie ihn umgeräumt hatte. In der App konnte sie jetzt sehen, wie sich ein blauer Pfeil ein paar Dutzend Kilometer von Leipzig entfernt in südwestliche Richtung bewegte.
Die Frage war nur, wie smart es wäre, ihm zu folgen.
Überhaupt nicht smart, dachte Sara.
Ganz allein gegen eine Terroristengruppe, mit der deutschen Polizei auf den Fersen.
Vollkommen idiotisch.
Sie ließ den Motor an und fuhr los.
Während sie fuhr, überlegte sie, was sie alles erfahren hatte und was man daraus eigentlich schließen konnte.
Dass Koslow mit Lotta und Jadoweg zusammengearbeitet hatte.
Dass Lotta Koslow erschossen hatte.
Dass Koslow Geschäfte mit Titus & Partners machte oder zumindest irgendwie darin verwickelt war. Oder besser gesagt, darin verwickelt gewesen war. Was auch für Jadoweg galt.
Der blaue Pfeil glitt auf dem Handydisplay weiter, und Sara folgte ihm, so gut sie konnte. Sie nahm ein paarmal die falsche Abfahrt und musste wieder wenden, behielt aber die ganze Zeit Lotta im Auge.
Die Rolle von Titus & Partners ließ ihr keine Ruhe. Schließlich rief sie einfach Tom an.
»Was weißt du über Valkyria?«
Es dauerte eine Sekunde, bis Tom antwortete, und Sara fragte sich, was diese Sekunde zu bedeuten hatte.
»Sie gehört nicht mehr uns«, sagte er schließlich.
»Sie haben Koslow erschossen. Nicht ich.«
»Okay«, sagte Tom mit einem leicht verwunderten Tonfall.
»Und du hast Geschäfte mit Koslow gemacht.«
»Er war nur ein Vermittler. Aber das ist auch kein Geheimnis.«
»Aber du hast nicht gesagt, dass ihr mit Oleg Jadoweg gearbeitet habt.«
Tom schwieg sehr lange, bevor er etwas sagte. Und als er es tat, klang er sehr ernst.
»Sara, komm nach Hause. Diese Leute sind lebensgefährlich.«
»Alle glauben, dass ich Koslow und die vier Polizisten erschossen habe«, sagte sie und fragte sich im selben Augenblick, wie schlimm sie eigentlich dran war. Sie hatte keine Ahnung, wie sie aus dieser Klemme wieder herauskommen sollte.
»Das wird sich aufklären«, sagte Tom. »Überlass das alles der Polizei, und ich beschaffe dir die besten Anwälte in ganz Deutschland. Du bist schließlich unschuldig, oder?«
Sara dachte eine Weile nach.
»Erzähl mir zuerst alles, was du über Gloria und diese Gasleitung und Jadoweg weißt«, sagte sie schließlich.
»Ich kann dazu nichts sagen. Komm einfach nach Hause. Ich liebe Ebba mehr als alles andere, ich möchte nicht, dass sie ihre Mutter verliert.«
»Dann erzähl es mir!«, brüllte Sara.
»Das kann ich nicht. Es ist sehr viel größer, als du dir vorstellen kannst. Und wir werden damit gewinnen. Aber ich weiß nicht alles«, sagte Tom mit gestresster Stimme.
»Wer ist ›wir‹?«
»Du und ich und Ebba, das Unternehmen.«
Selbstverständlich hätte sie es tun sollen. Alles der Polizei überlassen. Sich darauf verlassen, dass die Gerechtigkeit sich durchsetzte. Dass der BND wusste, was er tat. Aber Koslow hatte sich austricksen lassen, und Sara war sich ziemlich sicher, dass auch der BND Lotta auf den Leim gegangen war.
Also fuhr sie weiter.
Blieb an einer Tankstelle auf der Strecke stehen und kaufte sich etwas zu essen, gab anschließend Gas, um wieder aufzuholen.
Dann folgte sie Lotta zu einer Stadt, die Eisenach hieß, dort blieb der Pfeil stehen. Sara fuhr von Osten in die hübsche kleine Stadt, folgte den Kopfsteinpflasterstraßen bis zu einem großen Marktplatz mit einem mittelalterlichen Turm und den Ruinen dessen, was einmal eine Stadtmauer gewesen sein musste. So groß, dass man einen Tunnel für die Autos hatte anlegen müssen, damit sie hindurchkamen.
Sie parkte außer Sichtweite und betrachtete weiter den Pfeil, der jetzt vollkommen regungslos war. Sie hoffte darauf, dass die Unbeweglichkeit des Pfeils nicht darauf beruhte, dass Lotta den Mantel im Auto gelassen hatte. Vielleicht saß sie irgendwo und wartete auf jemanden, mit dem sie sich verabredet hatte.
Ein unerwartetes Klopfen am Seitenfenster schreckte Sara auf.
Draußen stand Julius Schönberg, der BND -Chef, für den Sara jede Menge Geheimhaltungsabsprachen im Zusammenhang mit den Aktionen gegen Geiger und Faust unterschrieben hatte.
Wie hatte er sie gefunden?
Sie sah sich um. War sie umzingelt? Sollte sie besser fliehen? Könnte sie überhaupt den Wagen starten, bevor sie sie verhaften würden?
Es bestand das Risiko, dass es versteckte Scharfschützen gab, die beim kleinsten Anzeichen von Widerstand sofort das Feuer eröffnen würden. Sie glaubten schließlich, dass Sara eine Polizistenmörderin war.
Sie wartete ab.
Als Schönberg sicher war, das Sara ihn erkannt hatte, öffnete er die Tür und setzte sich auf den Beifahrersitz.
»Das war ich nicht«, sagte sie sofort. »Ich habe die Polizisten nicht erschossen. Oder Koslow.«
»Ich verstehe«, sagte Schönberg ruhig. »Aber ich kann meinen Kollegen nichts sagen. Noch nicht. Sie müssen sich also weiter versteckt halten.«
»Und wie …«, fragte Sara und sah sich um.
»Alle unsere Autos haben GPS «, antwortete Schönberg und musste ein wenig lächeln. »Hat Koslow nicht gesagt, dass das eines unserer Autos ist? Ich bin Ihnen den ganzen Weg gefolgt. Und Sie sind Lotta gefolgt. Oder ist es nur Zufall, dass Sie beide sich zur selben Zeit in Eisenach befinden?«
Sara sah sich weiter um, keine Anzeichen von Polizisten, nirgendwo. Vielleicht war tatsächlich nur Schönberg da.
»Warum hat Lotta Koslow erschossen?«, fragte sie.
»Um Sie an den Pranger zu stellen, nehme ich an. Und das scheint ihr ja gelungen zu sein. Aber das war nicht Teil meines Plans.«
»Das hier ist also Ihr Plan?«
Ihr idiotischer Plan , dachte Sara im Stillen.
»Jetzt nicht mehr. Ich muss jetzt improvisieren. Aber das Wichtigste ist, dass Lotta uns zu Jadoweg führt, bewusst oder unbewusst.«
»Für wen arbeitet Rabe?«, fragte Sara.
»Für niemanden. Früher hat er mal für uns gearbeitet, aber er fixierte sich zu sehr auf Abu Rasil. Hat er von seinen Schwestern erzählt?«
»Ja. Dass sie in einer Diskothek in die Luft gesprengt wurden.«
»Hat er auch erzählt, dass er es war, der die Bombe dort gelegt hat?«
Sara schaute Schönberg nur an.
»Das dachte ich mir«, sagte er Deutsche. »Er versuchte Abu Rasils Gruppe zu infiltrieren und bekam den Auftrag, diese Bombe in der Diskothek zu verstecken. Aber er wusste nicht, dass seine Schwestern öfter dort hingingen. Das wusste allerdings Abu Rasil.«
»Jetzt warten Sie mal. Hatten Sie genehmigt, dass er die Bombe dort legt? Obwohl Ihnen klar sein musste, dass dort Leute umkommen würden?«
»Er agierte auf eigene Faust.«
»Das können Sie jetzt einfach behaupten.«
Sara verzog ihr Gesicht zu einer Grimasse.
»Im Gegenteil, wir waren uns nicht sicher, ob es der anderen Seite vielleicht gelungen war, ihn für sich zu gewinnen. Wir setzten ihn als aktiven Agenten nach dem Diskothekenfiasko ab, was seine Verbitterung nur noch verschärfte«, sagte der Deutsche und schob seine Brille zurecht.
»Könnte er mich in eine Falle gelockt haben?«
Schönberg dachte eine Sekunde nach, bevor er mit den Schultern zuckte.
»Alles ist möglich. Jeder ist käuflich.«
Sara schwieg eine Weile. Diese geheime Welt, in die sie gestolpert war, versetzte sie in Schrecken. Menschenleben bedeuteten darin so wenig, und sie hatte Angst, dass sie genauso werden würde, wenn sie sich weiter damit beschäftigte. Jemand, der den Wert eines Menschen danach beurteilte, welchen Nutzen er aus ihm ziehen konnte, also das Gegenteil von dem, was sie einst in der Zeit gelernt hatte, in der sie zur Polizistin ausgebildet worden war.
»Ich habe ein Bild mit Jadoweg bekommen«, sagte sie schließlich. »Auf dem unterhält er sich mit Koslow.«
Schönberg warf Sara einen langen Blick zu.
»Darf ich es sehen?«
Sara klickte auf das Bild von Stellans Begräbnisfeier und zeigte es ihm. Schönberg sah besorgt aus.
»Ja. Das ist er. Mit Koslow.«
»Und Lotta hat Koslow erschossen, sobald sie das Bild über meine Schulter gesehen hatte.«
Erst jetzt schien das Wissen über den Tod des Russen in Sara einzusinken. Sie hatten einander überhaupt nicht nahegestanden, und vielleicht war der frühere Diplomat selbst schuld daran, dass er sich in dieses Spiel auf Leben und Tod eingemischt hatte, statt seinen Ruhestand zu genießen. Aber er war Sara mehrere Male zu Hilfe gekommen, und sie war sich sicher, dass sie ihn vermissen würde. Und dass es nicht mehr viele gab, die heutzutage noch einen Fedorahut tragen konnten.
»Beachten Sie das Band, das er am Kragen trägt.«
Sara betrachtete erneut das Bild und sah, dass Jadoweg eine schwarz- und orangefarbene Rosette an das Jackett geheftet hatte.
»Was ist das für ein Band?«
»Das Sankt-Georgs-Band. Zu Beginn war es ein Symbol für den Sieg der Sowjetunion über Nazideutschland. Heute ist es ein anti-westliches Symbol, oft gepaart mit Botschaften, dass sie Berlin ja schon einmal eingenommen hätten und es auch ein weiteres Mal tun könnten. ›1945 – wir können es noch einmal tun.‹«
»Das klingt ziemlich aggressiv«, bemerkte Sara.
»Sie haben ja keine Ahnung. Mittlerweile trägt Putin das Band bei offiziellen Anlässen.«
»Warum ist dieser Hass so stark? Nur weil er damals auf dem G7 -Treffen von Obama gedemütigt wurde?«
Schönberg schüttelte den Kopf.
»Eine Frage des Überlebens. Finde einen äußeren Feind, wenn es dem Volk immer schlechter geht. Er hat Todesangst vor Demonstrationen, wenn die Lebensqualität in Russland sinkt. Und je ängstlicher er wird, desto mehr Repression gibt es.«
Der BND -Chef schwieg eine Weile.
»Uns ist tatsächlich schon der Verdacht gekommen, dass Koslow ein doppeltes Spiel betreiben könnte. Und das wäre alles andere als gut. Aber dann könnte man natürlich Lottas Verhalten so deuten, dass sie auf unserer Seite steht. Schließlich hat sie nicht Sie getötet, obwohl sie es vorher schon versucht hatte.«
»Und?«, sagte Sara und dachte, dass damit gar nichts bewiesen war.
»Dass Sie von ihr an den Pranger gestellt werden, könnte damit zu tun haben, dass sie Sie daran hindern will, ihr weiter zu folgen. Vielleicht will sie unseren Plan ja tatsächlich vollenden?«, sagte Schönberg hoffnungsvoll.
»Die Operation Wagner?«
Sara musste erneut an die bombastische Musik des bekannten Komponisten denken, seine Vision eines neuen Deutschlands. War es nicht das, wovon das Ganze handelte, mehr als einhundert Jahre später? Neue Menschen, die eine neue Welt bauen wollten, koste es, was es wolle. Die Geschichte wiederholte sich, verlief in Kreisen, statt einer geraden Linie in eine hellere Zukunft zu folgen.
»Genau«, sagte Schönberg.
»Koslow sagte, Lotta hätte die Armee des Propheten infiltriert.«
Sara betrachtete den Deutschen gespannt, der bekräftigend nickte.
»Und bekommt dafür Immunität«, sagte er. »Und genug Geld, um in einem warmen Land von vorne anfangen zu können.«
»Wenn sie euch nicht an der Nase herumführt.«
»Das ist in dieser Welt immer ein Risiko.«
»Ein sehr großes Risiko. Nur um Jadoweg festzunehmen.«
»Wir müssen ihn aus dem Weg schaffen, damit Jurij wieder in den inneren Zirkel kommen kann«, sagte Schönberg. »Und dann müssen wir Jadoweg auf frischer Tat bei der Zusammenarbeit mit Terroristen ertappen. Das ist das Einzige, was der Kreml akzeptiert, damit es keine Konsequenzen für uns hat. Sie müssen ja daran denken, ihr Gesicht zu wahren. Ihre Maske aufrechtzuerhalten.«
»Und warum wollen Sie Jurij zurück in den inneren Zirkel bringen?« Darauf antwortete Schönberg nicht, aber das Wissen wuchs von selbst in Saras Kopf. »Weil er euer Mann ist?«, sagte sie, und endlich fielen alle Teile auf den richtigen Platz.
Schönberg zögerte mit der Antwort.
»Eine Quelle im direkten Umkreis des Präsidenten zu bekommen, wäre unschätzbar«, sagte er schließlich.
»Also dieses ganze Theater hier«, sagte Sara. »Die ganze Operation Wagner. Nur um einen Maulwurf zu platzieren?«
Schönberg zuckte mit den Schultern.
»Es geht nicht nur darum.«
»Und dabei gebt ihr den Terroristen die Chance, an die Codes zu kommen, mit denen sie halb Deutschland in die Luft sprengen können?«
»Wenn wir es nicht von Anfang an richtig durchgezogen hätten, wären wir sofort durchschaut worden. Aber alles ist unter Kontrolle«, sagte der Deutsche.
»Nicht, wenn Lotta dabei ist.«
Sara wunderte sich erneut, wie leicht diese Menschen das Leben anderer Leute nahmen, als spielten sie gerade eine harmlose Partie Schach und opferten einen Bauern, um an den König zu kommen, statt lebensgefährlichen Terroristen die Codes zukommen zu lassen, mit denen sie halb Deutschland sprengen konnten.
»Die Bomben sind alt. Sie können niemandem mehr schaden. Und wenn wir einen Mann an einer zentralen Stelle im Kreml postieren können, wissen wir bald sehr genau, wo diese Bomben zu finden sind, und können sie fortschaffen.«
»Aber wissen die Russen nicht, dass Jurij mit Ihnen zusammenarbeitet? Koslow wusste es. Und er kannte Jadoweg.« Eine weitere Erkenntnis traf Sara wie ein Strafstoß ins Gesicht. »Hat Lotta ihn deswegen erschossen?«
»Das verneine ich entschieden. Der BND würde niemals einen Mord an einem Mitarbeiter sanktionieren.«
Sara schnaubte verächtlich.
»Und Lotta, wofür brauchen Sie sie eigentlich?«
Sie konnte das Unbehagen nicht abschütteln, das sie mit den Gedanken an Lotta Broman verband. Sie war fest davon überzeugt, dass es nicht persönlich war, sondern rein professionell. Lotta war ein sehr gefährlicher Mensch.
»Wir mussten den Käufer der Codes wieder hervorlocken, und das konnte allein Lotta Broman mit ihren persönlichen Verbindungen zustande bringen«, erklärte der Deutsche.
»Persönlich?«
»Sie ist die Tochter von Abdul Mohammad.«
»Abdul Mohammad? Also haben Agneta und …«
»Auf irgendeinem Trainingslager im Nahen Osten in den Siebzigerjahren. Zwei attraktive junge Menschen, weit weg von zu Hause, fanden einander.«
Schönberg konnte ein Lächeln nicht unterdrücken, als würde ihn der Gedanke rühren.
»Hat sie das schon immer gewusst?«
»Vermutlich.«
Die Information war schwer verdaulich. Lotta eine Tochter von Abdul Mohammad?
»Ist das Risiko damit nicht größer, dass sie die Seite ihres Vaters wählt?«, sagte Sara schließlich.
»Dieses Risiko gibt es immer«, erwiderte der Deutsche und zog eine kleine Grimasse. »Aber wir hatten keine große Wahl, als es darum ging, wie wir Jadoweg in die Falle locken sollten. Wir mussten Abdul Mohammad die Codes anbieten. Lottas Vater wusste, dass sie Zugang zu den richtigen Codes hatte, und verlangte, sie sehen zu dürfen, bevor er erlaubte, dass sie verkauft würden. Wenn man darüber nachdenkt, wie falsch es das letzte Mal gelaufen ist, sind sie jetzt vorsichtiger geworden. Er bürgte für Lotta, und ohne Abu Rasil hatten wir nur noch sie als Alternative. Wir mussten einfach das Risiko eingehen, dass Lotta möglicherweise erneut die Seiten wechselt. Aber bislang ist alles nach Plan gelaufen. Im Großen und Ganzen.«
»War das schon von Anfang an der Plan? Mit Geiger und Abu Rasil? Haben Sie ihn auch damals schon aktiviert?«
Der Gedanke drehte sich wie ein Kreisel in Saras Kopf, vielleicht hatte sie ihr Leben ganz unnötigerweise riskiert, aber Schönberg schüttelte den Kopf.
»Damals war Lotta noch nicht auf unserer Seite. Aber wir benutzten sie ohne ihr Wissen, das war tatsächlich Eric Titus’ Plan. Ich weiß, dass wir beide sehr unterschiedliche Auffassungen von ihm haben, aber für uns beim BND war er eine unschätzbare Hilfe.«
Schon wieder Eric. Sara war es bis ins Innerste leid, dass der Schwiegervater, ob sie es wollte oder nicht, immer ein Teil dieser Geschichte war. Aber wenn sie lebend daraus hervorkommen wollte, musste sie sich ein klares Bild machen.
»Was war sein Plan?«, fragte sie deshalb.
»Geiger zu aktivieren. Ich hatte immer schon Breuer in Verdacht und wollte sie enttarnen, bevor sie in Pension ging. Und Eric wusste von seinen palästinensischen Freunden, dass Abu Rasil die Codes für die sowjetischen Kernwaffen kontrollierte. Also organisierten wir die Finanzierung für eine Gruppe, die Informationen über die Bomben kaufte und anschließend Abdul Mohammad kontaktierte, um ihn zu fragen, ob er die Codes kaufen wollte. Abdul Mohammad schickte Abu Rasil, um die Codes von Geiger zu holen. Den Rest kennen Sie.«
Sara wurde ganz schlecht von dem, was sie gerade gehört hatte. Man konnte sich auf niemanden verlassen, und plötzlich stellte sie auch ihre eigenen Beziehungen infrage. War Anna eine Freundin, weil sie es wollte, oder steckte noch etwas anderes dahinter? War Martin mit Drogen bestochen worden, um ihr nachzuspionieren?
»Sie wissen, dass Eisenach auf historischem Boden liegt, oder?«, sagte Schönberg und ließ die Hand über die Umgebung schweifen. »Wir sind hier genau im Fuldatal. Auch hier waren die Straßen für Stay Put mit Bomben versehen.«
Es knisterte in der Jackentasche des Deutschen, und er holte ein kleines Walkie-Talkie heraus und drückte auf einen Knopf, um zu sprechen.
»Tannhäuser 1 . Kommen.«
»Tannhäuser 4 . Siegfried hat sich Tristan angeschlossen, und Isolde nähert sich. Kommen.«
»Gut. Alle sind bereit. Ich komme. Ende.«
Schönberg wandte sich an Sara.
»Showtime.«