Begegnung mit einem Protektor

»Wenn man bedenkt, was wir schon alles durchgemacht haben«, meinte Dad, »bin ich optimistisch, dass es heute besser wird als gestern. Gehen wir weiter nach Süden.«

»Wie könnte es auch noch schlimmer werden?«, grummelte Ryan.

Sie hatten weitere Äpfel gepflückt und in einem Unterhemd verstaut, das Jared zu einem Beutel geknotet hatte. Es war nur sinnvoll, an Essen zu horten, was immer sie finden konnten. Trotzdem gefiel Ryan nicht, was es bedeutete. Dad würde diese sauren Äpfel nicht mitschleppen, wenn er nicht fürchtete, sie könnten darauf angewiesen sein. Und davon wäre auszugehen, wenn sie keine Straße oder Zivilisation in irgendeiner Form fänden. Ryan fragte sich, ob sein Vater wirklich so optimistisch war, wie er vorgab.

Die Sonne schien gleißend, als die Mittagszeit nahte. Ryan wischte sich gerade Schweiß von der Stirn, als er eine Bewegung am Horizont bemerkte. Eine ... Person auf einem Pferd? Plötzlich erfasste ihn Beklommenheit.

»Da kommt jemand!«, rief er und zeigte hin.

Als sich der Fremde näherte, stellte Ryan fest, dass er tatsächlich fremdartig wirkte. Der Mann war riesig, wahrscheinlich über zwei Meter groß, und er besaß eine Statur, um die ihn jeder Kapitän einer Footballmannschaft beneiden würde. Das ledrige, zerklüftete Gesicht vermittelte Ryan den Eindruck, dass er Ende 30 oder Anfang 40 sein müsste, obwohl er sich wie ein wesentlich jüngerer Mann bewegte. Seine Kleidung sah rustikal aus – alles aus Wolle und Leder und offenbar handgefertigt. Dasselbe galt für seine Bewaffnung, die aus einem Köcher mit Pfeilen auf dem Rücken und einem riesigen Schwert an seinem Gürtel bestand. Ein ähnlich großer Bogen hing an seinem Sattel. Der Mann mutete wie jemand aus einem anderen Zeitalter an.

Andererseits: So seltsam er anmuten mochte, die Familie Riverton musste ihm noch seltsamer erscheinen. Vier verdreckte Menschen, die nur mit einem Unterhemd voll Äpfeln durch das Grasland irrten.

Anmutig stieg der Mann ab. »Hallo! Mein Name ist Throll. Ich bin Waldhüter und Protektor von Aubgherle. Ich muss die Frage stellen ... Wer seid ihr und warum haltet ihr euch am Zugang zu den nördlichen Sümpfen auf?«

Dad streckte die Hand aus. »Freut mich, Sie kennenzulernen, Throll. Ich bin Jared Riverton. Es ist wahrscheinlich schwer zu glauben, das ist mir klar, aber wir sind nicht mal sicher, wo wir sind.« Er deutete nach hinten auf seine Frau und seinen beiden Söhne. »Das sind Aubrey, Ryan und Aaron. Wir wollten die Höhlen in der Nähe von Benson, Arizona erkunden, als ein Erdbeben aufgetreten ist. Dann haben wir uns plötzlich in den Sümpfen wiedergefunden.«

Throll verengte die Augen. »Bensonarizona? Von dem Ort habe ich noch nie gehört. Und in der Nähe der Sümpfe gibt es keine Höhlen.«

Ma trat vor. »Vielleicht hat sich mein Mann nicht klar ausgedrückt. Wir haben uns verirrt. Können Sie uns helfen, eine Straße oder eine Ortschaft zu finden? Von dort schaffen wir es allein zurück nach Benson.«

Throll kratzte sich am stoppeligen Kinn. Sein Gesichtsausdruck wandelte sich von Misstrauen in Verwirrung. »Ich weiß nichts von diesem Benson«, sagte er und deutete mit dem Kopf leicht auf Ma. »Und ich habe jeden Teil von Trimoria erkundet. Aber ich kann euch wohlbehalten nach Aubgherle führen.«

»Danke«, erwiderte Ma erleichtert. Ryan fragte sich, ob sie wieder an ihr heißes Bad dachte.

Throll wandte sich mit gerunzelter Stirn an Dad. »Wo sind deine Waffen, Jared? In den Sümpfen gibt es etliche Raubtiere, für die ihr leicht zur Mahlzeit werden könntet.«

Ryan platzte heraus: »Wir haben einen verschwindenden Wolf gesehen!«

Throll schnaubte. »Ein Zwinkerhund? Pah! Das sind bloß Aasfresser. Aber es gibt jede Menge echte Raubtiere in diesen Sümpfen. Es ist töricht, unvorbereitet dorthin zu reisen.« Er musterte Dad von Kopf bis Fuß und schüttelte den Kopf.

Dad wirkte ein wenig verlegen, als er antwortete: »Wir besitzen keine Waffen ...«

Throll schaute drein, als hätte er noch nie etwas so Verblüffendes gehört. Er holte Luft, um etwas zu sagen, dann jedoch erregte etwas seine Aufmerksamkeit. Der Mann deutete in die Ferne, rief ein unverständliches Wort, drehte sich zurück zu seinem Pferd, löste vom Sattel den Bogen und legte einen Pfeil an.

Ryan erkannte auf Anhieb, was Throll so aufgescheucht hatte. Eine riesige Katze schlenderte auf sie zu. Einen Moment lang beschleunigte sich sein Herzschlag vor Angst – dann jedoch verflog sie schlagartig und schlug in Freude um, als ihm eine Erkenntnis dämmerte.

Silver? Aber er ist riesig!

Er rannte direkt auf den gewaltigen Kater zu, wich dem Versuch seines Vaters aus, ihn zu packen, und ignorierte die Rufe seiner Mutter.

Silver reagierte mit demselben Spiel wie immer. Der Kater nahm geduckte Haltung ein, hopste hin und her, und kaum befand sich Ryan nah genug, sprang Silver ihn an. Normalerweise würde Ryan die kleine Katze auffangen, so jedoch ... stieß das riesige Tier ihn zu Boden.

Lachend schaute er zu dem großen, schnurrhaarigen Gesicht auf, das auf ihn herabgrinste. Es handelte sich eindeutig um Silver.

Er rappelte sich neben dem Kater auf und strich mit den Händen über den gesamten Rücken des Tiers. Das ergab keinen Sinn – wie konnte Silver so groß geworden sein? Allerdings gewöhnte er sich allmählich daran, dass Dinge keinen Sinn ergaben. Er bekam das Lächeln nicht aus dem Gesicht, als er gefolgt von der Katze zu seiner Familie zurückkehrte.

»Ich hab Silver gefunden!«, verkündete er.

Der hünenhafte Waldläufer wich mit skeptischem Blick mehrere Schritte zurück. »Ich habe noch nie eine zahme Sumpfkatze gesehen. Tatsächlich habe ich noch nie eine Sumpfkatze gesehen, die den Nebel verlässt.«

Auch der Rest der Rivertons wirkte zögerlich in Gegenwart ihrer nunmehr weit über 100 Kilo schweren Familienkatze. Aber als Ryan Silvers Hinterteil rieb, ließ sich der Kater auf den Boden plumpsen, entblößte den Bauch und wartete darauf, dass jemand ihn kraulte. Aaron trat zögerlich vor. Als Ryans Bruder eine Hand auf Silvers pelzigen Bauch legte, brachte das laute Schnurren, das prompt einsetzte, alle zum Lachen.

»Es ist Silver«, sagte Aaron. »Was zum Teufel ist mit ihm passiert? Er ist riesig!«

Throll schüttelte den Kopf. Ohne den Blick von der Katze zu lösen, befestigte er den Bogen wieder am Sattel.

* * *

Während die Familie neben Throll herging, der sein Pferd führte, schien der riesige Waldläufer zu der Überzeugung zu kommen, dass die Rivertons die verrückte Geschichte, die sie ihm erzählt hatten, tatsächlich glaubten. Throll erklärte ihnen, dass sie gerade ein Land namens Trimoria durchquerten und er der Protektor – was immer das bedeuten mochte – einer Stadt namens Aubgherle wäre.

Aber es herrschte eine Menge Verwirrung. Throll hatte nicht nur noch nie von Arizona gehört, er hatte offenbar auch keine Ahnung, was ein Auto war. Und er brach in Gelächter aus, als Ryan ihm ein Flugzeug beschrieb. Nebenbei merkte der Waldhüter an, dass er es befremdlich fand, ›in der Mehrzahl‹ angesprochen zu werden, wie er es nannte. Also bat er darum, wie hier üblich geduzt zu werden. Außerdem vergewisserte er sich bei den Jungen, ob sie mit »Ma« ihre Mutter und mit »Dad« ihren Vater meinten, denn auch diese Worte hatte er noch nie gehört. Aus Dads Gesichtsausdruck schwand nach und nach die Zuversicht. Es schien alles andere als festzustehen, dass dieser Waldhüter der Retter war, auf den sie gehofft hatten.

Sie hielt in der Nähe eines Waldrands. Throll schlug vor, dort über Nacht zu lagern. Er sammelte Holz und zündete ein Feuer an – auch er hatte Feuerstein dabei. Dann verkündete er mit wachsamem Blick zu Silver: »Wir müssen Wachen aufstellen.« Er wandte sich an Ryan. »Wie gut kannst du mit dem Schwert umgehen, Junge?«

»Ich ... ich soll dein Schwert benutzen?«

Der Mann lachte. »Nein, meines ist viel zu groß für dich. Aber ...« Throll holte ein Kurzschwert aus einer Scheide an seinem Sattel. Er reichte es Ryan. »Das sollte passen.«

Ryan ergriff das Schwert unbeholfen und holte für einen Übungsschwung aus. Doch bevor er die Klinge zu Boden sausen lassen konnte, packte Throll ihn fest am Handgelenk und wand ihm das Schwert aus der Hand.

»Hast du noch nie ein Schwert gehalten?«, fragte Throll und zog eine buschige Braue hoch.

»Natürlich nicht«, antwortete Ryan. »In meiner Schule dürfen wir nicht mal Plastikmesser haben.«

Throll runzelte die Stirn. »Kann ich bitte deine Hände sehen?«

Ryan zitterte, als er die Hände dem hünenhaften Waldhüter zur Inspektion hinstreckte. Throll betrachtete sie eingehend, dann schüttelte er langsam den Kopf.

»Die haben noch keinen Tag mit anständiger Arbeit erlebt«, murmelte er. »Wie kann das sein?« Er schaute zu den anderen auf. »Zeigt mir bitte alle eure Hände.«

Er untersuchte nacheinander die Hände aller und stellte fest, dass niemand irgendwelche Schwielen von harter körperlicher Arbeit aufwies. Schließlich stemmte er die Hände in die Hüften.

»Wie kann es sein, dass ein erwachsener Mann mit zwei Jungen im Lehrlingsalter und einer Gemahlin so glatte Hände hat? Ihr seht nicht wie ein Schreiber aus und schon gar nicht wie ein wohlhabender Händler.«

»Wir haben dir schon gesagt ...«, setzte Dad an.

»Aye, ihr habt mir von dem Erdbeben und der Flugmaschine erzählt. Ich bin mittlerweile überzeugt, dass ihr selbst daran glaubt, aber ... so seltsame Worte wie eure klingen verdächtig nach einem wilden Märchen.«

»Meine Eltern lügen nicht, Throll«, sagte Aaron. »Ryan und ich auch nicht. Als wir klein waren, hat es von Ma und Dad Strafen gesetzt, wenn wir gelogen haben. Das hat gewirkt.«

Throll sah Aaron an und nickte anerkennend. »Und das war gut so. Auch ich dulde es nicht, wenn in meinem Haus gelogen wird.« Schließlich seufzte er und zuckte mit den mächtigen Schultern. »Es tut mir leid, dass ich an euch zweifle«, meinte er zu Dad. »Aber ich traue Fremden nur selten, umso weniger Fremden, die mir eine so sagenhafte Geschichte auftischen. Und dennoch ...« Er kratzte sich am bartstoppeligen Kinn. »Ich bin versucht, euch zu glauben. Auch wenn Eure Geschichte für mich nicht den geringsten Sinn ergibt.«

Dad lächelte. »An deiner Stelle hätte ich wohl selbst Mühe, mir zu glauben. Tatsächlich bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich nach allem, was wir erlebt haben, meinen Sinnen noch trauen kann.« Zögerlich trat er einen Schritt vor. »Throll ... könnte ich mir das Schwert mal ansehen?«

Der Waldhüter wirkte überrascht. Dennoch reichte er ihm die Waffe mit dem Griff voran.

Dad inspizierte das Schwert eingehend, blickte die Schneide entlang und prüfte die Ausgewogenheit. Dann schnippte er mit dem Finger gegen die flache Seite der Klinge und lächelte, als er dem entstehenden Geräusch lauschte. »Ist dies ein Beispiel für eine gute Klinge in Trimoria?«, fragte er.

Throll nickte. »Warum?«

Dad fasste in die Hosentasche und zog einen Autoschlüssel heraus. »Ich könnte eine Klinge aus Eisenerz und Kohlenstaub herstellen. Daraus besteht auch dieser Schlüssel. So würde eine viel schärfere Klinge mit einer sehr haltbaren Schneide entstehen.«

»Wirklich?«, fragte Throll.

Zum ersten Mal an diesem Tag lächelte Dad selbstbewusst. »Auf jeden Fall. Ich bräuchte nur eine Schmiede und das Rohmaterial.«

Throll nickte. »Nun ... darauf komme ich vielleicht eines Tages zurück. Heute Nacht halte ich erst mal Wache. Im Morgengrauen brechen wir wieder auf.«

»Wir können dir gar nicht sagen, wie dankbar wir dir für deine Hilfe sind«, ergriff Ma das Wort. »Wir werden dich auf jeden Fall irgendwie dafür bezahlen.«

Ryan beugte sich zu ihr und flüsterte: »Ma, ich glaub nicht, dass die hier Geldautomaten haben. Wir sind nicht mehr in Kansas.«

* * *

»Aufgewacht!«, ertönte Throlls donnernde Stimme.

Orientierungslos sprang Ryan auf. Es war noch überwiegend dunkel. Das zählte als Morgendämmerung?

»Zeit, zusammenzupacken und weiterzuziehen«, verkündete Throll lächelnd. »Wenn wir eine vernünftige Geschwindigkeit halten können, sollten wir bis zum Nachmittag in Aubgherle eintreffen.«

Es dauerte nicht lange zu packen, zumal die Rivertons nach wie vor nur ihre Äpfel hatten – Throll hatte sie darüber aufgeklärt, dass es sich in Wirklichkeit um sogenannte Quizoafrüchte handelte. Ryan war noch dabei, die Schläfrigkeit abzuschütteln, als sie sich wieder auf den Weg machten.

Eine Weile wanderten sie schweigend, alle benommen und müde. Dann ergriff Aaron das Wort. »Du, Throll, ich wollte dich schon länger etwas fragen.« Er biss sich auf die Unterlippe wie immer, wenn er nervös war. »Ist es normal, dass die Steine hier hohl sind?«

»Hohl?«, fragte Throll.

»Warte«, sagte Aaron, »ich zeige es dir.«

Er lief ein Stück und suchte den Boden ab, dann bückte er sich und hob einen etwa kopfgroßen Stein auf. Damit kehrte er zurück, hielt ihn in einer Hand und streckte ihn Throll entgegen. »Siehst du?«, sagte er. »Äußerlich wie ein normaler Stein, aber er ist viel zu leicht.«

Throll nahm ihm den Stein ab und wog ihn in der Hand. Seine Augen wurden groß. »Das fühlt sich leicht für dich an?«

Aaron nickte.

Throll überlegte eine lange Weile. Dann hellten sich seine Züge auf. »Kommt mit. Ihr alle.«

Er schnappte sich eine Axt von seinem Sattel und trat den Weg in den Wald an. Auf einer Lichtung hielt er inne. Vielleicht hatte es hier auch einst gebrannt, denn die Bäume in der unmittelbaren Umgebung der Lichtung wirkten deutlich jünger als der Rest. Der Waldhüter entschied sich für einen Baum mit vielleicht 30 Zentimeter dickem Stamm und fällte ihn mit nur wenigen kraftvollen Hieben der Axt. Dann hackte er ein etwa anderthalb Meter langes Stück vom Stamm ab.

»Komm hier rüber, Aaron«, sagte Throll. »Versuch, ob du das aufheben kannst. Aber überanstrenge dich nicht.«

Zweifelnd begutachtete Aaron das Stück des Baumstamms. Dann schlang er die Arme um das Holz und hob es grunzend an. Aber er schaffte nur, es etwa zehn Zentimeter über den Boden zu stemmen, bevor er den großen Klotz mit einem dumpfen Aufprall fallen ließ. »Das ist zu schwer«, stieß er außer Atem hervor.

»Was soll das beweisen?«, fragte Dad.

»Ja«, brachte Aaron zwischen angestrengten Atemzügen heraus. »Dass ihr hohle Steine, aber massives Holz habt?«

Throll schüttelte den Kopf. »Du hättest nicht in der Lage sein sollen, den Klotz zu heben, mein Junge. Er wiegt dreieinhalb mal so viel wie du.«

Ryan schob sich an Aaron vorbei und schlang die Arme um den Holzklotz. Grunzend versuchte er, ihn anzuheben.

Das Stück des Baumstamms rührte sich nicht mal.

»Ryan, hör auf«, warnte Dad. »Du verletzt dich noch.«

Ryan plumpste nach hinten. Sein Gesicht fühlte sich heiß vor Wut und Verlegenheit an. »Was geht hier vor? Aaron ist plötzlich Arnold Schwarzenegger, unsere Katze hat sich in eine Art Panther verwandelt, und ich kann mit meinen juckenden Fingern bloß den Himmel erhellen. Sieht so aus, als hätte ich bei diesem verrückten Urlaub die Niete gezogen.«

Throll drehte sich ihm zu. »Was meinst du damit, ›den Himmel erhellen‹?«

Ryan zuckte mit den Schultern. »So ungefähr.«

Er wusste mittlerweile, dass er es nach Belieben tun konnte – er hatte letzte Nacht geübt, während die anderen geschlafen hatten und Throll ihn nicht sehen konnte. Ryan konzentrierte sich auf seine Fingerspitzen und rief sich das juckende Gefühl ins Gedächtnis. Einen Moment lang geschah nichts – dann jedoch fingen seine Fingerspitzen zu schimmern an. Das Leuchten breitete sich die Finger entlang aus und erfasste den Großteil seiner Hand, wurde heller und heller, während sich Funken von Finger zu Finger wölbten.

»Ryan, hör auf!«, brüllte Ma. »Erinnerst du dich nicht ans letzte Mal? Du weißt nicht, was passieren könnte.«

Die Energie um Ryans Finger verblasste, und plötzlich überkam ihn knochentief sitzende Müdigkeit. »Siehst du?«

Throll schüttelte ernst den Kopf. »Ich schlage dringend vor, dass keiner von euch diese ungewöhnlichen Fähigkeiten irgendjemand anderem offenbart. Es gibt Leute, die würden sich bedroht davon fühlen, was ihr mir gezeigt habt. Wenn die Kunde davon an die falschen Ohren dringt, widerfährt euch mit Sicherheit ein Ungemach.«

»Ich stimme Throll zu«, kam in strengem Ton von Dad. »Ich verbiete euch, auch nur damit zu experimentieren. Wir müssen erst etwas über diesen Ort erfahren, bevor wir etwas tun, wodurch wir auffallen.«

»Wir werden so oder so auffallen«, warf Ma ein und deutete auf ihre Kleidung. »Aber beschränken wir die Aufmerksamkeit wenigstens auf ein Mindestmaß. Okay, Jungs?«

Beide Brüder nickten.

»Ich werd mich bemühen, keine Gurkengläser aufzumachen«, scherzte Aaron. »Aber kann ich was zu essen bekommen? Ich bin am Verhungern. Und erschöpft.« Zu Ryans Überraschung sah sein Bruder aus, als könnte er sich kaum auf den Beinen halten.

Throll kramte ein Stück Dörrfleisch aus seiner Tasche und reichte es Aaron. Als er Ryan ein zweites Stück Fleisch gab, stellte Ryan fest, dass auch ihn Heißhunger plagte.

Gierig schlang er das Stück hinunter. Das Fleisch erwies sich als faserig und zäh, aber sättigend. Als er es aufgegessen hatte, fühlte er sich wesentlich besser und wohlig zufrieden.

»Wow«, sagte er. »Das hat gewirkt. Ich fühle mich wieder normal. Danke für den Happen.«

Throll schmunzelte, dann holte er mehr Fleisch heraus und reichte es herum. »Vielleicht hätten wir vor dem Aufbruch frühstücken sollen. Esst noch etwas, um eure Kraftreserven aufzufüllen. Aber dann müssen wieder weiter.« Er zwinkerte. »In Aubgherle gibt es viel besseres Essen.«