Kinder können durch Sport bereits sehr früh wichtige Lektionen lernen. Zum Beispiel erfahren sie ganz nebenbei, wie man mit Siegen und Niederlagen umgeht. Häufig sind Letztere auch das, was Kindern dann mittelfristig den Spaß an der Sache verdirbt und warum sie aus vermeintlich heiterem Himmel nicht mehr zum Fußball-, Tennis- oder sonstigen Training wollen. Oft sind ja im Mannschafts- oder Einzelsport mehrere Jahrgänge zusammengelegt, sodass sich beispielsweise Zweitklässler*innen mit Kindern messen, die bald schon auf die weiterführende Schule kommen. Zugegeben, muss man schon sehr motiviert sein, um diese altersbedingten Durststrecken zu überstehen. Und wenn das Durchhaltevermögen groß genug war und das Kind dann endlich auch zu den Großen in der Altersklasse gehört, geht es meist in der folgenden Saison wieder von vorne los, dann sind manche Gegner*innen wieder zwei Jahre älter oder sogar mehr. Aber auch diese Lektion gehört zum Großwerden dazu.
Um unter solchen Voraussetzungen im Sport trotzdem zu bestehen und weiterzukommen, müssen die Kinder lernen, Anweisungen und Ratschläge zu befolgen. Damit sind nicht die kritiklose Unterordnung und Befolgung von Befehlen gemeint. Aber sie sollten akzeptieren, dass der Trainer oder die Trainerin einem sagen, was zu tun ist. Und das ist nicht schlecht für das spätere Leben, es schult im Umgang mit Menschen, die eine Führungsposition innehaben, die man respektieren muss. Es geht dabei aber nicht nur darum, Anweisungen entgegenzunehmen und auszuführen. Die Kinder lernen genauso, Autorität respektvoll zu hinterfragen und sich in Geduld zu üben, wenn unterschiedliche Ansichten aufeinandertreffen. Eine wichtige Fähigkeit.
Sieg und Niederlage liegen beim Sport und auch in anderen Lebenslagen oft nahe beieinander. Während eine Mannschaft ihre Emotionen vor Freude und Glück im Siegestaumel kaum zügeln kann, fließen auf der anderen Seite aufgrund der Niederlage die Tränen. Beides sind Situationen, die uns schon im Kindesalter auf spätere Herausforderungen vorbereiten. Den eigenen Ansprüchen (oder denen anderer) nicht genügende Noten in Schule oder Studium werden sich wie Niederlagen anfühlen, und eine abgelehnte Bewerbung kann einen zur Verzweiflung treiben, klar. Aber wenn wir im Kindesalter die Erfahrung gemacht haben, dass nach einer Niederlage auch wieder ein gewonnenes Spiel folgt, wenn der Kopf nicht hängen gelassen oder in den Sand gesteckt wird, dann rappeln wir uns auch später als Erwachsene wieder auf und treten beim nächsten Mal erneut an und geben unser Bestes. Aufstehen, Krone richten, weitermachen. Oder sind auch einfach mal zufrieden mit dem, was wir geleistet haben.
Aber bei allem Ehrgeiz und Siegeswillen sollten Kinder- und Jugendtrainer*innen nicht vergessen, dass der gegenüberstehenden Mannschaft, den gegnerischen Spieler*innen Respekt gezollt werden sollte – vor allem im Falle eigener Überlegenheit.
Vor Kurzem noch erzählte eine Kollegin nach der Frühbesprechung am Montagmorgen, dass das Wochenende ihr und ihrem Kind wahrlich den Rest gegeben habe. Der Junge spielt leidenschaftlich Fußball und fiebert die ganze Woche auf das Ligaspiel am Wochenende hin. Dieses war dann allerdings komplett ausgeartet. Lautstarke Streitereien und sogar Handgreiflichkeiten der Eltern am Spielfeldrand waren ausgebrochen, die Kinder auf dem Spielfeld vielfach in Tränen aufgelöst. Nach dieser negativen Erfahrung sind die Kollegin und ihr Sohn sich einig gewesen: So etwas wollen sie nicht noch einmal erleben. Selbst wenn das bedeutet, den Verein oder sogar die Sportart zu wechseln.
Eltern sollen ihre Kinder beim Sport nicht nur ermutigen und unterstützen, sie haben natürlich auch eine ganz wichtige Vorbildfunktion. Und Vorkommnisse wie die beim Spiel des Sohnes der Kollegin sind im Hobbysport leider an der Tagesordnung. Wenn von der Seitenlinie, aus den eigenen Besucherreihen, übertriebene und unschöne Zurufe gegen die Gegner*innen ertönen, wird es auf dem Spielfeld irgendwann auch nicht anders zugehen. Gerade wenn man das Gefühl hat, überlegen zu sein, wirken etwas Demut und Respekt oft Wunder. Ein einfaches »gut gespielt« oder »schöner Wurf« sind manchmal Balsam auf der an Niederlagen gewöhnten Seele der anderen Spieler*innen, und den Sieger*innen bricht dabei kein Zacken aus der Krone. Ganz im Gegenteil: Eine ehrlich empfundene Aufmunterung wird für ein positives Gefühl sorgen. Eltern und Trainer*innen können Kindern beibringen, wie man stolz auf seine Leistung sein kann, ohne das Gegenüber niederzumachen.
Das führt uns zur nächsten Qualität, die der Sport unsere Kinder lehrt: die eigenen Emotionen einzuschätzen und zu kontrollieren. Und auch hier kann die Vorbildfunktion der Eltern nicht oft genug betont werden. Mamas und Papas, die am Spielfeldrand die Fassung verlieren, weil der Schiedsrichter heute »nur für die anderen pfeift«, oder kurz vor der Niederlage im Billard beinahe den Queue entzweibrechen, während sie fluchen wie ein alter Bierkutscher – das führt eher nicht zu ausgeglichenen Kindern. Stattdessen ist es ratsam, stets genau abzuwägen, welche Reaktion angemessen und nachvollziehbar ist, bevor wir handeln. Diese Umsicht ist eine ungeheuer wertvolle Qualität, die wir weitergeben sollten. Kinder, die vor einer drohenden emotionalen Explosion erst einmal tief durchatmen, die Situation von außen betrachten und zumindest versuchen, etwas besonnener an die Angelegenheit heranzugehen, werden im Vergleich zu Kindern mit, sagen wir mal, kurzer Zündschnur wahrscheinlich deutlich zufriedener mit sich selbst sein. Und im Idealfall auch weniger in Konflikte verstrickt werden.
Grundsätzlich werden aber alle Sportler*innen, auch junge, früher oder später auf heikle Situationen reagieren müssen, denn das Leben ist nicht immer fair. Mal verliert die bessere Mannschaft, mal ist der Schiedsrichter eher auf Seite der Gegner*innen oder das Wetter macht nicht mit. Solche Situationen bieten jedoch ebenfalls wichtige Lektionen. Zum Beispiel, dass man nicht immer alles beeinflussen kann und dass man die Dinge so annehmen muss, wie sie sich uns präsentieren. Das spart eine Menge Kraft. Es sei denn natürlich, man kann sie beeinflussen, dann sollte man auch handeln! Selbst wenn man noch nicht erwachsen ist.