Kapitel 26

 

Gracen

 

Obwohl ich die Aufregung auf der Säuglingsstation vermisse, ist die Arbeit auf der Entbindungsstation für mich befriedigend. Während ich ein neugeborenes Mädchen namens Erika J. bade, werde ich ein wenig wehmütig, wenn ich an Lilly als kleines Baby zurückdenke. Die Tatsache, dass ich keine eigenen Kinder mehr bekommen kann, ist bittersüß. Ich weiß, dass ich eines adoptieren könnte, aber die Vorstellung, noch eine Tochter oder einen Sohn zu haben, ist für mich nicht greifbar. Dabei bin ich keineswegs traurig, denn Lilly ist meine Erfüllung. Mehr kann ich mir nicht wünschen.

„Gracen.“ Ich hebe den Kopf und sehe meine Kollegin Monica. Wir arbeiten normalerweise in derselben Schicht.

„Was ist los?“, frage ich, während ich dem Baby mit warmem Seifenwasser über den Bauch reibe. Es windet sich und öffnet den Mund, um den Unmut darüber zum Ausdruck zu bringen, dass es die Sicherheit des Mutterleibs vor weniger als einem Tag verlassen musste.

„Da ist ein Anruf für dich im Schwesternzimmer“, informiert sie mich, wobei sie auf mich zukommt und die Arme ausstreckt. Routiniert übergebe ich ihr das Baby.

Ich schenke ihr ein Lächeln und trockne mir die Hände ab. „Danke. Ich bin bald zurück.“

Ich verlasse die Entbindungsstation und gehe zu dem Schwesternzimmer, das sich zwischen der Entbindungsstation und den Patientenzimmern befindet. Es überrascht mich nicht, dass jemand versucht, mich auf diesem Wege zu erreichen. Ich habe zwar ein Handy, das mir das Krankenhaus zur Verfügung gestellt hat, aber ich schalte es in der Nähe der Neugeborenen nicht ein.

Dem Zimmer ist ein u-förmiger Tresen vorgelagert, auf dem ein Telefonhörer liegt. Ich nehme an, dass dies der Anruf für mich ist, und greife danach. „Hier ist Gracen Moore.“

„Gracen, hier ist Josie.“

„Hallo“, begrüße ich sie fröhlich und freue mich, die Stimme meiner Freundin zu hören. In letzter Zeit haben wir häufig in verschiedenen Schichten gearbeitet und hatten daher nur selten Gelegenheit, uns zu treffen. „Hast du heute Lust auf ein Mittagessen?“

Mit ruhiger fester Stimme sagt sie: „Lilly ist auf dem Weg in die Notaufnahme. Sie ist gestürzt und hat sich die Lippe aufgeschlagen. Es geht ihr gut, aber sie muss wahrscheinlich genäht werden. Ich werde sie untersuchen, sobald sie hier eintrifft.“

Sie ist gestürzt.

Sie hat sich die Lippe aufgeschlagen.

Sie muss genäht werden.

Als Krankenschwester weiß ich, dass das nicht das Ende der Welt bedeutet. Doch als Mutter bin ich außer mir vor Sorge. „O Gott“, stöhne ich.

„Gracen, es geht ihr gut. Du musst dich beruhigen“, ermahnt Josie mich mit bestimmtem, aber zuversichtlichem Tonfall. Ich nehme an, dass sie mit vielen verzweifelten Eltern auf diese Weise spricht.

„Woher willst du das wissen?“, blaffe ich mit hysterischer Stimme. „Du hast sie doch noch gar gesehen.“

„Weil ich mit Marek telefoniert habe. Er hat versucht, dich zu erreichen. Da dein Telefon ausgeschaltet war, hat er mich angerufen.“

Marek sagt, dass es ihr gut geht. Was weiß er schon? Er ist erst seit sechs Wochen Vater. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er das Ausmaß ihrer Verletzungen nicht erfassen kann.

„Ich bin gleich da.“ Ich lege den Hörer wieder auf die Gabel und murmle der Schwester hinter dem Tresen zu: „Ich muss in die Notaufnahme. Meine Tochter wird gerade eingeliefert.“

Jemand sagt: „Ich hoffe, es geht ihr gut“, aber ich antworte nicht, weil ich in Gedanken bei Lilly bin.

Ich umgehe die Personalaufzüge, die in der Regel schneller sind als die Fahrstühle für die Besucher, und hechte die Treppen hinunter zur Notaufnahme am östlichen Ende des Krankenhauses. Im Dauerlauf eile durch die Gänge bis ich durch eine Doppeltür in den Bereich gelange, in dem die Behandlungsräume um eine kreisförmige Station angeordnet sind.

Ich sehe mich hektisch um in der Hoffnung, mit jemandem Blickkontakt aufnehmen zu können, der mir den Weg weisen kann, doch alle sind viel zu beschäftigt.

„Kann mir jemand sagen, wo Lilly Moore ist?“, rufe ich.

Eine Krankenschwester an der Station hebt den Kopf, um mich anzusehen, aber bevor jemand antworten kann, tritt Josie aus einem der Räume zu meiner Linken. Ich eile auf sie zu und will durch die Tür treten, doch sie hält mich auf.

„Es geht ihr gut, aber sie ist ein wenig aufgeregt“, sagt Josie sanft. Vermutlich will sie mich gleichermaßen beruhigen und vorwarnen. „Es wäre jedoch besser für sie, wenn du nicht so ein verängstigtes Gesicht machen würdest.“

Es dauert einen Moment, bis ich begreife, was sie mir sagen will, aber schließlich dringen ihre Worte zu mir durch. Ich atme tief durch und schenke ihr ein halbherziges Lächeln. „Alles klar. Ich schaffe das schon.“

Josie mustert mich einen Augenblick lang. Es scheint ihr zu gefallen, was sie sieht, denn sie dreht sich um und betritt den Raum. Ich folge ihr, doch auf den Anblick, der sich mir bietet, war ich nicht vorbereitet. Die Vorderseite von Lillys T-Shirt ist blutverschmiert.

„O Gott, Baby“, murmle ich mitfühlend, als sie meinem Blick begegnet. Ihre Augen füllen sich mit Tränen, die ihr über die Wangen kullern und den Verband tränken, der rechts auf ihrer Oberlippe angebracht worden ist.

Ich kann nicht sehen, wie schwer die Verletzung ist, aber meine klinische Neugier spielt im Moment keine Rolle. Ich muss meine Tochter beruhigen und dafür sorgen, dass sie daran glaubt, dass alles gut wird.

Ich trete an ihr Bett. Marek steht auf der gegenüberliegenden Seite, doch ich würdige ihn keines Blickes. Ich lege meine Hand auf Lillys Stirn und streiche ihr Haar zurück, während sie die Tränen wegblinzelt und ihre Unterlippe unterhalb des Verbands heftig bebt.

„Hey, Lilly-Maus“, sage ich zärtlich. „Da hast du dir ganz schön wehgetan, hm?“

Weitere Tränen laufen ihr über die Wagen, als sie mir zunickt. Das leise Schluchzen meiner Tochter zerreißt mir das Herz.

Ich beuge mich über das Bett, drücke ihr sanft einen Kuss auf die Stirn und beginne, eines ihrer Lieblingsschlaflieder zu summen. Es hilft ihr fast immer beim Einschlafen, und ich hoffe, dass es ihr jetzt ein wenig Trost spendet. Zitternd atmet Lilly die Luft ein.

„Alles wird gut“, murmele ich. „Wir werden dich verarzten, und dann bringt Mommy dich nach Hause, in Ordnung?“

Ich hebe den Kopf, um sie zu betrachten. Zu meiner Erleichterung wirkt sie schon etwas zuversichtlicher, als sie mir noch einmal zunickt.

Ich streiche ihr weiter über die Haare und blicke schließlich zu Marek auf. „Was ist passiert?“

„Ich dachte, es würde Spaß machen, mit ihr Schlittschuhlaufen zu gehen“, erzählt Marek leise.

Ich kann das Bedauern in seiner Stimme hören. Die Tatsache, dass er ein schlechtes Gewissen hat und meine Tochter blutig und mit Schmerzen in der Notaufnahme liegt, macht mich unglaublich wütend.

Über das Bett hinweg zische ich ihn an: „Sie ist viel zu jung, um Schlittschuh zu laufen.“

Marek zuckt zusammen, lässt sich aber nicht von dem anschuldigenden Unterton in meiner Stimme einschüchtern. Stattdessen beugt er sich über das Bett und antwortet mit sanftem Tonfall: „Ich war in ihrem Alter, als ich mit dem Eislaufen anfing.“

„Und du bist ein Eishockeyspieler“, entgegne ich sarkastisch.

„Vielleicht wird aus ihr auch eine Eishockeyspielerin“, schleudert er umgehend zurück. Die Verärgerung in seiner Stimme ist nicht zu überhören.

„Ihr beide müsst euch beruhigen“, sagt Josie mit mahnendem Tonfall und tritt ans Bett. Sie mustert Lilly eindringlich, die uns mit großen Augen anstarrt. „Sie ist schon verängstigt genug.“

Ich atme tief durch und wende den Blick von Marek ab. Er streckt eine Hand aus und beginnt, in langsamen Kreisen über Lillys Bauch zu reiben.

Ich hebe mein Kinn und frage Josie: „Wie schwer ist die Verletzung?“

„Sie hat eine zwei Zentimeter lange Schnittwunde in der Oberlippe, die noch ein Stück darüber verläuft. Ich habe den diensthabenden plastischen Chirurgen gerufen, er sollte bald hier sein. Ich könnte sie auch selbst nähen, aber ich dachte mir, es wäre besser, einen Fachmann damit zu beauftragen.“

Ich blicke wieder zu Marek auf und presse zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor: „Und wie hat sie sich die Schnittwunde zugezogen?“

„Es war ein Unfall“, erklärt Marek mit dumpfer Stimme. „Wir waren Schlittschuhlaufen. Zwei kleine Jungen haben sich gegenseitig gejagt, und einer von ihnen ist in sie hineingelaufen. Sie ist mit dem Gesicht voran aufs Eis gestürzt, und ich glaube, ihr Zahn hat die Lippe aufgeschnitten. Er sitzt ein wenig locker.“

Ich starre ihn wütend an. Er hatte nur eine Aufgabe, und zwar auf unsere Tochter aufzupassen. Heute Abend hat er ein Spiel und wollte deshalb den Tag mit ihr verbringen. Ich dachte mir nichts dabei. Tatsächlich fand ich es schön. Ich kann mir vorstellen, dass Marek eine Million Dinge hätte erledigen können, aber er wollte in seiner Freizeit lieber etwas mit Lilly unternehmen. Allerdings hätte ich nicht gedacht, dass ein plastischer Chirurg beinhaltet wäre, der das Gesicht meiner Tochter nähen muss.

Ich weiß, dass ich mich lächerlich verhalte, aber ich kann nicht anders, als ihm die Schuld zu geben. Sie hat sich noch nie so schwer verletzt, und in meinen Augen ist die Rechnung ganz einfach. Ich habe sie seit fast vier Jahren, und nie ist etwas Schlimmes passiert. Er hat sie einen Tag in seiner Obhut und wir stehen in der Notaufnahme.

Ich wende mich wieder Josie zu. Um Lilly nicht noch mehr aufzuregen, sage ich mit ruhiger, gleichmäßiger Stimme: „In Ordnung, danke. Ich denke, das ist eine gute Idee.“

Ich richte meine Aufmerksamkeit auf Lilly und drücke ihr erneut einen Kuss auf die Stirn. Als ich mich wieder aufrichte, flüstere ich ihr zu: „Dann wollen wir dich mal verarzten, Schatz. Alles wird gut.“

 

***

 

Obwohl ich ihm Lilly am liebsten aus den Armen reißen würde, trägt Marek sie durch die Haustür. Ich folge ihm schweigend, seine Eltern sind direkt hinter mir. Da er mich nicht erreichen konnte, hat er sie angerufen. Sie sind kurz nach mir in der Notaufnahme aufgetaucht und folgten uns in ihrem Wagen nach Hause. Wahrscheinlich machen sie sich weniger Sorgen um Lilly als um Marek und mich. Der Chirurg meinte, dass die Narbe minimal sein werde. Er gab ihr einen riesigen Lutscher und brachte sie damit zum Lächeln.

Für Mareks Eltern war sicher unschwer zu erkennen, dass die Stimmung zwischen uns angespannt war. Obwohl ich kein weiteres Wort darüber verlor, dass Marek sie zum Eislaufen mitgenommen hatte, war es für alle Anwesenden offensichtlich, dass ich außer mir vor Wut war.

„Wir müssen reden“, sage ich zu Marek, als seine Eltern die Haustür hinter uns schließen.

„Gib sie mir“, bietet seine Mutter in forschem Tonfall an und streckt die Hände nach Lilly aus. „Wir nehmen sie mit in die Küche und machen ihr vielleicht einen Snack. Hast du Hunger, Lilly?“

Lilly nickt, verzieht die Lippen zu einem süßen Lächeln und beugt sich zu Joan hinüber. Marek lässt sie widerwillig los. Sobald sie in den Armen ihrer Großmutter ist, fährt er sich mit einem frustrierten Schnauben durch die Haare. Ich sage kein Wort, sondern gehe in sein Zimmer, wohl wissend, dass er mir folgen wird.

Kaum höre ich die Tür ins Schloss fallen, drehe ich mich zu Marek um. Er hat sich an die Tür gelehnt und die Arme abwehrend vor der Brust verschränkt. Bevor ich zu einer Schimpftirade ansetzen kann, sagt er in herablassendem Tonfall: „Leg schon los, Gracen. Rede es dir von der Seele, damit wir es hinter uns lassen können.“

Meine Wut scheint ihm völlig gleichgültig zu sein, was mich noch mehr in Rage bringt. Mit energischen Schritten gehe ich auf ihn zu, stelle mich auf die Zehenspitzen und blicke ihm direkt ins Gesicht. „Du hättest mich um Erlaubnis bitten sollen, bevor du mit ihr Schlittschuhlaufen gehst.“

„Lass mich raten“, erwidert er mit hochgezogenen Augenbrauen. „Im Nachhinein hättest du Nein gesagt, nicht wahr?“

„Ich hätte auf jeden Fall Nein gesagt“, knurre ich. „Nicht nur im Nachhinein. Sie ist erst drei Jahre alt.“

„In ein paar Monaten wird sie vier“, murmelt er.

„Und sie ist viel zu klein, um auf Schlittschuhen zu stehen“, fahre ich fort, wobei ich die Tatsache, dass sie eigentlich ein wenig älter ist, einfach ignoriere. „Du hättest mich zuerst fragen sollen. Wenn du das getan hättest, würden wir dieses Gespräch jetzt nicht führen müssen.“

Marek beschließt, in die Offensive zu gehen, lässt die Arme sinken und drückt sich von der Tür ab. Ohne mich zu berühren, treibt er mich rückwärts durch den Raum. „Ich kann nicht glauben, dass du überhaupt auf die Idee kommst, mir die Schuld dafür zu geben. Es war ein Unfall, Gracie. Kinder verletzen sich eben hin und wieder.“

„Das sagt der Mann, der erst seit ein paar Tagen Vater ist.“ Ich bleibe stehen und stemme die Beine in den Boden, woraufhin er wenige Zentimeter vor mir haltmacht.

Er beugt sich vor, und in seine Augen tritt ein finsterer, stürmischer Ausdruck. „Ich wäre schon viel länger Vater, wenn du mir von Anfang an die verdammte Wahrheit gesagt hättest.“

Er hat mir versprochen, dass die Sache der Vergangenheit angehört, dass er mir vergeben hat und dass mein Vergehen seine Gefühle nicht mehr beeinflusst.

Aber mir wird absolut klar, dass er es nie wird vergessen können.

„Vielleicht war es gut, dass ich sie vor dir geheim gehalten habe“, entgegne ich mit ausdrucksloser Stimme. „Denn deine Fähigkeiten als Vater lassen offensichtlich zu wünschen übrig.“

Marek schnappt hörbar nach Luft, und ein gequälter Ausdruck huscht über sein Gesicht, bevor seine Augen eiskalt funkeln. Er hebt eine Hand und zeigt anklagend mit dem Finger auf mich. „Kein Wunder, dass ich keine Lust mehr auf dieses Fiasko von einer Beziehung mit dir hatte. Du bist ein verdammtes Miststück, Gracie. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, für den Rest meines Lebens an dich gefesselt zu sein.“

Insgeheim weiß ich, dass er mich mit diesen Worten nur verletzen will, weil ich ihn ebenfalls gekränkt habe. Aber dieser rationale Gedanke ist so tief in meinem Inneren vergraben, dass es ein Leichtes ist, ihn noch weiter zurückzudrängen.

„Dann will ich dir den ganzen Kummer ersparen, Marek“, kontere ich mit brüchiger Stimme, in der jedoch ein vernichtender Unterton mitschwingt. „Ich bin raus.“

Ich dränge mich an ihm vorbei, wobei ich ihn ungewollt mit der Schulter anremple. Er weicht zur Seite aus, greift aber blitzschnell nach meinem Handgelenk, um mich aufzuhalten.

Er dreht mich zu sich und fragt: „Was genau soll das heißen?“

Ich entziehe mich seinem Griff und eile weiter in Richtung Tür. Mit ruhiger Stimme gebe ich ihm unmissverständlich zu verstehen, was ich meine. „Das heißt, dass ich gehe.“

Marek lacht. „Gut. Geh doch. Aber ich will das gemeinsame Sorgerecht. Wenn ich zu Hause bin, will ich Lilly.“

Ich erstarre, eine Hand schon am Türknauf. Langsam drehe ich mich zu ihm um. „Ich werde nicht in Raleigh bleiben, Marek. Hier hält mich nichts. Ich kehre nach Hause zurück, nach Wilkie zu meinen Eltern.“

„Nein, das wirst du verdammt noch mal nicht tun“, keucht er, während seine Brust sich heftig hebt und senkt. Mit den nächsten Worten trifft er mich tief: „Wenn du versuchst, sie in einen anderen Staat zu bringen, werde ich dich vor Gericht zerren und das alleinige Sorgerecht einklagen.“

„Spar dir das. Deine Drohungen haben auf mich keine Wirkung mehr. Du hast mein Problem mit Owen aus der Welt geschafft, also habe ich keine Angst, nach Hause zu gehen.“

„Angst, nach Hause zu gehen?“, fragt er verwirrt. „Wann hattest du jemals Angst?“

„Vergiss es“, fauche ich gereizt. Ich habe genug von dieser Unterhaltung, drehe den Türknauf und ziehe die Tür auf.

Wir schleudern uns immer noch dieselben Vorwürfe an den Kopf.

Wir werden uns nie ändern.

Und wir werden einander nie wirklich vergeben.

„Du wirst Lilly nicht in einen anderen Staat bringen“, wiederholt Marek drohend.

Ich antworte nicht, weil ich es alles so satthabe. Ich bin es leid, an meine Vergehen erinnert zu werden, und ich bin es leid, an den Kummer zurückzudenken, den er mir beschert hat. Und ich bin es sogar leid, ihm Beleidigungen ins Gesicht zu schleudern.

Ich bin es alles einfach leid.

„Du musst zu einem Spiel, Marek“, murmele ich, bevor ich sein Zimmer verlasse.

„Du wirst Lilly nicht mitnehmen“, ruft er mir hinterher.