»Unni, halt mich fest! Alles wackelt!«

»Leah, wir sind noch nicht mal von der Landebahn runter …«

»Oh, stimmt, das war ja nur ich.« Leah hört auf, auf dem weichen, beigefarbenen Sitz neben mir auf und ab zu hüpfen. Ihre Augen stehen keine Sekunde lang still, weil sie versucht, jeden Zentimeter des Privatflugzeuges, in dem wir uns befinden, gleichzeitig zu bestaunen. Wir sind auf dem Weg zu unserem Self-Care-Tag mit Jason. Er hat uns nicht gesagt, was genau wir unternehmen werden. Ein Fahrer hat uns um acht Uhr abgeholt, und dann waren wir plötzlich in diesem Flugzeug, mit Bordpersonal, das uns nach Strich und Faden verwöhnt, uns Mineralwasser, gemütliche Decken und Platten voll Obst und frischem Brie bringt.

»Das ist offiziell der coolste Tag meines Lebens«, sagt Leah und steckt sich eine Traube in den Mund, nachdem das Flugzeug abgehoben hat.

Ich lache, aber mein Magen schlägt Purzelbäume. Glück ist definitiv ein Teil von dem, was ich fühle (außerdem fühle ich mich ausgesprochen glamourös), aber je länger wir in der Luft sind, desto mehr geraten meine Nerven außer Kontrolle. Ein ganzer Tag mit Jason. Ich habe die

Ein paar Stunden später dröhnt die Stimme des Piloten aus dem Lautsprecher. »Hi, Leute. Wir landen in etwa zwanzig Minuten.«

Leah schaut mich an und quietscht begeistert, während der Pilot weiterspricht.

»Es ist hundert Prozent sonnig. Vielen Dank, dass Sie heute mit uns geflogen sind, und willkommen in Tokyo.«

Hat er gerade … Tokyo gesagt?!

Sobald wir ausgestiegen sind, sehen wir Jason, der auf uns wartet. Er sieht mit seiner Sonnenbrille und dem schwarzen Shirt richtig cool aus. Leah fängt an zu rennen und schlingt begeistert die Arme um ihn. »Jason, das ist unfassbar!«, schreit sie. Er lacht und umarmt sie ebenfalls.

Ich gehe langsamer auf ihn zu, ein vorsichtiges Lächeln auf den Lippen. »Sind wir wirklich in Tokyo?«

Er grinst und öffnet die Autotür. »Das werdet ihr schon sehen. Steigt ein.«

Wir setzen uns ins Auto, und der Fahrer fährt vom Flughafen auf die Autobahn. Leah lässt das Fenster runter und steckt den Kopf hinaus. Wir rauschen an Hochhäusern mit grellen Neonlichtern und kleineren, minimalistischen Häusern in ruhigeren Wohngegenden vorbei. Ich kann es nicht fassen. Wir sind wirklich in Tokyo.

Ich habe ein schlechtes Gewissen, aber ich lasse zu, dass er mein Handy einsteckt. Neben dem Training und der Klassenfahrt nach Jeju habe ich es immer noch nicht geschafft, mich mit ihr zu treffen. Ich nehme mir vor, mir alles ganz genau zu merken und im Kopf eine riesige Liste an Dingen anzulegen, die ich ihr unbedingt erzählen muss, damit ich nichts vergesse, wenn wir endlich Zeit für ein schönes, langes Gespräch haben.

Jason lächelt mich an wie ein aufgeregter Welpe, und ich merke, dass ich einfach so zurücklächle. »Na gut, Self-Care-Meister. Was steht auf dem Programm?«

»Was wohl? Mittagessen!«

Der Wagen bleibt stehen. Jason steigt aus und hält Leah und mir die Tür auf. »Wart ihr beiden schon mal in Japan?«

Wir schütteln den Kopf, und er grinst. »Na ja, dann wird euch das hier umso besser gefallen. Willkommen in Harajuku.«

Ich bin sprachlos. Alles sprüht nur so vor Farben, von den knallbunten Ladenschildern bis hin zu der regenbogenfarbenen Zuckerwatte, die die Leute auf der Straße essen. Und die Outfits! Ich komme mir in meinem gelben Sommerkleid plötzlich stinklangweilig vor. Hier tragen alle wirklich auffällige Kleidung, pinkfarbene Tüllröcke, Retro-Kniestrümpfe und Kleider, die von oben bis unten mit Emaillebuttons bedeckt sind. Ich bewundere ein Mädchen mit ombreviolettem Haar, die eine Metallic-Sportjacke und eine colaflaschenförmige Handtasche trägt.

Jason nimmt Leahs Hand und zieht sie in ein Restaurant, ich laufe hinterher. Es ist, als seien wir in eine Schachtel bunter Wachsmalkreide gestiegen. Eine Kellnerin mit langen Glitzerwimpern und knallgrüner Perücke winkt uns mit einem breiten Lächeln und einer ausladenden Armbewegung herein. »Willkommen im Kawai-Monster-Café!« Sie führt uns in einen Raum mit Lampen in Bonbonform und rosa-gelb gestreiften Wänden. Überall sind große Plastik-Macarons und blaue und violette Puschel.

Leah drückt meine Hand. »Unni, ich glaube, wir sind im Paradies.«

Wir scrollen uns durch die Touch-Screen-Speisekarte und bestellen viel zu viel Essen: Pastagerichte mit regenbogenfarbenen Nudeln, Schokoladenhähnchen, Sandwiches mit bunten Soßen, Getränke voller essbarem Glitzer und ein unglaubliches Parfait mit einer Scheibe Biskuitrolle und einer umgestülpten Eiswaffel. Ich werfe Jason einen Blick zu und lache, als wir zusammen immer mehr bestellen. Ich bin mir sicher, dass er sich jeden Moment in den verrückten Hutmacher verwandelt.

»Ich fühle mich, als würde ich ein Einhorn essen«, sagt Leah und löffelt wild drauflos. »Muss ich mir Sorgen machen?«

»Aber nein. Es ist wahrscheinlich von Einhörnern gemacht, aber nicht aus Einhörnern«, beruhigt Jason sie. Ich lächle ihn an, während Leah begeistert weiterisst. Es ist toll, wie lieb er zu ihr ist. Es gibt nicht viele Jungs, die freiwillig einen ganzen Tag mit einer Dreizehnjährigen verbringen würden.

Leah stopft sich den letzten Bissen eines Sandwiches in den Mund und beißt dann in das nächste. »Langsam«,

Sie legt pflichtbewusst das Sandwich hin und isst stattdessen ein paar rosa Pommes.

In der ganzen Aufregung darüber, Harajuku zu sehen, hatte ich meine Nervosität völlig vergessen. Aber jetzt, wo ich nur ein paar Zentimeter von Jason entfernt sitze, fängt mein ganzer Körper an zu kribbeln. Das gleiche Gefühl, wie wenn einem der Fuß einschläft. Oder, wenn man etwas macht, von dem man ganz genau weiß, dass man es lieber lassen sollte, es aber einfach nicht schafft.

»Also, wie gefällt es dir hier?«, fragt Jason. Als ich nicht sofort antworte, tut er beleidigt. »Jetzt erzähl mir nicht, dass es in New York genau dasselbe Café gibt. Ich habe mir solche Mühe gegeben, etwas Einzigartiges zu finden.«

Ich mache mich über ihn lustig, damit er nicht merkt, wie meine Stimme zittert. »Oh, ja, ich war jedes Wochenende dort. Ich bestehe sozusagen aus regenbogenfarbenen Kohlenhydraten.«

»Weißt du, was du dann bist?« Er hat sich zu mir vorgebeugt und flüstert verschwörerisch.

»Halbeinhorn?«, flüstere ich zurück.

»Na ja, ich hätte jetzt gesagt, ein Kobold.«

Ich pruste los, und meine Nerven beruhigen sich langsam. Vielleicht denke ich zu viel nach. DB kontrolliert vielleicht mein ganzes Leben, aber selbst die können nicht sagen, dass es ein Date ist, wenn man zusammen einer Dreizehnjährigen zusieht, wie sie sich mit Essen vollstopft, das wie ein Einhorn aussieht. Das heute kann auch einfach nur ein toller, entspannter Tag mit Jason sein. Jason, der wirklich süß aussieht,

Reiß dich zusammen, Rachel.

»Wo gehen wir jetzt hin?«, fragt Leah, als Jason uns nach dem Mittagessen die belebte Straße entlangführt.

»Schon mal Mario Kart gespielt?«, fragt Jason.

Leah und ich werfen uns einen Blick zu. »Ein paar Mal schon«, sage ich. »Warum? Gehen wir zu einer Spielhalle?«

Seine Augen funkeln. »So ähnlich.«

Eine Viertelstunde später bereiten wir uns darauf vor, in richtige Gokarts zu steigen und eine echte Mario-Kart-Stadtrundfahrt zu machen. Jason hat sogar passende Hüte mitgebracht: Einer ist Yoshis Kopf, einer ein riesiger Toad-Hut, und dann ist da noch eine blonde Prinzessin-Peach-Perücke mit Krönchen.

»Prinzessin«, sagt er, verbeugt sich vor Leah und setzt ihr die Krone auf. Sie kichert und läuft los, um sich die Gokarts anzuschauen. Ich reiße ihm den Yoshi-Hut aus der Hand.

»Hey!«, ruft Jason und hascht danach.

»Sorry, ich kann mir den Pilzlook einfach nicht leisten«, sage ich.

Er seufzt und setzt sich den Toad-Hut selbst auf. »Oh, aber ich?« Er wirft einen Blick in eines der Schaufenster und mustert sein Spiegelbild. »Na ja, ich sehe … toll aus«, sagt er und dreht den Kopf von links nach rechts, während er seinen Hut zurechtrückt.

»Nicht mal ein riesiger Gummi-Toad kann deinem Ego etwas anhaben«, witzle ich und gebe ihm einen Klaps auf die Hand. Jason rennt in Richtung seines Gokarts.

Leah und ich klettern in unser Gokart, und ich schnalle sie im Sitz vor mir an. Als ich gerade hinter Jason herfahren will, reibt sich Leah den Bauch und schaut sich zu mir um. Sie verzieht das Gesicht. »Unni, ich fühle mich nicht so gut.«

»Wirklich?« Ich schnalle mich wieder ab und beuge mich besorgt zu ihr vor. »Sollen wir warten und …«

Bevor ich meinen Vorschlag machen kann, werden Leahs Wangen dick, und – o mein Gott, diesen Gesichtsausdruck kenne ich – sie spuckt einen Schwall regenbogenfarbene Kotze über mein Kleid.

Ihr Gesicht ist jetzt blassgrün, und ich ziehe sie schnell aus dem Gokart auf den Gehweg, wobei ich die halbverdauten Makkaroni- und Pommesreste auf meinem Kleid ignoriere. Ein Passant schaut uns mitleidig an, und ich stelle mir vor, wie wir wohl aussehen: Ein Mädchen mit Yoshi-Hut mit einer riesigen blonden Perücke auf dem Arm, beide vollgekotzt, die in irgendeiner Straße in Tokyo kauern. Was für ein Anblick.

»Alles okay?« Jason parkt sein Gokart neben uns und wirft einen Blick auf mein Kleid, dann schaut er verständnisvoll zu Leah. Ich frage mich kurz, ob er jetzt meine Kotzkatastrophe erwähnt, aber er zieht einfach nur seinen Hut aus und legt den Arm um Leah, dann streichelt er ihr den Rücken.

»Alles gut«, keucht sie. Sie legt die Hände an ihr jetzt knallrotes Gesicht und beugt sich vor, so dass nur ich sie höre.

»Habe ich mich wirklich gerade vor Jason übergeben?«, flüstert sie entsetzt durch ihre Finger.

»Komm, Leah«, sagt Jason, die Hände an ihrem Rücken, als er ihr sanft auf die Füße hilft. Zum tausendsten Mal an diesem Tag bleibt mir das Herz im Halse stecken. Jason dreht sich zu mir um und lächelt, dann schaut er wieder zu Leah. In seinem Blick liegen so viel Besorgnis und Beschützerinstinkt, wie ich es bisher so abseits einer K-Pop-Bühne nicht für möglich gehalten hätte. »Ich habe dafür gesorgt, dass der neueste Film von The Rock für den Rückflug im Flugzeug läuft.«

Ich werde wohl einen Self-Care-Tag brauchen, um mich von diesem Self-Care-Tag zu erholen.

Eine Stunde später sitzen wir wieder im Flugzeug, beide in billigen Mickeymaus-Pyjamas, die wir einem Straßenhändler abgekauft haben. Leah ist in eine flauschige Decke gewickelt und trinkt Ingwertee, während sie auf einem der tragbaren Blu-ray-Player The Rock dabei zusieht, wie er durch die Innenstadt von Manhattan rast.

Sie nimmt ihre Kopfhörer ab und dreht sich zu uns um. Sie hält inne und dreht verschämt das Kabel zwischen ihren Fingern. »Tut mir leid wegen dem Go-Karting, Jason. Und vor allem, dass du gesehen hast, wie ich mich übergeben habe.«

Er lächelt sie an und wuschelt ihr durch die Haare. »Mach dir darüber mal keine Sorgen. Wozu sind Oppas denn sonst da?« Ein strahlendes Lächeln breitet sich auf Leahs Gesicht aus, und sie kuschelt sich fester in ihre Decke. Ich nehme meinen Blu-ray-Player in die Hand und scrolle durch die Filmauswahl.

Jason lächelt. »Meine Freunde und ich fanden die Ghibli-Filme auch toll. Wir haben uns immer darüber gestritten, welcher der Beste ist – Chihiros Reise ins Zauberland oder Das wandelnde Schloss

»Das wandelnde Schloss, eindeutig!«, rufe ich lachend.

»Auf jeden Fall«, stimmt er mir zu. »Calcifer ist der Beste.«

Ich versuche, mir einen Jason vor dem K-Pop vorzustellen, einen Jungen, der in seinem Kinderzimmer YouTube-Covers filmt und freitags mit seinen Freunden Filme schaut.

»Wünschst du dir manchmal, du könntest zurück?«, frage ich.

Er legt den Kopf schief und zieht die Augenbrauen hoch. »Irgendwie, schon, ja. Ich meine, ich bin in Toronto geboren. Egal, wie lange ich in Korea lebe, es gibt immer einen Teil von mir, der nicht richtig dazugehört, verstehst du? Ich bin kein koreanischer Koreaner. Ich bin koreanischer Kanadier.« Er hält inne und schaut mich an, als würde er darüber nachdenken, ob er besser nicht weitersprechen sollte. Ich lächle schwach. »Und, du weißt schon, auch noch halb weiß, und das ist noch mal etwas völlig anderes.« Ich nicke verständnisvoll, und er spricht weiter, diesmal schneller, als hätten sich diese Gedanken schon seit langem in ihm angestaut und er müsse sie dringend loswerden. »Ich fühle mich, als würde ich die ganze Zeit zwischen zwei Welten stehen. Zu weiß, um Asiate zu sein, zu asiatisch, um weiß zu sein. Als würde

»Sehr viel Sinn sogar«, sage ich. »Ich bin zwar nicht halb weiß, aber ich fühle mich als koreanische Amerikanerin ganz genauso. Es ist manchmal so, als würde Korea mich nicht wirklich als Koreanerin akzeptieren, weil ich aus Amerika komme, aber in Amerika bin ich auch nicht wirklich Amerikanerin, weil ich koreanische Vorfahren habe. Es ist wirklich komisch, als wäre ich ständig irgendwo dazwischen.«

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich das schon mal irgendjemandem gesagt habe. Zuerst ist es mir ein bisschen peinlich, aber Jason schaut mich an und nickt langsam mit dem Kopf, als würde er ganz genau verstehen, was ich sage. Als würde er sich genauso fühlen.

»Aber ich bereue es auch nicht«, sagt er. »Nach Korea zu kommen und dieses ganze K-Pop-Zeug zu machen …« Er hält inne und lächelt ein bisschen. »Auch wenn ich mir wirklich wünsche, ich hätte wenigstens einmal eine Ferienfreizeit mitmachen können.«

»Bei mir ist es ein Roadtrip«, sage ich.

»Autokino an Sommerabenden.«

»Schulwettkämpfe.«

»Ferienjobs in der Mall mit allen Freunden.«

»Der Abschlussball.«

Er lacht. »Ja, Abschlussbälle! Wie kann es sein, dass es das in Korea nicht gibt?«

»Ich weiß. Die Leute in Amerika geben sich wirklich Mühe damit. Hier, gib mir mal dein Handy.«

Er tut, was ich sage, und ich scrolle mich durch

»Das hier mag ich am liebsten.« Ich zeige ihm ein Foto von einer Schachtel mit Buchstabendonuts: »PROM?« Allein das Foto macht mich glücklich. »Wirklich kreativ. Wer erwartet schon etwas anderes als ganz normale Donuts in einer Donutschachtel? Ich falle jedes Mal wieder drauf rein.«

»Wirklich?« Jason bekommt einen richtigen Lachanfall. Seine Nase bekommt richtig süße Fältchen, wenn er lacht. »Von all den riesigen, romantischen Promposals magst du wirklich das mit der Donutschachtel am liebsten?«

»Was denn? Es ist genial einfach. Außerdem, wenn die Person nein sagt, hat man wenigstens noch eine ganze Schachtel Donuts zum Trost.«

Er schüttelt grinsend den Kopf. »Meine Mom hätte sich nur so auf eine derartige Chance gestürzt. Sie hätte wahrscheinlich eine Hochzeitsfirma engagiert, um mein Promposal zu planen, und es dann persönlich gefilmt. Sie war bei so was echt extravagant.«

Mein Herz zieht sich zusammen, als er das sagt. Es ist allgemein bekannt, dass Jason mit zwölf seine Mutter verloren hat. Ich schaue zu Leah hinüber, die neben mir eingeschlafen ist. Sie schnarcht leise, und ich streiche ihr die Haare aus dem Gesicht. Zwölf. Praktisch genau in ihrem Alter. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Leah so jung unsere Mutter verliert – und noch weniger, dass das dann gleich die ganze Welt weiß. Plötzlich habe ich den

»Sie wäre so stolz, wenn sie dich jetzt sehen könnte. Das weiß ich genau«, sage ich.

Er hält inne und schaut mich lächelnd an. »Weißt du, ich glaube, meine Mom hätte dich wirklich gemocht«, sagt er. Seine Worte überraschen mich, und ich blinzle, während ich versuche, die richtige Antwort zu finden.

»Warum sagst du das?« Der Moment fühlt sich zerbrechlich an, sanft, anders als die, die wir bisher zusammen erlebt haben. Ich durchforste meinen Kopf nach etwas – irgendetwas, das mir sagt, ich soll das Thema wechseln, dass ich nicht zu ernst, zu verletzlich sein darf, wenn ich mit Jason zusammen bin, aber ich finde nichts. Stattdessen halte ich den Atem an. Ich möchte diesen Moment zwischen uns nicht kaputtmachen.

Er denkt kurz nach. »Weißt du noch, im Proberaum, als ich gesagt habe, dass ich mich darauf freue, mit dir zu singen? Und dann habe ich dich gefragt, ob du wissen willst, warum?«

Ich nicke, weil ich nicht die richtigen Worte finde. Mein Herz ist schneller als mein Verstand, und ich will nichts sagen, was ich morgen bereuen könnte.

»Ich habe das Gefühl, ich kann ich selbst sein, wenn ich mit dir zusammen bin.« Er schaut mir in die Augen, und bevor mir klarwird, was passiert, hat er meine Hand in seine genommen. »Ob wir zusammen singen oder uns bloß unterhalten, so wie jetzt.« Ich spüre, wie sich die Wärme seiner Handfläche in meinem ganzen Körper ausbreitet. Er streicht mit dem Daumen sanft über meinen Handrücken. »Für dich muss ich mich nicht verstellen … Es fühlt sich einfach gut an, mit dir zusammen zu sein.«

Ich würde Jason das alles gerne sagen, aber etwas hält mich zurück. Diese Gedanken auszusprechen würde bedeuten, einen Pfad einzuschlagen, auf dem ich nicht mehr umkehren kann. Einen Pfad, der alles, wofür ich während der letzten sieben Jahre gearbeitet habe, in Gefahr bringen würde. Mein Leben mit DB ist vielleicht nicht perfekt, vor allem jetzt gerade, aber es ist immer noch mein Leben. Das Leben meiner Familie. Und diesem Leben kann ich nicht einfach den Rücken zukehren. Allem, was sie für mich aufgegeben haben. Allem, was ich mir immer gewünscht habe. Noch nicht.

»Deine Mutter hätte mich vielleicht gemocht, aber was ist mit deinem Vater?« Meine Stimme ist betont fröhlich und bringt uns wieder zu unserem gewohnt lockeren Ton zurück. »Ich hoffe, der Eindruck, den ich gemacht habe, ist gut genug für die ganze Familie?«

Er lacht, aber eine winzige Sekunde lang sieht sein Gesicht angespannt aus. »Er ist nicht ganz so leicht zu überzeugen wie sie, aber wenn es jemand schaffen könnte, dann wärst das du.« Sein Gesichtsausdruck wird wieder weicher. »Rachel, ich muss dir etwas sagen. Ich glaube …«

Plötzlich wacht Leah auf, gähnt und streckt sich ausladend, so dass eine ihrer Hände fast in meinem Gesicht landet. »Unni, sind wir schon da?«

»Noch nicht.« Ich bin ihr dankbar für die Unterbrechung. Was es auch ist, das Jason mich fragen wollte, ich weiß, dass ich nicht bereit bin, es zu beantworten. Jetzt nicht. »Schlaf weiter.«

Sie nickt wieder ein, und ich lächle Jason an. »Wir sollten uns auch ein bisschen ausruhen. Es war ein langer Tag.«

»Okay.« Er lächelt zurück. »Dann schlaf gut.«

Ich sehe, wie sich die Enttäuschung in seinen Augen mit einem anderen Gefühl mischt, einem, dass ich nicht wirklich einordnen kann. Ich drehe mich von ihm weg und hoffe dabei fast, dass er meine Hand nimmt und mich fragt, was er fragen wollte, bevor Leah aufgewacht ist – aber das tut er nicht. Er schweigt den restlichen Flug über.