Das alles hat unausweichlich zu diesem Abend geführt. Zu unserer wortkargen, unerfreulichen Rückkehr von der Polizeistation. In ein Zuhause, das sich anfühlt, als bestünde es nur aus Papier und als könnte es jeden Moment weggeweht werden.

Ich bilde mir immer noch ein, dich oben herumgehen zu hören, obwohl sich die Haustür schon vor Stunden hinter dir geschlossen hat. Auch wenn ich will, dass du aus meinem Leben verschwindest, hat es mich verletzt und geärgert, dass du gegangen bist. In mir herrscht ein fürchterliches Gefühlschaos, und ich frage mich, ob es auch dir so geht oder ob dein Rückzug ein Zeichen dafür ist, dass du innerlich schon längst nicht mehr hier bist.

Ich habe fast eine Stunde lang ein Haus geputzt, das ohnehin sauber war, bis ich einfach nicht mehr konnte. Und als ich dann mit einem Putzlappen in der Hand dastand und spürte, wie mein Bewegungsbedürfnis nachließ, fühlte ich mich im wahrsten Sinn des Wortes verraten und verkauft.

Ich musste an dich denken. An dich und Dina. Und mir wurde klar, dass ich endlich alles wissen will. Bis in alle Einzelheiten. Alles, was zwischen euch beiden gelaufen ist.

Und deshalb habe ich zum ersten Mal den PC in deinem Arbeitszimmer angemacht. Zum Glück war es dir zu viel Aufwand, ihn ins Hotel mitzunehmen. Und obwohl ich schon oft mit diesem Gedanken gespielt habe, habe ich mich immer gescheut, es auch zu tun.

Da er mit deinem Handy verbunden ist, hat er sich als eine unerschöpfliche Informationsquelle erwiesen. Versteckt unter harmlosen Fotos von uns, von beruflichen Events und von schönen

Es war nur ein Foto von euch beiden darunter. Wie an einem Teil von Dinas gebräuntem Unterarm am Bildrand zu erkennen ist, hat eindeutig sie es aufgenommen. Sie hat das Handy für einen Schnappschuss von euch beiden über ihren Kopf gehalten, dein Gesicht, mit einem leicht benommenen Ausdruck, ganz nah an ihrem. Ihr beide vom Blitz erhellt, in scharfem Kontrast zu der gedämpften Beleuchtung eurer Umgebung, vermutlich ein Club.

Bei einem Blick auf die Datums- und Ortsangabe beschlich mich ein ungutes Gefühl. Das Bild war letzten Sommer in Southampton aufgenommen worden. Und mir fiel wieder ein, dass ich damals in einem ähnlichen Club war. Mit April. Und dass ich an der Bar gerade zwei Drinks für uns geholt und nach ihr gesucht hatte und absolut sicher war, dass du neben ihr standst, als ich sie im Gedränge entdeckte.

Ich war wirklich vollkommen überzeugt, dass du es warst. Du, der du angeblich in Birmingham warst, dich aber in Wirklichkeit hier, im selben Club wie ich, mit April unterhalten hast.

Bis ich es zu euch geschafft hatte, warst du bereits weg, und als ich April ihren Drink gab und fragte: »War das gerade Niall?«, sah sie mich irgendwie eigenartig an.

»Niall? Nein.« Sie blickte sich nachdenklich um. »Wahrscheinlich hatte er lediglich eine gewisse Ähnlichkeit mit ihm. Da bekomme ich ja fast ein schlechtes Gewissen, mit ihm geflirtet zu haben.« Sie lachte und nahm einen kräftigen Schluck von ihrem Drink. »Aber es war eindeutig nicht dein Mann. O mein Gott, stell dir bloß mal vor, was er gesagt hätte, wenn er uns hier gesehen hätte!«

Ich erinnere mich, wie meine Gewissheit, dich gesehen zu haben, verflog, verjagt von der Erleichterung darüber, dass du mich nicht beim Trinken erwischt hast. Und danach hat mein Drink

Aber es ist passiert, Niall. Ich habe jetzt das Foto, das es beweist. Du warst in diesem Club. Mit Dina. Und April … hat mich belogen.

Da saß ich, und mir wurde klar, dass du alles vergiftet hast. Jetzt konnte ich nicht einmal mehr meiner besten Freundin trauen. Ich hatte fest geglaubt, sie wäre immer ehrlich zu mir gewesen, dabei hat sie mir deine Affäre mit Dina verschwiegen. Und ganz besonders ihre hinterhältigen Intrigen. Vor allem die.

Wenn du wüsstest, wie verlassen ich mich in diesem Moment gefühlt habe. Und stinksauer war ich natürlich auch. Am liebsten hätte ich dich auf der Stelle angerufen und dir alles an den Kopf geworfen. Da war so viel, was ich dir sagen wollte, aber mein Stolz hat es nicht zugelassen. Ich hatte dich gebeten zu gehen, und zu dieser Entscheidung wollte ich stehen, auch wenn es mich halb umbrachte.

Doch dann kam ich auf die Idee, dir zu schreiben. Das schien die ideale Lösung zu sein. Es ermöglichte mir, alles rauszulassen und zu Papier zu bringen. Und am Ende konnte ich selbst entscheiden, ob ich dir meinen Brief schicken oder ihn verbrennen sollte. Deshalb habe ich mich in der letzten Stunde hingesetzt und alles niedergeschrieben.

Ich hatte erwartet, dass es eine befreiende Wirkung hätte, aber ich fühle mich immer noch genauso wütend und leer wie zu Beginn. Vielleicht, weil du es nicht gelesen hast und vielleicht auch nie lesen wirst. Vielleicht, weil ich in Wirklichkeit Antworten will.

Du hast nichts erklärt. Und obwohl das zum Teil meine Schuld sein könnte, weil ich in meiner tiefen Gekränktheit auf Abstand zu dir gegangen bin, hättest du es zumindest versuchen können. Wenigstens versuchen hättest du es sollen! Ich finde, nach fünf Jahren habe ich das verdient, Niall.