16
Sechs Tote, eine Gefangene
Man sagt, dass es immer anders läuft als geplant, aber das kommt wohl darauf an, von wessen Plan man spricht.
– Das Buch Brin
»Gefangen genommen? Bist du dir sicher?«, fragte Persephone.
Tesh nickte. »Suri ist unbehelligt in den Turm gegangen, aber dann muss etwas passiert sein. Ein paar Tage später haben die Fhrey sie rausgebracht. Und zwar eindeutig gegen ihren Willen.«
»Warum glaubst du das?«
Tesh warf Edgar einen Blick zu, und beide runzelten besorgt die Stirn. »Sie hat geschrien, so laut sie konnte, als sie sie in den Wagen geworfen haben.«
»Es war eher ein Käfig«, berichtigte Edgar ihn.
»Ja, genau. Und sie hat versucht, sich zu wehren, hat es aber nicht geschafft. Kurz darauf ist ihre Eskorte aufgetaucht, und sie haben den Wagen in den Wald nach Osten mitgenommen.«
Persephone griff nach der Stuhllehne hinter ihr, fand sie aber nicht. Stattdessen stolperte sie rückwärts und wäre beinahe gefallen. Sie fühlte sich, als hätte Tesh ihr einen Schlag versetzt.
Warum hat Suri sie nicht aufgehalten? Sie hat Neith dem Erdboden gleichgemacht, eine Brücke in Alon Rhist einstürzen lassen und die Festungsmauern während der Schlacht von Grandford aufrechterhalten, aber sie hat nichts getan, als sie sie fortschleppten? Das ergibt keinen Sinn.
Dann kam ihr ein Gedanke. Die Orinfar.
Tesh und Edgar standen Persephone in ihrem Zelt gegenüber. Nyphron hatte die beiden hierher eskortiert und verkündet, dass sie mit wichtigen Neuigkeiten gekommen waren. Ihr Ehemann hatte darauf bestanden, dass er und die Keenigin die Nachrichten gemeinsam und ohne weitere Zeugen hören sollten. Er hatte recht gehabt mit dieser Entscheidung. So riesig das Zelt auch war, fühlte es sich nun überfüllt an. Der Wind zerrte an der Plane und brachte die hölzernen Zeltstangen zum Knarren. Das kalte Wetter war bereits auf dem Vormarsch.
Tesh erzählte wahrscheinlich noch mehr, aber Persephone hörte nicht mehr zu. Sie fand erst wieder zurück ins Gespräch, als er vorsichtig sagte: »Äh, und dann wäre da noch etwas anderes …«
»Noch mehr?«, fragte Nyphron. Er hatte die Neuigkeiten nach außen hin gefasst aufgenommen, doch seine Stimme und die ungläubige Frage verrieten ihn nun.
»Wir haben sechs Männer auf diesem Trip verloren: Mieks, Brinks, Ethan, Seth, Prichard und Anwir.«
»Anwir?«, wiederholte Nyphron mit düsterem Blick. »Wie das?«
»Ein Hinterhalt, gerade als wir den Wald verlassen wollten, um hierherzukommen.«
Nyphron starrte Tesh eindringlich an, doch der Prymus zeigte keinerlei Regung. »Noch etwas?«
»Nein, Herr.«
Persephone hatte endlich den Stuhl gefunden und setzte sich. Sie starrte zu Boden und rieb sich mit der Hand über das Gesicht.
»Abtreten«, hörte sie Nyphron seinen Soldaten befehlen.
Tesh trat rasch aus dem Zelt, Edgar folgte ihm dicht auf dem Fuß. Der ältere Soldat schien ebenso erleichtert zu sein, das Gemach der Keenigin verlassen zu können. Die Techylors waren nach vielen Monaten in der Wildnis zum ersten Mal wieder zurück im Drachenlager. Nachdem er seinen Bericht abgegeben hatte, freute Tesh sich nun auf besseres Essen, Trinken und auf Brin – nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Edgars Priorität schien Bier zu sein, da er sofort auf das Zelt zusteuerte, in dem die Fässer gelagert wurden.
Tesh wusste, wo er Brin finden würde, aber er wollte sich vorher noch frisch machen. Er und seine Männer trugen nach ihrer Rückkehr den Wald regelrecht am Körper. Er war von oben bis unten mit Dreck und Blut bedeckt, sah vermutlich furchtbar aus und roch noch schlimmer. So wollte er sie nicht begrüßen, nachdem sie sich so lange nicht gesehen hatten. Er machte sich auf den Weg zum Fluss, doch die Neuigkeit über seine Rückkehr musste sich rasend schnell verbreitet haben, denn er schaffte es nicht einmal bis zum Quartier der Heiler, bevor Brin ihn fand.
Sie rannte auf ihn zu, einen dicken Stapel loser Seiten in einer Hand. Irgendwie gelang es ihr, sie nicht loszulassen, als sie sich auf ihn stürzte.
»Ich hab dich so vermisst!«, quietschte sie zwischen Küssen und strich ihm das Haar aus dem Gesicht. Sie ließen sich zwischen einem Kasernenzelt und einem Haufen Schilde ins Gras fallen. Brin trug ihren Breckon Mor, denselben, den sie immer trug. Tesh war sich nicht sicher, ob es wirklich immer dieser war, da alle Kleidungsstücke aus Rhen stets dasselbe Muster und dieselbe Farbe hatten. Es gefiel ihm allerdings, wie kurz er war, wie die Falten ihre Brüste betonten und dass sie ihn an der Hüfte eng band. Das traditionelle Kleidungsstück hatte so seine Vorteile, und die traditionelle Rhen-Farbe passte zu Brins Augen.
»Du warst so lange weg. Ich habe mir jeden Tag Sorgen um dich gemacht.«
Ihre freudestrahlenden Augen, das Haar, das ihr in Wellen über die Schultern fiel, und dieses Lächeln … sie war so perfekt. Wenn nur …
»Ich habe gehört, dass du ein Treffen mit Persephone hattest.« Brins Lächeln verschwand. »Wie viele waren es diesmal?«
»Nur fünf.«
»Fünf? Nach so langer Zeit? Das ist doch gut, oder nicht?«
Er zuckte mit den Schultern. »Die Elben haben bald keine Soldaten mehr. Die meisten, die uns im Moment über den Weg laufen, sind nicht viel mehr als Kinder.«
»Die Männer, die ihr verloren habt … war es jemand … äh …« Sie zögerte mit angespanntem Gesichtsausdruck. »Es war doch nicht Edgar oder Atkins oder …«
»Nein, es waren nur neue Rekruten. Mieks, Brinks und so. Ich kannte sie kaum.«
»Ich mochte Mieks«, sagte Brin traurig. »Er hat mich immer Madame genannt.«
Tesh wollte nicht vom Tod sprechen, und er mochte es nicht, Brin traurig zu sehen. Er zog es vor, seine beiden Welten zu trennen. Sein Leben im Harwald war der hässliche Teil und das hier der schöne. Brin über sich gebeugt zu sehen war ein vollkommener Moment, seine Belohnung für die Zeit im Wald.
»Wie geht es mit deinem Buch voran?«, fragte er, um das Thema zu wechseln. Brin liebte es, ihm von ihrer Arbeit zu erzählen. Damit konnte er sich jedes Mal aus einem unbehaglichen Gespräch herausmogeln. »Hast du den Teil über die Schlacht von Grandford fertig geschrieben?«
Auch diesmal funktionierte es. Erneut breitete sich ein Lächeln auf Brins Gesicht aus. »Ja, schon vor Monaten. Es ist richtig gut geworden … glaube ich zumindest.« Sie zuckte verlegen mit den Schultern, da sie stets fürchtete, zu sehr von sich eingenommen zu wirken.
Brin war genial. Das war nichts Ungewöhnliches, Hüterinnen mussten brillant sein, selbst die, die nicht lernten, wie man Sprache auf Pergamentseiten übertrug. Tesh liebte Brin, aber er hasste ihre Bescheidenheit. Warum sieht sie nicht, wie wundervoll sie ist? Sie war damit allerdings nicht die Einzige. So viele der Menschen, für die Tesh täglich kämpfte, sahen sich immer noch nur als Rhunes, elende Lebewesen, die sich, ohne darüber nachzudenken, jenen unterordneten, die sie einst als Götter verehrt hatten und immer noch fürchteten.
Sie sehen Stolz als einen Makel statt als ihr angeborenes Recht.
»Erzähl mir mehr davon«, sagte er und gab sich Mühe, interessiert auszusehen.
Brin schien verwundert. »Wirklich? Hier? Jetzt sofort?«
»Na klar.«
Sie lächelte wieder. »Na gut.« Sie half ihm, sich aufzusetzen, sodass sie nebeneinandersaßen, Schulter an Schulter.
Eifrig blätterte sie durch ihre Seiten und starrte dann auf eine davon. Murmelnd fuhr sie mit dem Finger darüber und blätterte dann weiter.
»Du bist die Hüterin der Wege und kannst dich nicht an die Geschichte erinnern?«, fragte er.
»Ich erinnere mich an alles, aber nicht an die exakten Worte.«
»Aber so genau muss es doch nicht sein, oder?«
Sie warf ihm einen Blick zu, als hätte er gerade ihre Mutter beleidigt. »Natürlich. Das ist doch der ganze Sinn dahinter.« Einmal mehr überflog sie die Seiten und fand endlich, wonach sie gesucht hatte:
Sie kamen ohne Vorwarnung,
zu Tausenden, schrecklich und wunderschön.
Sie kamen über Steinbrücken,
gekleidet in Gold und Blau.
Sie kamen mit mächtigen Stürmen,
mit Riesen, Feuer und Tod.
Sie kamen, und nichts konnte sie stoppen,
außer unseren mutigen Kriegern.
»Das ist großartig«, sagte Tesh und meinte es ernst. Er konnte sich nicht daran erinnern, schon einmal etwas so Gutes von ihr gehört zu haben.
Ihr Lächeln wurde noch breiter. »Findest du?«
»Auf jeden Fall! Es ist wirklich wundervoll, Brin. Ehrlich. Ist alles so gut geworden?«
Sie zuckte die Achseln. »Das hoffe ich doch.«
Tesh warf einen Blick auf den Stapel Papier in ihrem Schoß. »Dann solltest du damit aber nicht so leichtsinnig umgehen.«
»Wie meinst du das?«
»Nimm lieber eine Tasche oder so.« Er griff nach den einzelnen Blättern, um sie ordentlich zusammenzulegen.
Mit einer sanften Handbewegung hielt Brin ihn davon ab, die Seiten zu berühren. Er hatte Mütter gesehen, die weniger abwehrend reagierten, wenn man ihre Neugeborenen anfassen wollte.
»Roan hat eine Idee, wie man alles zusammennähen und es dann zwischen zwei in Leder eingeschlagene Holzplatten legen könnte, aber das geht erst, wenn ich fertig bin.«
»Sie könnte doch schon mit dem anfangen, was du bis jetzt fertiggestellt hast. Das wäre besser, als etwas zu verlieren.«
Brin lächelte schief. »Du hast wohl recht. Weißt du was? Ich könnte dir immer noch das Lesen beibringen. Ich zeige es Tressa, und wenn sie es schafft, dann sollte es jeder …«
»Ich habe keine Zeit.« Diese Tür musste Tesh sofort wieder zuschlagen. Er wollte ihr keine Hoffnungen machen.
»Aber es ist wirklich nicht schwer. Wir könnten …«
»Vielleicht, wenn wir verheiratet sind.«
»Und wann wird das sein?«, fragte Brin mit plötzlich scharfem Tonfall.
»Weiß nicht. Bald.«
»Warum nicht jetzt? Roan und Gifford sind verheiratet, sogar Moya und Tekchin leben zusammen. Und ich muss mir immer noch ein Zelt mit Padera teilen. Willst du denn nicht, dass wir zusammen sind? Wäre es nicht wunderschön, zusammen einzuschlafen? Kinder zu haben?«
»Natürlich. Ich will das alles ja auch. Aber ich kann jetzt einfach noch nicht.«
»Warum nicht?«, fragte Brin. Sie schob ihren Arm durch seinen und legte ihr Kinn auf seine Schulter.
»Ich kann nicht beides sein: ein guter Ehemann und ein Soldat. Zuerst muss ich diesen Krieg gewinnen. Das verstehst du doch, oder?« Er seufzte und nahm ihre Hand. »Ich habe zugesehen, wie die Elben meine Eltern abgeschlachtet haben. Habe gesehen, wie sie Kinder getötet haben – Babys, die schreiend im Schlamm lagen. Sie …«
»Ich weiß«, unterbrach sie ihn.
»Ich will einfach nicht, dass uns dasselbe passiert. Ich kann keine Kinder haben, wenn die Gefahr besteht, dass ihnen so etwas widerfährt. Bis der Krieg vorbei ist, muss ich da draußen sein und kämpfen.«
Er zeigte nach Osten in Richtung der verschwommenen Baumreihe. »Das ist einer der Gründe, warum ich so gut bin. Ich gehe Risiken ein. Das kann ich nicht, wenn ich weiß, dass ich dich allein mit einem Kind zurücklassen würde. Dann würde ich zögern, und das würde nicht nur mein Leben in Gefahr bringen, sondern auch das meiner Männer. Du musst mich erst diesen Krieg gewinnen lassen. Wenn ich überlebe« – er sah, wie sie voller Furcht das Gesicht verzog –, »und das werde ich, dann können wir uns einen schönen Ort suchen, wo ich meine Schwerter ablegen und lernen kann, Schafe zu züchten und Roggen anzubauen.«
»Aber …« Sie wischte eine Träne fort, die sich beinahe aus ihrem Augenwinkel gelöst hätte, und seufzte.
»Was?«
Brin schüttelte den Kopf. »Nichts.« Vom Streiten würde sie nur Falten bekommen. Sie stimmte ihm nicht zu, wollte aber nicht länger mit ihm diskutieren. »Oh!« Ihre Augen funkelten plötzlich wieder fröhlich, als sie sich erinnerte. »Was ist denn mit Suri? Vielleicht wirst du doch noch früher zum Bauern, als du denkst. Hat sie es nach Avempartha geschafft? Hast du sie gesehen?«
Er wollte ihr nicht antworten. Brin und Suri waren schließlich befreundet.
»Was?«, hakte sie nach. »Was ist denn passiert?«
Nyphron hatte die Zeltplane beiseitegeschoben und schaute in den bewölkten Himmel hinauf. Wie jeder andere – außer vielleicht Bauern – bevorzugte Nyphron sonnige Tage. Nicht weil er das Licht und die Wärme mochte oder wegen der allen Kriegern eigenen Abneigung gegen Matsch, obwohl beides auf ihn zutraf. Er hasste Gewitter, da sie ihn an die Miralyith erinnerten.
An diesem Tag waren die grauen Wolken allerdings nicht auf Magie zurückzuführen. Es war eher eine allgemeine Trübheit, die da heraufzog, ein Spiegel, der ihm seine eigene trostlose und eintönige Lage vor Augen führte. Selbst nach seinen großzügigsten Berechnungen hätte er Estramnadon bereits vor zwei Jahren brennen sehen müssen.
»Du hast Suri geschickt? Und dann auch noch nach Avempartha?«, fragte Nyphron, während er weiter den Himmel betrachtete. »Du hast es noch nicht einmal für nötig gehalten, das mit mir zu besprechen?«
»Du hättest nie eingewilligt.«
»Selbstverständlich nicht, und auch du hättest es besser wissen müssen.« Nyphron bereute die Worte bereits, als sie ihm über die Lippen kamen. Normalerweise neigte er nicht zu Reue. Nun war er verstimmt, da er sich so lange so erfolgreich zusammengerissen hatte. Er wandte sich vom Zelteingang ab, ließ die Plane herabfallen und schenkte sich Wein ein. Dabei war ihm nur allzu bewusst, dass er mittlerweile zwei Krüge am Tag leerte.
Nach fünf Jahren hocke ich immer noch in einem Zelt, während Lothian die Füße auf dem Waldthron hochlegt. Die Situation war nicht nur über die Maßen absurd, sie war völlig inakzeptabel. Der nächste Winter ist auf dem Vormarsch, und seit dem letzten Schneefall bin ich kein Stück vorangekommen. Es hätte ganz anders laufen sollen.
»Was hast du denn gedacht, was sie bewirken würde?«, fragte er.
»Ich habe sie als Botschafterin geschickt, um Friedensverhandlungen einzuleiten.«
»Dafür hättest du jeden anderen schicken können. Warum ausgerechnet sie?«
Persephone schüttelte den Kopf. »Nein, hätte ich nicht. Arion war überzeugt, dass ein Treffen zwischen Suri und dem Fhan das Ende des Krieges bedeuten würde. Außerdem war Suri die Einzige, mit der der Fhan zu sprechen bereit war.«
Nyphron schüttelte traurig den Kopf. »Arion war eine Närrin, du bist keine. Deshalb wundert es mich ja so. Warum hast du zugestimmt?« Er war wütend, ein kochender Topf mit klapperndem Deckel, doch Persephones Leid entging ihm trotzdem nicht. Sie bezahlte bereits einen hohen Preis für ihren Fehler, und es würde ihnen nicht weiterhelfen, wenn er sie anschrie. Stattdessen bemühte er sich um eine tiefere Stimme und einen sanfteren Tonfall. »Wenn der Fhan wirklich Frieden wollte, hätte er darauf bestanden, mit mir zu sprechen.«
»In seinen Augen bist du ein Verräter, und er hat es ausdrücklich abgelehnt, mit dir zu verhandeln.« Persephone hielt einen Moment inne. »Genauso wie mit mir. Er hat ziemlich deutlich nach Suri verlangt.«
»Der Fhan sieht in allen Rhunes nicht viel mehr als dumme Tiere. Er würde sich niemals einer von ihnen ergeben.«
»Wir haben ja nicht davon gesprochen, dass sich jemand ergeben soll. Beide Seiten haben nun sechs Jahre lang schwere Zeiten durchgemacht. Aber wir schaffen es nicht über den Nidwalden, und Lothian gelingt es nicht, unsere Zahlen zu dezimieren. Er sieht dasselbe, was ich sehe: Wir haben eine Sackgasse erreicht, und die beste Lösung für beide Seiten ist, den Krieg so zu beenden, dass es für alle akzeptabel ist.«
Nyphron seufzte. »Der Fhan sieht sich als Gott. Er hat kein Interesse an Frieden. Das wäre für ihn eine undenkbare Schande.«
Persephone sah verwirrt aus. »Aber warum …«
»Du verstehst es immer noch nicht?«
Sie starrte ihn an, etwas in ihrem Blick zuckte unruhig.
»Er will Suri das Geheimnis entlocken, wie man Drachen erschafft.«
Persephone schüttelte den Kopf. »Das wird ihm nicht gelingen. Suri kann das nicht mehr. Sie hat die Wahrheit darüber gesagt, wie es funktioniert. Sie muss jemanden opfern, der ihr nahesteht. Selbst auf unserer Seite des Flusses gibt es nur noch wenige, auf die diese Beschreibung zutrifft, und auf der anderen Seite des Nidwalden gibt es niemanden.«
»Sie muss es ja nicht selbst tun«, sagte Nyphron. »Sie muss Lothian nur verraten, wie es funktioniert. Dann wird er seine Miralyith dazu zwingen, ihre Lieben zu opfern. In nur einer Woche, vielleicht zwei, wird der Himmel sich unter einer ganzen Drachenflotte verdunkeln.« Nyphron spürte, dass ihm seine Wut langsam entglitt, also ging er auf den Zeltausgang zu. Kurz bevor er ihn erreichte, hielt er noch einmal inne. »Indem du Frieden gesucht hast, hast du dem Fhan den Sieg geliefert, der unser hätte sein sollen. Der Krieg wird enden, aber erst nachdem Lothian uns von Elans Angesicht gefegt hat.«