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Everett

Willst du morgen zum Abendessen vorbeikommen?

Ich drückte auf Senden, ehe ich meine Meinung ändern konnte. Es war komisch. Kein Teil von mir fühlte sich Graham gegenüber auf irgendeine Weise unwohl. Ich hatte so viele Dinge mit ihm geteilt, emotional, körperlich und willkürlich. Nein, es war nicht Grahams Antwort, die mich nervös machte.

Es war ich und was das alles hier bedeutete. Es würde der Tag werden, an dem er mich wirklich als Vater sehen würde, nicht nur als einen Omega, ein Date oder eine mögliche Romanze - nein, als Vater. Was, wenn das ganze Paket zu viel für ihn war? Was, wenn er dachte, er wäre mit an Bord, aber… nein, ich durfte so nicht denken. Er war ein unglaublicher Mann und Alpha. Er würde mich nicht im Stich lassen.

Wieder mal trat ich mir selbst in den Hintern dafür, dass ich Seri nicht mit zum Abendessen an Heiligabend mitgenommen hatte. Sicher, unsere gemeinsame Zeit wäre dann weniger sexy und wahrscheinlich weniger alles gewesen, aber ich wäre nicht so mit den Nerven am Ende, wenn ich diesen Teil schon hinter mich gebracht hätte.

Ich starrte auf das Handy, als würde es die Lösung für den Weltfrieden oder etwas ähnlich Wichtiges beinhalten. Er hätte genauso mit Freunden unterwegs sein können, sich duschen, oder sein Handy musste aufgeladen werden. Wenn ich das Handy weiter anstarrte, würde er auch nicht früher antworten.

Ich steckte es also in meine Hosentasche, entschloss mich, mich dem Geschirr zu widmen, da Seri jetzt für die Nacht eingeschlafen war. Sie hatte schon immer so einen guten Schlaf, sogar als Neugeborenes, als sie ständig essen musste. Sie aß und schlief dann sofort ein. Ich wurde aufs übelste von ihr verwöhnt und im Gegenzug verwöhnte ich sie dann. Das war nur fair.

Ich öffnete die Geschirrspülmaschine und kapierte, dass ich heute Morgen, als ich ging, vergessen hatte, sie einzuschalten. Also schloss ich sie wieder, drückte auf Start und kam zum Schluss, dass das Geschirr bis morgen würde warten müssen.

Ich schaute auf mein Handy, naja, nur für den Fall, dass die Benachrichtigungen ausgeschaltet waren. Das waren sie nicht und Graham hatte noch immer nicht geantwortet.

„Ist wahrscheinlich nur beschäftigt“, murmelte ich mir selbst zu, als ich ging, um nach Seri zu sehen, die ich friedlich schlafend vorfand.

Es war erst neun, aber ich war erschöpft. Auf der Arbeit war es unglaublich stressig, und als ich nach Hause gekommen war, hatte ich Mr. Joseph dabei geholfen, den kleinen Kleiderschrank zusammenzubauen, den er online gekauft hatte. Das Teil hatte vierundsiebzig Millionen Teile.

Und dann war da natürlich noch die Siri-Zeit - meine Lieblingszeit des Tages. Sie war aufgewacht, als wir gerade mit dem Schrank fertig geworden waren, und überhaupt nicht im Zusammenhang mit dem lauten Fluchwort, das mir über die Lippen gekommen war, als ich auf eine Schraube getreten war, die noch herumlag.

Ich habe sie total aufgeweckt, aber sie was so glücklich, mich zu sehen, dass sie nicht einmal kurz mürrisch wurde.

Ich schaute wieder aufs Handy, als ich aus ihrem Zimmer ging. Ich war albern. Wir dateten schon einige Monate und jedes Date war immer besser als das davor. Und der Sex. Ich wusste nicht, dass es so sein könnte. Und nicht nur, weil es so erstaunlich war, zuzusehen, wenn er kam. Nein, es war die Art, wie er meine subtilen Geräusche und das Muskelzucken deuten konnte. Er wusste, was ich wollte - was ich brauchte - besser als ich es selbst tat.

Beim bloßen Gedanken daran bekam ich einen Ständer. Natürlich tat ich das.

Ich habe schon vor langer Zeit gelernt, dass es mich nur nervös machte, wenn ich eine Erektion ignorierte, die mit Graham in Verbindung stand. Ich drückte meine Hand gegen meinen Schwanz, um den Druck abzulassen und seufzte, gab auf, weil ich wusste, dass ich nachgeben würde und vor dem Schlafengehen noch in mein Zimmer gehen würde, um ein bisschen Zeit mit mir selbst zu haben.

Ich zog mich aus, das einzige Licht im Zimmer kam von der kleinen Leselampe auf meinem Nachttisch. Ehe ich zwischen meine kühlen Laken schlüpfte, fuhr meine Hand gleich zu meinem Schwanz, und ich schloss meine Augen, dachte an den Mann, der all meine Leidenschaft ankurbelte.

Ich hatte kaum die Hand um meinen Schwanz gelegt, da begann mein Handy zu vibrieren.

Absolut. Bist du noch wach? Er hatte Ja gesagt! Nicht, dass ich irgendeinen logischen Grund hatte zu denken, dass er das nicht würde. Meine Gefühle aber waren alles andere als logisch, also hätte es meine Sorge auch sein können.

Ja.

Und auch wenn ich es nicht gewesen wäre, wäre ich aufgewacht, um mit ihm zu reden. Abgesehen von ein paar flüchtigen Texten hatten wir uns die ganze Woche nicht gesprochen. Er hatte bei der Arbeit dieses verrückte Projekt am Laufen, das seine gesamte Zeit und Energie beanspruchte, und Seri zahnte wieder - dieser Zahn machte es ihr aus irgendeinem Grund schwerer als der letzte. Ich fühlte mich so hilflos und unwohl und keines der Bernsteinkettchen oder Tabletten fürs Zahnen schien ihre Qualen zu lindern.

Mein Handy begann zu klingen, genau wie ich es erwartet hatte. „Hallo.“

„Hallo, Sexy. Schön, deine Stimme zu hören.“ Seine Stimme beruhigte mich.

„Deine auch“, gab ich zu, und es war mir nicht einmal peinlich, das ich das so fröhlich vor mich hingeträllert habe. „Wie war die Arbeit?“

„Schrecklich.“ Er seufzte tief. „Verdammt schrecklich.“

Ich lächelte, als er die Figur aus einem Film nachmachte, den wir voriges Wochenende gesehen hatte, und nicht nur die Stimmung aufheiterte, sondern mir zu verstehen gab, dass diese Nacht etwas bedeutet hatte. Es waren Kleinigkeiten wie diese, wegen denen ich permanent ein Grinsen im Gesicht hatte.

„Obwohl, das Projekt ist beendet, also war es das.“

Ich konnte mir vorstellen, wie er mit den Achseln zuckt. Es würde ein anderes großes Projekt geben. Das gab es immer, und er schien sich dem auf professionelle Weise hinzugeben, obwohl es ihn körperlich und emotional strapazierte.

„Das freut mich. Es freut mich auch, dass du morgen zum Abendessen kommst.“ Ich war auch erleichtert, was komplett dumm war. Ich wusste das. Ja, da war es wieder.

„Als könnte ich dich jemals abweisen. Was kann ich mitbringen?“

Ich schloss meine Augen und spuckte es aus. „Einen Schnuller?“ Sicher, Graham war schon mal bei mir - aber nur, als Seri nebenan beim Nachbarn war. Das würde das erste Mal werden, bei dem wir ein Abendessen zu dritt haben würden.

„Ich darf sie kennenlernen?“ Seinerseits gab es überhaupt keine Sorge oder Zögern. Er hörte sich begeistert an. Wie kommt es, dass ich so ein Glück habe?

„Das würdest du gern, ja?“ Ich kannte die Antwort. Ich wollte sie nur in vielen Worten hören.

„Es gibt nichts, was ich lieber täte.“ Er gähnte. Der arme Kerl war wahrscheinlich komplett durch.

„Du hörst dich müde an. Ich lasse dich gehen.“

„Nein. Sprich bitte noch ein bisschen mit mir. Mein Gehirn ist von der Arbeit immer noch auf Hochtouren. Und ich vermisse dich. Erzähl mir, was du gemacht hast, als ich angerufen habe?“

Ich schaute nach unten zu meinem immer noch schmerzhaft erigierten Schwanz und fragte mich, ob es Spaß machen würde, es ihm zu sagen. Dann wiederum könnte ich es ihm auch zeigen. So viele Möglichkeiten…

„Du willst es nicht einmal wissen“, neckte ich. Er wollte es bestimmt, und ich wollte es teilen.

„Genau das verrät mir, dass ich es wissen will.“

„Na gut…“ Ich neckte ihm als wäre es mir eine Last und genoss das leichte Kichern von der anderen Seite. Oh, er konnte schon erahnen, was ich gemacht hatte. „Soll ich dir ein Foto schicken?“

„Ja.“ Ich hatte kaum meine Frage beendet, als er seine Antwort in den Hörer stöhnte. „So viele Jas, und nur fürs Protokoll, ich hoffe wirklich, dass du nicht gerade die Toilette putzt.“

Jetzt musste ich lachen. „Nein, das tue ich nicht. Also, ich lasse dich gehen und schickte dir ein Foto.“ Ich brauchte ein zweites Handy, wenn wir das so spontan machen wollten. Aus irgendeinem Grund fühlte sich das Aussprechen der Worte „Lass uns einen Video-Chat haben“ an, als würde es die Spontaneität der ganzen Sache ruinieren. „Nacht.“

Ich hätte nicht gewollt, dass unsere Unterhaltung vorbei ist, aber der Gedanke daran, ihm ein Foto von mir zu schicken, wie ich mich selbst berühre, während ich an ihn denke, hatte gewonnen.

„Ähm, gute Nacht.“ Er hörte sich fast traurig darüber an, dass er auflegen musste.

Ich würde mich sowas von darum kümmern.

Ich hielt mein Handy mit einer Hand, während ich mit der anderen nach unten griff, um mich zu streicheln. Nein, das reichte nicht aus. Ein Standbild würde nicht reichen. Ich meine, das würde es. Ich wollte einfach nur mehr tun.

Ich griff in meinen Nachttisch und nahm ein paar Tropfen Gleitmittel, um unnötige Reibung zu verhindern und drückte den Aufnahme-Knopf auf meinem Handy. Ich holte mir einen runter, sagte ihm, was ich mir vorstellte, während ich das tat, und zu wissen, dass er es sich ansehen würde, brachte meinen Orgasmus auf ein ganz anderes Level. Es dauerte viel kürzer als normalerweise.

Ich klickte auf Senden, ehe ich nochmal nachdenken konnte. Als das Video raus und aus meinen Händen war, erlaubte ich mir, zu entspannen, suhlte mich in der postorgasmischen Wonne und wusste, dass ich immer noch ein bisschen saubermachen musste, wollte aber noch nicht aufstehen, um das zu tun.

Mein Handy vibrierte, als ich gerade eindösen wollte.

Versuchst du, mich umzubringen? Ich wünschte, ich wäre bei dir.

Ich auch. Neben ihm eingekuschelt zu sein, wäre unglaublich. Das war es, was ich in unserer Beziehung vermisste. Sicher, wir hatten unglaublichen Sex und Spaß, sogar mit Klamotten an, aber am Ende des Tages ging jeder seinen eigenen Weg. Wir schliefen nicht nebeneinander gekuschelt ein und ich wachte nicht vom Duft von Eiern und Speck auf, die er für mich machte. Nicht, dass er sowas jemals angedeutet hätte. Ich sagte es nur der Fantasie wegen.

Bis er zum Abendessen kommen würde.

Wenn alles gut lief - und ich spürte, dass es das würde - würde ich Graham fragen, ob er hier übernachten will. In seinen Armen aufzuwachen hörte sich einfach himmlisch an.

Nacht. Ich textete zurück ehe ich mich vom Bett rollte und mich kurz sauber machte, um wieder in meinen Traum über meinen sexy Graham einzutauchen.