I ch war rechtzeitig wieder im Bedford Lodge, um noch das Frühstück mitzukriegen.
Immer noch erst Frühstückszeit? Mir kam es vor, als wäre ich schon mindestens einen halben Tag auf.
Ich setzte mich an einen Einzeltisch und aß Rührei auf Toast mit Speck. Als Single frühstückte ich selten warm, wenn überhaupt.
Ein Ehepaar mittleren Alters setzte sich knapp vor Frühstücksschluss an den Tisch neben mir, er mit einer Racing Post , sie mit einer Modezeitschrift. Das Handy des Mannes piepte, und er sah auf das Display. »Die Leiche in dem abgebrannten Stall bei Chadwick ist identifiziert. Eine Zoe Robertson.«
Schlechte Nachrichten verbreiten sich schnell, dachte ich.
»Und wer ist das?« Die Frau blickte von ihrer Zeitschrift auf.
»Seine Tochter.«
»Ryans Tochter?«
»Nein. Olivers Tochter, aus einer früheren Ehe.«
Der Mann las immer noch vom Display ab.
»Die deuten an, dass sie gezündelt hat.«
»Der arme Oliver«, sagte die Frau. »Seine besten Pferde zu verlieren ist schlimm genug, aber wenn sich dann noch rausstellt, dass die eigene Tochter dahintersteckt –«
»Das ist ja noch nicht bestätigt.«
»Aber es wird angedeutet?«
»Ja, schon. Die Polizei sagt es zwar nicht, aber nach dem Bericht hier ist sie schon mal wegen Brandstiftung verurteilt worden. Wobei sie das nur aus den sozialen Medien haben.«
Die sozialen Medien mischen immer mit, dachte ich. Ein Gerüchtemacherparadies.
Die Eheleute widmeten sich wieder ihrer Lektüre, während ich mein Rührei aufaß und in mein Zimmer ging.
Auch die BBC -Nachrichten brachten die den sozialen Medien entnommene »Tatsache«, dass Zoe Robertson den Brand gelegt habe, offenbar nach dem Grundsatz, dass man bereits Tote nicht verleumden konnte. Wäre Zoe noch am Leben gewesen, hätte die BBC niemals gewagt, eine solche Behauptung ohne hieb- und stichfeste Belege zu wiederholen.
Ich rief meine Mails ab. Das Rechercheteam von Simpson White teilte mir seine ersten Ergebnisse zu den Chadwicks mit. Jemand war offensichtlich über Nacht sehr fleißig gewesen.
Der Bericht war nach Familienmitgliedern unterteilt und begann mit Oliver. Einige Informationen kannte ich bereits aus Georginas Dossier vom Tag meiner Ankunft in Newmarket. Aber vieles war neu und zum Teil sehr detailliert. Gute Arbeit, dachte ich und fragte mich, wie die Zauberlinge im Büro das alles herausgefunden hatten.
Oliver war Anfang 1950 im mittlerweile geschlossenen Mill Road Maternity Hospital in Cambridge geboren und hatte die dortige Leys School besucht, den Sprung ins Studium aber nicht geschafft. So hatte er angefangen, wie sein älterer Bruder James im väterlichen Stall in der Bury Road zu arbeiten. Im Mai 1975 hatte er in erster Ehe Miss Audrey Parker geheiratet, die Tochter eines anderen Renntrainers in Newmarket, und sie hatten bald zwei Söhne bekommen – Ryan und Declan. Im März 1982 , als die Jungen gerade sechs und vier waren, war Audrey an Leberkrebs gestorben, und anderthalb Jahre später hatte Oliver dann Yvonne Jefferies geheiratet. Zwei weitere Kinder folgten – Tony und Zoe. Diese Ehe hatte fast dreißig Jahre bestanden, war dem Vernehmen nach aber turbulent und unglücklich und wurde schließlich geschieden, als Oliver seinen langjährigen und anhaltenden Ehebruch mit Maria Webster zugab, die früher im örtlichen Freizeit- und Fitnesszentrum gearbeitet hatte. Als dann bekannt wurde, dass sie ein Kind von ihm erwartete, hatte er sie geheiratet, doch nur sechs Tage nach der Hochzeit erlitt sie eine Fehlgeburt.
Kein Wunder, dass sie zur Flasche gegriffen hatte.
Demgegenüber hatten Ryan und Declan, wie es schien, ein vorbildliches Leben geführt. Beide waren mit sechzehn von der Schule abgegangen, um Berufsrennreiter zu werden, und sie hatten mit Susan und Arabella jeweils nur einmal geheiratet. Der einzige sichtbare Fleck auf ihrer Charakterweste bestand in einer polizeilichen Verwarnung für Ryan wegen Störung der öffentlichen Ordnung in einem Hotel in Doncaster, wo er jemanden im Streit angegriffen und ihm die Nase gebrochen haben sollte. Ryan war festgenommen, aber nicht vor Gericht gestellt worden, da das nicht namentlich genannte Opfer der Tätlichkeit es offenbar abgelehnt hatte, Anzeige zu erstatten.
Es gab auch einiges über Tony, doch der Großteil des Rechercheberichts konzentrierte sich, wie von mir gewünscht, auf Oliver Chadwicks einzige Tochter – Zoe. Und über sie gab es viel zu erfahren.
Sie wurde Anfang Dezember 1988 im Rosie Maternity Hospital in Cambridge geboren. Mit vier Jahren kam sie auf die St Louis Roman Catholic Primary und wechselte mit elf dann zum Newmarket College, der weiterführenden Schule am Ort. Die brach sie vorzeitig ab und versuchte sich auch an keinem anderen Bildungsweg mehr.
Zum ersten Mal vermisst gemeldet wurde sie zwei Tage nach ihrem achtzehnten Geburtstag von ihrer Mutter, die die Polizei verständigte, weil ihre Tochter von einem Abend mit Freunden nicht nach Hause gekommen war.
Zur Zeit ihres Verschwindens war der Mord an zwei jungen Mädchen im nahen Soham noch frisch in den Köpfen der Einheimischen, und dazu kamen unaufgeklärte Morde an jungen Frauen in Ipswich, ganze siebzig Kilometer entfernt an der A14 . So wurde weithin angenommen, auch Zoe sei dem als »Würger von Ipswich« bezeichneten Unbekannten zum Opfer gefallen. Ein riesiges Polizeiaufgebot mit Hunderten Freiwilligen hatte auf der Suche nach Zoes Leiche jeden Winkel von Newmarket und der umliegenden Heide durchkämmt.
Ohne Erfolg natürlich, und drei Wochen später, an Heiligabend, war sie dann von der Londoner Polizei unter einem Bahnbogen in Croydon, Südlondon, entdeckt worden, wo sie mit mehreren anderen jungen Obdachlosen zusammenlebte. Offenbar waren sowohl ihre Familie als auch die Polizei stocksauer auf sie gewesen, doch sie hatte behauptet, von dem enormen öffentlichen Wirbel um ihr Verschwinden nichts mitbekommen zu haben. Zudem hatte sie erklärt, da sie jetzt volljährig sei, könne sie tun und lassen, was sie wolle, und sich geweigert, nach Hause zurückzukehren.
In den Jahren darauf war sie nicht nur mehrmals der Polizei aufgefallen, sondern auch ins Visier anderer Behörden geraten, nicht zuletzt des Sozialamts in Ealing, das zweimal kurzfristig ihre Kinder in Obhut nahm.
Arabella hatte mir verraten, dass Zoe psychische Probleme gehabt hatte, und das war nicht nur so dahergesagt.
Das Rechercheteam hatte irgendwie herausgefunden, dass Zoe mindestens dreimal in psychiatrische Kliniken zwangseingewiesen worden war, zuletzt für zweieinhalb Monate im laufenden Jahr.
Arabella zufolge gingen Zoes Probleme auf postnatale Depressionen zurück, doch dem Bericht war zu entnehmen, dass sie lange vor der Geburt ihres ersten Kindes erstmals eingewiesen worden war, gar nicht lange, nachdem man sie in Croydon aufgefunden hatte.
Zu der Verurteilung wegen Brandstiftung gab es auch etwas, unter anderem zwei Zeitungsberichte von damals. Zwei Jahre zuvor hatten Zoe und zwei andere Frauen das Gartenhaus eines Mannes in Brand gesteckt, der zugegeben hatte, seine Frau verprügelt zu haben. Das Gartenhaus war groß und hatte die geliebte Modelleisenbahnanlage des Mannes beherbergt. Alles wurde restlos vom Feuer zerstört.
Die drei Frauen waren Nachbarinnen des Opfers gewesen und hatten auf eigene Faust Rache geübt, nachdem der Mann nur zu etlichen Sozialstunden verurteilt worden war statt zu der Haftstrafe, die er ihrer Meinung nach verdiente.
Das Trio hatte sich am Amtsgericht Ealing der Sachbeschädigung schuldig bekannt, war verpflichtet worden, sich ein Jahr ruhig zu verhalten, und hatte pro Kopf hundert Pfund für den Verlust des Gartenhauses zahlen müssen. Der Mann wiederum hatte vergebens auf die Zerstörung der viele Tausend Pfund teuren Modelleisenbahn hingewiesen, die von der Richterin lediglich als »ein paar Spielsachen« bezeichnet wurde.
Es gab wenig Zweifel, auf wessen Seite sie gestanden hatte.
Es war aber nicht gerade das Verbrechen des Jahres und kein annehmbarer Grund dafür, dass die Fernsehnachrichten Zoe den Brand in Castleton Stables anlasteten. Wenn die Recherchezauberer von Simpson White an die Information herangekommen waren, hätte die BBC wohl auch dazu in der Lage sein sollen.
Am Ende des Berichts fand sich allerdings eine interessante Einzelheit, die dem Amtsgericht Ealing nicht zugänglich gewesen war, als es mit dem Fall zu tun bekam: Eine der beiden anderen Frauen enthüllte später, dass die Idee, das Gartenhaus anzuzünden, allein von Zoe gekommen war und dass Zoe das Vorhängeschloss an der Tür in dem Glauben vorgelegt hatte, der Mann sei noch drin.
Vielleicht wäre es doch das Verbrechen des Jahres geworden.
Der letzte Teil der Simpson-White-Recherche betraf Zoes Mann, Peter Robertson.
Wie in Georginas Einsatzdossier angeführt, war Peter Immobilienmakler, aber damit fing seine Geschichte erst an.
Janie hatte gesagt, Peter sei älter als Zoe, und das stimmte – fast neun Jahre älter. Außerdem war er vor Zoe schon zweimal verheiratet gewesen, und beide Ehen waren nicht gut ausgegangen. So wenig wie jetzt die dritte.
Die Zauberlinge hatten Scans von seinen drei Heiratsurkunden, der Sterbeurkunde seiner ersten Frau und der hochrichterlichen Scheidungsurkunde angehängt, die ihn von seiner zweiten Frau befreite. Auch Kopien der amtlichen Geburtsanzeigen seiner beiden Kinder mit Zoe fehlten nicht.
Alles war interessant zu lesen.
Peter Robertson hatte seine erste Frau, Kirsty Wright, am Standesamt Croydon geheiratet, als sie beide einundzwanzig waren. Anstelle einer Adresse hieß es bei Braut und Bräutigam »ohne festen Wohnsitz«, anstelle einer Berufsangabe »arbeitslos«.
Kirsty hatte nach ihrer Hochzeit nur noch zwei Monate gelebt, und es war mit Sicherheit keine glückliche Ehe gewesen. Der Coroner hatte auf Selbstmord erkannt und es als erwiesen angesehen, dass Kirsty sich umgebracht hatte, indem sie am Bahnhof East Croydon direkt vor den durchfahrenden Gatwick Express getreten war.
Zwei Jahre später hatte Peter im selben Standesamt erneut geheiratet, diesmal eine Lorna Harris. Diese Ehe hatte länger gehalten, genau gesagt, drei Jahre, doch auch sie hatte ein schlechtes Ende genommen, da sich Lorna wegen seines im Antrag sogenannten »unvernünftigen Verhaltens« von ihm scheiden ließ.
Aus keiner dieser Ehen waren offenbar Kinder hervorgegangen.
Zoe Chadwick heiratete er zwei Jahre später, auch sie am Standesamt Croydon, und diesmal hatte Peter nicht nur einen festen Wohnsitz, sondern ließ »Immobilienmakler« als seinen Beruf eintragen.
Die Geburt ihres ersten Kindes, einer Tochter namens Poppy, wurde am Croydon University Hospital nur sechs Wochen nach der Hochzeit registriert, und zwanzig Monate später folgte eine zweite Tochter, Joanne, doch waren die Robertsons wohl zwischenzeitlich fortgezogen und das Krankenhaus in Croydon nur als Ort der Entbindung angegeben.
Abschließend teilten die Zauberlinge noch mit, ihre Kontaktperson beim Führungsregister habe bestätigt, dass Peter zweimal wegen Besitz von Betäubungsmitteln verurteilt worden sei und dass sie da noch nach näheren Einzelheiten suchten.
Als Anwalt fragte ich mich, ob die letzte Anfrage rechtmäßig gewesen war. Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden waren ebenso öffentlich zugänglich wie die Urteile des Coroners und der Familiengerichte, doch das Strafregister einer Person unterlag den Datenschutzbestimmungen – zumindest hätte es so sein sollen.
Aber deshalb nannten wir sie ja Zauberlinge. Dank ihrer besonderen Magie vermochten sie Dinge herauszufinden, die uns geringeren Sterblichen verborgen blieben.
Ich entschloss mich jedoch, ihre letzte Information ganz für mich zu behalten.
Mehrmals las ich mir die Recherche durch, bis ich sicher war, dass ich die verschiedenen Beziehungen und Verbindungen im Kopf hatte. Auch wenn nichts davon mir zu verstehen half, wie Zoe Robertson allein und tot im ausgebrannten Stall ihres Vaters gelandet war, hundertzwanzig Kilometer entfernt von zu Hause.
Dann dachte ich eine Weile über Kate Logan nach und hätte gern gewusst, ob Janie ihr meine Telefonnummer gegeben hatte. Nicht, dass sie die unbedingt gebraucht hätte – sie wusste ja, dass ich im Bedford Lodge wohnte.
Hatte ich sie wirklich erst am Abend zuvor kennengelernt?
Eine Unmenge schien seitdem passiert zu sein.
Mein Telefon klingelte, und schon hatte ich es am Ohr, aber leider war es nicht Kate, sondern unverhofft DCI Eastwood.
»Vielen Dank für Ihren Hinweis auf Zoe Robertson, Mr Foster.«
»Gern geschehen«, erwiderte ich.
»Ja«, sagte er, »sehr hilfreich, wir hätten ihre Identität aber auch so herausgefunden. Bei einer nicht identifizierten Probe wird routinemäßig die National Database befragt.«
Warum rufst du mich dann jetzt an?, dachte ich. Ich sollte es bald genug erfahren.
»Könnten Sie uns vielleicht noch weiter bei unseren Ermittlungen helfen?«, fragte er.
»Gern.«
»Sie sagten gestern, dass Sie bei Mr Declan Chadwick waren, als Mr Robertson ihm telefonisch mitteilte, dass Zoe verschwunden sei.«
»Stimmt«, sagte ich. »Eigentlich sprach Mr Robertson mit Mrs Chadwick. Ich war bei Declan, als seine Frau die Nachricht an ihn weitergab.«
»Wissen Sie, ob er oder sie in letzter Zeit Kontakt zu Zoe Robertson oder ihrem Mann hatte?«
»Eigentlich nicht«, sagte ich langsam und musste daran denken, wie blass Declan bei der Nachricht geworden war. »Obwohl …« Da war noch etwas anderes. Etwas, worüber ich mich gewundert hatte. Was war es doch gleich?
»Ja?«, half Eastwood nach.
»Ich fand Arabellas Äußerung, Zoe sei wieder verschwunden, etwas merkwürdig. Als hätte sie gewusst, dass Zoe früher schon verschwunden war.«
»Mr Foster«, erwiderte der Chief Inspector voller Ironie. »Ganz Newmarket weiß, dass Zoe Chadwick schon öfter verschwunden war. Die Polizei hat bei einer zweiwöchigen intensiven Suchaktion nach ihr vor knapp zwölf Jahren an sämtliche Türen der Stadt geklopft. Totale Ressourcenverschwendung. Ich war als Detektivsergeant damals mit von der Partie.«
Das war es also, was er mir bei unserem Treffen gestern vorenthalten hatte, und es hörte sich an, als wäre er nach all der Zeit immer noch sauer darüber.
»Ja«, sagte ich, »aber Arabella hat mir erzählt, dass Zoe regelmäßig verschwunden ist. Und sie hat von Peter Robertson als Pete gesprochen. Das tut man nur, wenn man in ziemlich regelmäßigem Kontakt steht.«
»Danke, Mr Foster. Das ist sehr hilfreich.«
Er wollte das Gespräch beenden.
»Einen Moment noch«, sagte ich schnell. »Warten Sie. Haben Sie noch etwas darüber herausgefunden, wie es zu dem Brand gekommen ist? Hat Zoe ihn verursacht?«
Er zögerte, als überlege er, ob er darauf antworten sollte.
»Nach dem Obduktionsbefund halten wir es jetzt für unwahrscheinlich, dass Mrs Robertson das Feuer gelegt hat.«
Es war still, während mir die Tragweite seiner Worte ins Bewusstsein drang.
»Weil sie bereits tot war«, sagte ich langsam.
Wieder war es still. Diesmal noch viel länger.
»Ihnen kann man offensichtlich nichts vormachen, Mr Foster«, sagte der Detective Chief Inspector schließlich. »Ich sehe, ich hätte vorsichtiger sein sollen. Man wird mich aus dem Dienst entfernen, wenn ich nicht aufpasse.« Er räusperte sich, wie um den Ernst dessen, was folgen sollte, zu unterstreichen. »Es handelt sich um streng vertrauliche Informationen, Mr Foster. Sie dürfen sie an kein Mitglied der Familie Chadwick weitergeben und auch an niemanden sonst. Das würde ich als Behinderung eines Polizeibeamten bei der Ausübung seiner Pflicht auslegen. Haben Sie verstanden?«
»Ja«, sagte ich.
Jetzt wünschte er sich bestimmt, er hätte überhaupt nichts gesagt. Ich hatte einfach aus einer Äußerung, die ihm unbedenklich erschien, den richtigen Schluss gezogen und das Runde ins Eckige befördert.
»Aber woher wissen Sie das?«, fragte ich, um die Gelegenheit nicht zu versäumen.
Er zögerte erneut, kam aber offenbar zu dem Schluss, dass nichts dabei war, mir nach dem Schatz nun auch noch die Schatzkarte auszuhändigen.
»Trotz des heftigen Brandes war die Leiche im Innern weitgehend unversehrt, insbesondere die Brusthöhle, und laut Gerichtsmediziner waren an der Lunge weder Rauchrückstände noch Brandverletzungen festzustellen.«
»Sie hatte also nicht geatmet«, sagte ich.
»Genau. Sie war entweder schon tot, als das Feuer ausbrach, oder sie ist zum Zeitpunkt seines Ausbruchs unvermittelt gestorben, vielleicht durch etwas wie einen Herzanfall. Dieser entfernten Möglichkeit geht der Gerichtsmediziner noch nach.«
»Sie glauben also, sie wurde ermordet.«
Es war eher eine Feststellung als eine Frage und bewog den Kriminalbeamten zu neuerlichem langen Schweigen.
»Das können wir derzeit nicht mit Sicherheit sagen.« Mir weitere Auskünfte zu geben war ihm so unangenehm, dass er beinah flüsterte. »Noch haben wir keine eindeutige Todesursache. Bei dem Ausmaß der Brandverletzungen an Kopf, Hals und den anderen Extremitäten bekommen wir die vielleicht nie. Aber Mord ist definitiv eine Möglichkeit. Vielleicht die wahrscheinlichste. Vielleicht wurde sie erwürgt oder hat einen Schlag auf den Kopf bekommen, oder so etwas. Dann könnte man den Stall angezündet haben, um zu vertuschen, was man getan hatte.«
Aber wer?
Und warum?